Sappho Leontias (; * 1830 in Istanbul in einer anderen Quelle auch 1832 im Dorf Moutoullas in der Provinz Nikosia (Zypern); † 1900 in Istanbul) war eine zyprische Dichterin, Pädagogin, Übersetzerin und Frauenrechtlerin.
Leben und Karriere Die als Sappho Kliridou () geborene Sappho Leontias stammte aus einem Elternhaus, in dem der Bildung großes Gewicht beigemessen wurden. Sie erhielt eine fundierte Ausbildung und lernte schon früh Englisch und Französisch. Ihr zyprischer Vater war der Lehrer Leontios Kliridis, der zwischen 1840 und 1845 das Amt eines Direktors der Griechischen Schule von Nikosia einnahm. Er soll seine Tochter ausgebildet haben und mit ihm gründete sie später Schulen in Zypern. Unter anderem unterrichtete sie in Nikosia und Morfou. Auf der Insel Samos gründete und leitete sie 1854 eine Mädchenschule. Sie unterrichtete auch an einer Mädchenschule in Smyrna, bis sie sich in Istanbul niederließ, wo sie über einen langen Zeitraum der Mädchenschule Palladion vorstand. Neben ihrer Arbeit als Lehrerin wirkte sie unter ihrem Pseudonym als Dichterin und Übersetzerin.
In Istanbul gab sie 1870 die erste von einer Frau geleitete griechischsprachige Literaturzeitschrift namens Evridiki () heraus, in der ein Großteil ihrer literarischen Arbeit veröffentlicht wurde. Diese Zeitschrift war für das geistige Leben der griechischen Bevölkerungsgruppe im damaligen Istanbul von großer Bedeutung. Sie erschien bis 1873 in insgesamt 76 Ausgaben. Sappho Leontias veröffentlichte ihre Werke auch in verschiedenen anderen Publikationen ihrer Zeit, wie beispielsweise in dem Frauenjournal Efimeris ton Kyrion (Journal der Damen). Bei der Herausgabe ihrer eigenen Zeitschrift wurde sie von ihrer Schwester Aimilia Leontiadis unterstützt.
Sappho Leontias schrieb vorwiegend romantische Gedichte, deren Themen hauptsächlich von der Natur und den Begriffen Heimat und Religion inspiriert waren. Zu ihrem Werk gehören auch Erzählungen, Artikel, Studien und verschiedene Schultexte. Darüber hinaus übersetzte sie antike griechische Autoren wie beispielsweise Homer und Aischylos ins Neugriechische sowie das französische Werk Esther von Jean Racine.
Sie heiratete den wohlhabenden Kaufmann Konstantinos Kalvokoresis aus Chios, der ihre Vorstellungen eines auf geistiger Bildung basierenden Lebens für Mann und Frau teilte, und wurde Mutter von vier Kindern, von denen nur ihre Tochter Korina ins Erwachsenenalter kam.
Sappho Leontias war eine herausragende Frauenfiguren des Hellenismus des 19. Jahrhunderts, für den ihr pädagogisches Wirken von großem Wert war. Sie setzte sich aktiv für eine besser Bildung der Frauen und deren Gleichberechtigung innerhalb der Familie ein. Ähnlich wie Kalliroi Parren gilt auch sie als griechische Feministin, die den Grundstein für die Emanzipation der Frauen im gesamten griechischen Raum legte. Die ausländische Presse jener Zeit bezeichnet Sappho Leontias als „eine der gebildetsten und intelligentesten Griechinnen“ und als „herausragende, kultivierte Griechin, die in einem versklavten Land das weibliche Geschlecht und die griechische Literatur ehrt“. Sie wurde zu ihrer Zeit anerkennend als „Lehrerin der Nation“ () bezeichnet.
Einzelnachweise
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