Die Sandsfjordbrücke () ist eine Straßenbrücke über den namensgebenden Sandsfjord, etwa 50 Kilometer östlich von Haugesund in der norwegischen Kommune Suldal, Provinz Rogaland. Die Brücke führt zwei Fahrstreifen des Fylkesvei 46, für dessen neue Streckenführung der Bau mehrerer Tunnel erforderlich war. Sie ist die einzige Straßenverbindung über die nördlichen Ausläufer des Boknafjords und ersetzte mit der Fertigstellung Ende 2015 die Fährverbindung über den Sandsfjord zwischen Sand und Ropeid. Die als Spannbeton-Hohlkasten ausgeführte Balkenbrücke mit einer Mittelspannweite von 290 Metern wird weltweit nur von drei weiteren Brücken dieser Bauart übertroffen, wobei alle in Norwegen errichtet wurden.

Geschichte mini|links|Blick nach Westen auf den Mittelteil des Sandsfjords, rechts die Sandsfjordbrücke Der Sandsfjord ist ein nördlicher Seitenarm des Boknafjord und verzweigt sich oberhalb der Ortschaft Sand weiter in den Saudafjord und Hylsfjord. Die Fjorde durchziehen von Südwest nach Nordost auf etwa 80 Kilometer Länge den Nordwestteil Rogalands, der nur mit der Fähre oder durch Umfahrung im Norden über Sauda erreichbar war. Mit der Sandsfjordbrücke sollte die Halbinsel Ropeid, im Westteil der Kommune Sudal, mit dem Straßennetz im Osten verbunden und die Fährverbindung Sand–Ropeid ersetzt werden. Als Standort wurde eine Engstelle des Sandsfjord gewählt, die sich an das vorhandene Straßennetz bestmöglich anschließen ließ. Der Fylkesvei 46 bekam dafür eine 30 Kilometer lange neue Streckenführung südwestlich von Sand über größtenteils vorhandene Straßen, zum Anschluss der Brücke war aber der Bau eines etwa fünf Kilometer langen neuen Abschnitts in steilem und unwegsamem Gelände nötig, der zudem fünf Tunnel von insgesamt 1450 Metern Länge umfasste. Fv. 46 Sandsfjordbru-prosjektet, Statens vegvesen, 25. November 2015.Grensesprengende fritt-frambygg bru i Rogaland. Aas-Jakobsen, abgerufen am 1. November 2025.

Die norwegische Straßenverkehrsbehörde Statens vegvesen plante ab 2010 in Zusammenarbeit mit dem Ingenieursbüro Aas-Jakobsen eine Spannbeton-Hohlkastenbrücke, die ohne Hilfspfeiler im Freivorbau über den Fjord errichtet werden sollte. Die Ausschreibung ging an den Generalunternehmer Kruse Smith aus Kristiansand. Um den Zugang zur Baustelle zu ermöglichen, wurde Mitte 2012 zuerst mit den Arbeiten an den Tunneln und Straßen begonnen, die im Sommer 2014 abgeschlossen waren. Der Bau der Brücke begann im Herbst 2013. Das Unternehmen Ølen Betong lieferte den Beton, darunter einen Leichtbeton mit einem Zuschlagsmaterial niedriger Dichte namens Stalite, wofür etwa 2500 Tonnen aus Baltimore nach Norwegen verschifft und verarbeitet wurden. Für die Brücke wurden insgesamt 12.500 Tonnen Beton benötigt, davon 3.500 Tonnen Leichtbeton für die Endabschnitte der Kragarme, die unter anderem später den Mittelteil der Hauptspannweite bildeten. Nach zwei Jahren Bauzeit war die Brücke fertiggestellt, die Eröffnung fand am 27. November 2015 statt. Die Gesamtkosten beliefen sich einschließlich der Tunnel und Straßen auf 660 Mio. Norwegische Kronen, auf die Brücke entfielen dabei 232 Mio. NOK.Ellen Marie Hagevik: Har levert betongen til verdensrekordbru. Ølen Betong, 5. Oktober 2015, abgerufen am 1. November 2025.

Beschreibung mini|links|Ostseite der Sandsfjordbrücke Die Sandsfjordbrücke erstreckt sich von West nach Ost über eine Länge von 580 m und gliedert sich in vier Brückenfelder mit Spannweiten von 102,5 m, 290 m, 155 m und 33 m. Der zentrale Teil ist als Balkenbrücke mit einem Spannbeton-Hohlkasten ausgeführt, bei der die beiden großen Pfeiler mit dem Überbau eine monolithische Einheit ohne Lager bilden. Die Stahlbeton-Pfeiler tragen das ausbalancierte Gewicht der jeweiligen Kragarme des im Freivorbau errichteten Überbaus. Sie sind ebenfalls als Hohlkasten ausgebaut und erreichen Höhen von 50,4 m auf der Ostseite und 44,4 m auf der Westseite, wobei dieser Pfeiler auf der kleinen Insel Åsarøyholmen steht. Die Pfeiler wurden mittels Flachgründung auf dem hier vorhandenen Felsuntergrund errichtet und mit Zugankern gesichert.Pål Vatsvåg Nielsen: Dimensjonering av Sandsfjordbrua etter Eurokode. Masterthesis, Universität Stavanger, 2015, S. 14–22.

Der gevoutete rechteckige Hohlkasten des Überbaus hat eine Breite von 7 m und variiert in der Höhe von 14 m auf den Pfeilern bis 3,5 m im Zentrum der Mittelspannweite. Er ist oben mit einer 10 m breiten auskragenden Deckplatte abgeschlossen, die die Fahrbahn trägt. Aufgrund des kürzeren Kragarms zum Westufer (102,5 m), ist dieser am Ende zum Gewichtsausgleich mit Schotter gefüllt und das Tunnelportal Teil des Trägers. Ergänzt wird die Brücke am Ostufer durch das 33 m lange Brückenfeld zwischen dem Hohlkasten und dem dortigen Widerlager, abgestützt durch einen zusätzlichen kleinen Pfeiler.Fv 46 Sandsfjord bridge. Mercell e-tender system for Statens vegvesen Region vest, 2013, abgerufen am 8. November 2025.Pål Vatsvåg Nielsen: Dimensjonering av Sandsfjordbrua etter Eurokode. Masterthesis, Universität Stavanger, 2015, S. 14–22.

Die 9 m breite Fahrbahnebene bietet Platz für zwei Fahrstreifen von je 3 m und einen Randstreifen pro Seite von je 1,5 m Breite; ein Rad- oder Fußweg ist nicht vorhanden. Im Zentrum der Mittelspannweite erreicht die Fahrbahnebene eine Höhe von 73 m, die lichte Höhe für das Fahrwasser beträgt hier 65 m und die Tiefe des Sandsfjord etwa 200 m.Brückenstandort auf Norgeskart. Abgerufen am 8. November 2025.

Vergleich mit anderen Brücken Die nach dem Prinzip der Auslegerbrücke im Freivorbau errichteten Spannbeton-Hohlkastenbrücken mit den längsten Spannweiten (260–301 m) stehen vorwiegend in Norwegen und sind ausschließlich Straßenbrücken; In: Engineering News-Record. Vol. 251, Nr. 20a, 18. November 2003, S. 22 f. die Sandsfjordbrücke ist davon eine der höchsten. Zur Gewichtsreduzierung der Enden der Kragarme bzw. der späteren mittleren Bereiche der Brückenfelder kam immer Leichtbeton zum Einsatz, wobei vielfach auf Zuschlagsmaterial aus den Vereinigten Staaten zurückgegriffen wurde.Design Manual for Concrete Segmental Bridges. American Segmental Bridge Institute (ASBI), Oktober 2025, S. 2–5 f. Die ähnlich konstruierte zweite Shibanpo-Jangtse-Brücke in China von 2006 hat zwar eine Spannweite von 330 m, besitzt aber ein 108 m langes Mittelstück aus Stahl.

Bild Name über­brückt Spann­weite Länge Breite Lichte Höhe Fahr­streifen Fertig­stellung Ort Region Land zentriert|110px Stolmabrua Stolmasund 301 m 467 m 9 m 20 m 2 1998 Austevoll Vestland zentriert|110px Raftsundbrua Raftsund 298 m 711 m 10 m 45 m 2 1998 Hadsel Nordland zentriert|110px Sundøybrua Sundet 298 m 538 m 10 m 44 m 2 2003 Leirfjord Nordland zentriert|110px Sandsfjordbrua Sandsfjord 290 m 580 m 10 m 65 m 2 2015 Suldal Rogaland zentriert|110px Humen-Brücke Perlfluss 270 m 3618 m ca. 30 m ca. 30 m 6 1997 Humen Guangdong zentriert|110px Sutong-Brücke Jangtsekiang 268 m 8206 m ca. 35 m ca. 60 m 6 2007 Nantong Jiangsu zentriert|110px Honghe-Brücke Roter Fluss 265 m 769 m ca. 25 m 165 m 4 2003 Yuanjiang (Yuxi) Yunnan zentriert|110px Sir Leo Hielscher Bridges(Gateway Bridge, Westbrücke) Brisbane River 260 m 1627 m 22 m 59 m 6 1986 Brisbane Queensland zentriert|110px Sir Leo Hielscher Bridges(Ostbrücke) Brisbane River 260 m 1627 m 28 m 59 m 6 2010 Brisbane Queensland zentriert|110px Varoddbrua(Nordbrücke) Topdalsfjord 260 m 663 m 14 m 32 m 2 1994 Kristiansand Agder zentriert|110px Varoddbrua(Südbrücke) Topdalsfjord 260 m 654 m 19 m 32 m 2 2021 Kristiansand Agder zentriert|110px Trysfjordbrua Trysfjord 260 m 534 m 24 m 52 m 4 2022 Kristiansand Agder

Siehe auch Geschichte der Spannbetonbrücken

Weblinks

Einzelnachweise

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