Heinz Koch (* 9. Oktober 1929 in Halle-Giebichenstein; † 1. Januar 2016 in Weimar) war ein deutscher Historiker und Politiker.

Leben und Wirken Koch wurde als achtes Kind einer Arbeiterfamilie geboren. Durch seine Eltern, die ab 1906 Mitglieder der SPD und ab 1917 der USPD waren, wurde er früh politisiert. Im Jahr 1944 begann er eine Lehre als Kaufmann bei einem Maschinenbetrieb in Halle/Saale und trat im Sommer, als 15-Jähriger, gemeinsam mit seinem Vater, in die nach dem Zweiten Weltkrieg wiedergegründete SPD ein. Im Dezember 1945 zog er mit seiner Familie nach Breitenbach im Eichsfeld. Mit der Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED wurde er Mitglied der SED und brachte sich auch dort aktiv ein. Er wurde Kaderleiter des Rats im Kreis Heiligenstadt und 1956 in die Kreisleitung der SED Heiligenstadt berufen. Später wurde er an die Parteihochschule delegiert, wo er 1967 seinen Abschluss machte. Im selben Jahr heiratete er seine zweite Frau Inge (1930–2023) und zog mit ihr nach Weimar. Dort gehörte er der Kreisleitung Weimar der SED als Sekretär und später der Bezirksleitung Erfurt an.

Von 1983 bis 1989 war Koch war als leitender Mitarbeiter der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald in der pädagogischen Abteilung tätig, zu seinen Aufgaben gehörte die Führung von Besuchergruppen. Die Begegnung mit ehemaligen Häftlingen des Lagers beeindruckte ihn nachhaltig und er nahm den Schwur von Buchenwald als persönliche Aufgabe war. Das Leben des Buchenwaldhäftlings Ernst Busse hat ihn jahrzehntelang beschäftigt. Er initiierte die Benennung der Ernst-Busse-Straße in Weimar nach ihm und verteidigte die Benennung nach der Wende. Über seinen Ruhestand hinaus engagierte er sich für die geschichtspolitische Arbeit in und über Buchenwald, führte Besuchergruppen, hielt als „Zeuge der Zeitzeugen“ Vorträge vor Jugendlichen und erstellte Video-Interviews mit Überlebenden.

In den 1990er Jahren war er maßgeblich an der Wiedergründung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN/BdA) beteiligt. Der 1947 gegründete VVN war in der DDR 1953 auf Beschluss der SED-Führung aufgelöst worden. Seitdem setzte Koch sich auch aktiv in der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald/Mittelbau Dora ein. Langjährig war er als stellvertretender Landesvorsitzender des VVN/BdA Thüringen (bis 2014) und als Vorsitzender und Vorstandsmitglied im VVN/BdA in Weimar tätig.

Im Rahmen der Tätigkeit für den Verband war er maßgeblicher Initiator und Redakteur des Bandes Heimatgeschichtlicher Wegweisers zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945 in Thüringen, der als Band 8 in einer Buchreihe von Wegweisern des Studienkreis Deutscher Widerstand 1933–1945 in Frankfurt am Main erschien und der einzige Band eines ostdeutschen Bundeslandes blieb. Auch andere Veröffentlichungen zu Buchenwald und dem Widerstand im Dritten Reich steuerte Koch bei. Als Vertreter des Thüringer VVN/BdA setzte er sich in Weimar gegen Neonazismus und Rassismus ein und nahm an Demonstrationen gegen Neonazis in Weimar teil, so etwa als Mitglied des Deeskalations-Teams bei der Blockade einer NPD-Demonstration 2008. Er blieb bis zu seinem Tod aktiv im Kreisverband der Linken und im VVN/BdA.

Von Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) erhielt er den Ehrenbrief des Freistaats Thüringen.

Schriften (Auswahl)

Einzelnachweise

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