mini|Marcela Marroquín, Héctor García und Estela Marroquín sowie eine Schulfreundin

Die Marionetas Marroquín (offiziell: La compañía de las Marionetas Marrokin) sind eine peruanische Marionettenspielertruppe, die 1952 in Lima von den Schwestern Aurea, Estela und Marcela Marroquín gegründet wurde. Die Marroquín-Schwestern begannen ihre Karriere im Puppenspiel, als sie noch Studentinnen waren. Ihre Truppe ist eine der ältesten in Peru.World Encyclopedia of Puppetry Arts: Marionetas Marroquín, Peru.Seminario sobre teatro para niños. In: Boletín Iberoamericano de Teatro para la Infancia y la Juventud, Nr. 5, April 1976, Madrid, S. 15–50. Auch über einen Link zu einer PDF-Datei (1,7 MB) abrufbar in Biblioteca Virtual Miguel de Cervantes. 2012.

Gründung

Die Puppentheatertruppe wurde von den Geschwistern der Familie Marroquín Osorio gegründet, namentlich Joel, Aurea, Heriberto, Estela, Marcela, Orestes, Gamael, Benancio und Lucinda. Sie waren die Kinder von Cesáreo Marroquín Fernández und Hortensia Osorio Jurado, einem Ehepaar aus Arequipa. Die Schwestern Aurea, Estela und Marcela traten 1948 erstmals auf, nachdem Aurea und Joel mehrere Aufführungen im Freizeitpark El Campo Marte besucht hatten, wohin sie ihre kleinen Geschwister mitgenommen hatten, damit diese sich bei Puppentheatervorstellungen und kostenlosen Konzerten ein wenig unterhalten konnten. Obwohl drei der fünf Geschwister – Gamael, Orestes und Venancio – ebenfalls beteiligt waren, widmeten sich vor allem die Schwestern mit Leib und Seele dieser Kunst, zu der sich später auch Lucinda, die Jüngste von allen, gesellte. Die Kompanie gehört zusammen mit den berühmten Ño Valdivieso zu den Pionieren des Puppenspiels in Peru.

Die Großfamilie zog Ende der 1940er Jahre aus der Provinzstadt Arequipa in die Landeshauptstadt Lima um, wo sie sich zunächst für kurze Zeit in Breña, dann in Lince niederließ und schließlich 1951 im Stadtteil San Pedro de los Chorrillos ihr Zuhause fand. Die älteren Geschwister schafften es, genügend Kapital anzusparen, um ein Haus zu kaufen, in dem die Marionetten bis heute(2019) aufbewahrt werden. Sie wurden von ihrem Vater verlassen und waren zusammen mit ihrer bereits betagten Mutter gezwungen, schon in jungen Jahren in einer Puppenfabrik zu arbeiten, die einer chilenischen Familie gehörte. Das bot ihnen aber die Möglichkeit, sich an einem festen Ort niederzulassen. Später kamen die Schwestern Marcela und Estela hinzu.

Marcela Marroquín absolvierte in Lima ein Studium der darstellenden Künste. 1958 führte sie Regie bei ihren ersten wöchentlichen Puppentheateraufführungen für das Fernsehen. Sie reiste viel und verbrachte zweieinhalb Jahre in Santiago de Chile, wo sie ihre Kenntnisse über Schauspiel und Puppenspiel erweiterte. 1970 wurde sie vom CREFAL (Centro Regional de Educación de Adultos y Alfabetización Funcional para América Latina, heute Centro de Cooperación Regional para la Educación de Adultos en América Latina y el Caribe), das der UNESCO angegliedert ist und seinen Sitz in Mexiko hat, eingeladen, Puppentheateraufführungen für Kinder und Erwachsene zu geben. Später leitete sie Puppenspielkurse an der Escuela Nacional de Arte Dramático (Nationale Schule für Darstellende Kunst) in Lima.

Puppenbau mini|Marionetten verschiedener Charaktere der Geschwister Marroquín Aurea stellte als erste Handpuppen her und steckte ihre Geschwister mit ihrer Vision an und bezog sie in die Kunst und das Handwerk des Puppenbaus mit ein. Kurz darauf verstarb Aurea unerwartet im Alter von 21 Jahren, woraufhin sich die Puppenspieltruppe neu ausrichtete und Marcela 1950 die Leitung übernahm. Bei den Aufführungen ging nicht nur um Unterhaltung, sondern auch darum, mehreren Generationen Geschichten und Märchen näherzubringen, zu denen man in jenen Jahren keinen leichten Zugang mehr hatte, z. B. die kindlichen Erzählungen von Pferden, Prinzessinnen oder Wölfen sowie Geschichten, die sonst nur in der Oper erzählt wurden. Das Truppe wurde mit dem Ziel gegründet, durch verschiedene Figuren ein breites Publikum anzusprechen und zu unterhalten.

Die Schwestern adaptierten verschiedene Geschichten, darunter als erste Der Ritter mit der feurigen Hand (El caballero de la mano de fuego) von Javier Villafañe. Sie legten auch Wert darauf, eine positive und kulturelle Botschaft zu vermitteln, indem sie Werke von Otto Freitas aus Uruguay und Alfredo Bagalio sowie klassische Märchen der damaligen Zeit aufführten. Das Ziel ihrer Arbeit war, jedes Kind zum Strahlen zu bringen, das das Glück hatte, eine ihrer Vorstellungen im Theater La Cabaña sowie auf ihren Tourneen durch das Land und einige andere Länder Lateinamerikas, darunter Mexiko und Chile, zu genießen.

Die Figuren wurden in mehreren Schritten hergestellt: Zunächst wurde aus Terrakotta und Gips eine Form hergestellt, dann wurden Zeitungen und manchmal auch Papierservietten verwendet, die nicht nur kostengünstig, sondern auch leicht zu beschaffen und zu verarbeiten waren. Manchmal verwendeten sie auch eine Mischung aus Ton und Kleister, um die Gesichter und später den Körper zu formen. Marcela war dafür zuständig, Stoffe in verschiedenen Farben und Texturen sowie Acrylfarbe zu kaufen, die zu den Materialien gehörten, mit denen die Herstellung begann. Die Puppen wurden nicht einzeln, sondern in Gruppen oder für jedes Stück hergestellt, und ihre Fertigstellung dauerte bis zu einem Monat.

Marcela hatte sich zum Ziel gesetzt, Marionetten mit beweglichen Augen und Mund sowie einem beweglichen Körper zu schaffen. Die erste dieser Art war Aschenputtel. Sie arbeiteten alle Märchen auf, die sie seit ihrer Kindheit kannten: Hänsel und Gretel, Rotkäppchen, Schneewittchen. Es wurden mehr als 500 Puppen hergestellt, aber im Laufe der Zeit sind sie verfallen, auch Motten haben ihr Übriges getan, und beim Einsturz des Hauses durch ein Erdbeben wurde mehrere Marionetten unter den Trümmern begraben. Um 2019 waren noch 35 Handpuppen, 84 Marionetten und einige Gegenstände, die Teil des Requisitenbestands waren, erhalten. Es gibt jedoch noch weitere Marionetten, die noch nicht zusammengebaut sind und sich in ausgezeichnetem Zustand befinden und darauf warten, fertiggestellt zu werden.

Künstlerische Entwicklung Marcela suchte nach immer besseren Techniken, bis es ihr gelang, ihre geistigen und handwerklichen Fähigkeiten voll auszuschöpfen. 1945 hatte sie mit der Herstellung von Handpuppen begonnen, aber nachdem sie diese Technik vier Jahre lang erforscht und ausgebaut hatte, beschloss sie, sich an den Bau von Marionetten zu wagen, nachdem sie 1954 die Vorstellung des Salzburger Marionettentheaters besucht hatte. Das war ein Ereignis, das sie tief beeindruckte und sie war von dem großen Potenzial dieser Theatertechnik begeistert. Von dieser Euphorie begleitet, begann Marcela zusammen mit ihren Brüdern mit der Herstellung von Marionetten. Sie studierte den menschlichen Körper und las verschiedene Materialien ein und Bücher. Die Marionetten begannen, realistisch zu wirken, und ihre detaillierten Gesichtsausdrücke wurden zu einem charakteristischen Merkmal der Kollektion. Daraufhin entwickelte sich die Laufbahn der Compagnie Marionetas Marrokín sehr erfolgreich, sie traten in verschiedenen Theatern der Hauptstadt Lima und im Landesinneren auf.

Die ersten Marionettentheaterstücke wurden zwischen 1951 und 1952 in Kindergärten aufgeführt. Zu dieser Zeit kontaktiert Porfirio Meneses die 15-jährige Marcela und ihre Schwester Estela, der sie bei einer Vorstellung beobachtet hatte und Marcela vorschlug, mit ihm als Lehrerin für Sommerkurse für Lehrer zu arbeiten, in denen ihnen beigebracht wurde, wie man eine Marionette herstellt und sie als didaktisches Mittel für den Lehr- und Lernprozess einsetzt. Marcela entwickelte sich zu einer Lehrerin, die alle ihre Schüler ermutigte. Die Kurse wurden vom Bildungsministerium gefördert, so dass Puppentheateraufführungen für Kinder organisiert wurden, außerdem gab es eine Puppenausstellung in der Vereinigung der Schriftsteller und Künstler (ANEA) und Puppentheateraufführungen im Nationalen Institut für Jungen und für Lehrer der Escuela Normal Superior „Enrique Guzmán y Valle“. Seitdem widmete sich Marcela neben ihren Auftritten von 1951 bis 1980 vor allem dem Unterricht.

Fernsehen Nebenbei wurde die Truppe auch im Fernsehen bekannt: 1959 startete sie eine Sendung namens Maravilandia auf Kanal 4, in der sie mit Marionetten Geschichten für Kinder aufführten. Die Sendungen dauerten jeweils etwa 20 Minuten. Im Jahr 1962 produzierte sie auch die Fernsehserie „Las Aventuras de Incakolin“ (Die Abenteuer von Incakolin) auf Kanal 13 in Lima. Marcela war die erste Puppenspielerin, die ihre Adaptionen von Kindergeschichten und Romanen ins Fernsehen brachte, d. h. schon lange vor „Titeretambo“ und „La casa de cartón“ (Das Kartonhaus).

Zwischen 1964 und 1966 unternahmen die Marionettenspieler eine Tournee nach Chile, um dort im Fernsehen aufzutreten, und nahmen auf Einladung von Héctor García vom Nationalen Puppentheater in Chile an Festivals teil. Außerdem organisierten sie das erste Nationale Puppen- und Marionettenfestival, an dem die Marionetten-Truppe aktiv teilnahm. So wurde ihre Arbeit geschätzt und anerkannt. Nach ihrem Erfolg in Chile traten sie in Lima in verschiedenen Institutionen auf.

Ebenfalls 1964 produzierten sie das Stück „Dr. Fausto“, basierend auf der Adaption von Javier Villafañe nach dem Werk von Johann Wolfgang von Goethe, das mindestens bis 2019 in ihrem Repertoire geblieben ist und zweifellos eines der wichtigsten war.

Unterricht und Auftritte 1970 unterrichtete Marcela Kunstgeschichte und Puppenspiel in Theaterpädagogik an der Schule für Darstellende Kunst und der Pädagogischen Universität La Cantuta und wurde im selben Jahr nach Mexiko zum Regionalzentrum für Erwachsenenbildung und funktionale Alphabetisierung für Lateinamerika eingeladen, um Puppenspiele für Kinder und Erwachsene aufzuführen.

Die Puppenspieler nahmen 1972 unter der Schirmherrschaft des Nationalen Kulturinstituts am Nationalen Festival für Puppen- und Marionettentheater in Arequipa teil und nahmen 1974 zusammen mit einer anderen Gruppe peruanischer Puppenspieler auf Einladung der Theatergruppe TELBA am Seminar über Kindertheater teil, dessen Ziele unter anderem der Austausch von Informationen über die im Kindertheater verwendeten Methoden, die Verbreitung, Diskussion und Analyse waren.

Im Jahr 1978 führten sie das Stück „El retablo de Maese Pedro“ des spanischen Komponisten Manuel de Falla anlässlich des Besuchs des spanischen Königspaares in Peru zusammen mit dem Nationalen Symphonieorchester für Darstellende Kunst unter der Leitung von Garrido Lecca auf. 1987 nahm Marcela Marroquín am Programm zur Professionalisierung von Theaterlehrern und an der Ausbildung im Bereich Puppentheater an der Nationalen Universität für Bildung – La Cantuta – UNE teil. 1988 unterrichtete sie außerdem Puppentheater im Rahmen des Kurses Theaterpädagogik und Theatermaskenbildnerei an der Nationalen Schule für Darstellende Kunst – ENSAD (Escuela Nacional de Arte Dramático).

Heutige Rezeption Marcela begann, nach Marionetas Marroquín ist eine führende Gruppe, die in Peru mit Puppentheater experimentiert, es entwickelt und verwaltet. Das Repertoire des Ensembles ist umfangreich, wobei folgende zwei Produktionen besonders hervorzuheben sind: Faust (1964), basierend auf der Adaption von Javier Villafañe nach Goethes Stück, das seitdem zum Repertoire des Unternehmens gehört, und El retablo de Maese Pedro (Meister Peters Puppenspiel, 1978) von Manuel de Falla unter der musikalischen Leitung von David del Pino Klinge, aufgeführt anlässlich des Besuchs des spanischen Königs in Peru. Marionetas Marroquín tritt auch in verschiedenen lateinamerikanischen Ländern auf.