mini|Logo der Hermann-Harry-Schmitz-Societät (Zeichnung von Nikolaus Heidelbach) Die Hermann-Harry-Schmitz-Societät„Jan Wellem“, Zeitschrift der Alde Düsseldorfer Bürgergesellschaft von 1920 e.V., 97. Jahrgang, Heft 4, S. 4, 2022.Sena Kouschkerian: Die Hüter eines galanten Spötters. In: Westdeutsche Zeitung Düsseldorf, 1. April 2015. war eine literarische Gesellschaft in Düsseldorf, die von 1990 bis 2022 das geistige Erbe des Düsseldorfer Autors Hermann Harry SchmitzMichael Lohse: 12.07.1880 - Geburtstag von Hermann Harry Schmitz., WDR ZeitZeichen vom 12. Juli 2015 (Podcast, 14:33 min). (1880–1913) bewahrte, sowie die groteske Kultur in der Stadt pflegte. Sie tat dies auf grotesk-humorvolle Weise, indem sie das deutsche Vereinswesen parodierte – ganz im Geist ihres Namensgebers. Mit Ämtern wie Ehrenpräsident, Konterpräsident oder LustwartGerda Kaltwasser: Bald Stricknadelorden – Hermann Harry Schmitz wird 110 Jahre alt. In: Rheinische Post, 23. Mai 1990.Timo Hermanns: Stadtgespräch: Wenn Politik zur Satire wird. In: Rheinische Post, 31. Juli 2019., einer Satzung mit 42 zum Teil absurden Paragraphen und zahllosen Ausschüssen wurde die Societät selbst zur Satire auf bürokratische Förmlichkeit und Vereinsmeierei. Mit Lesungen, Aktionen, Initiativen und insbesondere mit Ausstellungen von Arbeiten „vergessener“ bildender Künstler hielt sie Schmitz’ grotesken Humor lebendig.

1995 gründete sie im historischen Uhrenturm an der Grafenberger Allee das Hermann-Harry-Schmitz-Institut,Christine Wolff: Viel Kunst auf vier kleinen Etagen. In: Rheinische Post, 13. Juli 2012.Laura Ihme: Das kleinste Museum der Stadt. In: Rheinische Post, 9. September 2013. das als kleinstes Kulturinstitut in der Landeshauptstadt Düsseldorf gilt.

Geschichte Am 14. September 1989 fand während des 5. Bücherbummels auf der Königsallee im historischen Spiegelzelt De Spiegeltent auf einer Wiese am Graf-Adolf-Platz die öffentliche Weltur- und Liebhabe-Aufführung des grotesken Theatereinakters Nr. 42 – Ein Albdruck von Hermann Harry Schmitz statt.Klaus Lehmann: 25 Jahre Bücherbummel auf der Kö. ARGE Bücherbummel/L+L Verlag. In: Dokumentation ISBN 978-3-9804825-9-2, S. '5. Bücherbummel', Juni 2010.

Am 23. Februar 1990 traf sich das „Ensemble“ in einem Bierausschank auf der Oststraße zur Foto- und Videobestandsaufnahme und beschloss spontan auf einem Bierdeckel die Gründung der Hermann-Harry-Schmitz-Societät. Ziel war die unkonventionelle – vor allem, ohne Inanspruchnahme öffentlicher Gelder – Förderung grotesker Kultur in der Landeshauptstadt und die Popularisierung des literarischen Schutzpatrons. mini|Theaterzettel zu den Aufführungen (1907 und 1989) Nr. 42 – Ein Albdruck von Hermann Harry Schmitz (Stadtarchiv Düsseldorf) Bis in die frühen 1990er Jahre war der Ostflügel der Kanzlei von Rechtsanwalt Wolfhard Bode an der Grafenberger Allee 249 die Ideenschmiede der Societät.Wolfhard Bode: Hermann Harry Schmitz. Ein Plädoyer. In: Düsseldorfer Illustrierte. Sonderheft zum Bücherbummel auf der KÖ, 20.–23. September 1990.

Am 14. Dezember 1990 wurde in Kooperation mit dem Goethe-Institut Kansai in Osaka/Japan eine erste Außenvertretung eröffnet. Von 1995 bis 2010 unterstützte die Societät in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Kansai den Austausch bildender Künstler zwischen der Stadt Düsseldorf und der Präfektur Osaka.Gerda Kaltwasser: Akira Komoto. Fundstücke vom Rheinstrom. In: Rheinische Post, 12. August 1999.Anonym: Der Künstler Akira Komoto hat eine Doppelausstellung (gemeinsam mit Yuri Nagawara) in Deutschland/Düsseldorf. In: Chūnichi Shimbun, Seki (Gifu)/Japan, 8. Oktober 1999.

Am 24. Februar/22. Mai 1995 wurde zwischen dem Liegenschaftsamt der Stadt Düsseldorf und der Hermann-Harry-Schmitz-Societät e.V. ein Nutzungsabkommen über den historischen UhrenturmArchitekten- und Ingenieur-Verein zu Düsseldorf (Hrsg.): Düsseldorf und seine Bauten. L. Schwann, Düsseldorf 1904, S. 544–548. (Reprint: Grupello-Verlag Düsseldorf, 1990, ISBN 978-3-928234-00-9) auf unbestimmte Zeit geschlossen. Mit Unterstützung von Sponsoren – darunter die Jugendberufshilfe, der Baukonzern Hochtief sowie ein Arbeitsbeschaffungsprojekt der Agentur für Arbeit – wurde das Gebäude unter Federführung der Leitung der Verwaltung im Düsseldorfer Stadtbezirk 2 saniert. Auszubildende mit ihren Lehrern der Jugendberufshilfe Düsseldorf errichteten ein neues Treppenhaus mit vier Ebenen. Hochtief beteiligte sich an der Finanzierung und übernahm die Erneuerung von Türen und Fenstern. Die Firma NPC stellte die neuen Turmuhren zur Verfügung. Die Societät finanzierte Möblierung sowie technische und bauliche Einrichtungen für den Veranstaltungsbetrieb.

Im Februar 1996 nahm die Societät mit dem neu gegründeten Hermann-Harry-Schmitz-Institut ihre Arbeit im Uhrenturm auf.

Tätigkeit und Projekte Auf den oberen Ebenen des Uhrenturms wurde eine vom Theatermuseum Düsseldorf eingerichtete Dauerausstellung zu Leben und Wirken von Hermann Harry Schmitz gezeigt. mini|hochkant|Hermann-Harry-Schmitz-Institut im Uhrenturm (Gerd-Arntz-Ausstellung 2018) Auf den unteren Ebenen fanden von 1996 bis 2022 rund 60 Wechsel-Ausstellungen mit Arbeiten bildender Künstler statt. Von 2009 bis 2019 wurden sie von Friedrich Huppertz, dem „Düsseldorfer Lagerfeld“ und Galeristen, kuratiert.Jan Wellem, Zeitschrift der Alde Düsseldorfer Bürgergesellschaft von 1920 e.V., 97. Jahrgang (2022), Heft 4, S. 5. Der Schwerpunkt lag auf Ausstellungen „vergessener“ Künstler, darunter Franz Witte und German BecerraHelga Meister: Maler German Becerra – der "Exot" im Düsseldorfer Uhrenturm. In: Westdeutsche Zeitung Düsseldorf, 20. August 2019. (Schöpfer des „Blechtrommelbildes“ im Stadtmuseum Düsseldorf), Horst „Flötchen“ GeldmacherUlrike Merten: Ein Quergeist im Uhrenturm. In: NRZ 3. April 2012. (Künstlerfreund von Günter Grass), Hajo Bleckert (ZERO-Mitbegründer), Gerd ArntzHelga Meister: In: Der Erfinder des Piktogramms – Die Hermann-Harry-Schmitz-Societät zeigt im Uhrenturm kritische Werke von Gerd Arntz, In: NRZ, 19. Oktober 2018. (Wegbereiter der Piktogramme) und Hannelore „Kügelchen“ KöhlerAnonym (nia): Schmitz-Societät versteigert Köhler-Fahnen. In: Rheinische Post, 21. August 2017.. Präsentiert wurden auch Werke „unvergessener“ Künstler wie Gerhard Harvan,Bernd Schuknecht: Von Zeit und Vergänglichkeit- im Uhrenturm sind druckgrafische Arbeiten des Künstlers Gerhard Harvan zu sehen. In: Rheinische Post, 15. April 2019. Norbert TadeuszBernd Schuknecht: Neue Ausstellung im Uhrenturm – Arbeiten des Malers Norbert Tadeuzs. In: Rheinische Post, 15. September 2019. und Lothar WollehHelga Meister: Ein Fotofestival im alten Uhrenturm. In: WZ, 20. April 2018..

Über 100 literarische VeranstaltungenAndreas Rossmann: Stadtschreier. In: FAZ, 11. November 1995. fanden statt, sowohl im Uhrenturm als auch an anderen Orten im Stadtgebiet. Unter anderem wurden auf dem Rhein mehrere „Literatur-Schiffe“ und ein „Opern-Schiff“Beate Werthschulte: Opern-Schiff. Eine Seefahrt mit Verdi und Mozart. In: Rheinische Post, 18. Juni 2018. organisiert. Zu den Höhepunkten zählten Auftritte des „Trio Infernale des schwarzen Humors“ (Konrad Beikircher, Frank Meyer und Hermann Harry Schmitz), von Olli Dittrich oder Hellmuth Karasek im Forum der Stadtsparkasse Düsseldorf und im Bachsaal der Johanneskirche Düsseldorf sowie eine (Vor)-Lesung des Hochschullehrers a. D. Hans-Werner Scharf (Heinrich-Heine Universität Düsseldorf) mit Neuübersetzungen ausgewählter Shakespeare Sonette im Uhrenturm.Judith Pohl: Shakespeare zwischen Leben, Liebe, Lust und Leid. Sonette-Neuübersetzungen von Hans-Werner Scharf. In: Rheinische Post, 24. August 2017.Gerda Kaltwasser: Hermann-Harry-Schmitz – 111. Geburtstag. Groteske Blüten. In: Rheinische Post, 10. Juli 1991.Klas Libuda: Absurdes über Hermann Harry Schmitz. Feierabend in der Stadtsparkasse zu Ehren des Düsseldorfer Satirikers, der vor 100 Jahren starb. In: Rheinische Post, 24. Juni 2013.

In den Anfangsjahren zeichnete die Societät einen Oberstadtdirektor, den Vorsitzenden eines Heimatvereins und einen Kommunalpolitiker mit dem Grotesken-Orden aus, stellte die Vergabe jedoch wieder ein.Gerda Kaltwasser: Verborgene Stricknadel im Amtszimmer. Grotesk-Orden. In: Rheinische Post, 24. September 1990.

2013 machte die Societät das „Hydrantensterben“ im Düsseldorfer Hafen öffentlich. Einer der letzten Hydranten aus der historischen Düsseldorfer Hafenanlage von 1896 steht noch auf der Wiese vor dem Uhrenturm und soll in den Düsseldorfer Hafen zurückgeführt werden.Arne Lieb: Initiative will Hydranten retten. In: Rheinische Post, 3. August 2013.

1996 veröffentlichte der L+L Verlag Düsseldorf im Auftrag der Societät Das Buch der Katastrophen, 33 Irrzählungen von Hermann Harry Schmitz, (Hrsg. Frank Meyer).Helga Meister: Zum Schmitz-Buch ein Autogramm vom Prinzen. In: Westdeutsche Zeitung Düsseldorf, 8. Mai 1993.

2001 wurde die Abendrealschule Düsseldorf in Hermann-Harry-Schmitz-Weiterbildungskolleg, Abendrealschule der Stadt Düsseldorf umbenannt.Laura Ihme: Hermann Harry Schmitz im Pop-Art-Stil gemalt. In: Rheinische Post, 19. Juli 2013. Die Namensgebung wurde am 31. Juli 2020 wieder zurückgenommen.

2003 erhielt eine Straße in Düsseldorf-Oberbilk den Namen Hermann Harry Schmitz-Straße.Helga Meister: Späte Ehre für den zweiten Harry. HHS hat ein eigenes Straßenschild. In: Westdeutsche Zeitung Düsseldorf, 24. Juli 2003. mini|Faksimile des letzten Telegramms (Stadtarchiv Düsseldorf) von Hermann Harry Schmitz vom 7. August 1913 (Suizid am 8. August), mit einer am 8. August 2013 abgestempelten Sonderbriefmarke. Zum 100. Todestag von Hermann Harry Schmitz im Jahr 2013 wurde eine Sonderbriefmarke (Postindividuell 58 Cent) herausgegeben. Zudem wurde eine auf 825 Flaschen limitierte Weinedition Herm. Harry Schmitz Wein 2013, gewonnen aus einem Halbstück (Eckstück) Rheingauer Riesling, aufgelegt.

2014 gestaltete der Düsseldorfer Karikaturist Werner Stindt (Zeichnungen) und der Kölner Autor, Kabarettist und Schauspieler Frank Meyer (Text) eine Cartoon-Biografie über Hermann Harry Schmitz, die zugleich als schmitz:card für den Besuch des Hermann-Harry-Schmitz-Institutes diente.Anonym (bur): Hermann Harry Schmitz bekommt eine Cartoon-Biografie. In: Rheinische Post, 23. November 2014.

Während der COVID-19-Pandemie unterstützte die Societät mit den Einnahmen aus einer „Geister“-Lesung mit Konrad Beikircher & Frank Meyer (11. September 2020) sowie einem „Geister“-Konzert mit Oliver Steller (25. Dezember 2020) in ihrer Existenz bedrohte Künstler.Dominik Schneider: Eine Lesung für niemanden. Um für die Kultur zu sammeln, verkauft die Hermann-Harry-Schmitz-Societät Karten für eine Lesung, die ohne Publikum stattfindet. In: Rheinische Post, 27. Juli 2020.

Im September 2021 gründete der in Irland lebende ehemalige Düsseldorfer Journalist Roland Schaffrath in Kenmare das Museum of Hermann Harry Schmitz.

Auflösung Aufgrund der COVID-19-Pandemie ab 2020 und mangels geeigneter Nachfolge beschloss die Mitgliederversammlung am 25. Juli 2022 mit 297 Stimmen die Auflösung des Vereins zum 31. Dezember 2022. Die Löschung im Vereinsregister beim Amtsgericht Düsseldorf erfolgte am 17. Januar 2023.

Am 23. Januar 2023 (mit Wirkung vom 1. Januar 2023) trat die Alde Düsseldorfer Bürgergesellschaft von 1920 e.V. in den 1995 geschlossenen Pachtvertrag über die Nutzung des historischen Uhrenturms einHeinrich-Heine-Institut Düsseldorf. Bestand: Archiv der Hermann-Harry-Schmitz-Societät/Institut, 2024. Der Bestand befindet sich in Erschließung (noch nicht katalogisiert). und nutzt diesen seither als Geschäftsstelle. Dort befindet sich weiterhin das kleinste Kulturinstitut in der Stadt Düsseldorf. Der in der Laterne des Uhrenturms eingerichtete „Hermann-Harry-Schmitz-Museumsraum“ ist weiterhin öffentlich zugänglich.Marc Ingel: Uhrenturm in neue Hände übergeben. In: Rheinische Post, 26. November 2022.