Emirates SkyCargo Flug 9788 (Flugnummer IATA: EK9788, ICAO: UAE9788, Rufzeichen: EMIRATES 9788) war ein internationaler Frachtflug, der am 20. Oktober 2025 vom Flughafen Dubai-World Central in den Vereinigten Arabische Emiraten zum Hong Kong International Airport in Hongkong führte. Die von ACT Airlines im Auftrag von Emirates SkyCargo betriebene Boeing 747 kam gegen 03:53 Uhr HKT (19:53 Uhr UTC) beim Aufsetzen am Hong Kong International Airport von der Landebahn ab, kollidierte mit einem Bodenfahrzeug und kam anschließend im Perlflussdelta mit abgerissenem Heck zum Stehen. Die beiden Flughafenmitarbeiter im Bodenfahrzeug kamen ums Leben, die vier Insassen des Flugzeugs überlebten.
Flugzeug Das verunglückte Flugzeug war eine Boeing 747-481BDSF (Luftfahrzeugkennzeichen TC-ACF und Seriennummer 25645), die von ACT Airlines für Emirates SkyCargo betrieben wurde. Das Flugzeug war mit vier General-Electric-CF6-80C2B1F-Triebwerken ausgestattet, hatte am 19. Mai 1993 seinen Erstflug und wurde ursprünglich am 3. Juni 1993 als Passagierflugzeug an All Nippon Airways (ANA) mit dem Kennzeichen JA8962 ausgeliefert. Es hatte bei ANA zeitweise eine Pokémon-Sonderlackierung. Nach der Ausmusterung bei ANA wurde das Flugzeug von Januar bis August 2011 bei Israel Aerospace Industries zu einem Frachter umgebaut und 2013 an Air ACT ausgeliefert. Es war zum Zeitpunkt des Unfalls eines von zwei Flugzeugen, die von Air ACT betrieben wurden.
Flugbesatzung An Bord befanden sich vier Besatzungsmitglieder; der 35-jährige Kapitän Atilla Yilmaz, der 44-jährige erste Offizier Candemir Ulker, der 35-jährige Lademeister Caner Durgut und der 46-jährige Wartungsingenieur Muzaffer Tuydu. Alle sind türkische Staatsbürger. Der erste Offizier war Pilot Flying, der Kapitän Pilot Monitoring.
Bodenpersonal Die beiden Flughafen-Sicherheitsmitarbeiter, die bei der Kollision ums Leben kamen, waren der 41-jährige Fahrer und sowie der 30-jährige Beifahrer des Fahrzeugs. Die beiden Bodenmitarbeiter hatten sieben bzw. zwölf Jahre Berufserfahrung. Die Hong Kong Airport Authority bestätigte die Todesfälle und sprach den Angehörigen ihr Beileid aus, ebenso wie Emirates.
Unfallhergang Der Flug startete am 19. Oktober 2025 gegen 16:59 Uhr Ortszeit (12:59 Uhr UTC) vom Flughafen Dubai-World Central und dauerte knapp 7 Stunden, bevor er am 20. Oktober gegen 03:52 Uhr CNST (19. Oktober 19:52 Uhr UTC) auf der Landebahn 07L des Hong Kong International Airport aufsetzte. Das Flugzeug hatte auf 90 kn (ca. 167 km/h) abgebremst, bevor es etwa 5.000 ft (ca. 1.500 m) hinter der Landeschwelle nach links von der Landebahn abkam. Nach dem Abkommen kollidierte das Flugzeug mit einem stehenden Patrouillenfahrzeug, welches sich außerhalb des umzäunten Bereichs des Flughafens an einem Beobachtungspunkt entlang eines Kontrollwegs befand. Das Flugzeug rutschte die Böschung hinab, brach in zwei Teile und kam im Meer zum Stehen, wobei der Rumpf im Wasser versank und deutlich sichtbare Risse aufwies. Die Flughafenfeuerwehr wurde um 03:55 HKT alarmiert und begann zwei Minuten später mit der Rettungsaktion. Das Bodenfahrzeug wurde etwa fünf Meter ins Meer geschleift und kam in sieben Metern Wassertiefe zum Liegen.
Das Flugzeug sendete kein Notfallsignal und reagierte nicht auf Ansprachen der Flugsicherung. Gemäß verfügbaren ADS-B-Daten rollte das Flugzeug mit einer Restgeschwindigkeit von 49 kn (91 km/h) ins angrenzende Meer. Zum Zeitpunkt des Unfalls betrug die Windgeschwindigkeit etwa 4 kn (7 km/h) aus nordöstlicher Richtung mit Böen von bis zu 21 Knoten (39 km/h). Mindestens eine der Notrutschen des Flugzeugs entfaltete sich vollständig.
Die vier Besatzungsmitglieder des Flugzeugs konnten sich selbstständig retten und wurden in ein Krankenhaus gebracht. Der Fahrer des getroffenen Fahrzeugs starb, während der Beifahrer in das North Lantau Hospital gebracht wurde, wo er später seinen Verletzungen erlag. Mindestens 213 Feuerwehrleute und Sanitäter, 45 Fahrzeuge, Schiffe und ein Hubschrauber des Flugdienstes unterstützten die Rettungsbemühungen. Die betroffene Landebahn 07L/25R wurde gesperrt, während die beiden anderen Landebahnen des Flughafens in Betrieb blieben. 12 Frachtflüge wurden im Laufe des Tages annulliert, während Passagierflüge nicht betroffen waren. Die Landebahn wurde am Abend des Folgetags durch den Betreiber wieder freigegeben, jedoch in den Bereitschaftsbetrieb versetzt, um die Bergung zu erleichtern.
Emirates bestätigte, dass das Flugzeug keine Fracht geladen hatte.
Untersuchung Hongkongs Luftfahrtbehörde Air Accident Investigation Authority (AAIA) erklärte in einer Stellungnahme, dass sie den Vorfall in Zusammenarbeit mit der Fluggesellschaft und anderen Beteiligten untersuche. Das amerikanische National Transportation Safety Board (NTSB) teilte in einem Tweet mit, dass es fünf Ermittler zur Unterstützung entsende. Auch die türkische Luftverkehrsbehörde () sowie Experten von Boeing sind an der Untersuchung beteiligt.
Der Flugdatenschreiber und der Cockpit-Voice-Recorder wurde am 21. Oktober im Meer lokalisiert.
mini|Das geborgene Wrack der Maschine Der Flugzeugrumpf wurde am 26. Oktober geborgen und per Schiff abtransportiert, das Heck des Flugzeugs wurde bereits am 24. Oktober geborgen. Der Flugdatenschreiber und der Cockpit-Voice-Recorder wurden zur vorläufigen Untersuchung in ein Labor geschickt. Vor der Bergung führten Experten eine Unterwasser-Sonarkartierung durch.
Am 18. November 2025 veröffentlichte die AAIA einen Zwischenbericht. Demnach wurde der Flug mit defekter Schubumkehr des äußere rechten Triebwerks (Triebwerk Nr. 4) durchgeführt, was im Rahmen der Minimum Equipment List zulässig ist. Nach dem Aufsetzen und der Aktivierung der Schubumkehr der beiden inneren Triebwerke (Nr. 2 und 3) lieferte das Triebwerk Nr. 4 laut Flugdatenschreiber einen einseitigen Vorwärtsschub. Triebwerk 1 befand sich im Leerlauf und dessen Schubumkehr wurde nach dem Abkommen von der Landebahn ebenso aktiviert.
Siehe auch Western-Airlines-Flug 2605 und LATAM-Perú-Flug 2213 – Andere Flüge, die mit Bodenfahrzeugen kollidierten und deren Insassen töteten. Liste der Totalverluste der Boeing 747
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Einzelnachweise
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