Ein Nobody gegen Putin (Originaltitel: Mr. Nobody mod Putin, internationaler Titel: Mr. Nobody Against Putin) ist ein Dokumentarfilm aus dem Jahr 2025 des amerikanischen Regisseurs David Borenstein und des russischen Videofilmers Pawel Talankin. Der Film folgt Talankin während seiner Arbeit an einer Gesamtschule in Karabasch, einer Stadt in der Oblast Tscheljabinsk (Russland), die um ein Kupferbergwerk im Uralgebirge gelegen ist und die von der UNESCO auf die Liste der am stärksten verschmutzten Städte der Welt gesetzt wurde.
Im Rahmen seiner schulischen Aufgabe, den Schulalltag und verpflichtende Schulveranstaltungen per Videokamera festzuhalten, hatte Talankin gleichzeitig die Möglichkeit, die Ausführung von staatlichen Verordnungen bezüglich des Ukraine-Kriegs filmisch festzuhalten.
Der Film hatte seine Weltpremiere am 25. Januar 2025 beim Sundance Film Festival 2025 in der Sektion World Cinema Documentary und gewann dort den Sonderpreis der Jury. Er wurde als dänischer Beitrag im Wettbewerb für den Best International Feature Film bei den 98. Academy Awards in den USA nominiert und gewann den Preis.
Handlung und Hintergrund Das Videomaterial für Mr. Nobody Against Putin wurde über einen Zeitraum von zwei Jahren von Talankin aufgenommen, der als Videograf und Veranstaltungskoordinator an der Schule 1 Karabasch in der Oblast Tscheljabinsk arbeitete.
Nach dem Überfall der russischen Streitkräfte 2022 auf die Ukraine wurde am 5. September des Jahres landesweit ein neues Schulfach mit dem Namen „Gespräche über Wichtiges“ eingeführt, in dem jeden Montag „patriotische Darbietungen“ für und mit den Schülern anhand eines staatlich vorgeschriebenen Lehrplans veranstaltet wurden, um die sogenannte „Spezielle Militäroperation“ zu rechtfertigen. Gleichzeitig führte die Regierung die Verpflichtung ein, Aufnahmen dieser Darbietungen auf ein staatliches Portal hochzuladen, um die Einhaltung der Vorschriften nachzuweisen. So konnte Talankin unauffällig Treffen, Unterricht und Besucher der Schule filmen, ohne Verdacht zu erregen. Ursprünglich hatte er vor, seine Anstellung zu kündigen, um die russische Regierung nicht zu unterstützen, doch nachdem er mit dem Regisseur David Borenstein in Kontakt getreten war, zog er seine Kündigung zurück, um weiterhin Filmmaterial zu sammeln.
Als die Situation für Talankin zunehmend gefährlich wurde, überlegten die Filmproduzenten und sein Co-Regisseur David Borenstein, wie sie Talankin außer Landes bringen könnten, damit er in Europa um Asyl ersuchen könne. Im Sommer 2024, zum Anfang der Sommerferien, buchte Talankin eine Urlaubsreise, verließ Russland und lebt seither im Exil.
Veröffentlichung Nach der Premiere beim Sundance Film Festival im Januar 2025 wurde der Film auf zahlreichen Filmfestivals auf der ganzen Welt gezeigt. Die deutschsprachige Veröffentlichung fand am 13. Januar 2026 über die Arte-Mediathek statt, bevor er eine Woche später bei Arte ausgestrahlt wurde.
Rezeption IndieWire veröffentlichte eine positive Kritik, gab dem Film die Note „A-“ und lobte den Dokumentarfilm für seine Undercover-Aufnahmen aus dem Leben in Russland. The Guardian wertete ähnlich positiv und lobte Talankin für seinen Mut bei der Aufnahme der Bilder. The Daily Beast und Variety veröffentlichten ebenfalls positive Rezensionen. The A.V. Club war kritischer und merkte an, dass der Fokus des Films auf einer einzigen Schule ihn in seinem Umfang begrenzt erscheinen ließ und dass mehrere Erzählstränge im Laufe des Films fallen gelassen wurden.
Die Auszeichnung des Films beim Sundance Film Festival 2025 mit dem Sonderpreis der Jury in der Kategorie „World Cinema Documentary Film“ wurde wie folgt erklärt:
Außerdem wurde der Film 2025 für den Cinema for Peace Dove for The Political Film of The Year und im Rahmen der British Academy Film Awards 2026 als bester Dokumentarfilm nominiert.
Während der Oscarverleihung 2026 wurde Ein Nobody gegen Putin mit dem Oscar in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“ ausgezeichnet.
Weblinks
Auszüge des Films im ARTE-Programm Tracks East „Film Talk“ mit Pavel Talankin auf dem DOK.fest München
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 2025 Kategorie:Dänischer Film Kategorie:Dokumentarfilm Kategorie:Schule in Russland Kategorie:Wladimir Wladimirowitsch Putin Kategorie:Oblast Tscheljabinsk Kategorie:Tschechischer Film Kategorie:Russischer Film