mini|Abbildung der Anti-Freimaurer-Ausstellung in Belgrad (1942), welche Stalin und Churchill als Marionetten einer „Jüdisch-freimaurerischen Weltverschwörung“ zeigtAntimasonismus bzw. umgangssprachlich Anti-Freimaurerei ist die Ablehnung, Verfolgung oder Diffamierung der Freimaurerei und ihrer Anhänger. Diese Gegnerschaft trat in vielfältigen Formen auf, von religiösen Verurteilungen über staatliche Verbote bis hin zu Inhaftierungen und Morden. Historisch wurden Freimaurer in verschiedenen Ländern diskriminiert und verfolgt; insbesondere totalitäre Regimes des 20. Jahrhunderts, etwa im nationalsozialistischen Deutschland, im faschistischen Italien, im franquistischen Spanien oder in kommunistischen Staaten, unterdrückten Freimaurerlogen und stellten Freimaurer unter Generalverdacht. Auch einige christliche Kirchen und islamische Autoritäten verurteilten die Freimaurerei aus ideologischen oder theologischen Gründen. Nicht zuletzt ranken sich zahlreiche Verschwörungstheorien um die Freimaurer, die ihnen geheimen politischen Einfluss oder subversive Ziele unterstellen. Antimasonismus basierte zumeist auf dem Vorwurf, die Freimaurerei sei eine verschwörerische Geheimgesellschaft, die Religion, Staat und Gesellschaft unterwandere, was immer wieder als Rechtfertigung für repressive Maßnahmen herangezogen wurde.

Hintergrund Die moderne Freimaurerei entstand im frühen 18. Jahrhundert in England als brüderlicher Zusammenschluss mit geheimen Ritualen. Aufgrund ihrer Verschwiegenheit und ihres überkonfessionellen Anspruchs geriet sie bald in Konflikt mit etablierten Autoritäten. Bereits 1738 verurteilte Papst Clemens XII. die Freimaurer und belegte katholische Logenmitglieder mit Exkommunikation. Die päpstlichen Erlasse warfen den Freimaurern vor, einen naturalistischen und religionsfeindlichen Geheimbund zu bilden, der durch strikte Geheimhaltung und fragwürdige Eide die christliche Ordnung und den Staat untergrabe. Neben religiösen Einwänden wurden auch politische Motive für Antimasonismus geltend gemacht: Da Freimaurerlogen häufig liberale, aufklärerische Ideen pflegten, betrachteten absolutistische Herrscher und später totalitäre Regime die Logen als potenzielle Brutstätten von Umsturz und Opposition. Zudem sahen Kritiker in der bruderschaftlichen Solidarität der Freimaurer eine Art von Klüngel, der meritokratische oder demokratische Prinzipien unterlaufe. In einigen Ländern, etwa in den USA im frühen 19. Jahrhundert, wurden die Freimaurer daher als elitärer Geheimbund angeprangert, der mit seinen Geheimnissen nicht in eine offene, egalitäre Gesellschaft passe. So bildeten sich im Laufe der Zeit unterschiedliche Strömungen des Antimasonismus heraus: eine religiös motivierte, eine politische und eine von Verschwörungstheorien genährte, die oft ineinandergriffen.

Historische Verfolgung von Freimaurern

Vereinigte Staaten mini|Darstellung der Entführung von William Morgan In den Vereinigten Staaten erreichte der Antimasonismus in den 1820er und 1830er Jahren einen Höhepunkt. Auslöser war die Morgan-Affäre (Morgan Affair). 1826 verschwand in New York der Freimaurer-Aussteiger William Morgan spurlos, nachdem er angekündigt hatte, ein Buch mit Logengeheimnissen zu veröffentlichen. Morgan wurde vermutlich von erbosten Freimaurern entführt und ermordet, ein Verdacht, der landesweit Empörung auslöste und die Freimaurerei in Verruf brachte. In der Folge entstanden Bürgerkomitees gegen die Masons und schließlich 1828 die Anti-Masonic Party, die erste Drittpartei in der US-Geschichte. Unter Anführern wie dem Verleger Thurlow Weed trat diese Partei mit dem Ziel an, den politischen Einfluss der Freimaurer zu brechen. Die Anti-Masons brandmarkten die Freimaurerei als korrupte, elitäre Geheimgesellschaft, die den jungen demokratischen Staat unterwandere. Besonders Präsident Andrew Jackson, selbst hochrangiger Freimaurer, geriet in ihr Visier und wurde im Wahlkampf als Werkzeug einer geheimen Logen-Oligarchie dargestellt.

1832 stellte die Anti-Masonic Party mit William Wirt einen eigenen Präsidentschaftskandidaten, der jedoch mit nur 8 Prozent der Stimmen gegen Jackson unterlag. Zwar zerfiel die Partei bis Mitte der 1830er Jahre wieder, doch führte ihre Agitation zu einem dramatischen Mitgliederschwund in den Logen jener Zeit. Freimaurerische Symbole verschwanden zeitweilig aus dem öffentlichen Leben, und viele Amtsträger vermieden jede Verbindung zur Freimaurerei.

NS-Deutschland mini|Ein umgekehrtes rotes Dreieck kennzeichnete Freimaurer in Konzentrationslagern der Nazis In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Freimaurerei systematisch verfolgt. Bereits kurz nach der Machtübernahme 1933 ordnete die NS-Regierung die Auflösung aller Logen an; ihre Vermögen und Archive wurden beschlagnahmt. Mitglieder von Freimaurerlogen wurden aus dem Staatsdienst gedrängt und durften der NSDAP nicht beitreten, sofern sie nicht vor dem Stichtag ihre Loge verlassen hatten. In der NS-Ideologie galten Freimaurer als Teil der „jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung“. Adolf Hitler behauptete etwa, die Freimaurerei sei im Verbund mit dem „Weltjudentum“ Deutschland im Ersten Weltkrieg in den Rücken gefallen. NS-Propagandisten wie Julius Streicher schürten in Zeitungen wie Der Stürmer mit Karikaturen eines „jüdisch-freimaurerischen“ Komplotts den Hass. Reinhard Heydrich, Chef des Sicherheitsdienstes, bezeichnete Freimaurer neben Juden und politischen Klerikern als „unerbittlichste Feinde des deutschen Volkes“. Er richtete im SD eine Spezialabteilung zur Überwachung der Freimaurerei ein, da die Nazis glaubten, die Logen übten geheimen politischen Einfluss aus und könnten Krieg und Revolution schüren.Freemasonry under the nazi regime. Holocaust Encyclopedia, United States Holocaust Memorial Museum.

Freimaurer galten im Dritten Reich als Staatsfeinde. Bis 1935 lösten sich alle deutschen Logen selbst auf, Vermögen, Bibliotheken und Archive wurden eingezogen.Jana Richter: Freimaurer. In: Wolfgang Benz, Hermann Graml und Hermann Weiß (Hrsg.): Enzyklopädie des Nationalsozialismus. Klett-Cotta, Stuttgart 1997, S. 470. In Konzentrationslagern wurden verhaftete Logenbrüder als politische Häftlinge eingestuft und mit einem umgekehrten roten Winkel gekennzeichnet. Ihre genaue Zahl und ihr Schicksal sind schwer zu quantifizieren, da viele zugleich aus rassistischen oder politischen Gründen verfolgt wurden. Sicher ist, dass zahlreiche Freimaurer, vor allem solche, die zugleich Juden oder Regimegegner waren, inhaftiert und einige ermordet wurden. Zu den wenigen hochrangigen Freimaurern auf der höheren Ebene des NS-Staats zählte der Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht.John Weitz: Hitlers Bankier. Hjalmar Schacht. Europa-Verlag, München/Wien 1998, ISBN 3-203-84003-0, S. 57 f.

Die Nationalsozialisten veranstalteten zudem in den besetzten Ländern Europas Antimasonismus-Ausstellungen (u. a. 1940 in Paris, 1941 in Brüssel), in denen sie beschlagnahmte Logenrituale und Symbole ausstellten, um die Bevölkerung aufzuwiegeln. In den von den Nazis besetzten Ländern wurde die Freimaurerei ebenfalls verfolgt und Logen zerschlagen. NS-Propaganda verbreitete dabei die Behauptung, Freimaurer und Juden hätten gemeinsam den Zweiten Weltkrieg provoziert und würden etwa die Politik des amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt steuern, der selbst Freimaurer war.

Faschistisches Italien Auch im faschistischen Italien wurde die Freimaurerei rigoros unterdrückt. Benito Mussolini und seine Anhänger sahen in den Logen ein Zentrum liberaler und oppositioneller Umtriebe. Bereits 1923/24 kam es zu Übergriffen durch faschistische Schwarzhemden auf italienische Logen: Mehrere Logentempel (z. B. in Prato und Pistoia) wurden verwüstet oder niedergebrannt, und eine bedeutende freimaurerische Bibliothek (Loge Ernesto Nathan in Termoli) wurde zerstört. Diese Gewaltakte mündeten in eine „landesweite Verfolgungsaktion“ gegen die Staatsfeinde Freimaurer und Sozialisten.

1924 erließ Mussolini einen Befehl, dass jedes Mitglied der Faschistischen Partei entweder aus der Partei oder aus der Freimaurerei austreten müsse, beides zugleich wurde als unvereinbar betrachtet. Schließlich verabschiedete das Parlament auf Mussolinis Betreiben am 19. Mai 1925 das Gesetz Nr. 2029, das sämtliche Freimaurerorganisationen in Italien verbot. Wenig später, im Oktober 1925, besetzte die faschistische Polizei den Palazzo Giustiniani in Rom, den historischen Sitz des Grande Oriente d’Italia, und beschlagnahmte das dortige Eigentum der Großloge. Bis Anfang 1926 wurden alle Logen zwangsaufgelöst. Viele führende italienische Freimaurer gingen ins Exil oder zogen sich ins Privatleben zurück. Erst nach dem Sturz des Faschismus 1943/45 konnte die Freimaurerei in Italien wieder legal auferstehen; die Rückgabe beschlagnahmter Logenhäuser und Archive zog sich jedoch bis in die 1960er Jahre hin.

Franco-Spanien mini|Spanisches Propagandaposter aus der Bürgerkriegszeit In Spanien kulminierte die Verfolgung der Freimaurer während der Diktatur von General Francisco Franco (1939–1975). Als glühender Anhänger des Katholizismus und Antiliberalismus sah er in Freimaurern seit jeher Todfeinde. Sein Regime sprach von einem angeblichen „jüdisch-freimaurisch-bolschewistischen Komplott“ (contubernio judeo-masónico-bolchevique) gegen Spanien. Tatsächlich waren in der liberalen Zweiten Spanischen Republik (1931–1936) viele hohe Politiker Freimaurer gewesen (darunter mehrere Ministerpräsidenten), worin Franco den Beleg für eine Verschwörung sah. Dionisio Cano López vertrat den Antimasonismus im Parlament. Unmittelbar nach Putsch gegen die Republik 1936 ließ Franco alle realen oder vermeintlichen Freimaurer in den von Nationalisten eroberten Gebieten systematisch verfolgen.

Die Repression in den franquistischen Territorien war extrem brutal. Logengebäude wurden geplündert oder niedergebrannt, und die Mitgliederlisten fielen den Putschisten in die Hände. Viele Freimaurer wurden von ihnen verhaftet, gefoltert und hingerichtet. Bis 1937 waren praktisch alle Freimaurer, die nicht fliehen konnten, ermordet worden. Francos Helfer wie der Priester Juan Tusquets, Autor des einschlägigen Buches Orígenes de la revolution española (1932), führten Akten über zehntausende tatsächliche oder angebliche Freimaurer, um die „Feinde“ lückenlos zu erfassen. Ein weiterer Agitator war der unter dem Pseudonym Mauricio Karl schreibende Polizist Mauricio Carlavilla. 1940 erließ das Regime ein Gesetz zur „Unterdrückung der Freimaurerei und des Kommunismus“, das die Logenzugehörigkeit unter schwere Strafen stellte. Schon der bloße Nachweis der Freimaurerschaft zog eine mindestens 12-jährige Haftstrafe nach sich; Freimaurer mit höheren Graden (18. und aufwärts) konnten sogar zum Tode verurteilt werden.

Bis in die 1970er Jahre wurde die Freimaurerei verfolgt und Franco selbst machte die Freimaurer bis zu seinem Lebensende für vieles verantwortlich, was er als Übel ansah. „Das ganze Geheimnis der gegen Spanien entfesselten Kampagnen erklärt sich mit zwei Worten: Freimaurerei und Kommunismus… Wir müssen diese beiden Übel in unserem Land ausrotten“, erklärte er einmal programmatisch. Er sah die Freimaurerei gleichbedeutend mit Liberalismus und Antiklerikalismus. Erst nach Francos Tod 1975 und dem Ende des Regimes wurden die antimasonischen Gesetze aufgehoben und die spanischen Logen konnten ab 1979 wieder legal tätig werden.

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