Marcha Patriótica ist eine am 21. April 2012 gegründete linke kolumbianische soziale und politische Bewegung. Ihr erklärtes Ziel ist die Erreichung der „zweiten und endgültigen Unabhängigkeit“. Zu ihrer Führung gehören bzw. gehörten Piedad Córdoba († 20. Januar 2024), Gloria Cuartas, Gloria Inés Ramírez, Carlos Lozano Guillén, David Flórez, Andrés Gil und Jaime Caycedo Turriago.
Geschichte
Die Ursprünge der Marcha Patriótica gehen auf den 20. Juli 2010 zurück, den Tag, an dem der zweihundertste Jahrestag des Aufstandes der Kreolen Neogranadas gegen die Spanier vom 20. Juli 1810 begangen wurde. An diesem Tag fand in Bogotá eine Protestveranstaltung unter dem Namen „Marcha Patriótica y Cabildo Abierto por la Independencia“ (Patriotischer Marsch und Offene Bürgerversammlung für die Unabhängigkeit) statt, an der etwa 18.000 Menschen aus verschiedenen sozialen Organisationen des ganzen Landes teilnahmen, um gegen die Politik des damaligen Präsidenten Álvaro Uribe und den Kolonialismus zu protestieren. Die offizielle Gründung als soziale und politische Bewegung erfolgte jedoch erst im April 2012.Edwin Cruz Rodríguez, Shameel Thahir Silva: El movimiento político y social Marcha Patriótica: génesis, estructura y proyecto. In: Revista Colombiana de Ciencias Sociales, 8(1), (enero-junio, 2017). S. 192.
Marcha Patriótica setzt sich unter anderem für eine Verhandlungslösung des bewaffneten Konflikts, Wiedergutmachung für die Opfer, eine Agrarreform und die Souveränität des Volkes ein. Diese Punkte werden von der Bewegung als Schritte zur Erreichung der „zweiten und endgültigen Unabhängigkeit“ verstanden. Nach Angaben ihrer Führer präsentiert sich diese Bewegung als eine Alternative im Kampf der „vom Kapitalismus betroffenen sozialen Schichten“, die neben der Verbesserung ihrer Lebensbedingungen auch die Unabhängigkeit des Landes wiedererlangen wollen.
Marcha Patriótica ist ein Zusammenschluss von rund 1000 Organisationen aus allen sozialen Bereichen,Edwin Cruz Rodríguez: La protesta campesina en el Catatumbo Colombia (2013). Un análisis sociopolítico. Mundo Agrario vol. 18, nº 39, e073, diciembre 2017. ISSN 1515-5994, S. 13 u. a. der Nationalen Vereinigung der bäuerlichen Schutzgebiete (ANZORC), dem Bauernverband des Cimitarra-Tals (ACVC), der Nationale Koordinierungsstelle der Agrar- und Volksorganisationen (CONAP), dem Nationalen Gewerkschaftsverband der Landwirte (Fensuagro), die Kommunistische Partei Kolumbiens und der Kommunistischen Jugend Kolumbiens.
Unterdrückung der Bewegung Die Bewegung war von Anfang an politischer Verfolgung und Gewalt ausgesetzt. So behauptete die kolumbianische Regierung bereits 2012, dass die Bewegung von der FARC unterwandert sei, welche sie angeblich finanziere, um sie als politischen Arm der Guerilla aufzubauen. Diese Behauptungen wurden von den Vertretern der Marcha Patriótica entschieden zurückgewiesen.
Laut Le Monde diplomatique war Édgar Sánchez, ein Überlebender der Massaker gegen die Unión Patriótica, das erste Mitglied der Marcha Patriótica, das von Gegnern der Bewegung ermordet wurde. Er wurde am 10. November 2012 auf offener Straße in Soacha erschossen. Allein in den ersten zwei Jahren ihres Bestehens wurden 29 ihrer führenden und aktivsten Mitglieder ermordet oder entführt. Die Bewegung wird regelmäßig von rechtsextremen paramilitärischen Gruppen bedroht. Im Jahr 2016 erklärte der Menschenrechtsanwalt Cristian Raúl Delgado in einem Interview mit LA FM, dass er eine Strategie der Gewalt und Auslöschung durch paramilitärische Gruppen gegen Mitglieder der politischen Bewegung Marcha Patriótica sehe. Seinen Aussagen zufolge wurden im Laufe des Jahres 16 Mitglieder der Bewegung in den Departamentos Antioquia, Nariño und Valle del Cauca ermordet. Darüber hinaus wies er auf Drohungen und Verfolgungen gegen Führungskräfte der Marcha Patriótica hin.
Im Jahr 2018 unterstützte Marcha Patriótica den linken Präsidentschaftskandidaten Gustavo Petro. Tausende linke Aktivisten, darunter 72 Mitglieder der Marcha Patriótica, erhielten Personenschutz, und das Innenministerium entsandte Polizei und Armee in Gebiete, in denen der Staat zuvor nicht präsent war, um die Gemeinden zu schützen. Die Wähler von Gustavo Petro wurden von Anhängern des rechten Kandidaten Iván Duque bedroht, darunter auch vom Auftragsmörder Jhon Jairo Velásquez, der ankündigte, sie „mit allen Mitteln“ zu bekämpfen. Zwischen 2011 und 2020 wurden mehr als 200 Mitglieder der Marcha Patriótica ermordet.
Siehe auch Unión Patriótica (Kolumbien) Partido Comunista Colombiano
Weblinks
Marcha Patriótica, offizielle Website
Einzelnachweise
Kategorie:Sozialismus Kategorie:Politische Organisation (Kolumbien) Kategorie:Gegründet 2012