260px|rechts| mini|SOS-Kinderdorf Moosburg, Kärnten mini|SOS-Kinderdorf Hinterbrühl, Niederösterreich mini|SOS-Kinderdorf Imst, Bundesland Tirol mini|hochkant|SOS-Familienrathaus, Wien-Floridsdorf Das SOS-Kinderdorf Österreich ist die Gründungsorganisation und Teil der Dachorganisation SOS-Kinderdorf International. Nach Gewalt- und Missbrauchsvorwürfen hat die internationale Dachorganisation am 24. Oktober 2025 Konsequenzen bekanntgegeben und den österreichischen Teil der Organisation suspendiert.

Geschichte Hermann Gmeiner (1919–1986) gründete 1949 den Verein Societas Socialis (SOS), später umbenannt in Verein SOS-Kinderdorf, und konnte am 15. April 1951 das erste Kinderdorf in der Stadtgemeinde Imst im Bundesland Tirol eröffnen. In Zusammenarbeit mit dem Journalisten Hansheinz Reinprecht (1925–2009) entstand das zweite Kinderdorf in der Marktgemeinde Altmünster in Oberösterreich, in weiterer Folge leitete er das weitere SOS-Kinderdorf in der Marktgemeinde Hinterbrühl in Niederösterreich und war von 1964 bis 1990 Generalsekretär von SOS-Kinderdorf International. Erste sogenannte Kinderdorfmutter war die Burgenländerin Maria Weber (1919–2011), die 1957 in das SOS-Kinderdorf Hinterbrühl wechselte.Kinderdorf-Mutter Maria Weber gestorben auf ORF-NÖ vom 2. Dezember 2011, abgerufen am 4. Dezember 2011.

Im Jahr 2014 wurde die österreichischen Notrufnummer für Kinder und Jugendliche 147 – Rat auf Draht übernommen.

Leitbild Hermann Gmeiners Leitbild, aus eigener Erfahrung als Halbwaise, waren vier Prinzipien, die ein Kinderdorf kennzeichnen sollen: Jedes Kind braucht eine Mutter und wächst am natürlichsten mit Geschwistern in einem eigenen Haus innerhalb einer Dorfgemeinschaft auf.

Kinderdörfer in Österreich (Auswahl) Burgenland SOS-Kinderdorf Pinkafeld, 1963 Kärnten SOS-Kinderdorf Moosburg, 1957 Niederösterreich SOS-Kinderdorf Hinterbrühl, 1957 Oberösterreich SOS-Kinderdorf Altmünster, 1955 SOS-Kinderdorf Rechberg Salzburg SOS-Kinderdorf Seekirchen, 1964 Steiermark SOS-Kinderdorf Stübing, 1962 Tirol SOS-Kinderdorf Imst, 1949 SOS-Kinderdorf Nußdorf-Debant, 1955 Vorarlberg Wohngruppen in Bregenz und Dornbirn Wien Wohngruppen in neun Bezirken FamilienRatHaus in Floridsdorf, 2008

Aufsichtsratvorsitzende/Präsidenten 1949–1986 Hermann Gmeiner 1986–2017 Helmut Kutin 2017–2025 Irene Szimak seit 2025 Friedrich SantnerKopf des Tages. Friedrich Santner – ein ehemaliges SOS-Kinderdorf-Kind als Retter in der Not. Der Standard, 21. November 2025

Geschäftsführung

2008–2025 Christian MoserAufsichtsrat entbindet Geschäftsführer Christian Moser von seinen Aufgaben. SOS-Kinderdorf Österreich, 4. Oktober 2025 2019–2026 Nora Deinhammer seit 2023 Annemarie Schlack seit 2025 Carolin PorchamSOS-Kinderdorf wählt Aufsichtsrat neu. Carolin Porcham übernimmt die Agenden von Christian Moser orf.at, 31. Oktober 2025

Kritik Im Jahr 2014 erschien ein Buch des Tiroler Historikers Horst Schreiber mit dem Titel Dem Schweigen verpflichtet. Erfahrungen mit SOS-Kinderdorf, dessen Studie gewaltbesetzte Vorfälle bei einem SOS-Kinderdorf in Österreich aufarbeitete.

Im Jahr 2022 war mit Waltraud Klasnic die sogenannte Klasnic-Kommission zu Missbrauchsvorwürfen auf internationaler Ebene tätig.Fragen zur Reformkommission. SOS-Kinderdorf Österreich, abgerufen am 29. Oktober 2025

Die Wochenzeitung Falter berichtete im September 2025 über Gewaltvorwürfe im SOS-Kinderdorf Moosburg in Kärnten. Von 2008 bis 2020 haben mehrere Kinderdorfkinder körperliche, psychische und sexualisierte Misshandlungen durch ihre Betreuer und Betreuerinnen erfahren. Die Oberstaatsanwaltschaft Graz wies die Staatsanwaltschaft Klagenfurt an, wegen der Vorwürfe rechtliche Schritte einzuleiten. Eine Untersuchungskommission unter der Leitung von Irmgard Griss wurde eingesetzt. Am 24. September 2025 wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft wegen Verdacht des Missbrauchs zweier Mädchen um 2020 gegen einen ehemaligen Mitarbeiter von SOS-Kinderdorf Seekirchen am Wallersee im Land Salzburg ermittelt. Im Oktober 2025 wurde berichtet, dass ein österreichischer Großspender mehrfach Kinder in SOS-Kinderdörfern in Nepal missbraucht haben soll. Ex-Präsident Helmut Kutin sowie Ex-Geschäftsführer Christian Moser wussten laut Medienberichten von den Taten.

Die Gewaltvorwürfe in den österreichischen Kinderdörfern veranlasste den Aufsichtsrat von SOS-Kinderdorf Österreich am 3. Oktober 2025, den langjährigen Geschäftsführer Christian Moser von seiner Funktion zu entbinden. Im Falter sagt das Mitglied der Geschäftsführung, Annemarie Schlack, „... dass die Entscheidung notwendig gewesen sei, um die Glaubwürdigkeit und Transparenz der Reformkommission sicherzustellen. Diese Linie ist dem Aufsichtsrat wichtig.“

Dunja Gharwal, Sozialarbeiterin und Kinder- und Jugendanwältin bei der Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien leitet seit 2024 die Qualitätssicherheitsstelle Kinderschutzkonzepte. Sie verweist darauf, dass das Bundes-Kinder- und Jugendhilfegesetz (2013) bis heute keine einheitliche Regelung für die neun Bundesländer vorgibt. Zitat: „Die letzte Bundesregierung wollte sich der Sache annehmen, tat es dann aber doch nicht. ... Es fehlt am Verständnis, dass wir alle gemeinsam für unsere Kinder in Österreich zuständig sind.“Birgit Wittstock: Causa SOS-Kinderdorf. Kinderschutz: "Es reicht nicht, gute Absichten zu haben". Der Standard, 30. Oktober 2025

Publikationen Hansheinz Reinprecht (1925–2009): siehe Publikationen ebendort Horst Schreiber, Wilfried Vyslozil: SOS-Kinderdorf. Die Dynamik der frühen Jahre. Eine Spurensuche jenseits der Klischees. SOS-Kinderdorf-Verlag, Innsbruck München 2001, 278 Seiten.

Weblinks

Webpräsenz von SOS-Kinderdorf Österreich

Einzelnachweise

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