Der Beobachtungswagen C/94 war ein vierspännig gefahrenes Pferdefuhrwerk für die Artillerietruppe des Deutschen Kaiserreiches und wurde ab 1893 eingesetzt.
Entwicklung Um die Artillerie durch einen Beobachter zu unterstützen, wurde im Jahr 1893 ein neues Pferdefuhrwerk eingeführt. Dieses war für den Transport von Material und Ausrüstung eines Beobachters, aber vor allem für den Transport einer hohen Leiter für Beobachtungszwecke gedacht. Damit sollte der Artilleriebeobachter nicht zu nah an der Front die Einschläge von einer erhöhten Position beobachten können und Korrekturen an die Geschütze weitergeben. Im Jahr 1893 wurde dieses Fahrzeug offiziell in den Bestand der Armee aufgenommen. Da die ersten Fahrzeuge 1894 ausgeliefert wurden, erhielt es die Bezeichnung Beobachtungswagen C/94.
Technische Daten mini|Beobachtungswagen C/94 mit geöffnetem Deckel mini|Aufgebaute Beobachtungsleiter 94 Der Beobachtungswagen C/94 war ein zweiachsiges Fahrzeug, welches durch Zugtiere gezogen wurde. Es war dem verbesserten Lenkscheitsystem auf Federn aufgebaut und bestand aus einem Vorder- und Hintergestell. Beide Gestelle wurden durch einen Protznagel miteinander verbunden.
Das Vordergestell war ähnlich aufgebaut wie eine Sattelprotze. Die Hauptbestandteile sind eine Achse aus Stahl, Achsschenkel, Holzspeichenräder, zwei u-förmige Scherarme aus Stahlblech und die Zugvorrichtung. Um die Lenkbarkeit zu erhöhen, wurden vorn kleine Holzspeichenräder verbaut. Diese verfügten über eine hölzerne Nabe und zwölf Speichen aus Holz. Die Zugvorrichtung bestand aus einer Deichsel, welche mit einem Deichselbolzen am Vordergestell befestigt war. Weiterhin gab es eine Federschiene anstatt einer Hinterbracke, einen Zughaken, Ortscheite und eine Vorderbracke.
Um die Stöße während der Fahrt abzuschwächen und das mitgeführte Material und Personal zu entlasten, wurden die Scherarme mit der Achse nicht starr verbaut, sondern mit zwei Längsfedern und ein einer Querfeder hinter das Achse verbessert. Die Längsfedern bestanden aus sechs übereinanderliegenden, kreisbogenförmigen und aus Stahl gefertigten Federstücken. Hierbei war das Innere am längste, während alle folgenden immer kleiner wurden. Die Querfeder bestand aus sieben Federstücken und war identisch aufgebaut wie die Längsfedern.
Das Hintergestell bestand aus einer Achse und größeren Holzspeichenrädern als beim Vordergestell, diese waren sonst aber identisch mit den kleineren. Die Räder waren über zwei Längsfedern mit den u-förmigen Unterbäumen aus perforierten Stahlblech. Die Längsfedern bestanden aus sieben Federstücken und waren identisch aufgebaut wie die des Vordergestells.
Der Wagenkasten verfügte über drei Sitzbretter. Das vordere Sitzbrett bot Platz für den Kutscher und zwei weitere Soldaten. Um den Komfort während der Fahrt für die Soldaten zu erhöhen, verfügte es über Armlehnen und eine Rückenlehne. Unter dem vorderen Sitzbrett und dem Fußbrett gab es jeweils einen Kasten für Zubehör und Futtermittel. Hinter dem vorderen Sitzbrett gab es zwei weitere Sitzbretter für jeweils einen Soldaten. Diese waren so angeordnet, das je eine Person mit dem Rücken zur anderen und seitlich zur Fahrtrichtung saß. Um den Sitzkomfort auch hier zu erhöhen, waren diese ebenfalls mit Armlehnen und Rückenlehnen ausgestattet.
Zwischen dem vorderen Sitzbrett und den beiden mittleren Sitzen befanden sich drei Fächer und ein Gewehrlager. Dieses war in der Lage, die sieben Gewehre der Besatzung aufzunehmen. Der Wagenkasten hinter den beiden mittleren Sitzen bestand aus Holz und verfügte über einen Deckel. Das Innere war durch eine Querwand in eine kleine vordere und eine große hintere Abteilung getrennt. Dort wurden zwei Batteriekästen, ein Lautsprecher oder Lautsprecher des leichten Artilleriefernsprechers, vier Kabeltrommeln verstaut, sowie die optische Ausrüstung verstaut. Am Ende dieses Kastens befand sich ein weiteres Sitzbrett mit Rückenlehne, zwei Armstützen und Armlehnen für die restlichen Soldaten.
Die persönliche Ausrüstung in Form von Tornistern wurde außen am hinteren Wagenkasten befestigt. Die mitgeführte Beobachtungsleiter 94 hatte ein Gewicht von 133 kg und konnte bis auf eine Länge von 6 m ausgefahren werden. Sie war zweiteilig und verfügte am oberen Ende über eine Tischplatte und ein Leitergestell für ein Scherenfernrohr. Sie wurde unter dem Wagenkasten, zwischen den Tragbäumen auf Rollen gelagert. Mit weiteren Halterungen und Verstaumöglichkeiten wurde Schanzzeug gelagert.
Einsatz Zum Einsatz kam je ein Beobachtungswagen C/94 bei jeder Batterie mit schweren Feldhaubitzen, welche mit je sechs Geschützen ausgestattet waren. Weiterhin erhielten die 21-cm-Mörser Batterien mit je vier Geschützen je eines dieser Fahrzeuge. Jeder Stab der Fußartillerie-Bataillone erhielt je zwei Fahrzeuge.
Eine erste Demonstration der neuen Art und Weise aus einer Deckung zu schießen und das Zusammenspiel mit einem vorgeschobenen Beobachter fand 1897 auf dem Schießplatz in Köln/Wahn statt. Hier schoss das Schleswig-Holsteinisches Fußartillerie-Regiment Nr. 9 auf dem Schießplatz mit einem vorgeschobenen Beobachtungswagen und Fernsprechgeräten aus gedeckten Stellungen auf die Ziele.
Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges wurde das Fahrzeug eingesetzt. Im Jahr 1920 wurde es nach und nach ausgesondert und aus dem Bestand entfernt.
Lackierung Die Beobachtungswagen C/94 hatten mit der Auslieferung ab 1893 keine Lackierung. Im weiteren Verlauf erhielten die Fahrzeuge eine feldgraue Lackierung.
Siehe auch Liste von bespannten Fahrzeugen des Deutschen Heeres im Kaiserreich
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Militärlogistik (Deutschland) Kategorie:Militärfahrzeug (Deutsches Kaiserreich) Kategorie:Militärisches Pferdefuhrwerk