mini|Gesang eines Hyalessa-maculaticollis-Männchens in Japan mini|Orientierende Karte mit den Verbreitungsgebieten von Hyalessa maculaticollis

Hyalessa maculaticollis ist eine in Nordostasien vorkommende Zikadenart aus der Ordnung Hemiptera. Der ursprüngliche Name Oncotympana maculaticollis änderte sich, als die zugehörige Gattung in Abgrenzung zur Gattung Oncotympana in Hyalessa umbenannt wurde.

Trivialnamen In Japan leitet sich der Name dieser Zikade von ihrem Laut ab. Sie ist als „Minminzemi“ (, wörtlich „Minmin-Zikade“) bekannt, da ihr Gesang wie „mi—n, minminminminmi“ klingt. In Korea trägt sie den Namen „chammaemi“ (), wörtlich „gewöhnliche Zikade“, was auf die Häufigkeit dieser Art in Korea hinweist. In China heißt sie „diāo liáo“ ().

Vorkommen Hyalessa maculaticollis kommt in China, Japan, auf der Koreanischen Halbinsel und in den Küstengebieten Russlands vor. Exemplare in Korea, Ostchina und Ostrussland wurden lange als Hyalessa fuscata (, 1905) bezeichnet, aber neuere taxonomische Daten zeigen, dass es sich um dieselbe Art handelt.

In Japan sind sie von der Oshima-Halbinsel im Süden Hokkaidos bis nach Honshu, Kyushu und den umliegenden Inseln Tsushima und Koshikijima verbreitet. Das kalte Klima im Norden begrenzt ihre Verbreitung, sodass sie in die mittleren und südlichen Gebiete Japans ziehen mussten. Es gibt jedoch einige isolierte Populationen, die vermutlich im kalten Klima Hokkaidos überleben können, da die Region durch hohe geothermische Wärme, wie heiße Quellen und vulkanische Aktivitäten, geprägt ist. Zu diesen Gebieten gehören Jozankei Onsen und die Wakoto-Halbinsel im Osten Hokkaidos. Lokalen Forschern zufolge klettern die in nördlichen Regionen vorkommenden Nymphen von Hyalessa maculaticollis nicht auf Bäume, sondern schlüpfen auf dem Mäusedorn-Bambus. In Ostjapan wächst er in flachen Wäldern und ist häufig in städtischen Grünflächen zu finden, während er in Westjapan Bergregionen mit etwas höheren Lagen bevorzugt.

In den nordchinesischen und koreanischen Verbreitungsgebieten kommt sie hauptsächlich in städtischen Gebieten vor. Ihr Gesang unterscheidet sich in diesen Regionen von dem in Japan und ähnelt einem „Minminminminme“-Gesang ohne das „Mean“ am Anfang (Zikadendialekt). Die Gesänge aus Tsushima sind diesem jedoch sehr ähnlich und unterscheiden sich deutlich von denen in Tokio. Auch bei der Zikade Meimuna opalifera (, 1850) kann man leichte Unterschiede im Gesang zwischen japanischen und kontinentalen Individuen feststellen.

In China gibt es viele in Peking und insbesondere in Dalian.

Diese Art gilt in Korea als sehr häufig und ist von großen städtischen Gebieten bis hin zu Bergregionen weit verbreitet. H. maculaticollis ist in allen drei Lebensräumen vor Cryptotympana atrata die dominierende Art.

Beschreibung und Verhalten Die Farbe von Hyalessa maculaticollis variiert je nach Standort zwischen grün und schwarz. Typische erwachsene Tiere werden etwa 33–36 mm lang. Sie haben einen schmalen Kopf und einen dicken, kurzen Hinterleib sowie einen insgesamt eiförmigen Körper. Die Flügel sind im Verhältnis zum Körper groß.

Die Körperfarbe ist an der Grenze zwischen Brustkorb und Abdomen weiß, der Nackenschild zeigt hellblaue oder grüne Flecken auf schwarzem Grund. Es gibt auch Exemplare fast ohne schwarze Flecken und mit einer überwiegend bläulich-grüner Färbung, die in Japan als „Mikadominmin“ bezeichnet wird. Die Oberfläche des Panzers ist matt.

Hyalessa maculaticollis bewohnt häufig Bäume, die an Hängen wachsen, da die Larven den Boden dieser Hänge bevorzugen. Selbst innerhalb der 23 Bezirke Tokios findet man die meisten Minminzemi in abschüssigem und flachem Gelände. Hyalessa maculaticollis-Larven bevorzugen leicht trockene Böden, die Hänge bieten, da diese tagsüber leicht der Sonne ausgesetzt sind und tendenziell hohe Temperaturen aufweisen, und bewohnt bevorzugt die Täler des Mittelgebirges, da diese tendenziell heißer und trockener sind als die Gebirgskämme.

Singzikaden der Gattung Hyalessa durchlaufen – wie alle Zikaden – einen hemimetabolen Entwicklungszyklus, das heißt, sie entwickeln sich ohne Puppenstadium und mit mehreren Larvenstadien aus dem Ei zum adulten Insekt (Imago). Die Weibchen legen die Eier meist mit Hilfe eines Legebohrers in Pflanzengewebe ab. Nach dem Schlüpfen verlassen die Larven die Eiablage, fallen auf den Erdboden und graben sich dort als erstes Stadium (Nymphe) ein. Die Entwicklung der Larven erfolgt über fünf Stadien, jedes mit einer Häutung verbunden. Bei Hyalessa werden unterirdische Entwicklungsphasen zwischen 2 und 5 Jahren berichtet. Die Larven ernähren sich unterirdisch von Xylem-Saft der Baumwurzeln, wachsen dabei und häuten sich nach jedem Stadium. Das letzte Nymphenstadium verlässt im Frühsommer bei geeigneten Bedingungen (Temperatur, Feuchte) nachts den Boden, klettert an einen Baumstamm oder eine andere feste Oberfläche und häutet sich dort zum erwachsenen, geflügelten Tier. Die adulte Zikade lebt wenige Wochen, um sich zu paaren und Eier zu legen; danach stirbt sie. Der mittlere Lebenszyklus vom Ei bis zum natürlichen Tod des erwachsenen Tieres beträgt bei Hyalessa maculaticollis etwa drei Jahre.

Gesang mini|Gesang von Hyalessa maculaticollis in Tokio Nur die H.-Maculaticollis-Männchen geben einen Rufton von sich, der sich je nach Standort unterscheidet. Japanische Zikaden haben einen Ruf, der wie „min—minminminminmi...“ klingt. Mittlerweile ist der Klang koreanischer Zikaden wie „maemmaemmaemmaem...mi...“ und in der zweiten Hälfte des Klangs ist eine längere Notendauer (maeee-mm....) zu finden. Chinesische Zikaden klingen ähnlich wie koreanische Zikaden. Das Männchen ist in den Verbreitungsgebieten oft morgens zu hören, der Gesang ist laut und für das menschliche Ohr deutlich hörbar. Der Gesang der Hyalessa maculaticollis wird in vielen ostasiatischen Medien als Soundeffekt verwendet, um die Sommersaison darzustellen.

mini|H. maculaticollis im Stadtgebiet von Seoul Wann erstmals im Jahr der Gesang von H. Maculaticollis zu hören ist, wurde bis 2020 an verschiedenen Orten, unter anderem von der Japan Meteorological Agency, untersucht. Es wurde festgestellt, dass der erste Laut von H. maculaticollis an vielen Orten tendenziell früher auftrat, als dies aus der Vergangenheit bekannt war. Die Forscher stellten fest, dass neben der Temperatur noch andere Faktoren als Auslöser für das Auftreten von H. maculaticollis notwendig sind. H. maculaticollis bevorzugt Hänge, also trockene Böden. Es wird angenommen, dass der erste Gesang von H. maculaticollis neben der Temperatur stark von der Niederschlagsmenge im Sommer, d. h. der Regenzeit (Monsun), beeinflusst wird. Im Westen Japans, wo es im Sommer viel Niederschlag gibt, der Boden lehmig ist und eine gute Wasserspeicherung aufweist, ist die Besiedlung dieser Gebiete durch H. maculaticollis eingeschränkt. In Ostjapan, wo die Niederschlagsmenge im Sommer relativ gering ist und sich die Andosole und die Kantō-Lehm-Formation ausbreiten, ist H. maculaticollis im Flachland weit verbreitet, und der erste Ruf tritt von Jahr zu Jahr früher auf. Der Beginn des Zikadengesangs in der Präfektur Kōchi im Jahr 2020 war am 1. August, der späteste seit Beginn der Beobachtungsaufzeichnungen im Jahr 1981, was vermutlich auf die rekordverdächtig langen Regenfälle im Juli zurückzuführen ist. Studien zur Toninitiierung und -beendigung wurden auch in der koreanischen Population durchgeführt.

Taxonomie Hyalessa maculaticollis ist eine von elf Arten der Gattung Hyalessa. Sie gehören zur Familie der Singzikaden. Sie wurde erstmals 1866 von dem russischen Entomologen Wiktor Iwanowitsch Motschulski als Oncotympana maculaticollis beschrieben. Der heutige Gattungsname leitet sich vom altgriechischen „ὕαλος“ („Glas“) ab, der Artname kommt aus dem Lateinischen von „maculatus“ („gefleckt“) und „collis“ („Hals“ bzw. „Nackenschild“).

Weblinks

Gesang eines Männchens in Japan Gesang eines Männchens in South Korea, Gesang eines Männchens an der Großen Mauer in China

Einzelnachweise

Kategorie:Singzikaden Kategorie:Cicadidae