mini|Plakat zur Ausstellung im Musée de l’Orangerie Impressionnistes et romantiques français dans les musées allemandssinngemäße Übersetzung: Französische Impressionisten und Romantiker aus deutschen Museen war der Titel einer Ausstellung, die vom 19. Oktober 1951 bis zum 6. Januar 1952 im Musée de l’Orangerie in Paris gezeigt wurde. Die dort gezeigten Werke des französischen Impressionismus und der Romantik, darüber hinaus auch des Realismus und des Post-Impressionismus, stammten aus mehreren deutschen Museen. Die vom Publikum und der französischen Presse positiv aufgenommene Schau war wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg ein von der Politik unterstützter kultureller Beitrag zur Normalisierung der deutsch-französischen Beziehungen. Zugleich knüpfte sie an die lange Tradition des kulturellen Austausch zwischen Frankreich und Deutschland an.Martin Schieder: Im Blick des Anderen, die deutsch-französischen Kunstbeziehungen 1945–1959, 2005, S. 82.
Entstehung der Ausstellung Bereits wenige Monate nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gab es verschiedene Initiativen, den Kulturaustausch zwischen Frankreich und Deutschland wiederzubeleben. Großes Echo fand dabei die 1946 zunächst in der Französischen Besatzungszone in Baden-Baden gezeigte Ausstellung Moderne französische Malerei, die anschließend an weiteren Orten in allen alliierten Zonen zu sehen war. Ebenfalls in der unmittelbaren Nachkriegszeit entwickelte Kurt Martin, der Direktor der Kunsthalle Karlsruhe, zusammen mit dem französische Kunstschutzoffizier Maurice Jardot (1911–2002) und dem Gouverneur des Landes Baden Pierre Pène (1898–1972) die Idee, Kunstwerke aus Deutschland in Frankreich zu zeigen.Martin Schieder: Im Blick des Anderen, die deutsch-französischen Kunstbeziehungen 1945–1959, 2005, S. 70. Geplant wurde zunächst eine Ausstellung mit mittelalterlicher Tafelmalerei von Stefan Lochner bis Albrecht Dürer. Diese als Gemeinschaftsprojekt der Westalliierten gedachte Ausstellung sollte in Paris, London und New York zu sehen sein. Das Projekt scheiterte jedoch in der Frühphase der Planung, da das französische Informationsministerium befürchtete, solch eine Ausstellung könne „mit Sicherheit die Gefühle der Franzosen“ verletzen. Der Historiker Michel François (1906–1981) vom Service des Beaux-Arts der französischen Militärregierung riet von der Ausstellung ab, so lang die Rückführung des von Deutschen in Frankreich beschlagnahmten Kulturgutes nicht abgeschlossen sei.
Erst nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949 und der sich entwickelnden deutsch-französischen wirtschaftlichen Zusammenarbeit im Rahmen des Schuman-Plans boten sich neue Möglichkeiten auch für den kulturellen Austausch. Erneut wurde die Idee aufgegriffen, mittelalterliche Kunst aus Deutschland in Frankreich zu zeigen. Hiergegen gab es seitens der französischen Seite durchaus Bedenken. So merkte Germain Bazinm der Konservator der Abteilung für Malerei (Department des Peintures) des Louvre an, dass es problematisch sei, im Titel einer Ausstellung das Wort „deutsch“ zu verwenden. Als Kompromiss wurde der Titel Des Maitres de Cologne a Albert Dürer, Primitifs de l’Ecole Allemande für die im März 1950 im Pariser Musée de l’Orangerie eröffnete Schau gewählt. Die von Germain Bazin und Kurt Martin organisierte Ausstellung stand unter der Schirmherrschaft der deutschen und französischen Regierung. Die Werke stammten unter anderem aus den Museen in Hamburg, Berlin, Darmstadt und München.Martin Schieder: Im Blick des Anderen, die deutsch-französischen Kunstbeziehungen 1945–1959, 2005, S. 71. Es war die erste offizielle Kunstausstellung in Paris mit Werken aus Deutschland, nachdem acht Jahre zuvor ebenfalls im Musée de l’Orangerie die von den Nationalsozialisten organisierte Arno-Breker-Ausstellung gezeigt wurde. Nach diesem frühen Beitrag zur Normalisierung der kulturellen Beziehungen in der Nachkriegszeit gelang es vor allem dem auf Wunsch von Bundeskanzler Konrad Adenauer im Sommer 1950 entsandten Wilhelm Hausenstein als neuer deutscher Generalkonsul weitere Fortschritte auf diesem Gebiet zu erzielen.Martin Schieder: Im Blick des Anderen, die deutsch-französischen Kunstbeziehungen 1945–1959, 2005, S. 72.
Als studierter Kunsthistoriker sah Hausenstein in großen Kunstausstellungen die Chance, „für das deutsch-französische Gesamt-Verhältnis eine besonders günstige Atmosphäre“ zu schaffen.Martin Schieder: Im Blick des Anderen, die deutsch-französischen Kunstbeziehungen 1945–1959, 2005, S. 75. Nach der Präsentation der mittelalterlichen Kunst folgte auf Wunsch des französischen Außenministeriums im Februar/März 1951 die Ausstellung Chefs-d’oevre des Musées de Berlin im Pariser Petit Palais. Die hierbei gezeigten Werke aus den Berliner Museen befanden sich seinerzeit ausgelagert im Wiesbaden Central Collecting Point und standen unter treuhänderischer Verwaltung der hessischen Landesregierung.Martin Schieder: Im Blick des Anderen, die deutsch-französischen Kunstbeziehungen 1945–1959, 2005, S. 76. Eine Auswahl von deutschen und flämischen Gemälden aus Berlin war zwar zuvor bereits in Amsterdam und Brüssel zu sehen gewesen, für eine Ausstellung in Paris gab es jedoch sowohl von Seiten der hessischen Landesregierung wie auch aus Berlin zunächst keine Zustimmung. Erst nachdem sich Adenauer persönlich für die Ausstellung mit Berliner Museumsgut eingesetzt hatte, konnte die große Überblicksschau – nun ergänzt mit Werken italienischer und französischer Künstler – am 2. Februar 1951 durch den französischen Außenminister Robert Schumann eröffnet werden. Die Presse berichte voller Lob über diese Ausstellung, die mit 280.000 Besuchern zudem beim Publikum außerordentlich erfolgreich war.Martin Schieder: Im Blick des Anderen, die deutsch-französischen Kunstbeziehungen 1945–1959, 2005, S. 77.
Die Idee, Werke des französischen Impressionismus aus deutschen Museen in Frankreich zu zeigen, ging auf einen Vorschlag von Carl Georg Heise, dem Direktor der Hamburger Kunsthalle, zurück.Martin Schieder: Im Blick des Anderen, die deutsch-französischen Kunstbeziehungen 1945–1959, 2005, S. 78. Nachdem Heise und Hausenstein hierzu aus Frankreich positive Signale erhielten, beauftragt die Kultusministerkonferenz der Länder Heise mit der Organisation der Ausstellung. Er stieß jedoch zum Teil bei deutschen Museumsleitern auf Widerstand. So wollten sich einige Museen ungern von Werken trennen, die kriegsbedingt lange Zeit nicht ausgestellt werden konnten und erst vor kurzer Zeit aus den Depots zurückgekehrt waren.Martin Schieder: Im Blick des Anderen, die deutsch-französischen Kunstbeziehungen 1945–1959, 2005, S. 79. Andere Verantwortliche machten konservatorische Gründe gegen eine Ausleihe geltend, so die Kunsthalle Mannheim, die sich nicht von Édouard Manets Die Erschießung Kaiser Maximilians von Mexiko trennen wollte. Teilweise traten auch anti-französische Ressentiments zu Tage. Kritisiert wurde beispielsweise, dass zwar französische Kunst aber keine Werke deutscher Künstler in Frankreich gezeigt werden sollten.Martin Schieder: Im Blick des Anderen, die deutsch-französischen Kunstbeziehungen 1945–1959, 2005, S. 80. Adalbert Colsman, Vorsitzender des Fördervereins des Museums Folkwang, zeigte sich verärgert darüber, dass die vom Museum während der Besatzung in Frankreich erworbenen Kunstwerke nach dem Krieg von den Franzosen beschlagnahmt wurden. Die Verantwortlichen in Berlin befürchteten, die einmal ausgeliehenen Werke könnten dauerhaft in Frankreich verbleiben. Mehrere Museumsleiter erwarteten zudem von französischer Seite eine „Gegenleistung“ in Form von Leihgaben französischer Kunst. Hausenstein versuchte daraufhin die Verantwortlichen in den Museen persönlich zu überzeugen. Beispielsweise sprach er in München mit Eberhard Hanfstaengl, Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, und unterstrich, dass „von solchen Ausstellungen her auch die politische Atmosphäre sich bessern lässt“.
Die Schirmherrschaft der Ausstellung übernahmen der französische Außenminister Robert Schuman, der französische Erziehungsminister André Marie, der französische Staatssekretär der schönen Künste André Cornu, der Botschafter und Hohe Kommissar der Republik Frankreich in Deutschland André François-Poncet, der deutsche Bundeskanzler und Außenminister Konrad Adenauer, der Senator für Bildung der Hansestadt Hamburg Heinrich Landahl und der Geschäftsträger der Bundesrepublik Deutschland in Paris Wilhelm Hausenstein.Musée de l’Orangerie: Impressionnistes et romantiques français dans les musées allemands. 1951, o. S.
Durchführung der Ausstellung und Nachwirkung Den Organisatoren gelang es schließlich mehr als 80 Werke aus den Museen in Hamburg, Bremen, Berlin, Essen, Wuppertal, Köln, Frankfurt am Main, Karlsruhe, Stuttgart und München zusammenzutragen. Neben Werken des Impressionismus waren in der Schau zudem Gemälde von Künstlern der Romantik, der Schule von Barbizon, des Realismus und des Post-Impressionismus vertreten. Neben Arbeiten französischer Künstlern gehörten zudem Bilder des Niederländers Vincent van Gogh zur Ausstellung, der wesentliche Jahre seiner Schaffenszeit in Frankreich verbrachte. Weiterhin gab es Werke des Briten Alfred Sisley zu sehen, der überwiegend in Frankreich gelebt hatte. Der zur Ausstellung erschienene Katalog listet alle Werke auf, ein Großteil davon wurde durch Schwarz-Weiß-Abbildungen illustriert. Auf der Titelseite gab es ebenso wie auf dem Plakat zur Ausstellung eine Farbreproduktion von Manets Gemälde Nana aus der Hamburger Kunsthalle. Im Vorwort wies Germain Bazin auf die Verdienste der frühen Befürworter der ausgestellten Künstler in Deutschland hin, insbesondere nannte er den Künstler Max Liebermann und den Berliner Museumsdirektor Hugo von Tschudi.
Der Hamburger Museumsdirektor Heise lobte vor allem die deutsch-französische Zusammenarbeit beim Zustandekommen der Ausstellung. Die Ausstellung wurde von der presse positiv aufgenommen und erwies sich beim Publikum ebenfalls erfolgreich. Insgesamt besuchten mehr als 150 000 Besucher die AusstellungUniversité Besançon: Expansions, ruptures et continuités de l'idée européenne, 1997, Bd. 3, S. 151., darunter war am 21. November 1951Eintrag im Terminkalender von Konrad Adenauer - online auf www.konrad-adenauer.de auch Bundeskanzler Konrad Adenauer.
Im Rahmen der Vorbereitung zur Ausstellung in Paris war vereinbart worden, dass im Gegenzug etwa 80 Werke französischer Malerei des 17. und 18. Jahrhundert in einer Ausstellung in Hamburg und München gezeigt werden sollten. Nach einigen Verzögerungen konnte die Ausstellung Meisterwerke französischer Malerei von Poussin bis Ingres schließlich im Winter 1952/1953 in der Hamburger Kunsthalle und im Münchner Haus der Kunst gezeigt werden.Martin Schieder: Im Blick des Anderen, die deutsch-französischen Kunstbeziehungen 1945–1959, 2005, S. 83.
Verzeichnis der ausgestellten Werke Die nachfolgende Liste enthält alle in der Ausstellung gezeigten Kunstwerke. Die Nummerierung folgt dem Ausstellungskatalog; eine Nummer 8 wurde dort nicht vergeben. Die französischen Titel sind dem Katalog entnommen, die deutschen Titel sind ebenso wie die Angaben zu Material und Abmessungen den Veröffentlichungen der jeweiligen Museen entnommen, insbesondere von deren Websites. Sowohl zu den französischen wie zu den deutschen Titeln kann es in der Literatur abweichende Angaben geben. Inzwischen fragliche Zuschreibungen sowie fehlerhafte Zuordnungen des Kataloges sind entsprechend gekennzeichnet.