Zwei badende Mädchen ist der Titel eines Gemäldes von Otto Mueller, das 1921 entstand. Es zeigt zwei nackte Mädchen in der freien Natur und entstand in der Zeit, als Mueller Sommerreisen an Ost- und Nordsee unternahm. Stilistisch ist es dem deutschen Expressionismus zuzuordnen, wie er besonders von der Künstlergruppe Brücke vertreten wurde. Seit 1976 gehört das Bild zur Sammlung des Brücke-Museums Berlin.
Beschreibung und Hintergrund Das Gemälde hat die Maße 117,8 × 158 cm und ist in der Maltechnik Leimfarbe auf Leinwand ausgeführt. Wahrscheinlich seit 1931 befand es sich im Besitz des deutschen Kunsthistorikers und Museumsleiters Wilhelm Reinhold Valentiner (1880–1958), der ab 1921 in den USA lebte. Nach seinem Tod gelangte das Gemälde auf den europäischen Kunstmarkt, 1970 bot es der Münchner Galerist Peter Griebert jr. dem Brücke-Museum zum Kauf an, doch erworben wurde es erst 1976 über den Kunsthändler Roman Norbert Ketterer. Eine Signatur befindet sich unten rechts: O.M. Im Brücke-Museum trägt es die Inventarnummer 1/76, im Werkverzeichnis von Pirsig-Marshall/v. Lüttichau ist es unter der Nummer G1921/01 (187) aufgeführt.
Nach dem Ersten Weltkrieg hatte Otto Mueller seinen Malstil weiter entwickelt. Seine Akte sind nun von dem Bemühen charakterisiert, den Menschen in Harmonie mit der Natur zu zeigen, als eine Art ersehnter paradiesischer Urzustand. Das zeigt sich auch in dem in den gleichen Zeit entstandenen Bild Adam und Eva. In Muellers zur gleichen Zeit entstandenen Serie mit Badenden, die einen neuen Figuren- und Landschaftstypus hervorgebracht hat, verzichtet der Künstler auf einen Wiedererkennungseffekt der Orte, an denen er sich im Sommer aufhielt, und der Personen. Ihm ist ein Bedürfnis nach „Vollkommenheit, Harmonie und Glücklichsein“ wichtig. Die Bildkomposition mit ihren stilisierten Pflanzen, Perspektiven und den exponierten Posen der Figuren soll diese Harmonie zwischen Mensch und Natur erzeugen. Die zarte Farbigkeit seiner Arbeiten aus jener Zeit erweckt den Eindruck paradiesischer Zustände, im Gegensatz zu der aus den Fugen geratenen europäischen Zivilisation kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Dieses Bild entstand nach einer seiner Sommerreisen. So besuchten er und seine Frau Maria, genannt „Maschka“, Mayerhofer (1880–1952) Erich Heckel in Osterholz an der Flensburger Förde. In jener Zeit fuhr der Künstler aber auch an die Nordsee; es ist daher nicht möglich, seine Arbeiten bestimmten Landschaften oder Orten zuzuordnen.Magdalena M. Moeller (Hrsg.): Brücke Museum Highlights. Hirmer Verlag, München 2017, ISBN 978-3-7774-2916-8, S. 308.Christiane Remm: Otto Mueller. Hirmer Verlag, München 2014, ISBN 978-3-7774-2333-3, S. 99 (Begleitbuch zu den Ausstellungen).Auf der Suche nach dem Ursprünglichen : Mensch und Natur im Werk von Otto Mueller und den Künstlern der Brücke. Brücke-Archiv 21/2004, ISBN 3-7774-2115-4, S. 52.
Ähnliche Motive (Auswahl) Zu Otto Muellers Hauptmotiven zählten nackte, badende Frauen und Männer in der Landschaft:
Rezeption mini|Zwei badende Mädchen 1982, MiNr 679 Das Motiv wurde 1982 auch für eine Briefmarke der Deutschen Bundespost Berlin mit dem Nennwert von 80 Pfennig verwendet.
Ausstellungen (Auswahl) 2004: Auf der Suche nach dem Ursprünglichen. Mensch und Natur im Werk von Otto Mueller und den Künstlern der Brücke, Brücke-Museum, BerlinAuf der Suche nach dem Ursprünglichen. Mensch und Natur im Werk von Otto Mueller und den Künstlern der Brücke. (bruecke-museum.de). 13. September 2014 bis 25. Januar 2015: Otto Mueller. Gegenwelten. Sinti und Roma in der historischen Fotografie, Kunstmuseum RavensburgTanja Pirsig-Marshall, Uwe Schlögl, Nicole Fritz: Otto Mueller – Gegenwelten Sinti und Roma in der historischen Fotografie. Kehrer, Heidelberg 2014 (Ausstellungskatalog). und im Anschluss vom 21. März 2015 bis 5. Juli 2015 im Brücke Museum Berlin und vom 19. September 2015 bis 17. Januar 2016 in der Kunsthalle Emden. 2015: Otto Mueller. Einklang und Anmut, Brücke-Museum, BerlinOtto Mueller. Einklang und Anmut (bruecke-museum.de). 2020: Max Kaus. Unter Freunden, 2020, Brücke-Museum, BerlinMax Kaus. Unter Freunden (zusammen mit dem Gemälde In Dünen liegender Akt von 1923, bruecke-museum.de). 21. September 2024 bis 9. März 2025: German Expressionism. The Artist Group Brücke and the Beginning of Modernism, Moderna Museet, StockholmIris Müller-Westermann: German expressionism : the artist group Brücke and the beginnings of modernism (= Moderna museets utställningskatalog. Nr. 426). Hirmer, Stockholm / München 2024, .Moderna Museet: German Expressionism. The Artist Group Brücke and the Beginnings of Modernism. artmap.com.
Literatur (Auswahl) Leopold Reidemeister: Das Brücke-Museum. Berlin 1984. Magdalena M. Moeller (Hrsg.): Otto Mueller. Gemälde, Aquarelle, Pastelle und Druckgraphik aus dem Brücke-Museum Berlin. Ausstellungskatalog, Hirmer Verlag, München 1996. Magdalena M. Moeller (Hrsg.): Die Brücke. Meisterwerke aus dem Brücke-Museum Berlin. Ausstellungskatalog, Brücke-Museum Berlin, Hirmer Verlag, München 2000. André Schmitz (Hrsg.): Im Zentrum des Expressionismus. Erwerbungen und Ausstellungen des Brücke-Museums Berlin 1988–2013. Ein Jubiläumsband für Magdalena M. Moeller. Hirmer Verlag, München 2013. Christiane Remm: Otto Mueller. Hirmer Verlag, München 2014, ISBN 978-3-7774-2333-3. Magdalena M. Moeller (Hrsg.): Brücke Museum Highlights. Hirmer Verlag, München 2017, ISBN 978-3-7774-2916-8.
Weblinks
Zwei badende Mädchen bruecke-museum.de (Internetseite mit Bildbeschreibung und weiteren Informationen)
Einzelnachweise
Kategorie:Gemälde (20. Jahrhundert) Kategorie:Weiblicher Akt Kategorie:Frauendarstellung (Gemälde) Kategorie:Paar (Bildende Kunst) Kategorie:Kunstwerk des Expressionismus