In den Jahren 1880 bis 1892 wurde der Festungsring Lüttich gebaut. Er besteht aus zwölf modernen detachierten Forts um die belgische Stadt Lüttich; eines von ihnen ist Fort Flémalle ( fort de Flémalle). Es liegt 9 km südwestlich von Lüttich auf dem linken Ufer der Maas und hat einen weiten Panoramablick hinab ins Tal der Maas.

Geschichte mini|Karte der Befestigungen um Lüttich Fort Flémalle wurde 1888 bis 1892 gebaut. Es sollte eine erneute Besetzung durch französische Truppen verhindern. Die Baupläne stammten von General Henri Alexis Brialmont. Das Fort wurde vollständig aus Beton gebaut und nicht aus Mauerwerk, weil sich damals die Brisanzgranate verbreitete, deren Sprengkraft auch dicke gemauerte Wände und Gewölbe zerstören konnte. Nach der Fertigstellung bezog eine Garnison belgischer Truppen das Fort. Es zählt es zu den größten Forts in der Region um Lüttich.

Aufbau mini|Innenhof des Forts Das Fort Flémalle hat einen viereckigen Grundriss und weicht damit von den damals üblichen dreieckigen Grundrissen ab. Ein 5 m tiefer und 12 m breiter Graben umgibt den gesamten Bau.

Das Fort konnte dem Beschuss der damals schwersten Kaliber von 21 cm standhalten. Der zentrale Aufbau mit den Geschütztürmen bestand aus 4 m dickem unbewehrtem Beton. Die Kasemattenwände, die als weniger exponiert angesehen wurden, hatten eine Wandstärke von 1,5 m.

In diesem Fort befanden sich wichtige Orte zur Deckung des täglichen Bedarfs in der Contrescarpe, welche im Kampf schlecht gehalten werden konnten. Darunter zählen Latrinen, Duschen, die Küche und eine Leichenhalle. Dies war ein Umstand, welche erhebliche negative Auswirkungen auf die Widerstandsfähigkeit der Forts gegen einen längeren Kampf oder eine Belagerung geben konnten, wenn diese Positionen erobert würden. Zudem befand sich der Versorgungsbereich direkt gegenüber der Kaserne, welche in Richtung Lüttich offen war und somit wenig Schutz bot.

Bewaffnung Die Hauptbewaffnung des Forts konzentriert sich im zentralen Aufbau. Nach der Fertigstellung der Bauarbeiten bestand die Bewaffnung aus zwei Geschütztürme der Grusonwerke, welche mit der 21-cm-Haubitze L/11,8 der Friedrich Krupp AG ausgerüstet waren. Weiterhin gab es einen Geschützturm der Firma Schneider-Creusot, welcher mit zwei 15-cm-Kanone 1890 ausgestattet war. Die letzten beiden Geschütztürme stammten von Châtillon-Commentry und verfügten über je eine 12-cm-Kanone von Krupp. An jeder der vier Ecken des Forts befand sich ein 5,7-cm-Maxim-Nordenfelt-Geschütz in einem Geschützturm der Grusonwerke, welche bei bedarf eingefahren werden konnten. Die Gräben und der hintere Eingang wurden durch Flankenfeuer von elf 5,7-cm-Maxim-Nordenfelt-Geschützen verteidigt, die in Kasematten der Contrescarpe positioniert waren. Die Kommunikation zwischen den benachbarten Festungen Fort Loncin und Fort Liers fand mithilfe von Lichtsignalen statt.

In den 1930er Jahren wurde das Fort Flémalle neu bewaffnet und zahlreiche neue Unterstände für die Feldarmee wurden gebaut. Die ursprünglichen Geschütztürme wurden durch vier 7,5-cm-Kanonen in Geschütztürmen, einen 10,5-cm-Zwillings- und einen 15-cm-Geschützturm ersetzt. Zusätzlich wurde ein Geschützturm mit einem Maschinengewehr und zwei Granatwerfern verbaut. Da die Luftwaffe immer mehr an Bedeutung gewann, wurde eine Flugabwehrbatterie mit vier Geschützen verbaut. Die vier alten Geschütztürme mit 5,7-cm-Maxim-Nordenfelt-Geschützen wurden durch Maschinengewehre ausgetauscht.

Erster Weltkrieg Als der Erste Weltkrieg ausbrach, wurden die Besatzungen der Forts in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Am 6. August 1914 erreichten die ersten deutschen Truppen Lüttich und begannen mit dem Angriff auf die Stadt. Dabei trafen die deutschen Truppen auf unerwartet heftigen Widerstand durch die Forts. Aus diesem Grund brachten sie schwerste Belagerungsartillerie an die Front, welcher die Forts nicht standhalten konnten. Das Fort Flémalle war hierbei eines der letzten Forts, das Widerstand leistete und von deutschen Truppen Beschossen wurde. Hierbei beschoss man das Fort erst mit 21-cm-Geschützen um die oberste Schicht zu beschädigen und feuerte danach mit noch größeren Kalibern.

Nachdem das Fort Loncin durch einen Volltreffer in die Munitionskammer explodierte, entsandten die deutschen Truppen Abgesandte zu den letzten beiden belgischen Forts, die noch Widerstand leisteten, Fort Flémalle und Fort Hollogne. Ziel war es, mit dem Beispiel von Fort Loncin, den Verteidigern die möglichen Folgen eines weiteren Widerstands zu verdeutlichen. Das Fort Flémalle kapitulierte am 16. August 1914 um 7:10 Uhr und zehn Minuten später das Fort Hollogne.

Deutsche Besetzung mini|Die Befestigungen des Fort Flémallerot: Stand von 1914gelb: deutscher Umbaublau: belgische Verstärkungen 1918 Nach der Kapitulation der belgischen Besatzung übernahmen die deutschen Truppen das Fort Flémalle. Dabei stießen sie auf mehrere Mängel, welche sie während der Besatzung behoben. Dadurch konnten sie das Fort als Infanteriestützpunkt nutzen.

Man stellte fest, dass es im Fort keinerlei Belüftung gab. So errichteten die Deutschen zwei Lufteinlässe auf dem Glacis, welche durch einen unterirdischen Gang mit der Festung verbunden waren. Ein Ventilator verteilte die Luft dann weiter in der Festung.

Die elektrische Anlage wurde während der Kämpfe stark beschädigt. Die Deutschen bauten einen neuen Generator mit einem Schwerölantrieb ein, um das Fort erneut mit Strom zu versorgen.

Als dritten Mangel erkannten die Deutschen den mangelnden Schutz des Ausgangs für die Infanterie. Dieser war nur durch ein einfaches Geländer und eine dünne Wand geschützt. Die deutschen Truppen bauten einen neuen Bunker mit versetzten Ein- und Ausgängen, die der Besatzung mehr Schutz boten. Um den Bunker zu verschließen, wurden zweiteilige Türen eingebaut.

Die deutschen Besatzer zogen 1918 nach dem Waffenstillstand von Compiègne ab.

Zwischenkriegszeit mini|Korridor innerhalb des Forts mini|Der markante Belüftungsturm, in der Zwischenkriegszeit errichtet Die belgische Armee beschloss, die Forts entlang der Maas weiter zu nutzen und aufzurüsten. So begann eine Umfangreiche Wiederbewaffnung, die auch das Fort Flémalle betraf. Dabei wurden in die vorhandenen Räume aus Stahlbeton kleinere Räume eingebaut, um doppelten Schutz zu bieten. Die Decken wurden aus verzinkten Wellblech gebaut, um herabfallende Trümmer und das Eindringen von Wasser zu verhindern. Die dabei entstandenen Hohlräume wurden mit Aushubmaterial aufgefüllt.

Man hob zwei tiefere Ebenen aus, um den Schutz der Besatzung und der Munition zu erhöhen. In der ersten unteren Ebene konnte man durch Viereck- oder Axialgalerien gefahrlos unter die Geschütztürme zu gelangen. Dort konnte die Besatzung mit Leitern zu den Geschützen hochsteigen, während die Munition mithilfe von Aufzügen hochgefahren wurde.

In der darunter gelegenen zweiten unteren Ebene wurden Verbindungen zwischen den Geschütztürmen und dem Lüftungsraum geschaffen. Es gab es dort ein Munitionslager, ein Raketenlager und einen zweiten Feuerleitstand, der durch mehrere Leitern vom Hauptfeuerleitstand aus erreicht werden konnte.

Die vorhandene Belüftung wurde durch einen neuen Belüftungsturm verbessert. Auch die Elektrik, die Sanitäranlagen und die Kommunikationssysteme wurden verbessert.

Zweiter Weltkrieg Nachdem die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg Polen überfallen hatte, wurden die Sicherheitsvorkehrungen und die Alarmbereitschaft erhöht. Im Jahr 1940 umfasste die Garnison des Fort Flémalle etwa 300 Soldaten unter dem Kommando von sechs Offizieren, einer davon der Kommandant Hauptmann Barbieux. Nachdem die Wehrmacht das Fort Eben-Emael im Handstreich erobert hatte, leistete das Fort Flémalle Feuerunterstützung für die belgischen Truppen und benachbarte Forts.

Am 15. Mai 1940 war das Fort Ziel eine Luftangriffs durch die Luftwaffe, wobei die Geschütztürme zerstört wurden. Am folgenden Tag stürmte die Wehrmacht das Fort, welches umgehend Kapitulierte, das es keinerlei Widerstand mehr leisten konnte. Die belgischen Truppen vor Ort wurden militärisch geehrt und dann als Kriegsgefangene nach Königsberg abtransportiert. Im weiteren Verlauf fand das Fort unter der Wehrmacht keine Beachtung und blieb ungenutzt. Man entfernte nützliches Material und verwendete es anderweitig. Belgien blieb bis 1944/45 besetzt.

Seit 1945 In den 1960er Jahren wurden die Forts von Schrotthändlern durchsucht und teilweise komplett leergeräumt. Das Fort wird seit 1992 von einem Verein erhalten und heute als Museum genutzt.www.visitezliege.be: Fort de Flémalle et son musée. VR'40 experience tour (Besichtigung mit Virtual-Reality-Headset)

Weblinks

www.provincedeliege.be: Les forts de Liège en 1914

Literatur

Einzelnachweise

Flemalle Kategorie:Erbaut in den 1880er Jahren Flemalle Kategorie:Kulturdenkmal in der Provinz Lüttich Kategorie:Flémalle