Das Böse kommt auf leisen Sohlen (Originaltitel: Something Wicked This Way Comes) ist ein US-amerikanischer Film des Regisseurs Jack Clayton aus dem Jahr 1983 mit Jason Robards, Jonathan Pryce, Diane Ladd und Pam Grier in den Hauptrollen.
Der von Walt Disney Productions in Zusammenarbeit mit Bryna Productions produzierte Horrorfilm basiert auf dem gleichnamigen Roman von Ray Bradbury aus dem Jahr 1962, der auch das Drehbuch schrieb.
Der englische Originaltitel stammt aus einem Vers aus der ersten Szene des vierten Akts von William Shakespeares Macbeth: „By the pricking of my thumbs / Something wicked this way comes“. Er wird von einer der Hexen gesprochen und kündigt das Nahen von Macbeth an. Im Deutschen wird er oft mit „Mir juckt es in den Daumen / Böses kommt daher geschlichen“ oder „Ein Ziehen in meinen Daumen sagt mir: / Etwas Böses naht sich hier“ übersetzt.
Handlung In Green Town, Illinois, verlassen zwei Jungen – der zurückhaltende Will Halloway und der rebellischere Jim Nightshade – eine Nachsitzstunde wegen „Flüsterns im Unterricht“ und eilen nach Hause. Die Jungen wohnen nebeneinander und wurden im Abstand von einer Minute an Halloween geboren. Will lebt mit seiner Mutter und seinem Vater zusammen, während Jim bei seiner alleinerziehenden Mutter lebt; es wird angedeutet, dass der Vater sie verlassen hat. Der Blitzableiter-Verkäufer Tom Fury erscheint und verkauft Jim einen Blitzableiter, mit dem Hinweis, dass er ihn vor einem bevorstehenden Sturm schützen werde. Bald erfahren die Jungen von einem Jahrmarkt, „Dark’s Pandemonium Carnival“, der von dem unheilvollen Mr. Dark geleitet wird.
Der Jahrmarkt wird über Nacht aufgebaut. Will und Jim bemerken, dass die Bewohner seltsam fasziniert von einigen der Attraktionen sind. So sieht der amputierte Barkeeper Ed in einem magischen Spiegel seinen verlorenen Arm und sein Bein wieder, und die Lehrerin der Jungen, Miss Foley, sieht sich als Jugendliche. Will und Jim entdecken ein abgesperrtes Karussell und werden von dem misstrauischen Mr. Dark vertrieben. Später beobachten sie, wie er das Karussell an seinem Assistenten Mr. Cooger einsetzt, der sich in einen kleinen Jungen zurückverwandelt. Will und Jim besuchen Miss Foley, bei der gerade ihr „Neffe“ zu Besuch sei – tatsächlich Cooger –, und sie müssen gehen.
Miss Foley wird zusehends jünger, verliert jedoch ihre Sehkraft und wird von Cooger zu Mr. Dark gebracht. Jim, der Will um dessen Alter beneidet, will daraufhin auch das Karussell benutzen und es kommt zum Streit zwischen den Jungen. Sie beobachten, wie Mr. Dark Fury foltert, um das Geheimnis des bevorstehenden Sturms zu erfahren. Als die Jungen entdeckt werden, fliehen sie. In der Nacht werden sie von Vogelspinnen angegriffen, doch Furys Blitzableiter wehrt die Spinnen ab und die Jungen sind gerettet.
Am Morgen führt Mr. Dark seinen Jahrmarkt in einer Parade durch die Stadt: einige der Stadtbewohner gehören ihm nun an. Wills Vater Charles erkennt, dass die Jungen in Gefahr sind. Charles, Will und Jim gehen zur Bibliothek von Green Town, wo Charles den Jungen offenbart, dass der Jahrmarkt schon früher in die Stadt gekommen sei und sein eigener Vater gegen ihn gekämpft habe. Mr. Dark erscheint, der Will und Jim sucht. Er bietet Charles seine Jugend zurück, doch dieser lehnt ab. Er wird niedergeschlagen, und die Jungen werden zum Jahrmarkt entführt. Nachdem Charles wieder zu sich kommt, eilt er zum Jahrmarkt, gerade als der Sturm beginnt. Er trifft auf Jims Mutter und kann auch sie vor Mr. Darks Kräften retten.
Charles betritt das Spiegellabyrinth und wird von Mr. Dark wegen seines Alters verspottet. Durch Wills Liebe zu seinem Vater wird der Bann allerdings gebrochen, und auch Fury entkommt aus seiner Gefangenschaft. Will und Charles finden Mr. Dark, der gerade versucht, das Karussell bei Jim anzuwenden und retten auch ihn. Das Fahrgeschäft wird von einem Blitz getroffen, und Mr. Dark beginnt an zu altern und zerfällt. Jim erwacht, und zusammen mit Will und Charles fliehen sie mit den Pferden, Ponys und Stadtbewohnern vom Jahrmarkt, bevor dieser in einen riesigen Tornado gesogen wird.
Produktion Ray Bradbury schrieb Something Wicked This Way Comes ursprünglich 1952 als Drehbuch, nachdem er Gene Kelly 1951 in Du sollst mein Glücksstern sein (1952) gesehen hatte – ein Film, den Bradbury nach eigenen Angaben für das beste Musical aller Zeiten hielt. Er zeigte Kelly das Drehbuch, und dieser war so begeistert, dass er es als sein nächstes Filmprojekt umsetzen wollte. Als Kelly die Geschichte 1958 potenziellen Geldgebern vorstellte, gelang es ihm jedoch nicht, die nötigen Mittel zu beschaffen. Erst nach diesem Scheitern überarbeitete Bradbury die Geschichte zu einem Roman, in den er auch Elemente seiner Kurzgeschichte Black Ferris aus dem Jahr 1948 einfließen ließ.
1971 erklärte sich Bradbury bereit, ein neues Drehbuch basierend auf dem Roman für Jack Clayton zu schreiben, mit dem er zuvor an Moby Dick gearbeitet hatte. Im Januar 1973 wurde Sam Peckinpah als Regisseur des Films angekündigt, mit dem neuen Drehbuch von Bradbury.
Im Juni 1976 kehrte Clayton als Regisseur zurück und das Projekt wurde von der Bryna Company entwickelt, der damaligen Produktionsfirma von Kirk Douglas. Douglas zeigte Interesse an dem Projekt, nachdem er Bradbury in einer Buchhandlung in Los Angeles getroffen hatte; er beabsichtigte, selbst die Hauptrolle zu übernehmen. Douglas’ Sohn Peter Douglas sollte zusammen mit Robert Chartoff und Irwin Winkler die Produktion übernehmen. Sie sicherten sich ein Produktionsbudget durch Paramount Pictures in Höhe von 6.000.000 US-Dollar und die Produktion sollte in Texas beginnen. Die Produktion begann jedoch nie und der Film wurde schließlich vom damaligen Paramount-CEO Barry Diller gegen den Widerstand des Präsidenten der Spielfilmabteilung David V. Picker in die Turnaround-Phase versetzt. Zu verschiedenen Zeitpunkten zeigten Mark Rydell, David Lean und Steven Spielberg Interesse an einer Umsetzung.
Zu dieser Zeit konzentrierte sich Walt Disney Pictures auf Filme mit reiferen Themen, um sich von seinem Image als Animations- und Familienfilmstudio zu lösen. 1981 erwarb Disney die Filmrechte an Something Wicked This Way Comes und kündigte die Produktion mit einem Budget von 16 Millionen US-Dollar an. Bradbury wurde um Vorschläge für Besetzung und Regie gebeten und empfahl erneut Clayton, da sie bei Paramount bereits gut zusammengearbeitet hatten. Peter Douglas kehrte als Produzent zurück, doch Kirk Douglas konnte trotz seiner Rolle in der Vorproduktion nicht mitwirken. In einer Ausgabe von Cinefantastique aus dem Jahr 1981 erklärte Bradbury, dass seine Wunschbesetzung für Mr. Dark Peter O’Toole und Christopher Lee gewesen sei, doch um das Budget zu schonen, entschied sich Disney für Jonathan Pryce, der damals noch relativ unbekannt war.
Die Hauptdreharbeiten begannen am 28. September 1981 und dauerten 77 Tage. Gedreht wurde hauptsächlich auf Disneys „Golden Oak Ranch“ in Newhall in Kalifornien, da Außenaufnahmen zu teuer gewesen wären. Einige Außenszenen wurden schließlich in Vermont gedreht. Die Eisenbahnszenen wurden auf der Sierra Railroad im Tuolumne County in Kalifornien gedreht. Während der Produktion entwickelten sich zwei unterschiedliche Visionen: Bradbury und Clayton wollten dem Roman möglichst treu bleiben, während Disney einen zugänglicheren, familienfreundlichen Film bevorzugte. Bradbury und Clayton zerstritten sich, als Bradbury erfuhr, dass Clayton auf Wunsch des Studios John Mortimer für eine nicht genannte Überarbeitung des Drehbuchs engagiert hatte.
Bei einer Veranstaltung nach einer Filmvorführung im Jahr 2012 erklärte Schauspieler Shawn Carson, dass er etwa zehnmal für die Rolle des Will vorgesprochen habe, aber auf Wunsch von Bradbury schließlich als Jim Nightshade besetzt wurde. Obwohl er zu diesem Zeitpunkt blond war und Co-Star Vidal Petersen dunkles Haar hatte, wurde Carsons Haar tiefschwarz gefärbt und Petersens blond gebleicht, um der neuen Besetzung zu entsprechen.
Für die Originalmusik wählte Clayton Georges Delerue, der bereits seine Filme Schlafzimmerstreit und Our Mother’s House vertont hatte. Doch Delerues Musik wurde kurzfristig durch eine Komposition von James Horner ersetzt, da Bedenken wegen ihres „aggressiv düsteren“ Charakters geäußert wurden. Ein Soundtrack-Album mit Delerues verworfener Musik wurde 2015 von Intrada Records veröffentlicht, die bereits 2008 Horners Ersatzmusik herausgebracht hatten.
Editor Barry Gordon wurde als Assistent des ursprünglichen Editors Argyle Nelson Jr. engagiert. Er erinnerte sich 2012 daran, dass Disney nach Einreichung von Claytons Originalschnitt Bedenken hinsichtlich Länge, Tempo und kommerzieller Attraktivität äußerte. Das Studio entzog Clayton daraufhin das Projekt und führte eine kostspielige sechsmonatige Nachbearbeitung und Neudrehs durch, wodurch die beiden Kinderdarsteller in einigen Szenen deutlich älter wirkten. Nelson wurde aus Budgetgründen entlassen, und obwohl Gordon bereit war, ihm zu folgen und das Projekt zu verlassen, ermutigte Nelson ihn zu bleiben. Gordon übernahm schließlich den finalen Schnitt, was zu einer Nennung beider im Abspann führte.
Insgesamt investierte Disney weitere vier Millionen US-Dollar für die Nachdrehs, den Neuschnitt und die Neuvertonung, wodurch sich der ursprünglich für Weihnachten 1982 geplante Veröffentlichungstermin um fünf Monate verzögerte. Gordon musste zahlreiche Änderungen an der ursprünglichen Schnittfassung von Clayton und Nelson vornehmen, darunter das Entfernen mehrerer bedeutender Spezialeffektszenen sowie die Integration neuen Materials unter der Regie des Visual-Effects-Künstlers Lee Dyer, einschließlich eines neuen Prologs, gesprochen von Arthur Hill. Zu den Streichungen gehörte eine bahnbrechende Animationsszene, die zu den ersten größeren Anwendungen von computergenerierten Bildern in einem Hollywood-Film gezählt hätte. Durch die Kombination der damals neuen CGI-Technologie mit traditioneller Animation wurde gezeigt, wie Darks Zirkuszug in die Stadt einfährt und der Jahrmarkt sich magisch materialisiert: der Rauch der Lokomotive verwandelte sich in Seile und Zelte, Baumäste formten ein Riesenrad und ein Spinnennetz verwandelte sich in ein Glücksrad. Die gelöschte Szene wurde ausführlich in der Mai–Juni-Ausgabe des Twilight Zone Magazine im Jahr 1983 vorgestellt, doch der Neuschnitt behielt nur wenige Sekunden der Sequenz bei.
Eine weitere entfernte Szene zeigte, wie Mr. Dark seine finsteren Kräfte einsetzt, um eine riesige körperlose Hand auszusenden, die ins Haus greift, um die Jungen zu packen. Disney-Manager hielten den mechanischen Effekt für nicht realistisch genug und ersetzten ihn durch eine Szene, in der das Zimmer von Hunderten Vogelspinnen überrannt wird – gedreht mit echten Tieren. Jahre später erinnerte sich Shawn Carson an das erhebliche Unbehagen, das er und Vidal Petersen durch die reizenden Brennhaare der 200 eingesetzten Vogelspinnen erlitten.
Die ursprünglichen Themen von Bradburys Roman – das Gefühl latenter Bedrohung, die herbstliche Atmosphäre einer Kleinstadt im Mittleren Westen der USA und die zwischenmenschlichen Beziehungen der Figuren, die Clayton besonders ansprachen – gingen bei den Testvorführungen völlig verloren, was zu starker Kritik an Clayton führte. Neue Spezialeffektszenen wurden gedreht und eine hastig komponierte neue Filmmusik von James Horner ersetzte Delerues dunkel-melancholische Originalkomposition.Lerouge, Stephanie Georges Delerue Unused Scores 2011 CD liner notes Erste Testvorführungen kamen beim Publikum nicht gut an, woraufhin Disney Bradbury erneut beauftragte, eine einleitende Erzählsequenz und ein neues Ende zu schreiben.