Der Vorratswagen für schwere Feldhaubitze oder auch Vorratswagen für 10-cm-Kanonen-Batterien 04 war ein sechsspännig gefahrenes Pferdefuhrwerk für die Artillerietruppe des Deutschen Kaiserreiches und wurde ab 1904 eingesetzt.

Entwicklung Um die im Einsatz befindlichen Feldhaubitzen und die ab 1905 eingeführte 10-cm-Kanone 04 mit Vorratsmaterial, Werkzeugen und Ersatzteilen versorgen zu können, wurde im Jahr 1904 ein neues Pferdefuhrwerk eingeführt. Dieses lief erst unter dem Namen Vorratswagen für schwere Feldhaubitze und wurde später, mit nur geringfügigen Änderungen, auch als Vorratswagen für 10-cm-Kanonen-Batterien 04 eingesetzt.

Technische Daten Vorratswagen für schwere Feldhaubitze Der sechsspännig gezogene Vorratswagen war ein zweiachsiges Fahrzeug nach dem verbesserten Lenkscheitsystem. Es bestand aus einem Vorder- und Hinterwagengestell, welche durch einen Protznagel miteinander verbunden waren.

Das Vorderwagengestell ähnelte einer Sattelprotze und verfügte zur Erhöhung der Lenkbarkeit über kleinere Räder als hinten mit einem Durchmesser von 1,04 m. Die Hauptteile waren die Achse 96 aus Stahl an der die Holzspeichenräder mit Stahlnaben befestigt waren, einem Spannschemel mit dem Protznagel, Scherarme aus Hartholz und der Zugvorrichtung. Diese wiederum bestand aus der Deichsel mit Bolzen, einer Hinterbracke, Ortscheiten aus Stahlrohren und einer Vorderbracke aus Stahl.

Das Hinterwagengestell verfügte über die Achse 96 mit Holzspeichenrädern mit einem Durchmesser von 1,40 m. Weiterhin bestand das Gestell aus zwei u-förmigen Tragbäumen aus Flußeisen, vier Querriegel und Trittbretter für den vorderen und hinteren Wagenkasten. Beide Wagenkasten bestanden aus einem hölzernen Gerippe, welches mit Blechen aus Flußeisen verkleidet waren. Der vorderen Wagenkasten, welcher dem Kutscher und zwei weiteren Soldaten als Bocksitz diente, war in vier Fächer aufgeteilt. Hier wurde Vorratsmaterial, Futtersäcke und weiteres Zubehör verstaut. Der Sitz für den Kutscher verfügte über Armlehnen und eine Rückenlehne.

Hinter dem vorderen Wagenkasten gab es einen freien Raum für drei Ersatzräder. Diese wurden in speziellen Lagern transportiert und durch ein Rohr durch die Radnabe gesichert. Der hintere Wagenkasten bestand ebenfalls aus einem hölzernen Gerippe und war mit Blechen aus Flußeisen verkleidet. Dieser ruhte auf den beiden Tragbäumen und zusätzlichen sechs Querstreben. Der Wagenkasten konnte mit einer zweiflügeligen Tür verschlossen werden. Auf dem Wagenkasten befand sich ein Gitterkasten mit Gitterriemen, in dem persönliche Ausrüstung wie Tornister verstaut werden konnten. Um diese vor der Witterung zu schützen, konnte der Kasten mit einer Plane aus Segeltuch abgedeckt werden. Innerhalb des Kastens konnten Vorratssachen, Werkzeugkästen und Arzneikästen verstaut werden. Weiteres Werkzeug, wie Schanzzeug, Krankentragen oder Hebebäume wurden außen am Fahrzeuge befestigt.

Vorratswagen für 10-cm-Kanonen-Batterien 04 mini|Vorratswagen für 10-cm-Kanonen-Batterien 04 Der Vorratswagen für 10-cm-Kanonen-Batterien 04 gleicht im Aufbau dem Vorratswagen für schwere Feldhaubitze, jedoch gab es kleinere Veränderungen. Das dritte Lager für Ersatzräder hatte keine Füllklötze mehr und verfügte stattdessen über eine angenietete Spannschiene. Einen weiteren Unterschied gab es bei den Hebebäumen. Diese wurden nun auf der Decke des hinteren Wagenkastens mitgeführt, wodurch der Gitterkasten nicht bis zu den Ecken der vorderen Gitterseite. Das Gesamtgewicht reduzierte sich ebenfalls um 100 kg auf 2,67 t.

Einsatz Der Vorratswagen gehörte zur standardmäßigen Ausstattung jeder schweren Feldhaubitz-Batterie und jeder 10-cm-Kanonen 04-Batterie der Fußartillerie. Mithilfe dieses Fahrzeuges und dem mitgeführten Material konnten beschädigte oder defekte Geschütze instandgesetzt und repariert werden.

Nach dem Ersten Weltkrieg fand das Fahrzeug kaum noch Einsatzmöglichkeiten und wurde bei der Fußartillerie der Reichswehr gar nicht mehr eingesetzt. 1920 wurden die Fahrzeuge ausgesondert.

Lackierung Die Vorratswagen erhielten eine feldgraue Lackierung. Die mitgeführte Plane hatte einen graubraunen Farbanstrich.

Siehe auch Liste von bespannten Fahrzeugen des Deutschen Heeres im Kaiserreich

Literatur

Einzelnachweise

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