Alfred de Vivanco-Luyken (* 29. Mai 1923 in Reinbek bei Hamburg; † 13. Dezember 2004 in Gräfelfing bei München) war ein deutscher Bildhauer, Maler und Grafiker. Er gilt als ein vielseitiger Künstler, dessen Werk von expressiven Aquarellen bis zu monumentalen Stahlplastiken reicht. 1969 erhielt er den Preis der 1. Triennale für farbigen Holzschnitt und 1986 wurde er mit dem renommierten Seerosenpreis ausgezeichnet.
Leben Alfred de Vivanco-Luykens Vater Otto Luyken war Kaufmann und Kunstsammler, der in engem Austausch mit Künstlern der Brücke-Bewegung sowie den Galerien Commeter und Cassirer stand. Die Sammlung Otto Luyken umfasste Meisterwerke des Expressionismus, darunter Werke von Edvard Munch (u. a. Madonna und Liegender weiblicher Akt), Emil Nolde sowie Arbeiten von Ernst Ludwig Kirchner und weiteren Künstlern dieser Epoche. Seine Mutter Elena Antonie Bertha de Vivanco entstammte einer spanischen Konsulsfamilie.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem er vier Jahre als Soldat in Russland gedient hatte, studierte er von 1946 bis 1949 an der Kunstakademie Hamburg bei Willem Grimm und Gerhard Marcks. Anschließend setzte er seine Ausbildung an der Akademie der Bildenden Künste München in der Lithowerkstatt bei Neumeyer fort (1949–1952).
Im Jahr 1947 heiratete er Armgard Gadamer und hatte zwei Kinder (* 1947 und * 1950).
Vivanco-Luyken stand in engem Kontakt mit Emil Nolde und dessen Frau Ada. Briefe und ein Original-Aquarell von Nolde (Umgestürztes Boot in der Brandung, 1942) belegen die Beziehung. Ada Nolde schenkte das Werk Alfred während des Malverbots in der Zeit des Nationalsozialismus.
Die Kunstsammlung seines Vaters, die Begegnungen mit Brücke-Malern und insbesondere Noldes ungemalte Bilder prägten sein Werk nachhaltig.
Zitat aus „Lesebuch für die Augen“ (2003) „Oft wurde ich gefragt, warum dieses kleine Postkartenformat. Als 15-Jähriger verbrachte ich meine Sommerferien bei Emil Nolde, der mir seine ‚ungemalten Bilder‘ zeigte, alle im Postkartenformat auf Japanpapier. Seit damals lebte in mir der Wunsch, ähnliche, in sich abgerundete Arbeiten zu schaffen. Die Postkarten auf Japanpapier wurden zu einem zentralen Teil meines künstlerischen Lebenswerks. Gerade die Herausforderung reizte mich, in diesem kleinen Format meine Bildgedanken nicht als Skizzen, sondern als abgeschlossene Bilder zu malen. Nach großen Skulpturen zog ich mich gern in die intime Welt dieser Mikroformate zurück. Sie sind meine Freunde, weil sie viel von mir wissen.“
Werk mini|Stahlplastik in München (Heimeranstraße 10)
Malerei Aquarelle und Gouachen auf Japanpapier, darunter die Serien: Tanz durch die Toskana Der Weg in die Leichtigkeit Das Feuer ist des Windes liebstes Kind Charakteristisch sind kräftige Farben und dynamische Kompositionen.
Skulptur und Kunst im öffentlichen Raum Germarbrunnen (1973) in Germering: Monumentale Brunnenanlage (32 × 24 m) mit germanischem Krieger. Stahlplastik (1985–1989) aus Corten-Stahl in München (Heimeranstraße), Maße: 350 × 50 × 150 cm. Glasfenster und Mosaikarbeiten in sakralen und öffentlichen Räumen.
Grafik Holzschnitte und Lithographien, ausgezeichnet 1969 in Capri.
Ausstellungen (Auswahl) 1953: Rotterdam & Amsterdam 1960–2005: Haus der Kunst, München 1964: Helsinki 2004: Budapest, Traunsee 2005: Kunsthalle Arnstadt
Auszeichnungen 1969: Preis der 1. Triennale für farbigen Holzschnitt, Carpi 1986: Seerosenpreis der Stadt München
Rezeption und Einfluss Alfred de Vivanco-Luyken wurde als vielseitiger Künstler beschrieben, der sowohl große Skulpturen als auch intime Aquarelle meisterte. Die Süddeutsche Zeitung würdigte seine Fassaden- und Stahlplastiken als „Bewegung in Beton und Stahl“ und hob die gestalterische Kraft seiner Arbeiten im öffentlichen Raum hervor.
Der Merkur betonte die „positive Ausstrahlung“ seiner Aquarelle auf Japanpapier, die „Wärme und Leichtigkeit“ vermitteln und an die Tradition Emil Noldes anknüpfen. Kritiker lobten die technische Herausforderung dieser Malweise und die Fähigkeit des Künstlers, trotz der schwierigen Materialeigenschaften eine klare Formensprache und feine Details zu bewahren.
de Vivanco-Luyken selbst sah seine Postkartenformate als „intime Zwiesprache“ mit dem Betrachter und als Gegenpol zu seinen monumentalen Skulpturen.Ausstellungsbroschüre
Seine Werke wurden in zahlreichen Ausstellungen gezeigt und prägen bis heute das Stadtbild Münchens.
Weblinks
Hamburger Kunsthalle: Liegender weiblicher Akt Hamburger Kunsthalle: Madonna, 1893 Ketter Kunst Auktion: 397
Einzelnachweise
Kategorie:Grafiker (München) Kategorie:Maler (München) Kategorie:Bildhauer (München) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1923 Kategorie:Gestorben 2004 Kategorie:Mann