Der Leichte Kastenwagen war ein zwei- oder vierspännig gefahrenes Pferdefuhrwerk für die Artillerietruppe des Deutschen Kaiserreiches und wurde ab 1890 eingesetzt.

Entwicklung Im Jahr 1890 wurde ein neues Pferdefuhrwerk für die Fußartillerie des Deutschen Kaiserreiches eingeführt, um beim Transport von Material und Ausrüstung zu unterstützen. Dieses Fahrzeug sollte die alten Kastenwagen C/71 und Kastenwagen C/83 ersetzen und wurde als Leichter Kastenwagen in den Bestand der Armee aufgenommen.

In den folgenden Jahre wurde das Fahrzeug immer wieder verbessert, wobei die Stabilität und Tragfähigkeit erhöht wurde. Der Leichte Kastenwagen ähnelte sehr stark dem Proviantwagen C/92.

Technische Daten Der Leichte Kastenwagen war ein zweiachsiges Fahrzeug, wurde von zwei oder vier Zugtieren gezogen und nach dem Protznagelsystem aufgebaut. Er bestand aus einem Vorder- und Hinterwagengestell sowie einem Wagenkasten.

Das Vorderwagengestell bestand aus einer Achse, an der der zwei Holzspeichenräder mit einem Durchmesser von 1,40 m befestigt waren. Diese verfügten über Naben aus Holz. Weiterhin bestand das Vorderwagengestell aus den Deichselarmen mit Riegeln, dem Protznagel mit einer Protznagelzwinge und -scheibe. Die Zugeinrichtung bestand aus einer Brackenstange, einer Hinterbracke mit Ortscheiten und der Deichsel. Die Deichsel konnte zu beiden Richtungen um 42 Winkelgrad eingelenkt werden.

Das Hinterwagengestell bestand ebenfalls aus einer Achse und gleichgroßen Holzspeichenrädern wie das Vorderwagengestell. Um das Gestell zu verstärken und den Wagenkasten zu tragen, verfügte es über einen Sprieß. Zusätzlich gab es eine Protzöse, Kastenträger, Rungen und Rungenstützen. Der Wagenkasten lag hauptsächlich auf dem Hinterwagengestell, war jedoch mit dem Vorderwagengestell verbunden.

Der Wagenkasten war durchgehend mit schrägen Wänden versehen und verfügte über Ober- und Unterbäume. Für den Kutscher gab es vorn ein Sitzbrett mit Armlehnen und einer Rückenlehne. Mithilfe von fünf Spriegeln und einer Plane konnte man den Wagenkasten und das mitgeführte Material vor der Witterung schützen. Die Rückwand konnte, für eine leichtere Beladung, herausgenommen werden. Hinter dem Wagenkasten, vor der Rückwand, befand sich eine spezielle Aufnahme für ein Ersatzrad. Darunter gab es eine Halterung für einen Eimerkorb.

Einsatz Zum Einsatz kam der Leichte Kastenwagen hauptsächlich bei der Fußartillerie. Hier wurde er als Pack-, Lebensmittel-, Schmiede- und Futterwagen bei den Großen Bagagen der schweren Feldhaubitz-, Mörser- und Kanonen-Batterien eingesetzt. Die Reserve-Fußartillerie-Batterien erhielten den Leichten Kastenwagen als Vorratswagen. Das Fahrzeug kam noch im Ersten Weltkrieg zum Einsatz. Nach dem Ende des Krieges wurde es kurze Zeit noch in der Reichswehr genutzt, doch recht zügig durch den Feldwagen 95 n/K ersetzt.

Lackierung Die Leichten Kastenwagen hatten mit der Auslieferung ab 1890 keine Lackierung. Die mitgeführte Plane war in einem graubraunen Ton gehalten.

Siehe auch Liste von bespannten Fahrzeugen des Deutschen Heeres im Kaiserreich

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Militärlogistik (Deutschland) Kategorie:Militärfahrzeug (Deutsches Kaiserreich) Kategorie:Militärisches Pferdefuhrwerk