Boris Billaud (* 28. November 1968 in Winterthur) ist ein Schweizer Künstler. Er arbeitet in den Gattungen Malerei, Zeichnung und Bildhauerei sowie mit einem konzeptuellen, erweiterten Kunstbegriff, der bis in die Kulturpolitik hineinreicht.

Leben Boris Billaud wuchs in Ellikon, Gäbelbach, Mühleberg, Solothurn und Niederbipp auf. Nach der Sekundarschule 1987 besuchte er den Vorkurs der F+F Schule für Kunst und Design Zürich. 1992 bis 1995 studierte er an der Hochschule der Künste Bern. 1996 hospitierte er am Kunstmuseum Bern in der Abteilung Pädagogik.Christian Biber, 22.10.2025

Billaud hat zwei Kinder (* 1996, 1998) und lebt zusammen mit der Journalistin und Autorin Christine Schnapp in Zürich.

Werk Billaud verfolgte in den 1990er-Jahren einen der Malerei dieser Zeit entsprechenden wilden, expressiven Malstil, den er ab 1998 mit klassischen Techniken erweiterte. Ab 1996 beschäftigte sich Billaud zudem mit Bildhauerei, wobei er dem konzeptuellen Ansatz im Stil der deutschen Kontextualisten wie Reinhard Mucha, später Hans Haacke und Maria Eichhorn folgte.Christian Biber, 22.10.2025

Hauptwerk bleibt bei Billaud die Malerei, die je nach Thematik ihre Formensprache verändert. Billaud arbeitet oft mit Serien, die es ihm ermöglichen, Fortsetzungsgeschichten zu bilden, wie etwa «Wege des Johannes» oder «Strandhäuser». Bei Ausstellungen bilden seine Arbeiten in der Regel einen eigenen Zirkel, eine Ausstellung in der Ausstellung, den er als kontextuellen Freiraum für seine Arbeiten benötigt. Ausserhalb dieses Zirkels reagiert sein Werk auf den Kontext des Museums und dessen sozio-kulturellen Rahmen. Ein solcher Zirkel ist z. B. die Ausstellung «Rrr und das Ende der blauen Reittiere», 2018, der künstlerische Beitrag von W. S. Erm, einem fiktiven Künstlerkollegen, anhand dessen der verdächtige Starkult um den Künstler geschmälert wird; in der Kunsthalle Bern hingegen sind es die Skulpturen «Bernd und Fritz», 2015, die als Protagonisten des zukünftigen Publikums eines «geläuterten» Museumskonzepts vorgestellt werden.

Ab 2003 überträgt Billaud diese Kunstform einem Alter Ego namens Cedric Mineur, der in enger Kooperation mit dem Künstler als Kurator auftritt. In dieser Zusammenarbeit entstehen zahlreiche Offspace-Projekte, wie beispielsweise «Palazzo Wyler», 2005–2008, eine der ersten von Künstlern initiierten Zwischennutzungen in der Stadt Bern und «Palazzo Nreb», Eröffnung 2011, einem 2000 m² grossen, vielfältig nutzbaren Kulturraum im Westen Berns. In der Folge gründen Mineur und Billaud die Reihe «Neue Kunsthalle», die in Bern und Zürich (2015–2017) umgesetzt wurde und die die Probleme von Kommunen thematisiert, die ihre Strategie für den Umgang mit ihrem kulturellen Erbe vernachlässigen. 2022 entsteht als Fortsetzung die digitale Projektskizze «Kunstmuseum Zürich».

Ab 2024 wendete sich Boris Billaud unter dem Titel «Dorfchronik» der Landschafts- und Porträtmalerei zu.

Ausstellungen Einzelausstellungen (Auswahl)

2017 «Rrr und das Ende der blauen Reittiere», Kabinett visarte, Zürich 2015 «in the end of the long run we are all dead», Künstlerhaus 11, Solothurn 2014 «TILE VISIONS», collection of New Bern Kunsthalle 2012 «Die Legende des Heiligen Trinkers», zetcom ag Bern 2010 «des nouvelles du coyote», La général, Paris 2006 «Bereden des Demokraten und Anderen», Galerie mark blond, Bern 2005 «Contemporary history show about the history project «kunsterkennungsmaschine», Subtitle: History and human resources», Galerie mark blond, Bern

Gruppenausstellungen (Auswahl) Kunsthalle Ziegelhütte (Appenzell); Helmhaus Zürich; Haus für Kunst Uri; Schweizerisches Psychiatrie-Museum; Bones Performance-Festival; Medienzentrum Bundeshaus; Schweizerische Nationalbibliothek; Oktogon Bern; optical galery, Luzern; Stadtgalerie Bern; Kunsthaus Grenchen; Kunstmuseum Solothurn; Progr_Zentrum für Kulturproduktionen Bern; Kunstmuseum Bern.

Stipendien und Werkbeiträge C. + A. Kupper Stiftung Zürich, Werkförderung; Amt für Kultur Kanton Zürich, Projektbeitrag; Förderungsbeitrag Pro Litteris; Eidgenössischer Kulturfonds; Preis für Monographie des Kantons Bern; Werkbeiträge Stadt und Kanton Bern, Fondation Nestlé pour l'Art; Ausserrhodischen Kulturstiftung; Kulturförderung Kanton Solothurn.

Preise Freispiel, Kunstverein und Kunstmuseum Solothurn; Hauptpreis, Ausserrhodischen Kulturstiftung

Publikationen

2014, «Time», Herausgeber Cedric Mineur, Verlag Nreb, ISBN 978-3-033-04684-9 2013, «Neue Kunsthalle», Edition Benjamin Dodell 2012, «halb tot», Monographie, Herausgeber Kanton Bern, Verlag Nreb Bern ISBN 978-3-033-03667-3 2011, Edition 1/11, ovra-archives 2009, Freispiel: Gabriel Alber, Boris Billaud, Anina Schenker. Kunstmuseum Solothurn, Graphisches Kabinett Bibliothek SIK-ISEA A3-19508

Sammlungen Schweizerische Nationalbibliothek; Kunstsammlung Kanton Bern; Kunstsammlung Kanton Solothurn; Kunstsammlung der Stadt Biel; Kunstsammlung Stadt Bern.

Literatur

Fred Zaugg: Spielzeuge, Spielereien und Spielarten. In: Der Bund. 14. Juni 1996 Peter Anliker: Zufallsprinzip. In: Der Bund. 18. September 1996 isa, Der Bund: Freie Sicht auf Gegenwartskunst. In: Der Bund. 9. März 2002 Konrad Tobler: Lockere Zügel setzen nicht alle Pferde in Trab. In: Berner Zeitung. 9. März 2002 Béatrice Schmidt: Weniger Werke, besser Qualität. In: Der Bund. 30. November 2002 Bernhard Laux: Kultur stiftet auch Frieden. In: St. Galler Tagblatt. 18. Januar 2003 Hanspeter Strebel: Lange eine "Wunschlandschaft". In: St. Galler Tagblatt. 14. Februar 2003 Magdalena Schindler: Konzeptuelle Kunst im Trend. In: Der Bund. 19. Mai 2004 Ruedi Kunz: Spiel mit ungewissem Ausgang. In: Der Bund. 10. August 2004 Magdalena Schindler: Wenn die Kunst aufs Dach steigt. In: Der Bund. 16. Dezember 2004 Magdalena Schindler: Weihnachtsausstellung weiterhin im Programm. In: Der Bund. 18. Dezember 2004 Alice Henkes: Beziehungskiste im Schaufenster. In: Der Bund. 4. Mai 2005 Stefanie Christ: Neue Galerie im Progr eröffnet. In: Berner Zeitung. 7. September 2007 Gabriele Bono: Qualität und Vielfalt prägen die Übersicht. In: Oltner Tagblatt. 1. Dezember 2007 Magdalena Schindler: Alternativer Kunstbasar. In: Der Bund. 14. Dezember 2007 Magdalena Schindler: Ins rechte Licht gerückt. In: Der Bund. 21. Dezember 2007 Alice Henkes: Ausgezeichnete Frauen. In: Der Bund. 19. April 2008 Der Bund: Kulturnotizen. In: Der Bund. 13. August 2008 Fränzi Rüti-Saner: Es gibt viele neue Namen zu entdecken. In: Solothurner Zeitung. 22. November 2008 Thomas Schärli: Ein "Freispiel" zur Kunstförderung. In: Berner Zeitung. 29. November 2008 Magdalena Schindler: Singen und Rumpeln. In: Der Bund. 12. Dezember 2008 Alice Henkes: Hier wird Kunst zum Stadtgespräch. In: Der kleine Bund. 30. März 2010 Alice Henkes: Fünf Freunde auf Schatzsuche. In: Der Bund. 17. Dezember 2010 Fiona Ziegler: Auf der anderen Seite des Christbaums. In: Der Bund. 27. Dezember 2010 Alice Henkes: Ein Abbruchhaus wird zum Kunst-Palazzo. In: Tages-Anzeiger. 21. Februar 2012 Tanja Kammermann: "Wir fühlen uns ein wenig wie Parasiten". In: Berner Zeitung. 22. Februar 2012 Konrad Tobler: Glücksklee und Bildsprünge. In: Der kleine Bund. 8. Januar 2013 tma, Berner Zeitung: Künstler ziehts in den Westen. In: Berner Zeitung. 4. Mai 2013 Martin Bieri: Benjamin Dodells kleine feine Edition. In: Der kleine Bund. 7. August 2013 Helen Lagger: Boris Billaud erfindet die "Neue Kunsthalle". In: Berner Zeitung. 16. September 2013 Samuel Thomi: "Nach einem `frühStück` bin ich immer belebt". In: Der Bund. 3. Februar 2014 Michael Feller: Eintracht am Kultur-Subventionstopf. In: Berner Zeitung. 10. März 2014 Berner Woche: Sechs Fragen an Benjamin Dodell. In: Berner Woche. 13. März 2014 Martin Bieri: Video killed nobody. In: Der Bund. 20. Dezember 2014 Andreas Kaufmann: Wo Ökonomie auf Kunst prallt. In: Solothurner Zeitung. 7. März 2015 Daniel Morgenthaler: hoch 14. In: züritipp/Tages-Anzeiger. 8. Oktober 2015 Alice Henkes: Leuchtsignal für die Freiheit der Kunst. In: Bieler Tagblatt. 2. Februar 2017 Ewa Hess: Eine Art Manifesta für die örtliche Kunst. In: Tages-Anzeiger. 26. November 2018 Eva Buhrfeind: Wimmelbilder, Metaphern, Landschaften. In: Grenchner Tagblatt. 27. Mai 2025

Weblinks

Website von Boris Billaud Videoporträt von Boris Billaud im Fridamagazin von Karim Patwa Boris Billaud in Edition Benjamin Dodell Boris Billaud, Kulturstiftung Appenzell Ausserrhoden Boris Billaud in der Künstlerdatenbank Kleio

Einzelnachweise

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