mini|hochkant=1.5|Projekt-Visualisierung „Blue Swan“.<br/ >Midjourney/Paula Breukel/KI-generiert

„Blue Swan“ ist der bayerische Name für die Bewerbung um ein drei bis fünf Mrd. Euro teueres Rechenzentrum für Künstliche Intelligenz (KI) im Rahmen des „EU-InvestAI“-Programms (englisch: artificial intelligence AI). Der Freistaat Bayern hat hierzu eine Interessenbekundung bei der EU-Kommission eingereicht.https://www.stmwk.bayern.de/pressemitteilung/12900/nr-46-vom-24-06-2025.html?utm_source=chatgpt.com Standort für die Bewerbung sind die einstigen Conn Barracks am westlichen Stadtrand von Schweinfurt.

Der Bau der Gigafactory soll in Teilabschnitten erfolgen. Zwei Module mit einer Leistung von 63 Megawatt sollen, ungeachtet einer Förderzusage der EU, in jedem Fall durch den Freistaat 2028 in Betrieb gehen und mit EU-Förderung im Endausbau sechs Module mit 220 Megawatt.

Das Umfeld der weiträumigen Flugplatzkaserne soll die Möglichkeit zum Aufbau eines ganzen „Ökosystems“ für neue Firmen und Forschungszentren bieten, die intelligente KI-Lösungen für Unternehmen, Hochschulen, Unikliniken oder den Staat entwickeln und vermarkten.

Etymologie Die Bezeichnung „Blue Swan“ wurde vom Supercomputer „Blue Lion“ in Garching bei München abgeleitet, wo sich der größte Campus der Technischen Universität München befindet, das Hochschul- und Forschungszentrum Garching. Der blaue Schwan steht für eine kontrollierte, technologisch getriebene Disruption, als positiver Gegenentwurf zum „Black Swan“.

Conn Barracks

Das Sondergebiet „Data Center“ für das Projekt „Blue Swan“ liegt in der Konversionsliegenschaft Conn Barracks, der größten Kaserne der 2014 aufgelösten US-Heeresgarnison Schweinfurt. Sie befindet sich 4 km (Luftlinie) westlich des Schweinfurter Stadtzentrums.

Siehe auch: Liste zur US-Konversion Schweinfurt

Lage und Verkehr Die Conn Barracks besitzen eine sehr zentrale Lage in Deutschland und Europa, im Straßen-, Schienengüter-, Schienenpersonen- und Luftverkehr. Sie liegen an einer Autobahnanschlussstelle und besitzen einen Gleisanschluss.

Näheres hierzu siehe: Conn Barracks, Lage

Größe der Flächen Die Conn Barracks haben eine Gesamtfläche von 202,25 Hektar, was etwa der Fläche der Münchener Innenstadt entspricht. Darin können 100 Hektar gewerblich genutzt werden. Darin hat sich der Freistaat Bayern 48 Hektar gesichert. Darin liegt das Sondergebiet „Data Center“ mit 15,1 Hektar.

Standort Standortfaktoren mini|Der Mittelpunkt der Europäischen Union liegt in Gadheim, 30 km südwestlich des Projekts „Blue Swan“

Energie:  Direkter Zugriff auf den zentralen Netzknotenpunkt Bergrheinfeld, u. a. mit der künftigen Stromtrasse SuedLink (günstiger Windstrom aus dem Norden). Datennetz:  Nähe zu einem der weltweit größten Internetknotenpunkte DE-CIX Frankfurt am Main, mit niedrigen Latenzzeiten. Freie Baukapazität von 100 ha:  Auf einem einstigen Flugplatz: „Wir können hier sowohl von der Fläche als auch der Energie wachsen“. TH in Schweinfurt:  Nähe zur Technischen Hochschule THWS Standort Schweinfurt. Zentrale Lage:  In der Mitte Deutschlands und Europas. Gleisanschluss für Schwertransporte (einstige US-Panzerverladung mit vorhandener Halle) an der Bahnstrecke Schweinfurt–Erfurt Autobahnanschluss an die Bundesautobahn 71 Schweinfurt–Erfurt–(Berlin)

Stromversorgung mini|Zentral gelegener Netzknotenpunkt Bergrheinfeld / Grafenrheinfeld bei Schweinfurt (untere Kartenmitte). Leitungsvorhaben aus dem Bundes­bedarfsplangesetz (BBPlG 2013)

Das bayerische Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) in Garching soll die Kontrollstelle und Steuerungseinheit werden. Aber die Netzanschluss-Leistungen von bis zu 300 Megawatt sind dort bei weitem nicht vorhanden. Sie gibt es nur an wenigen Orten im deutschen Stromnetz, so im Schweinfurter Vorort Bergrheinfeld, unweit des stillgelegten Kernkraftwerks Grafenrheinfeld, am Netzknotenpunkt Bergrheinfeld. Mit dem Anschluss an SuedLink, dessen erster (nördlicher) Ast in Bergrheinfeld endet, wird sich die Situation dort noch deutlich verbessern. Die Gigafactory wird ein Viertel des Stroms von SuedLink benötigen, zu der unweit von ihr, westlich von Geldersheim, die Bauarbeiten im Herbst 2025 bereits begannen.

Der Netzknotenpunkt Bergrheinfeld wird durch die Fulda-Main-Leitung noch weiter ausgebaut. Sie wird parallel zur Gleichstromtrasse Suedlink als Wechselstromtrasse errichtet.

Von Netzknotenpunkt Bergrheinfeld wird eine unterirdische Leitung in zweifacher Ausführung zur Giga-Factory verlegt; da Rechenzentren zur kritischen Infrastruktur zählen, werden sie doppelt abgesichert. Ein Blackout soll durch Notstromaggregate abgesichert werden, die alle zweieinhalb Monate getestet werden müssen, um ihre Funktionsfähigkeit zu garantieren. Das soll wegen der Lärmbelastung (Geldersheim) im Tagesbetrieb geschehen, zudem sollen die Aggregate mit Schalldämpfern ausgestattet werden.

Standortentscheidung Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder und Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume sagten, dass der entscheidende Standortfaktor die Stromversorgung sei. Deshalb könne die Gigafactory nicht in Garching am Leibniz-Rechenzentrum stehen, das das Rechenzentrum für die Technische Universität München und die Ludwig-Maximilians-Universität München ist.

Söder gab 2025 wiederholt bekannt, dass der Freistaat Bayern in den Conn Barracks, ungeachtet einer Förderentscheidung der EU, in jedem Fall eine KI-Gigafabrik errichten will.

Europa EU-Förderung Die EU-Kommission definiert die KI-Gigafabriken als „Großanlagen für die Entwicklung und das Training von KI-Modellen der nächsten Generation mit Billionen von Parametern“. Europaweit sind fünf Anlagen geplant.

Die EU fördert sie mit Milliarden. 65 % sind von Unternehmen zu finanzieren, 35 % von der EU und dem im Bund federführenden Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR). Der Freistaat will sich mit dem Gewerbepark Conn Barracks als Standort dafür bewerben. Der Antrag an die EU soll im ersten Quartal 2026 gestellt werden. Sollte sich Brüssel für andere Standorte entscheiden, wird in Schweinfurt mit bayerischem Geld gebaut.

Das Vorhaben ist Teil des „EU-InvestAI“-Programms (englisch: artificial intelligence AI) mit 20 Milliarden Euro Fördermitteln für den Aufbau einer europäischen KI-Infrastruktur. Durch Öffentlich-private Partnerschaften sollen Investitionen bis zu 200 Milliarden Euro mobilisiert werden. Eine formale Ausschreibung zur Auswahl der Projekte ist für Ende 2025 geplant.

Bewerbungen mini|Netzknotenpunkt Bergrheinfeld, mit Umspannwerk Bergrheinfeld West, mit 380-/220-/110-kV-Transformatoren

Die EU-Kommission bekam 76 Interessenbekundungen aus 16 EU-Mitgliedstaaten mit 60 Standorten, getragen von Industrie, Forschung, Versorgern, Investoren und einem deutschen Bundesland (auf nachfolgender Liste in Klammern). Aber nur vier konkrete Standorte wurden bisher öffentlich bekannt, mit Orten die alle an großen Netzknotenpunkten liegen:

Deutschland: Schweinfurt, am Netzknotenpunkt Bergrheinfeld (Freistaat Bayern) Österreich: Wien, Netzknotenpunkt Tschechien: Prag-Zbraslav, Netzknotenpunkt Spanien: Móra la Nova, am Netzknotenpunkt der Ebro-Wasserkraftwerke

Darüber hinaus ist von weiteren Standorten in Deutschland die Rede:

Baden-Württemberg: Heilbronn (Schwarz Digits) Brandenburg: Lübbenau (Schwarz Digits) Nordrhein-Westfalen: Neurath

Souveränität Europas Wissenschaftsminister Blume betonte:

„Entscheidend ist, dass wir den Rückstand Europas aufholen. Wir wollen nicht abhängig sein von leistungsfähigen KI-Modellen, die in anderen Teilen der Welt entwickelt werden, bei denen aber niemand weiß, was drin ist. Wir wollen selbst ans Steuerrad der KI.“

Ferner weist Blume auf die Sicherung von Talenten und Arbeitsplätzen hin:

„Eine extrem starke Tech-Industrie, international anerkannte Forschungskapazitäten und unser klares Bekenntnis zur digitalen Souveränität Europas machen den Freistaat zum prädestinierten Standort für eine Gigafactory. Für Bayern und ganz Deutschland gehe es dabei auch um die nachhaltige Sicherung des Talentpools, hochwertige Arbeitsplätze, die globale Anschlussfähigkeit unserer Unternehmen und einen Schub für weitere Super-Tech-Ansiedlungen.“

Zu Anwendungen und Bereichen sagt Blume:

„Im Fokus steht [...] das Trainieren von Modellen für die unmittelbare Anwendung im Gesundheitsbereich, in der Mobilität ebenso wie bei Fragen von Sicherheit und Verteidigung.“

Organisationen Siehe auch: Conn Barracks, Zweckverband

Konsortium Hinter dem Projekt steht ein Konsortium mit drei Akteuren:

Freistaat Bayern als Anker-Nutzer Leibniz-Rechenzentrum der Bayerische Akademie der Wissenschaften als Betreiber; tritt auch als Bauherr in der EU-Bewerbung für die KI-Fabrik auf Immobilienentwickler Investa. Die Gruppe entwickelt seit über zwei Jahrzehnten Rechenzentren in Europa und soll „Blue Swan“ bauen.

Blue Swan Service GmbH Im nächsten Schritt gründet die Bayerische Akademie der Wissenschaften (BAdW) als Trägerin des LRZ die Blue Swan Service GmbH, um die Konsortialbildung weiter voranzutreiben und künftig die Gigafabrik zu betreiben. Die GmbH mit Sitz in Garching soll als gewerbliche Trägerin der IT-Services der Blue Swan Gigafactory fungieren, zur Abdeckung kommerzieller Bedarfe.

Blue Swan e.V. Ergänzend soll der Verein Blue Swan e.V. gegründet werden, um Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, Verbände und Unternehmen zu vereinen, die zur Förderung des bayerischen KI-Ökosystems und der Gigafabrik beitragen wollen.

Weiteres Bauleitplanung Das 15,1 Hektar große Areal der KI-Gigafabrik wird im Flächennutzungsplan als „Sonstiges Sondergebiet“ mit der Zweckbestimmung „Data Center“ ausgewiesen. Für eine KI-Gigafactory mit einem „Ökosystem“ an neuen Firmen und Forschungszentren sind zwei Bebauungspläne nötig. Im Oktober 2025 wurde für dieses Gebiet vom Zweckverband der Bebauungsplan „Gewerbepark Conn Barracks - Blue Swan“ beschlossen. Der zweite Bebauungsplan Sondergebiet „Data Center“ beschreibt die spezifische Zweckbestimmung innerhalb dieses Bebauungsplans. Die Erschließung erfolgt über eine Zufahrt von Geldersheim aus.

Zum Anhörungsverfahren für den Bebauungsplan „Data Center“ gab es keine gravierenden Einwände. Bürger haben sich nicht zu Wort gemeldet.

Baubeginn Das Grundstück wurde Anfang 2026 vom Zweckverband gekauft. Noch 2026 soll Baurecht geschaffen werden.

Kühlung und Fernwärme Die KI-Fabrik soll mit einem geschlossenen Wasser-Luft-Kühlsystem ausgestattet werden. Dieselbe Flüssigkeit zirkuliert kontinuierlich, nimmt die Wärme auf und gibt sie über einen Wärmetauscher an die Umgebungsluft ab.

Gewerbesteuer Blue Swan In den Anfangsjahren, mit großen Investitionen, werde keine Gewerbesteuer fließen, sondern erst wenn die KI-Factory boomt. Geldersheim als flächenmäßig einziger Anteilseigner erhält davon 40 Prozent, Niederwerrn, die kreisfreie Stadt Schweinfurt und der Landkreis Schweinfurt jeweils 20 Prozent. Im Bereich des Gewerbeparks außerhalb der KI-Factory wird die Gewerbesteuer anders aufgeteilt (siehe: Conn Barracks, Zweckverband).

Weblinks Surfgreen.dev GmbH: Blue Swan Schweinfurt: Europas KI-Gigafabrik | AI Factory

Einzelnachweise

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