Der Berliner Sport-Verein 1892 e. V. (kurz meist nur Berliner SV 1892 oder BSV 1892) ist ein traditionsreicher Sportverein aus Schmargendorf, einem Ortsteil des Berliner Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf. Der Club wurde 1892 als BTuFC Britannia 1892 (Berliner Thor- und Fußball-Club Britannia 1892) gegründet, zwischen 1945 und 1948 trug der Verein den Namen SG Wilmersdorf (Sportgruppe Wilmersdorf).
Mit seinen über 3000 Mitgliedern gehört der BSV zu den Berliner Großvereinen. In 20 Abteilungen wird Breiten- und Leistungssport betrieben, dabei erreichten insbesondere die Ballsportabteilungen – neben etlichen Berliner Verbandsmeisterschaften – auch große überregionale Erfolge:
Der BSV wurde dreimaliger deutscher Handballmeister und gehörte von 1947 bis in die 1970er Jahre zu den Spitzenteams im deutschen Hallenhandball, die Hockey-Spieler wurden 1940 deutscher Hockeymeister, die Rugby-Abteilung unterlag 1948 im ersten Nachkriegs-Endspiel um die deutsche Rugby-Meisterschaft erst im Finale und wurde Vize-Meister, die Fußballer gelangten 1904 bis ins Endspiel um die deutsche Fußballmeisterschaft und qualifizierten sich bis in die 1950er Jahre noch mehrfach für die Meisterschafts-Endrunden.
Historische Vereinsnamen Der BTuFC Britannia 1892 (Berliner Thor- und Fußball-Club Britannia 1892) ist mit dem Gründungsdatum 2. Juli 1892 einer der ältesten deutschen Fußballvereine. Während Thorball – Ende des 19. Jahrhunderts kurzzeitig eine deutschsprachige Bezeichnung für Cricket – bei der Britannia wie in Deutschland allgemein eine Randsportart blieb, war Fußball die wichtigste Sportart der ersten Vereinsjahrzehnte. Die übrigen Abteilungen wurden erst später gegründet.
Am 10. Dezember 1914 erfolgte im Zusammenhang der anti-britischen Stimmung im Ersten Weltkrieg die Umbenennung der Britannia in Berliner SV 1892. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 wurden von den Alliierten in Berlin zunächst alle Sportvereine verboten. Stattdessen existierten einzelne Bezirkssportgruppen, hinter denen sich allerdings in der Regel die alten Vereine verbargen. Die SG Wilmersdorf (Sportgruppe Wilmersdorf) bestand hauptsächlich aus den Abteilungen des Berliner SV 1892; 1948 wurde der Verein unter diesem Namen wieder zugelassen.
Fußball
Die Britannia gehörte zu jenen 86 Fußballvereinen, die am 28. Januar 1900 in Leipzig bei der Gründungsversammlung des Deutschen Fußball-Bunds den Dachverband des deutschen Fußballs gründeten. Und die ersten 50 Jahre des Vereins verliefen im Fußball sehr erfolgreich. Zwar gelang nie der ganz große Wurf bei den Endrunden zur deutschen Meisterschaft, aber der Verein blieb bis zum erstmaligen Abstieg 1970 aus der zweitklassigen Regionalliga Berlin immer in der höchsten Spielklasse Berlins. Nach einer Saison in der Drittklassigkeit stieg der Verein zu Beginn der Saison 1971/72 wieder in die Regionalliga Berlin auf und hielt die Klasse bis zur Auflösung dieser Liga 1974.
Vor Einführung der Bundesliga 1963 wurde der Berliner SV 1892 zwischen 1897 und 1954 zehnmalig Berliner Meister: 1897 (ADSB), 1898, 1903, 1904 (jew. VDB/VBB), 1936, 1938, 1943, 1946, 1949 und 1954; zweimal gewann der Verein den Berliner Landespokal: 1930 und 1946. Überregional war der größte Erfolg die Qualifikation zum Endspiel um die deutsche Fußballmeisterschaft 1904.
Auch die Jugendmannschaften konnten auf Verbandsebene große Erfolge feiern: der BSV war Berliner Meister der B-Jugend 1975, der C-Jugend 1964 und 1973, der D-Jugend 1960, 1968 und 1971, sowie Berliner Pokalsieger der B-Jugend 1969.
In der Saison 2019/20 spielt die erste Herrenmannschaft des BSV 1892 in der achtklassigen Bezirksliga, Trainer ist René Zampich. In der ewigen Tabelle der Berlin-Liga belegt der BSV den 73. Platz.
Erfolge der Britannia – 1896–1914 miniatur|Erste Mannschaft des Berliner Thor- und Fußballclubs Britannia im Jahre 1898 (liegend unten: Walter Jestram (rechts) und Max Willer (links)) miniatur|links|Historisches Logo der Britannia 1892
Vier Jahre nach der Vereinsgründung nahm Britannia in der Saison 1896/97 im neu gegründeten Allgemeinen Deutschen Sport Bund erstmals am Punktspielbetrieb teil und errang auf Anhieb ungeschlagen die Meisterschaft. Die Folgesaison wurde mit dem zweiten Tabellenplatz abgeschlossen. Gleichzeitig trat Britannia auch dem neu gegründeten Verband Deutscher Ballspielvereine (VDB) bei und spielte dort ebenfalls um die Meisterschaft mit. Nach zwei Entscheidungsspielen wegen Punktgleichheit wurde Britannia auch dort der erste Meister.
Die Heimspiele wurden von Britannia in diesen Jahren, wie von der Mehrzahl der Berliner Vereine, auf dem Tempelhofer Feld ausgetragen. 1901 wechselte die Britannia ihr Domizil und spielte für die nächsten Jahre im Innenraum der Radrennbahn im Sportpark Friedenau. Nach Abriss der Friedenauer Radrennbahn im April 1905 konnte erst im Oktober 1906 in der Radrennbahn Steglitz ein neuer fester Heimplatz bezogen werden.Christian Wolter (2011), Rasen der Leidenschaft: Die Fussballplätze von Berlin. Geschichte und Geschichten, Edition Else, Berlin, S. 55. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs erlebte der Verein unstete Zeiten: In der Saison 1908/09 trug Britannia ihre Fußball-Heimspiele auf dem Viktoria-Sportplatz an der Eisenacher Straße in Mariendorf aus. Eine Saison später wechselte die Spielstätte erneut, man spielte von nun an auf den Britannia-Sportplatz in der Forckenbeckstraße in Schmargendorf.
In der Saison 1902/03 konnte Britannia erneut die Meisterschaft des inzwischen in Verband Berliner Ballspiel-Vereine (VBB) umbenannten größten Berliner Bundes gewinnen. Der Verein hatte sich damit als eine von sechs Mannschaften für die erste Endrunde um die deutsche Fußballmeisterschaft 1902/03 qualifiziert, schied aber schon im Viertelfinale auf eigenem Platz gegen den späteren ersten deutschen Meister VfB 1893 Leipzig aus.
In der Folgesaison machten es die Spieler besser, als sie als erneuter VBB-Titelträger in der Meisterschaftsendrunde 1903/04 zunächst den Karlsruher FV 1891 und danach den SC Germania Hamburg (ein Vorgängerverein des heutigen Hamburger SV) aus dem Rennen warfen. Damit stand die Mannschaft im Finale gegen den amtierenden Meister VfB 1893 Leipzig, das am 22. Mai 1904 anlässlich des DFB-Bundestages in Kassel ausgetragen werden sollte. Weil aber der DFB-Spielausschuss entgegen seiner eigenen Satzungen Britannias Viertelfinalspiel gegen Karlsruhe statt auf einem neutralen Platz auf Britannias Heimplatz angesetzt hatte, legten die Karlsruher gegen das Ergebnis Protest ein. Diesem Einspruch wurde stattgegeben, und so wurde am Morgen des Finales die Begegnung abgesagt und die Endrunde insgesamt annulliert. Damit gab es 1904 keinen deutschen Meister.
Nach vielen erfolgreichen Jahren im Berliner Verband endete die Saison 1913/14 erstmals mit dem Abstieg Britannias aus der höchsten Berliner Fußball-Spielklasse. Kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs schloss sich der BFC Fortuna 1894 der Fußball-Abteilung des Clubs an.
Sportliche Renaissance – 1935–1954 mini|Gedenkstein im Stadion Wilmersdorf, in Berlin-Schmargendorf mini|Gedenktafel im Stadion Wilmersdorf, in Berlin-Schmargendorf
Erst in der Saison 1935/36 konnte der BSV wieder an seine frühen Erfolge anknüpfen und gewann die Meisterschaft in der Gauliga Berlin-Brandenburg. Damit konnte die Mannschaft an der Endrunde um die deutsche Fußballmeisterschaft 1935/36 teilnehmen, schied aber bereits in den Gruppenspielen der Vorrunde aus. Zwei Jahre später wiederholte sich dieser Erfolg, erneut waren aber die Gegner in der Gruppenphase der Endrunde 1937/38 zu stark. In der kriegsbedingt stark beeinträchtigten Endrunde um die deutsche Meisterschaft 1942/43 kam die Mannschaft bis ins Achtelfinale.
Unter dem Namen SG Wilmersdorf wurde der BSV 1946 erster Berliner Stadtmeister nach dem Krieg. 1949 folgte der nächste Meistertitel in der höchsten Berliner Spielklasse. Als Berliner Meister nahm der BSV an der Endrunde um die deutsche Meisterschaft 1949 teil, verlor allerdings das Viertelfinale gegen Borussia Dortmund mit 0:5. 1954 gelang dem BSV 1892 letztmals die Erringung des Berliner Meistertitels, verbunden mit der erneuten Teilnahme an der Endrunde um die deutsche Fußballmeisterschaft 1953/54. Hier erwiesen sich in den Gruppenspielen der spätere Meister Hannover 96 (1:2) und der VfB Stuttgart (0:3) als stärker. Damit war für die BSV-Fußballer die Zeit der überregionalen Erfolge vorbei.
Von der Regionalliga in die Kreisliga – Entwicklung seit 1970 Nach Gründung der Bundesliga 1963 spielte der BSV – bis auf die Spielzeit 1970/71 – in der Regionalliga Berlin, der damals zweithöchsten deutschen Spielklasse. 1971 wurde man Berliner Amateurmeister und nahm als Berliner Vertreter an der deutschen Amateurmeisterschaft teil. In der letzten Regionalliga-Saison 1973/74 konnte sich der BSV nicht für die neue 2. Bundesliga qualifizieren und verblieb in der nunmehr drittklassigen Berliner Stadtliga, aus der die Mannschaft schließlich 1979 abstieg.
Letztmals stieg der BSV 1995 auf in die zu diesem Zeitpunkt nur noch sechstklassige höchste Berliner Spielklasse, die Berlin-Liga, die der BSV allerdings nur ein Jahr halten konnte. Nachdem die erste Herrenmannschaft des Vereins zwischenzeitlich in die Kreisliga A abgestürzt war, gelang in der Saison 2009/10 der direkte Wiederaufstieg in die achtklassige Bezirksliga und in der Folgesaison nochmals ein kurzer Ausflug in die siebtklassige Landesliga.
Zwischenzeitlich verbrachte die Mannschaft einige Jahre in der neuntklassigen Kreisliga A, bevor man 2017 erneut in die Bezirksliga aufstieg.
In der Saison 2023/24 wurde die Meisterschaft in der Bezirksliga gewonnen und der Aufstieg in die Landesliga erreicht.
Die zweite Mannschaft spielt mittlerweile in der Kreisliga A.
In der ewigen Tabellen der Berlin-Liga belegt der BSV den 75. Platz.
Bekannte ehemalige Spieler In Klammern: Zeit der Vereinszugehörigkeit als Spieler
Bekannte ehemalige Trainer In Klammern: Zeit der Vereinszugehörigkeit als Trainer
Sportliche Erfolge Deutsche Fußballmeisterschaft Viertelfinale der Endrunde um die deutsche Meisterschaft: 1949 Deutscher Fußballpokal Achtelfinale: 1936 Berliner Fußballmeisterschaft Meister: 1936, 1938, 1943, 1946, 1949, 1954 Vize-Meister: 1937, 1947, 1948 Dritter: 1931, 1935, 1950, 1955, 1956 Berliner Fußballpokal Sieger: 1930, 1933, Finalist: 1932, 1934, 1953, 1957
Handball 1936 gewann der Verein die Handball-Gauliga Berlin-Brandenburg und qualifizierte sich dadurch für die Deutsche Feldhandball-Meisterschaft 1935/36, bei der die Berliner in der Gruppenphase am späteren Meister MTSA Leipzig scheiterten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Handballabteilung zum Aushängeschild des BSV 1892. Zwei Jahrzehnte spielte der BSV auf der höchsten Verbandsebene um die Berliner Meisterschaft, die gleichzeitig Regionalmeisterschaft war und damit zur Teilnahme an der Endrunde zur deutschen Handballmeisterschaft berechtigte bzw. zwischen 1966 und 1969 zum Aufstieg in die neu gegründete Handball-Bundesliga führte.Die Daten zur Handballabteilung in den folgenden Abschnitten nach: Sven Webers, Archiv Handballdaten, sowie: Michael Kulus, Die Geschichte des Handball-Verbandes Berlin (PDF; 625 kB), HVB 2013.
1947 wurde die Mannschaft erster Berliner Handball-Meister in der Halle, unter dem Namen SG Wilmersdorf, insgesamt holten die Handballer in den folgenden Jahren neun Berliner Meistertitel: 1947, 1948, 1950, 1957, 1958, 1960, 1961, 1962 und 1964. Damit qualifizierte sich der BSV insgesamt elfmal für die Teilnahme an der Endrunde zur deutschen Meisterschaft, nur der pfälzische Verein TSG Haßloch mit 14 Teilnahmen war häufiger im Turnier vertreten. Gekrönt wird die Erfolgsbilanz des BSV durch drei deutsche Meistertitel.