mini|Titelseite der ersten Auflage von Arsène Lupin, gentleman-cambrioleur (1907) Arsène Lupin, der Gentleman-Gauner (Originaltitel Arsène Lupin, gentleman-cambrioleur) ist eine Sammlung von neun Detektiv-Kurzgeschichten von Maurice Leblanc, die die ersten Abenteuer von Arsène Lupin darstellen.

Entstehung 1905 gründete Pierre Lafitte die monatlich erscheinende Zeitschrift Je sais tout. Er suchte nach einer Geschichte, die im Geiste der Abenteuer von Sherlock Holmes erschien, die dem englischen The Strand Magazine großen Erfolg bescherten. Daraufhin bat er seinen Freund Maurice Leblanc, eine Geschichte nach dem Vorbild der Abenteuer des britischen Detektivs zu schreiben.

Maurice Leblanc stellte ihm schließlich die Geschichte Die Verhaftung von Arsène Lupin, die in der sechsten Ausgabe von Je sais tout im Juli 1905 erschien. Der Maler Georges Paul Leroux illustrierte die Geschichte. Die Kurzgeschichte war ein großer Erfolg bei den Lesern der Zeitschrift, weshalb Pierre Lafitte den Schriftsteller ermutigte, eine Fortsetzung der Abenteuer des Gentleman-Gauners zu schreiben. Da die Geschichte mit der Verhaftung des Helden endet, riet er ihm, Lupin aus dem Gefängnis fliehen zu lassen. Somit war die Saga des Gentleman-Gauners geboren.

Bis 1907 erschienen in unregelmäßigen Abständen mehrere Kurzgeschichten in Je sais tout, bevor sie in einem einzigen Band gesammelt und am 10. Juni 1907 veröffentlicht wurden.

Inhalt Die Sammlung besteht aus neun Kurzgeschichten, die in der Zeitschrift Je sais tout veröffentlicht wurden. Die Reihenfolge der Geschichten im Band entspricht jedoch nicht der Reihenfolge der Veröffentlichung. So steht Die Herz Sieben nach Die Halskette der Königin und Sherlock Holmes kommt zu spät schließt den Band ab.

Die Verhaftung von Arsène Lupin Die Kurzgeschichte erschien erstmalig am 15. Juli 1905 in Ausgabe sechs von Je sais tout und wurde vom Maler Georges Paul Leroux illustriert. An Bord des Ozeandampfers La Provence, der von Frankreich in die Vereinigten Staaten fährt, erfährt man durch ein Telegramm, dass sich der berühmte Einbrecher Arsène Lupin unter den Passagieren befindet. Als es zu ersten Raubüberfällen kommt, bricht Panik an Bord aus, da jeder seinen Nachbarn verdächtigt. Die Geschichte endet mit der Ankunft des Dampfers in New York, wo Inspektor Ganimard wartet und Arsène Lupin verhaftet wird.

Arsène Lupin im Gefängnis Die zweite Kurzgeschichte der Abenteuer von Arsène Lupin erschien erstmalig am 15. Dezember 1905 in Ausgabe elf von Je sais tout unter dem Titel La Vie extraordinaire d'Arsène Lupin en prison. Der Künstler Frederick Melville DuMond illustrierte die Geschichte. Nach seiner Verhaftung in New York wurde Arsène Lupin im Gefängnis La Santé inhaftiert. Von seiner Zelle aus organisiert er einen Einbruch in das Schloss von Malaquis, das dem Baron Cahorn gehört.

Lupin’s Flucht Lupin’s Flucht erschien am 15. Januar 1906 in Ausgabe zwölf von Je sais tout unter dem Titel La Vie extraordinaire d'Arsène Lupin : L'Évasion d'Arsène Lupin. Der Künstler Frederick Melville DuMond illustrierte erneut die Abenteuer des Gauners. Trotz des Unglaubens der Polizisten kündigt Arsène Lupin seinen bevorstehenden Ausbruch aus dem Gefängnis La Santé an. Am Tag des Prozesses erscheint ein Mann namens Désiré Baudru anstelle des Einbrechers vor Gericht, was Fragen nach den außergewöhnlichen Zufällen aufwirft, die diesen Austausch ermöglicht hatten.

Der geheimnisvolle Reisende Die Kurzgeschichte erschien erstmals am 15. Februar 1906 in Ausgabe 13 von Je sais tout unter dem Titel La Vie extraordinaire d'Arsène Lupin : Le Mystérieux Voyageur und wurde von Frederick Melville DuMond und Adolphe Cossard illustriert. Als Guillaume Berlat verkleidet wird Arsène Lupin in einem Zug nach Rouen von einem gewalttätigen Dieb ausgeraubt. Die Behörden sind überzeugt, dass es sich bei dem Dieb um niemand anderen als Arsène Lupin handelt und schließen sich Guillaume Berlats Suche nach dem Betrüger an.

Die Halskette der Königin Die Kurzgeschichte erschien erstmals am 15. April 1906 in Ausgabe 15 von Je sais tout unter dem Titel La Vie extraordinaire d'Arsène Lupin : Le Collier de la reine. Mario Pezilla illustriert die Geschichte. Die Geschichte spielt in Arsène Lupins Kindheit. Sie erzählt vom Diebstahl der berühmten Halskette der Königin, die sich im Besitz der Gräfin de Dreux-Soubise befand. Obwohl der Verdacht auf Henriette, eine Freundin der Gräfin, fällt, bleiben die polizeilichen Ermittlungen ergebnislos. Erst mehrere Jahrzehnte später wird die Halskette der Königin gefunden und von Arsène Lupin an die Familie zurückgegeben.

Die Herz Sieben Diese Kurzgeschichte erschien – später als die anderen Erzählungen der Sammlung – am 15. Mai 1907 in Ausgabe 28 von Je sais tout unter dem Titel Comment j'ai connu Arsène Lupin : Le Sept de cœur. A. de Parys illustriert die Geschichte. Das lyrische Ich schildert die Umstände, die zu seiner Begegnung mit Arsène Lupin führten. Es wird zufällig in einen Fall von Militärspionage verwickelt. Unter dem Namen Jean Daspry gelingt es Arsène Lupin, die gestohlenen Pläne für das U-Boot Le Sept de cœur wiederzuerlangen, und er wählt das lyrische Ich als seinen Biographen.

Der Safe von Madame Imbert Die Kurzgeschichte erschien erstmalig am 15. Mai 1906 in Ausgabe 16 von Je sais tout unter dem Titel La Vie extraordinaire d'Arsène Lupin : Le Coffre-fort de madame Imbert und wurde von Jacques Camoreyt illustriert. Die Geschichte ist eines der ersten Abenteuer Arsène Lupins und erzählt von dessen Plan, den Inhalt des Safes der Familie Imbert zu stehlen.Diese Kurzgeschichte ist weitgehend von dem Skandal inspiriert, der durch den Betrug mit der „Crawford-Erbschaft“ ausgelöst wurde, die Thérèse Humbert Ende der 1870er Jahre inszenierte und die dem Ehepaar Humbert bis zu ihrer Flucht im Jahr 1902 etwa zwanzig Jahre lang einen verschwenderischen Lebensstil ermöglichte. Nachdem er eine Einladung der Imberts erhalten hat, wird er selbst Opfer eines Betrugs des Paares.

Die schwarze Perle Die Kurzgeschichte erschien erstmals am 15. Juli 1906 in Ausgabe 18 von Je sais tout unter dem Titel La Vie extraordinaire d'Arsène Lupin : La Perle noire und wurde von Davids und Auguste Leroux illustriert. Als Arsène Lupin in die Wohnung der Gräfin d’Andillot einbricht, um eine kostbare schwarze Perle zu stehlen, ist er entsetzt, als er die ermordete Gräfin entdeckt. Er nimmt daraufhin Ermittlungen auf, um den Mörder zu fassen und die Perle zurückzuholen.

Sherlock Holmes kommt zu spät Die neunte Kurzgeschichte der Sammlung – die siebte in der Reihenfolge ihrer Veröffentlichung – erschien am 15. Juni 1906 in Ausgabe 17 von Je sais tout unter dem Titel La Vie extraordinaire d'Arsène Lupin : Sherlock Holmes arrive trop tard. Aus urheberrechtlichen Gründen wurde Sherlock Holmes jedoch bei der Veröffentlichung der Sammlung in Herlock Sholmès umbenannt. Der italienische Maler Serafino Macchiati illustrierte die Geschichte. Während des Einbruchs in das Schloss Thibermesnil begegnet Arsène Lupin erneut Nelly Underdown, einer Passagierin des Ozeandampfers "La Provence". Bewegt von diesem Wiedersehen gibt der Einbrecher seinen Plan auf. Nachdem er die gestohlenen Gegenstände zurückgegeben hat, steht der Dieb zum ersten Mal dem britischen Detektiv Sherlock Holmes gegenüber, dem er entkommen kann.

Veröffentlichung Die Kurzgeschichten wurden in einer Sammlung zusammengestellt, die am 10. Juni 1907 von Pierre Lafitte mit einem Vorwort des Schriftstellers Jules Claretie veröffentlicht wurde. Das Cover wurde von Henri Goussé gestaltet.

Die Geschichten wurden von Maurice Leblanc leicht abgeändert. So wird der Ausdruck „Gentleman-Gauner“, der der Sammlung ihren Titel gibt, erst in der zweiten Fassung von L'Arrestation d'Arsène Lupin eingeführt: Aus „Arsène Lupin […] avait laissé sa carte avec ces mots: Reviendrai quand les meubles seront authentiques.“ wird „Arsène Lupin […] avait laissé sa carte ornée de cette formule: Arsène Lupin, gentleman-cambrioleur, reviendra quand les meubles seront authentiques.“

Darüber hinaus ordneten Maurice Leblanc und sein Herausgeber die Kurzgeschichten in einer anderen Reihenfolge an. Dies geschah in erster Linie, um einen zusammenhängenden Textkorpus zu schaffen, der in die Abenteuer von Arsène Lupin einführt, aber auch, um den Rest der Reihe vorzubereiten. So fügte der Autor die Kurzgeschichte Die Herz Sieben – die seine Begegnung mit dem Einbrecher schildert – früher in die Sammlung ein und verschob Sherlock Holmes kommt zu spät – umbenannt in Herlock Sholmès kommt zu spät – an das Ende des Bandes, um die bevorstehende Veröffentlichung von Arsène Lupin gegen Sherlock Holmes anzukündigen und so die serielle Verbindung der Abenteuer des Einbrechers zu verstärken.

Die Sammlung wurde 1914 von Pierre Lafitte in der Sammlung „Idèle-Bibliothèque“ mit einigen Textvariationen neu aufgelegt. Der Illustrator Léo Fontan gestaltete den Einband des Bandes und legte endgültig die Gesichtszüge von Arsène Lupin mit seinem Monokel und seinem Zylinder fest.

1916 wurde die Sammlung von Kurzgeschichten in die neue Sammlung „Les romans d'aventure et d'action“ von Pierre Lafitte aufgenommen, die alle Abenteuer des Gentleman-Gauners zusammenfassen sollte. Die Rechte wurden allerdings an Hachette Livre verkauft, die die Kurzgeschichtensammlung dann 1932 in ihrer Kriminalromansammlung „Le Point d'interrogation“ veröffentlichten.Die Ausgabe von 1932 enthält nicht die Kurzgeschichten Der Safe von Madame Imbert und Die schwarze Perle, sondern fügt die Geschichte Vom Tod beschattet hinzu, die erstmals im September 1911 in Je sais tout veröffentlicht wurde. Im Laufe des 20. und 21. Jahrhunderts wurde die Sammlung regelmäßig von verschiedenen Verlagen neu aufgelegt.

Hörbuch Im Jahr 2011 adaptierte La Compagnie du savoir die neun Kurzgeschichten in der Sammlung Les Aventures d'Arsène Lupin, gentleman-cambrioleur als Hörbücher mit Philippe Colin als Erzähler.

Anmerkungen und Einzelnachweise

Literatur

Weblinks

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