mini|Prototyp eines Exoatmosphärischen Kill Vehikels (EKV) (2001) Ein Exoatmosphärisches Kill Vehicle (EKV) () ist die Nutzlast, bzw. spezieller Abwehrgefechtskopf einer Abfangrakete eines Raketenabwehrsystems, der eine ankommenden Bedrohung gegen die Vereinigten Staaten neutralisieren soll.

Die Geräte bzw. Systeme sind Teil des US-amerikanischen Abwehrsystems, früher das National Missile Defense (NMD)-Programm, heute das Ballistic Missile Defense System (BMDS). Genau gesagt, sind EKV Teil des Ground-Based Midcourse Defense (GMD)-Systems. Das BMD-System kann mittel-, und langstrecken Raketen abfangen, wobei das EKV speziell für ballistische Interkontinentalraketen (ICBMs oder SLBMs) entwickelt wurde. Das Ziel wird mittels „Hit-to-Kill“-Methode zerstört.

Die Technologie des EKV ist verwandt mit den Multiple Kill Vehicle (MKV).

Funktionsweise mini|Überblick über das Ballistic Missile Defense System (BMDS), das Raketenabwehrsystem der Vereinigten Staaten. Die drei Phasen der Trajektorie einer Bedrohung sind von links nach rechts: Boost-, Midcourse- und Terminal-Phase. (2010)Mit dem Beginn der mittleren Flugphase und verlassen der Atmosphäre fliegt die eingehende Bedrohung (Rakete) in einer suborbitalen ballistischen Flugbahn mit einer Geschwindigkeit von rund 7 km/s. EKVs sind für das Abfangen in dieser mittleren Flugphase entwickelt worden.

Die Flugbahn von Interkontinentalraketen (ICBMs oder SLBMs) lässt sich in drei Phasen einteilen:

die Startphase (Boost), die mittlere Flugphase (Midcourse-Phase) und die Endphase oder Wiedereintrittsphase (Terminal-Phase).

Das Exoatmosphärisches Kill Vehicle (EKV) wird mit der Trägerrakete in den Weltraum und auf Kollisionskurs mit dem Ziel gebracht. Dort wird das EKV von der Antriebsstufe abgetrennt und der Infrarot-Zielsuchkopf aktiviert. Den Weiterflug und Endanflug zum Ziel vollführt das EKV autonom mit Hilfe des eigenen Zielsuchsystems. Dabei steuert sich das EKV mit den Manövrierdüsen ins Ziel. Statt durch einen Gefechtskopf wird die anfliegende Rakete allein durch die Kinetische Energie des Zusammenpralls zerstört (Hit-To-Kill), da so eine sichere Zerstörung des Kernsprengkopfes gewährleistet werden soll.

In dieser zweiten Phase hat sich der EKV-Kopf bereits von der Trägerrakete getrennt und folgt, abgesehen von Kurskorrekturen, im Wesentlichen einer ballistischen Flugbahn. Da moderne Wiedereintrittskörper (vgl. MIRV-Technologie) unter 2 m groß sind, macht es die Verwendung von (mehreren) leistungsstarken Radargeräten (Sensoren) notwendig. Wesentlicher Bestandteil der Raketenabwehr ist deshalb z. B. auch das Sea-Based X-Band Radar (SBX).

Geschichte und Entwicklungsprogramm Entwickelt und hergestellt werden Exoatmosphärische Kill Vehicle (EKV) seit den 2000er Jahren von den Rüstungsunternehmen RTX (ehemals Raytheon bzw. United Technologies) in Tucson (Arizona) und von Aerojet Rocketdyne.

Technische Daten mini|Ground-Based Interceptor (GBI)-Abfangrakete von Orbital Sciences wird in das Raketensilo geladen. (2004) Technische Daten eines Exoatmosphärisches Kill Vehicle (EKV):

Gewicht: ungefähr 64 kg (140 lb) Länge: 1,4 m (55 inch/Zoll) Durchmesser: 0,6 m (24 Zoll) Geschwindigkeit: bis zu 10 km/s (22.000 mph) Treibstoff: 9–14 kg Flüssigtreibstoff (Mischung aus Methylhydrazin und Stickstofftetraoxid) Sensoren: Radar und hochempfindlicher Infrarot-Sensor

Das EKV selbst bzw. seine Elektronik soll speziell gegen Strahlung gehärtet (siehe auch elektromagnetischer Impuls), also abgeschirmt sein, damit auch der Einsatz in elektromagnetischer Umgebung gewährleistet werden kann.

Die Trägerrakete ist mehrstufig und mit Feststoffraketentriebwerken ausgestattet und soll bis zu 13.000 kg Treibstoff haben.

Installationen, Test und Betrieb Stationiert sind mit Exoatmosphärische Kill Vehicle (EKV)-bestückte Abfangraketen an zwei Orten, in Fort Greely, Alaska, und auf der Vandenberg Air Force Base, Kalifornien. Letzteres ist eines der US-amerikanischen Entwicklungs- und Testzentren für militärische Raketentechnik, spezielle ballistisches Raketen. Dazu zählen auch die GBI mit EKV-Abfänger.

Die genaue Anzahl der stationierten EKV wurde 2019 mit 20 Einheiten, 2022 mit 44 Einheiten angegeben, Ziel sollen letztendlich insgesamt 64 Einheiten werden. Die Kontrolle über die EKV-Abfangraketen liegt beim 49. Raketenabwehrbataillons (englisch: 49th Missile Defence Battalion) in Fort Greely, Alaska, und der 100. Raketenverteidigungsbrigade (englisch: 100th Missile Defence Brigade) in Colorado Springs, Colorado.

In Planung befand sich noch ein dritter Standort, der Raketenabwehrkomplex der Vereinigten Staaten in Polen, nahe der Stadt Redzikowo, der auch Teil des NATO-Raketenabwehrschirms ist. Diese Initiative wurde aber im September 2009 abgesagt. Die Planung für einen Standort in den östlichen Vereinigten Staaten starteten 2013 und dauerten letztendlich bis 2019 als Fort Drum, New York, als Standort für potenziellen Raketenabwehr ausgewählt wurde.

Entwicklungen Für 2025 war geplant das der Nachfolger des EKV, bekannt als das „Redesigned Kill Vehicle (RKV)“, dieses ablöst. Am 21. August 2019 stornierte das Verteidigungsministerium das RKV-Programm bei den Unternehmen Boeing und Raytheon (bzw. RTX). Anfang des Jahres 2019 veranlasste das Pentagon einen Stopp des Programms, da es im Dezember 2018 zum Ausfall bei kritischen Komponenten kam, die nicht den technischen Spezifikationen entsprachen.

Raytheon ist vertraglich für die Aufrechterhaltung, Aktualisierung und Reparatur der bestehenden EKVs bis 2034 verpflichtet, bis zum Bereitstellung des Next-Generation-Interceptor (NGI), welcher ab 2030 die bestehenden EKVs ersetzen soll. Aktuell bewerben sich Lockheed Martin (zusammen mit Aerojet Rocketdyne) und Northrop Grumman (zusammen mit Raytheon) um die Ausschreibung für den NGI.

Anderer Länder Die Volksrepublik China entwickelt und erprobt ein Abfangsystem, eventuell mit EKV-ähnlichen Abfangköpfen.

Siehe auch

Golden Dome Nuklearstrategie United States Space Force (USSF)

Weblinks

Einzelnachweise

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