Der Subaru 1235 (vereinzelt auch: Subaru 3512) war ein Rennsportmotor, den das italienische Unternehmen Motori Moderni mit finanzieller Unterstützung des zum japanischen Industriekonzern Fuji Heavy gehörenden Autoherstellers Subaru entwickelte und baute. Der vielfach als Boxermotor bezeichnete Zwölfzylinder-Saugmotor war kompliziert, schwer und leistungsschwach. Der kleine Rennstall Coloni meldete den 1235 in einem improvisierten Auto zu den ersten acht Läufen der Formel-1-Weltmeisterschaft 1990, brachte es mit ihm aber zu keinem Renneinsatz. Der 1235 kam danach auch in verschiedenen anderen Umfeldern zum Einsatz – dann meist als Motori Moderni und nicht als Subaru bezeichnet –, blieb aber auch hier jeweils ohne Erfolg. Der 1235 gilt als „epischer Fehlschlag“.

Entstehungsgeschichte Der Subaru 1235 wurde von dem in Novara ansässigen Unternehmen Motori Moderni konstruiert und gebaut. Motori Moderni war 1984 mit dem Ziel gegründet worden, einen Turbomotor für das neue Formel-1-Team Minardi zu bauen. Zwischen Minardi und Motori Moderni bestanden enge Beziehungen. Leiter von Motori Moderni war der Ingenieur Carlo Chiti, der bis 1961 für Ferrari und danach für Alfa Romeo Motorsport und Autodelta Motoren und Rennwagen konstruiert hatte. Chitis Sechszylinder-V-Turbomotor war von 1985 bis 1987 nahezu ausschließlich bei Minardi im Einsatz.Neben Minardi setzte lediglich das französische Team AGS den MM-Turbomotor zu zwei Läufen der Formel-1-Weltmeisterschaft 1986 ein. Darüber hinaus hatten Osella und Ekström zeitweise Interesse gezeigt; zu einem Einsatz kam es aber jeweils nicht. Weltmeisterschaftspunkte wurden dabei nicht erzielt. Als die Aufsichtsbehörde FISA im Oktober 1986 entschied, ab 1987 die bis dahin verbotenen Saugmotoren zunächst wieder alternativ zuzulassen und für die Formel 1 ab 1989 ausschließlich Saugmotoren zu erlauben,Adriano Cimarosti: Das Jahrhundert des Rennsports, Motorbuch Verlag Stuttgart 1997, ISBN 3-613-01848-9, S. 369. begann Motori Moderni mit der Entwicklung eines neuen, nicht aufgeladenen Formel-1-Motors, um auch in der Nach-Turbo-Ära in dem Grand-Prix-Sport zu bleiben. Das Partnerteam Minardi stand zu dieser Zeit vor dem Wechsel zu Motoren von Cosworth.

mini|Subaru-Logo Erste Nachrichten über einen Saugmotor mit zwölf Zylindern verbreitete Motori Moderni ab Frühsommer 1987. Dabei war von einem üblichen V12-Motor die Rede.Motorsport aktuell, Heft 21/1987, S. 36 Seit dieser Zeit war Motori Moderni auf der Suche nach einem Geldgeber, der die Entwicklung des Motors finanzieren konnte. 1988 ergab sich eine Verbindung mit dem zu Fuji Heavy gehörenden Automobilhersteller Subaru, der im Gefolge von Honda und Yamaha ein Engagement in der Formel 1 anstrebte.Honda war nach einigen Jahren in der Formel 2 ab 1983 als Motorenlieferant in der Formel 1 präsent. In Partnerschaft den britischen Team Williams (bis 1987) und McLaren (ab 1988) hatte Honda seit 1986 alle Konstrukteursmeisterschaften gewonnen und ab 1987 außerdem die Fahrerweltmeisterschaften. Yamaha stieg 1989 als Motorenpartner des deutschen Teams Zakspeed in die Formel 1 ein. Subaru setzte bei seinen Serientriebwerken im Pkw-Bereich vielfach Boxermotoren ein. Im September 1988 präsentierten Motori Moderni und Subaru in Mailand einen Formel-1-Motor, der als Boxermotor bezeichnet wurde und damit nominell die Linie von Subarus Pkw-Motoren fortsetzte.

Die genauen Hintergründe der Entstehung dieses Boxermotors sind nicht geklärt. Einigen Quellen zufolge wurde dieser Formel-1-Motor originär für Subaru in Boxerauslegung konstruiert; in diesem Fall wäre er möglicherweise eine andere Konstruktion als der Motor, den Chiti im Frühsommer 1987 als V12-Motor angekündigt hatte. Nach anderen Quellen hatte Motori Moderni den 1235 von Beginn an als flachen Motor mit einem 180-Grad-Bankwinkel angelegt, sodass Subaru nur eine ohnehin vorhandene Konstruktion übernahm.

Bei der Suche nach einem Kundenteam war zunächst Minardi im Gespräch, Motori Modernis Partnerteam der Jahre 1985 bis 1987. Minardi testete den 1235 im Frühjahr und im Sommer 1989 an mehreren Tagen in einem umgebauten Minardi M188 auf dem Kurs von Misano. Fahrer waren Paolo Barilla, Gianni Morbidelli und Pierluigi Martini. Ein anfänglich beabsichtigter Einsatz des Motors mit Minardi in der Formel-1-Weltmeisterschaft 1990 scheiterte an der Unzuverlässigkeit und Leistungsschwäche des Motors.Motoring News vom 4. Januar 1990. Das Triebwerk wurde als „bulky“ (massig) beschrieben. Teamchef Giancarlo Minardi erklärte, die Ergebnisse der Testfahrten seien „irgendwie enttäuschend“Bericht über die Testfahrten in Auto Italia, September 1989, S. 48 ff. ausgefallen; der Einsatz eines Motors, der noch schwächer sei als der Cosworth-Achtzylinder komme für sein Team nicht in Betracht.Auto motor und sport, 23/1989, S. 267. Auch Pierluigi Martini bemängelte öffentlich die mangelnde Leistungsausbeute des Motors.Motorsport Aktuell, Heft 26/1989, S. 9.

Als Partnerteam fand sich letztlich der umbrische Rennstall Coloni, der 1989 eines der schwächsten Teams des Starterfeldes gewesen war und nach sportlichen Misserfolgen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten massive Personalverluste erlitten hatte, sodass allgemein erwartet wurde, dass der Rennstall in der Saison 1990 nicht mehr antreten würde.Motorsport Aktuell, Heft 46/1989, S. 12. Subaru übernahm im Dezember 51 Prozent der Anteile an Enzo Colonis hoch verschuldetem Rennstall und führte das Team in der ersten Hälfte der Saison 1990 als Subaru Coloni fort. Hier kam es zu ersten Meldungen des nun als Subaru 1235 bezeichneten Motors. Dessen mangelnde Konkurrenzfähigkeit war zu dieser Zeit bereits bekannt. Subaru beauftragte Chiti deshalb mit der Einwicklung eines neuen Motors, der ab 1991 einsatzbereit sein sollte. Der 1235 sollte lediglich als Übergangslösung dienen.Motorsport Aktuell, Heft 21/1990, S. 5. Aus diesen Planungen wurde nichts. Nach einem halben Jahr, in dem Subaru mit Coloni zur „Lachnummer der Formel 1“ geworden war, beendete das Team sein Formel-1-Engagement, zog den Motor zurück und investierte auch nicht in eine Neuentwicklung.

Nach den Versuchen in der Formel 1 erschien der Motori Moderni 1235 noch in einigen Renn- und Straßensportwagen, die keinen Bezug zu Subaru hatten.

Beschreibung

Grunddaten Der Subaru 1235 ist ein Zwölfzylinder-Ottomotor. Er hat einen Hubraum von 3497 cm³ (Bohrung × Hub: 84,0 × 52,6 mm). Jeder Zylinder hat drei Ein- und zwei Auslassventile, die über zwei obenliegende Nockenwellen pro Zylinderbank gesteuert werden. Das Verdichtungsverhältnis von 11,5 : 1 war im Vergleich zu anderen Motoren des gleichen Jahrgangs ungewöhnlich niedrig. Die elektronisch gesteuerte Benzineinspritzung kam von Magneti Marelli.

Bauform Der Motor besteht aus zwei gegenüberliegenden Reihen mit jeweils sechs Zylindern. Der Bankwinkel beträgt 180 Grad. Der 1235 war der einzige Motor der Nach-Turbo-Ära mit dieser Auslegung.Zuletzt hatte Ferrari 1980 im 312T5 einen Zwölfzylindermotor mit einem Bankwinkel von 180 Grad verwendet. In der Vergangenheit hatte es zudem entsprechende Motorkonstruktionen von Alfa Romeo und Tecno gegeben.

Gegenüber der Presse bezeichneten Subaru und Motori Moderni den 1235 regelmäßig als Flat Engine (Boxermotor). Ob das technisch richtig ist oder ob der 1235 in Wirklichkeit ein weit gespreizter V-Motor ist, ist nicht abschließend geklärt und wird in den Fachmedien nach wie vor kontrovers diskutiert. Die Einordnung hängt von der Anordnung der Pleuel auf der Kurbelwelle beziehungsweise der Anzahl der Kurbelwellenkröpfungen ab; daraus ergeben sich Unterschiede in der Bewegungsrichtung der gegenüberliegenden Kolben. Zu diesen Details liegen in den verfügbaren Quellen für den 1235 keine eindeutigen Abbildungen aus dem Innenbereich des 1235 vor, sodass die unterschiedlichen Einordnungen jeweils auf der Interpretation von Äußerlichkeiten beruhen. Teilweise wird die Frage offengelassen.So etwa bei Adriano Cimarosti: Das Jahrhundert des Rennsports. Autos, Strecken und Piloten. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1997, ISBN 3-613-01848-9, S. 417 und S. 421.

Zu den bauformbedingten Vorteilen eines weit gespreizten V- oder Boxermotors gehört die niedrige Bauhöhe, die einen niedrigen Schwerpunkt im Rennwagen ermöglicht. Ein Nachteil ist die Breite des Motors.

Maße und Gewichte Der 1235 war niedrig, aber sehr breit. Der Block maß ohne Auspuff 72 cm in der Breite und 81 cm in der Höhe.Motorsport aktuell, Heft 38/1988, S. 11. Das Gewicht des reinen Motorblocks einschließlich Kolben wurde werksseitig mit 159 kg angegeben. Damit lag er 18 kg über dem Gewicht eines Cosworth DFR und 35 kg über dem eines Judd EV. Zusammen mit allen Nebenaggregaten wog der 1235 nach Schätzungen etwa 112 kg mehr als ein Cosworth DFR.Teamprofil zu Coloni auf f1rejects.com (archivierte Version vom 21. Mai 2013) (abgerufen am 10. November 2025).

Leistung Die Leistungsausbeute war neben dem sehr hohen Gewicht ein wesentlicher Schwachpunkt des Subaru 1235. Bei den Minardi-Tests im Sommer 1989 gab der 1235 nach Maßgabe von Prüfstandmessungen 567 PS (417 KW) ab, zu Saisonbeginn 1990 gab Motori Moderni die Höchstleistung mit 600 PS an, die bei 12.000 Umdrehungen pro Minute anfielen.Alan Henry: Auto Course 1990/91. Osprey Publishing, London 1991, ISBN 0-905138-74-0, S. 80. Diesen Wert zugrunde gelegt, war der 1235 – abgesehen vom Life F35 – der schwächste Motor der Saison 1990: Hondas RA100E, der exklusiv an McLaren ging, leistete 690 PS, Ferraris Zwölfzylindermotor erreichte diesen Wert annähernd, und der Renault RS2 des Williams-Teams kam auf 660 PS. Auch die frei verfügbaren Kundenmotoren von Cosworth waren stärker als der Subaru 1235: Die Motorleistung eines Cosworth-Achtzylinders vom Typ Cosworth DFR lag 1989 bei 595 bis 600 bhp;Graham Robson: Cosworth: The Search for Power. J H Haynes & Co, 2017, ISBN 978-1-84425-015-8, S. 250. spätere, von Hart getunte DFR kamen 1990 auf 612 bhp,Graham Robson: Cosworth: The Search for Power. J H Haynes & Co, 2017, ISBN 978-1-84425-015-8, S. 260. nach anderen Quellen sogar auf 625 bhp.Alan Henry: Auto Course 1990/91. Osprey Publishing, London 1991, ISBN 0-905138-74-0, S. 58.Graham Robson: Horses for Courses. Motorsport Magazine, Heft 7/2007, S. 44. Fords HB-Motor für Benetton erreichte zu dieser Zeit schon 680 bhp.Graham Robson: Cosworth: The Search for Power. J H Haynes & Co, 2017, ISBN 978-1-84425-015-8, S. 262.

Die Richtigkeit der Werksangabe zur Motorleistung des 1235 wird vielfach bezweifelt. Einige zeitgenössische Beobachter gehen davon aus, dass der 1235 im Praxisbetrieb in Wirklichkeit nicht viel mehr als 500 PS leistete.

Verwendungen

Formel 1: Coloni mini|Coloni C3B Die einzigen Meldungen zu Formel-1-Rennen hatte der Subaru 1235 mit dem Team Coloni aus Passignano sul Trasimeno in der Weltmeisterschaft 1990. Coloni baute den Motor in ein modifiziertes C3-Chassis von 1989 ein, das daraufhin als Coloni C3B bezeichnet wurde. Der Original-C3 war ein Entwurf von Christian Vanderpleyn, die Anpassungen an den Subaru-Motor verantwortete der britische Ingenieur Paul Burgess. Der C3B war ein „sehr unfertiges Provisorium“,„Extremely unglainly makeshift“. S. Alan Henry: Auto Course 1990/91. Osprey Publishing Ltd, London 1991, ISBN 0-905138-74-0, S. 103. für dessen Fertigstellung Coloni weniger als drei Monate Zeit hatte. Das Fahrzeug war nicht ausgereift und wurde praktisch nicht getestet; vor Saisonbeginn gab es lediglich einen kurzen Shakedown auf einem abgesperrten Flughafen. Einziger Fahrer des C3B-Subaru war Bertrand Gachot.