Sottomarina ist eine Insel am Südrand der Lagune von Venedig, die zu Chioggia gehört. Dabei bilden die Lagune, das offene Meer und der Fluss Brenta im Süden die Grenzen der etwa dreieckigen, 2,36 km² großen Insel. Im Südwesten der Insel liegt Brondolo, wo sich seit dem Frühmittelalter ein bedeutendes Kloster befand. Vor der Umleitung der Brenta vor rund einem Jahrhundert war Sottomarina eine Halbinsel, heute schließt der Fluss die nunmehrige Insel nach Süden ab.

Kulturell steht der Norden eher Venedig nahe, der Süden hingegen Chioggia. Während der Norden, der ältere Teil der Stadt Sottomarina, eher der Altstadt von Chioggia ähnelt, ist der Süden von jüngeren Bauten und Straßen geprägt. Die Ostseite wird von einem bis zu 300 m breiten Sandstrand beherrscht. Sottomarina ist dementsprechend ein viel besuchter Badeort, in dem mehr als die Hälfte der Einwohner Chioggias lebt.

Geographie, Gliederung, Nachbarinseln Die Lagune von Venedig, an deren äußerstem Südrand Sottomarina liegt, umfasst eine Fläche von ca. 550 km². Sie ist ein durch Landzungen und vier langgestreckte Inseln weitgehend von der Adria abgetrennter Meerbusen. Zwischen diesen langen Sandbänken bestehen drei Durchfahrten, durch die die Gezeiten der Adria auf die Lagune einwirken. Dabei ist die venezianische Lagune nur eine in einer Lagunenkette, die sich vom Raum Ravenna bis zur Lagune von Grado erstreckt. Diese Lagunen entstanden durch Ablagerungen der Brenta und anderer Flüsse, vor allem von Tagliamento, Sile und Piave. Die Lagune von Venedig entstand vor rund 6000 Jahren, nachdem der steigende Meeresspiegel die Adria weiter nordwärts ausgedehnt hatte – die Gletscher der letzten Eiszeit schmolzen und ließen den Meeresspiegel um mehr als 100 m ansteigen – und während küstenparallele Strömungen die Ablagerungen der Flüsse auf fünf bis sieben Meter hohen Strandwällen aufhäuften. Die Ablagerungen der Flüsse schufen, indem sie ihre Sedimente ostwärts vorschoben, die Lagunenränder von der Festlandsseite her. Dieser Rand wanderte immer weiter in die Adria, wobei die Nehrung an acht Stellen durch Durchfahrten unterbrochen war. Die Umleitung der Flüsse um die Lagune herum führte dazu, dass das Wasserbecken im Süden, die laguna viva, durch die Spülwirkung der Adria immer tiefer wird. mini|Blick von Chioggia auf Sottomarina 2012 stellte sich heraus, dass die Regionen des Gebietes mit unterschiedlicher Geschwindigkeit absinken. Demnach sinkt der Untergrund im nördlichen Teil der Lagune nur um 2 mm pro Jahr, hingegen doppelt so schnell im südlichen Bereich. Zugleich kippt die Region ein wenig nach Osten, was die Abwärtsbewegung für den Ostrand der Lagune verstärkt. Die Adriaplatte, auf der die gesamte Lagunenlandschaft ruht, taucht unter dem Apennin unter die Eurasische Platte.Daniel Lingenhöhl: Venedig versinkt weiter, in: Spektrum, 21. März 2012.

Den Südrand der sich keilförmig nach Norden verjüngenden Insel Sottomarina bildet seit rund einem Jahrhundert der Fluss Brenta, eine kleine, bewaldete Insel befindet sich im Fluss. Den Norden der Insel beherrscht die städtische Siedlung, ebenso wie den Westen. Im Osten befinden sich hingegen die touristischen Einrichtungen entlang der breiten Strände. Im Süden schließlich dominiert die Landwirtschaft. mini|Forte San Felice, unmittelbar an der Durchfahrt zur Adria gelegen, aus der Luft. Die dortigen Festungswerke reichen bis in das 14. Jahrhundert zurück. Nördlich von Sottomarina, dessen Uferbefestigungen sich von Forte San Felice im Westen auf einer Linie ostwärts bis zu einem Leuchtturm erstrecken, dem Faro Rosso Chioggia,Fotografien. der bereits weit in der Adria steht, schließt sich die langgestreckte Insel Pellestrina an. An der Westseite Sottomarinas befinden sich von Nord nach Süd: die kleine Insel Del Buon Castello, Isola dell’Unione (von dort geht es weiter nach Chioggia), dann die große Insel Borgo San Giovanni. Südlich und westlich davon befinden sich weitere, zum Teil sehr kleine Inseln, die partiell unter Wasser liegen.

Verkehr mini|Bebauung an der Viale Mediterraneo, einer der Hauptverkehrsachsen der Insel Nahe der Grenze zwischen Stadt und Agrarland durchquert die Viale Mediterraneo als eine der Hauptverkehrsachsen die Insel von Ost nach West, wobei sie Sottomarina mit der westlich benachbarten Insel Borgo San Giovanni verbindet; diese Aufgabe bewältigt die kleinere Via Roma bei der Verbindung mit der nördlicher gelegenen Isola dell’Unione, die weiter Richtung Chioggia führt. Die Via San Marco, die Viale Padova und Lungomare Adriatico sowie die Viale Vittor Pisani – benannt nach einem Admiral des 14. Jahrhunderts namens Vettor Pisani – bewerkstelligen die Straßenverbindung nach Norden Richtung Stadt und bis zum Fähranleger nach Pellestrina. Die Verbindung nach Süden bewältigen im Westen die Via Padre Emilio Venturini, im Osten die Via Agostino Barbarigo. Der gesamte Autoverkehr über den Brenta läuft über die Strada Statale 309 Romea, die bis nach Ravenna führt.

Geschichte Urgeschichte, römische Siedlungen mini|Filippo Naymiller: Provincia di Padova, Atlante Geografico dell’Italia, Francesco Vallardi, 50 × 33 cm, nach 1866 Mit fortschreitender archäologischer Beforschung der Lagune wurden die ältesten menschlichen Spuren bis ins Mesolithikum zurückverfolgt, allerdings tauchen solche Spuren im Süden erst sehr viel später auf. In der Eisenzeit kontrollierten offenbar Padua und Altinum die Lagune, wobei sich Patavium auf den mittleren und südlichen Teil der Lagune, Altinum auf den nördlichen konzentrierte.Paola Furlanetto, Aldino Bondesan, Luigi Fozzati, Ernesto Canal, Roberto Rosselli, Barbara Bertani: Siti archeologici a rischio di erosione nella laguna di Venezia. Evoluzione geomorfologica e popolamento antico, in: Geologia dell’Ambiente, Supplemento al n. 1/2012, S. 41–46. Eine durchgängige Besiedlung bestimmter Punkte in der Lagune war angesichts der starken klimatischen Schwankungen noch kaum möglich. Inseln versanken, sobald der Meeresspiegel wieder anstieg, und auch die Dynamik des Untergrunds der Lagune war von Bedeutung, vor allem aber die Frage, welche Mengen an Sedimenten durch welche Flüsse wo eingetragen wurden.

Als gesichert gilt die durchgängige Besiedlung spätestens ab dem 1. Jahrhundert, wobei zu dieser Zeit der Meeresspiegel noch etwa 3 m tiefer lag als heute. Chioggia war eine römische Militärsiedlung am Südrand der Lagune mit Namen Clodia. Schon im 1. Jahrhundert konnte man auf Wasserwegen, also durch die Lagune, von Ravenna nach Altinum gelangen. Zudem wurden Kanäle (fossae) gezogen. Die fossa Clodia, die bis Chioggia reichte, und die Booten die Vorbeifahrt an Pellestrina, Poveglia und Metamaucum auf dem Lido gestattete, ließ den Verkehr von Ravenna entlang dieser Wasserwege bis nach Altinum zu.

In der Spätantike hieß die heutige Insel Sottomarina Clodia minor, was sie von Chioggia unterschied, das Clodia maior hieß. Um diese Zeit versanken große Städte im Norden der Lagune, wie Ammiana oder Costanziaco, im Wasser. Es ließ sich anhand von Grabungsergebnissen plausibel machen, dass Venedig um 400 noch immer 1,9 m unter dem Meeresspiegel des Jahres 1897 lag.A. J. Ammermann, C. McClennen, M. De Min, R. Housley: Sea-level change and the Archaeology of Early Venice, in: Antiquity 73 (1999) 303–312, hier: S. 307. Bei der Entstehung der Lagune lag der Meeresspiegel noch tiefer, nämlich um rund 5 m. Dieses zunächst relativ langsame Einsinken der Stadt in den Untergrund unter gleichzeitigem Ansteigen des Meeresspiegels begann sich ab dem 5. Jahrhundert zu beschleunigen, nämlich auf durchschnittlich rund 13 cm pro Jahrhundert. Neben den Verwerfungen der Spätantike und der Völkerwanderungszeit mag auch dies zum Bevölkerungsrückgang in der nördlichen Lagune beigetragen haben. In der Spätantike entstanden im Süden der Lagune hingegen wieder größere Inseln, da es in dieser Zeit zu einer Landhebung kam, die bis um 900 andauerte. Dies ließ sich etwa bei der kleinen Insel Torson di Sotto nachweisen.Wladimiro Dorigo: Le origini di Venezia, S. 397.

Verteidigung der Lagune, Kloster Brondolo, Salzgewinnung mini|Byzantinische Gebiete im Osten Oberitaliens um 600, verzeichnet ist auch Clodia Minor Im Frühmittelalter vertrat ein Tribun die byzantinische Macht, die zu dieser Zeit noch bis in die nördliche Adria reichte. Während dieser Zeit kam es zu einem politischen Zentralisierungsprozess, der im 8. Jahrhundert zum Amt des Dogen als Spitze einer die Lagune umfassenden Machtballung führte. Zunächst war Heracleia eine Art Hauptstadt, dann Metamaucum, schließlich ab dem frühen 9. Jahrhundert das heutige Venedig. Der fränkische Angriff König Pippins, eines Sohnes Karls des Großen, auf die Städte der Lagune, der zwischen etwa 803 und 810 erfolgte, wurde von Süden unternommen, genauso wie der Angriff der Ungarn um 899. Daher versuchte Venedig im Raum Sottomarina/Brondolo schon früh eine Sperre durch Festungsbauten zu errichten.

Dieser Besitz musste nicht nur gegen die Karolinger, sondern auch gegen das Heilige Römische Reich abgesichert werden. Dabei halfen nicht so sehr Festungsbauten, sondern vertragliche Abmachungen und die dazugehörigen Zeremonien. Im Süden von Clodia minor, in dieser Epoche noch eine Halbinsel, befand sich spätestens 724 das Kloster Brondolo. 856 empfingen die Dogen Petrus und sein Sohn Johannes Tradonicus König Ludwig II. in diesem Kloster. Dabei erkannte der König den Vertrag seines Vaters mit Venedig an. In einer Urkunde Karls III. wurde Brondolo im Jahr 880 ausdrücklich als Teil Venedigs anerkannt.

Eingriffe in die Lagune: der Brenta-Fluss mini|Karte mit den wichtigsten Wasserwegen, der Brenta mündet noch bei Fusina in die Lagune Innerhalb der Lagune brachte nur das Salz von Chioggia höhere Einnahmen als Ausgaben, klagte im 14. Jahrhundert der Senat. Der Süden der Lagune wurde daher partiell zugunsten von Salinen umgestaltet. Um die Gestaltung und Nutzung der Lagune in geregelte Bahnen zu lenken, wurde 1224 ein eigener Magistrato alle Acque gegründet. Für diesen spielte das Flusssystem eine zentrale Rolle, insbesondere um die Verschlammung der Lagune zu verhindern. 1327 wurde eine erste Umleitung der Mündung des Brenta bei Fusina begonnen. 1336 versuchte man die Vermischung von Süß- und Salzwasser zu verhindern, 1360 wurde die Mündung bei Fusina wiederhergestellt. 1368 wurde sie erneut ins Bacino di Malamocco verlegt, 1437 die Mündung bei Fusina wieder geöffnet, was schon im folgenden Jahr wieder rückgängig gemacht wurde. 1507 verlegte man die Mündung weiter südwärts ins Bacino di Chioggia, 1550 mündete der Fluss erstmals außerhalb der Lagune nahe Chioggia.

Die Republik Venedig ließ den Fluss mehrfach umleiten, einmal ins Becken des Val di Brenta gegenüber von Chioggia. Der so entstandene Kanal wurde Brenta Nova genannt und im Jahr 1507 fertiggestellt. Dann bauten die Venezianer den Parador di Brondolo, einen Damm, um den Fluss von der Lagune von Venedig abzuschneiden und diesen von der Lagune von Brondolo zu trennen. Der Brenta wurde Richtung Brondolo-Einfahrt umgeleitet und in die Lagune von Brondolo weitergeführt. Diese Baumaßnahme wurde 1577 abgeschlossen.

Susinello Marino, Notar von 1348 bis 1364