Kyohō (, kyohō budō, etwa: „großer Berggipfel“, angeblich nach der Aussicht auf den Fuji vom Zuchtort) ist eine tetraploide und großbeerige Rebsorte hybriden Ursprungs, die besonders in Ostasien (Japan, China, Korea, Thailand) für Dessertfrüchte beliebt ist. Gemessen an der Anbaufläche ist sie die weltweit häufigste Rebkultur (365.000 Hektar im Jahr 2015).OIV 2017

Die Beeren werden überwiegend geschält als Dessertfrucht frisch verzehrt oder auch zur Zubereitung von Cocktails oder Süßspeisen verwendet.https://specialtyproduce.com/produce/Kyoho_Grapes_2046.php In kleinem Umfang wird auch Wein gekeltert, obwohl die Sorte für diese Anwendung als problematisch gilt.https://kyoho-winery.com/about/

Es sind verschiedene Sprossmutationen bekannt, darunter Fengzao/Kyohō Early mit drastisch früherer Fruchtreifehttps://www.researchgate.net/profile/Da-Long-Guo/publication/282428836 und Liaofeng mit unter anderem längerer Lagerbarkeit und höherem Zuckergehalt.https://hardtofindtrees.com/product/liaofeng-grape-%E8%BE%BD%E5%B3%B0%E8%91%A1%E8%90%84/

Geschichte Klimatische Besonderheiten Japans bedingen Kulturprobleme für die Europäische Weinrebe. Man stützte sich daher zunächst eher auf eingeführte labruscana-Sorten. Zusammen mit Neo Muscat und Muscat Bailey A entstammt Kyohō frühen eigenen Rebzucht-Bemühungen im Vorkriegs-Japan. Sie wurde 1935 vom privaten Züchter Ōinoue Yasushi () aus tetraploiden Sprossmutationen von Campbell Early (Ishihara wase) und Regina/Afus Ali (Centennial) gekreuzt. Die Sorte wurde 1945 freigegeben. Der schlechte Fruchtansatz und ungleichmäßige Ausfärbung und Zuckerentwicklung hemmten die Verbraucherakzeptanz während der 1950er. Erst nach der Entwicklung geeigneter Anbautechniken konnte sie sich durch ihre ansonsten attraktiven Eigenschaften bis 1994 zur dominierenden japanischen Sorte entwickeln. Wichtige Nachkommen sind Pione (direkt) und Honey Red (in zweiter Generation). Wegen nachlassender Preise infolge zunehmender Marktsättigung und geänderten Verbrauchervorlieben wird vermehrt auf die Produktion kernloser Früchte gesetzt, die im Wesentlichen durch Gibberellinsäure erreicht wird.

Beschreibung Die Pflanzen sind mäßig krankheitsresistent und sehr wüchsig. Ihre Frosthärte ist gering; sie kann durch passende Pfropfunterlagen verbessert werden: Wurzeln sterben schon kurzer Abkühlung auf −4 °C ab, während oberirdische Teile −15 °C standhalten können. Die mittelgroßen Blätter sind rundlich mit drei oder fünf nur leicht eingebuchteten Lappen und unregelmäßig gezähntem Rand mit länglichen Zähnchen mit geraden Seiten. Oberseits sind sie (hell)grün und weitgehend glänzend glatt, jung etwas rötlich, unterseits dünn und anliegend behaart. Die Stöcke lassen Erträge von 12 bis 15 Tonnen Früchte pro Hektar erwarten. Diese erscheinen mittelfrüh in recht lockeren geschultert-walzenförmigen Trauben und sind rund und beduftet. Ihre dicke, herbe Haut ist leicht abschälbar (“slip-skin”). Sie ist schwarzviolett oder fast schwarz gefärbt und dick bereift, färbt aber bei starkem Behang oder hohen Temperaturen eventuell unvollständig und ungleichmäßig aus. Das grünlich-durchscheinende Fleisch ist fest, saftig, aromatisch und hat große Kerne.

Die Früchte werden in Japan aufgrund ihrer auffälligen Größe (2–4 cm, 12–14 g), festen und saftigen Textur und bemerkenswerten Süße (18–20 Brix) besonders geschätzt. Weitere wichtige Eigenschaften sind dort die Saftigkeit und der geringe Säuregehalt des Fruchtfleischs, die leichte Schälbarkeit und der deutliche Fuchston aus ihrem Fuchsreben-Erbe, welcher dagegen in europäischen Quellen teils stark negativ konnotiert wird. Andererseits sind sie nur kurz lagerfähig und haben schlechten Fruchtansatz, dem beispielsweise mit geeigneten Schnitt und Ausdünnung begegnet werden muss. Für eine attraktive Ausfärbung und Zuckerentwicklung darf die Temperatur nicht zu hoch sein. Neben Verderb und der Bräunung der Traubenrachis stellen abfallende Beeren eine weitere besondere Herausforderung für Lagerung und Transport dar. Durch Gibberellinsäure-Anwendung (ggf. zusätzlich Streptomycin und Forchlorfenuron) können kernlose Früchte erreicht werden.Yamada & Sato 2016

Anbau 90 % der Rebstöcke stehen in China (44 % chinesischer Rebflächen). Weitere wichtige Anbaugebiete finden sich in den japanischen Präfekturen Nagano und Yamanashi, im Landkreis Changhua in Taiwan und in Südkorea. Kulturen in kalifornischen Längstal und in Chile ermöglichen eine weniger saisonabhängige Verfügbarkeit.https://www.freshpoint.com/archive/product-337/ Inländische japanische Anbaufläche erreichte 1998 mit 6.660 Hektar ihren Höchststand.

Literatur Hans Ambrosi, Ernst H. Rühl, Erika Münch-Dettweiler, Joachim Schmid, Fritz Schumann: Farbatlas Rebsorten – 330 Sorten und ihre Weine, Seite 152, Verlag: Eugen Ulmer, ISBN 978-3-8001-5719-8 刘崇怀 – Liu Chonghuai, 马小河 – Ma Xiaohe, 武岗 – Wu Gang (Herausgeber): 中国葡萄品种 – Grape Varieties in China, 中国农业出版社 – China Agriculture Press, Peking, 2014, Seiten 133, 139

Weblinks

Masahiko Yamada, Akihiko Sato: Advances in table grape breeding in Japan, in: Breeding Science, 1. Januar 2016, Band 66, Ausgabe 1, Seiten 34–45, DOI:10.1270/jsbbs.66.34 OIV 2017: Distribution of the world’s grapevine varieties, Seite 10: Kyoho PlantGrape-Profil

Einzelnachweise Antonio Mafra: Vin : quels sont les cépages les plus cultivés ?

https://asevjpn.jp/web/wp-content/uploads/2022/06/vol18_-no2_04.pdf

https://catalog.lib.kyushu-u.ac.jp/opac_download_md/23968/p055.pdf

Goro Okamoto, Shippin Wang, Ken Hirano: Cold resistance in root and cane of own-root ‘Kyoho’ grapevines, Scientific Reports of the Faculty of Agriculture-Okayama University, Band 89, Seiten 23–29, 2000

Ryo Shinomiya, Hiroyuki Fujishima, Koji Muramoto, Mikio Shiraishi: Impact of temperature and sunlight on the skin coloration of the 'Kyoho' table grape, September 2015, Scientia Horticulturae, Band 193 (Suppl. 2), Seiten 77–83, DOI:10.1016/j.scienta.2015.06.042

Yun Deng, Ying Wu, Yunfei Li: Physiological responses and quality attributes of ‘Kyoho’ grapes to controlled atmosphere storage, DOI:10.1016/j.lwt.2005.05.001

Kategorie:Tafeltraube Kategorie:Weinrebenhybride