Die ehemalige Adolf Petzold, Rauchwaren-Zurichterei und Färberei, ein Pelzveredlungsbetrieb, hatte ihren Sitz ursprünglich in Schönau, seit 1930 ein Bezirk von Leipzig, seit 1946 in Ihringshausen, Landkreis Kassel. Hinsichtlich Umsatz und Beschäftigtenzahl stand das Unternehmen zeitweilig an der Spitze seiner Branche.
Allgemein An den Fließgewässern in der Nähe des Weltpelzhandelszentrum Leipziger Brühl hatten sich, beginnend 1848, zahlreiche Pelzzurichtereien und Pelzveredlungsbetriebe angesiedelt. 1928 befanden sich im Leipziger Raum 191 Zurichtereien und Veredlungsbetriebe, das waren 83 % aller damals in Deutschland registrierten Firmen, mit 7725 Mitarbeitern (93,7 aller in der Rauchwarenindustrie tätigen Personen). Weitaus die meisten Arbeitskräfte, verglichen mit der Färberei, benötigte jeweils die Zurichterei.
Die deutschen Veredler hatten erst spät erkannt, wie wichtig es war, ein gutes und dauerhaftes Schwarz für den Massenartikel Kanin zu liefern, das bis dahin wesentlich aus dem benachbarten westlichen Ausland kam. Das änderte sich erst mit der Materialknappheit nach dem Ersten Weltkrieg (1914–1918), als die Leipziger Pelzveredlung mit besonderer Qualität sogar weltführend bei diesem Artikel wurde. Zur Leipziger Kaninindustrie gehörten neben Adolf Petzold: Adolf Arnhold A.G., Carl Gründling, Wilhelm Jeute, Paul Kuppe, Richard Lindner, Walter Nachf. A.G., Tarag, Thorer & Co. sowie Zeumer & Göhler.Philipp Manes: Die deutsche Pelzindustrie und ihre Verbände 1900-1940, Versuch einer Geschichte. Band 1, Berlin 1941. Durchschrift des Originalmanuskripts, S. 1–2. In Naunhof richtete Adolf Arnhold 1916 eine Pelzzurichterei ein.
Das Kaninfell eignet sich gut, um Imitationen wertvollerer Pelzarten herzustellen. Es nimmt die Farbe leicht an, lässt sich auch ansonsten gut im Haar behandeln, es sieht gut aus und es ist billig. Insbesondere in Kriegszeiten und während der Inflation nahm die Verwendung und gleichzeitig auch der Fortschritt der deutschen Kaninveredlung ganz erheblich zu.Autorenkollektiv: Der Kürschner. Fach- und Lehrbuch für das Kürschnerhandwerk. 2., überarbeitete Auflage. Herausgegeben vom Berufsbildungs-Ausschuss des Zentralverbands des Kürschnerhandwerks, Verlag J. P. Bachem, Köln 1956, S. 229–230. Vor allem die Pelzveredlungsfirma Adolf Petzold war es, die sich bemühte, für die durch den Ersten Weltkrieg ausfallenden französischen Kanin Ersatz zu schaffen. Sie war damit so erfolgreich, dass im Leipziger Raum veredelte Kaninfelle zu einem „Welterfolg“ wurden. Die deutschen Kanin waren den französischen jetzt qualitativ weit überlegen; ein Vorsprung, der zumindest bis in den Zweiten Weltkrieg anhielt.
1928 betrug der Anteil des Kaninfells an der Weltfellproduktion 57 Prozent, von den etwa 350 Millionen Fellen, die in den Handel kamen, waren 200 Millionen Kanin.Curt Grabs: Das europäische Kanin. In: Rauchwarenkunde. Elf Vorträge aus der Rauchwarenbranche. Verlag Der Rauchwarenmarkt, Leipzig 1931, S. 171–188.
Firmengeschichte mini|Adolf, Robert und Arthur Petzold
Das Unternehmen Adolf Petzold bestand seit 1879. Als der Firmengründer 1905 starb, führten seine Söhne den Betrieb fort. Nur wenige Unternehmen in der Pelzveredlungs-Industrie hatten eine so außergewöhnliche und schnelle Entwicklung aufzuweisen wie die Firma Adolf Petzold. Sie machte das Kaninfell zu einem wirklichen Konsumartikel größten Umfangs und verschaffte ihm „vor allem durch ihre erstklassige Veredlung Weltgeltung“.
mini|„Auf höchster Stufe“ (Inserat, 1925)
Adolf Petzold (* 9. April 1852; † 1905) hatte am 1. April 1879 „aus kleinsten Verhältnissen mit wenigen Arbeitern“ in der „Alten Funkenburg“ Leipzig, Ranstädter Steinweg eine Rauchwarenzurichterei gegründet. Bereits ein halbes Jahr später nahm er größere Räume in der Luppenstraße, um dann nach kurzer Zeit nach Lindenau in die Demmeringstraße, damals hieß sie noch Hauptstraße, zu ziehen. Auch hier reichten die Räume bald nicht mehr aus, im Herbst 1889 zog er in Lindenau in die Birkenstraße, damals noch Gartenstraße. Zusammen mit einer Gefieder-Zurichterei, die Petzold seinem Betrieb angliederte, vergrößerte sich das Unternehmen zusehends.
Als im Jahr 1904 verschiedene Pelzzurichtereien bestreikt wurden, war im Juni und Juli auch Petzold betroffen. An der Arbeitsniederlegung bei den Firmen Herzog und Petzold in Lindenau beteiligten sich 44 Arbeiter. Wie bei den übrigen Streiks ging auch dieser für die Arbeitnehmer verloren.Heinrich Lange, Albert Regge: Geschichte der Zurichter, Kürschner und Mützenmacher Deutschlands. Deutscher Bekleidungsarbeiter-Verband (Hrsg.), Berlin 1930, S. 220–223.
Petzold richtete einen Dampfbetrieb ein und stellte moderne Maschinen auf. Eine Bleicherei wurde angegliedert, so dass das Unternehmen damals bereits in der Rauchwarenzurichterei als bedeutende Firma bezeichnet werden konnte. Das Unternehmen überdauerte die damaligen wirtschaftlichen Krisen; unter wieder günstigeren Verhältnissen konnte das bisher nur gepachtete Grundstück am 11. Juni 1899 erworben werden.
Adolf Petzold war verheiratet mit Berta Petzold († 30. August 1925). Sie hatten sieben Söhne, von denen zwei später den Betrieb weiterführten. Mitarbeiter wurde der älteste Sohn, Robert Petzold. Als der Vater, vor Fertigstellung eines Neubaus, starb, führte seine Witwe mit Sohn Robert den Betrieb fort. Der zweite Bruder, Arthur Petzold, kümmerte sich vor allem um die Rauchwarenfärberei. Er erreichte es, dass im Jahr 1910 in der Josefstraße in Leipzig-Plagwitz und am 1. Januar 1912 in der dortigen Nonnenstraße Zweigbetriebe eingerichtet wurden. Da es rationeller schien, die Werkstätten zusammenzulegen, wurde 1913 in Leipzig-Schönau eine größere Fabrik erworben.
Der Erste Weltkrieg beeinträchtigte das Unternehmen schon mehr. Arthur Petzold wurde zur Wehrmacht eingezogen, 1915 kehrte er aus dem Krieg zurück. Robert Petzold wurde 1916 eingezogen, er fiel im Krieg. Norbert Petzold fehlten die Zahlungseingänge aus dem Ausland und frische Ware kam von dort nicht mehr nach Deutschland. Wurden bis dahin vor allem amerikanische und russische Felle verarbeitet, stellte er jetzt auf das einheimische Kanin um, was den Betrieb letztlich auf die bald „glanzvolle Höhe“ brachte. Der von den Nationalsozialisten ermordete Rauchwarenhändler und Chronist der Pelzbranche Philipp Manes bezeichnete Adolf Petzold als einen der Männer, die sich noch während des Ersten Weltkriegs bemühten, „Ersatz für das in Deutschland vorherrschend verarbeitete Kaninfell zu schaffen, und nicht eher ruhten, bis sie dies Ziel erreichten“.
1917 hatte Berta Petzold den Betrieb ihrem Sohn Arthur übergeben, im Jahr 1918 begann der Wiederaufbau und es hieß, „es war schon sprichwörtlich, dass bei Petzold's andauernd gebaut würde“. Immer wieder wurden neue Gebäudeflügel für die Kaninfellverarbeitung errichtet. Am 1. Januar 1919 trat Willy Petzold mit in die Firma ein, der vorher als Elektriker/Ingenieur selbständig war. 1922 wurde eine neue Zurichterei angebaut, 1924/25 entstand ein besonderes Lagerhaus für Roh- und Betriebsmaterialien mit eigener Gleisanlage, 1924/25 eines zur Unterbringung der Roh-Kanin.
Mit der Kaninzurichtung war man derart erfolgreich, das von den Leipziger Pelzveredelungsprodukten insbesondere die Felle der Firma Petzold, die sie unter der Marke „LAPS“ vertrieb, Weltruhm genossen. Es kam vor, wohl um das Wort Kanin für das Billigprodukt gegenüber dem Endverbraucher zu vermeiden, Pelze als „Petzoldmantel“ angeboten wurden. Es wurde berichtet: „In der Vorschau musste der Verkäufer den Mantel auftrennen, da die Dame den Mantel nur nahm, wenn er aus wirklich echtem Petzold-Kanin angefertigt war“.
Im Jahr 1926 begann, zusätzlich zur Lohnveredlung, der Handel mit eigener Ware, eine Anlauf- und Verkaufsstelle, Brühl 71, wurde eröffnet. Etwa 1920 warb das Unternehmen darüber hinaus mit dem Angebot von Pelzkonfektion.Inserat auf dem Einband Adressbuch für Kürschnerei, Pelzkonfektion, Rauchwaren […], um 1920. 1928 erfolgte der Bau einer Buntfärberei, um mit dem weltweit sich schnell entwickelnden Pelzmarkt mitzuhalten. Dazu gehörten moderne Versuchslaboratorien und eigene Spezialmaschinen. Die baulichen Reparaturen und Verbesserungen wurden von einem eigenen Ingenieurs- und Mitarbeiterstab geplant und ausgeführt.25 Jahre - 250 Jahre - 2500 Jahre. Von den Anfängen der Veredlung bis zur Schlüssel-Industrie der Rauchwarenbranche. Aus dem Verlag des Rifra-Verlages zusammengestellt von Richard Maria Franke. In: Felle - Farben - Fantasie - Ein Porträt der deutschen Pelzveredlungsindustrie. Rifra Verlag Murrhardt, 1973, S. 15.
Im Jahr 1936 gründete Arthur Petzold unter dem Logo D A P O einen Betrieb in Danzig (Arthur Petzold Danzig).
Bei der Vorbereitung zur Internationalen Pelzfach-Ausstellung in Leipzig im Jahr 1930 war unter den vielen engagierten Leipziger Pelzbetrieben auch ein Mitglied der Firma tätig, als Beisitzer im Ausschuss für Pelzveredlung.IPA – Internationale Pelzfachausstellung, Internationale Jagdausstellung Leipzig 1930 – Amtlicher Katalog. S. 37.
Die Firma Adolf Petzold GmbH, unter der Leitung von Arthur Petzold, galt während des Zweiten Weltkriegs als kriegswichtiger Betrieb. Über die Firmenproduktion dieser Zeit lagen später keine Unterlagen mehr vor. Dem Schriftverkehr der Nachkriegszeit ist zu entnehmen, dass 70 bis 80 jüdische Mitarbeiter beschäftigt wurden. „Es gelang, 6 von ihnen vor der Gestapoverfolgung zu retten, diese sind seinerzeit namentlich in der alliierten Presse genannt worden.“
Produkte Um 1930 waren, neben der Zurichtung aller Fellarten, die bedeutendsten Spezialitäten der Firma: Kanin, veredelt auf Modefarben und auf Seal electric (ein Schwarz, von Petzold in besonderer Qualität). Für das Verfahren wurde statt der heutigen Schermesser ein elektrisch aufgeheizter Platindraht benutzt, der die Haare absengte. Das Verfahren hatte sich nicht bewährt, der Name Seal electric aber blieb noch lange Zeit.W. Künzel: Vom Rohfell zur Rauchware – Streifzüge durch die Rauchwarenveredlung, Alexander Duncker Verlagsbuchhandlung, Leipzig, ohne Datum (um 1935?), S. 82 Hasen, Eichhörnchen und Feh auf alle gewünschten Farbtöne Neu eingeführt: Schwarz aus Blauholzfarbe für Kidfelle, weiße Kidklauentafeln mit blauem Leder, indische und arabische Zickelfelle, Galjak, Schiras und andere Bisam, Otter und Seal auf Opossum Fohlen auf schwarz mit hellem Leder.
Nach dem Zweiten Weltkrieg Leipzig Auf dem Betriebsgelände waren nach Kriegsende vorübergehend 34 Displaced Persons untergebracht, Zivilperson, die sich kriegsbedingt außerhalb ihres Heimatstaates aufhielten und ohne Hilfe nicht zurückkehren oder sich in einem anderen Land neu ansiedeln konnten.DP-Camp „Adolf Petzold“. www.zwangsarbeit-in-leipzig.de, abgerufen am 24. Oktober 2025.
Die Sächsische Volkszeitung befasste sich im kalten Nachkriegswinter 1945/1946 mit der Lage der Leipziger Rauchwarenwirtschaft, insbesondere auch des Unternehmens Adolf Petzold. Der Autor bemerkte vorab: „Herrliche Mäntel, Capes, Krawatten, Kappen und Muffs in schwarz, braun und gemustert, langhaarig oder geschoren, aber auch Naturfelle, bunt zusammengestellt oder gestückelt, wandern über Straßen und Plätze. Wenn man genau besieht: Kanin nichts als Kanin.“ Er beschrieb die damalige Situation des Pelzveredlers, die sich dann allerdings durch die politischen Verhältnisse schnell ändern wird.