Paul Kraft (* 28. April 1896 in Magdeburg; † 17. März 1922 in Berlin) war ein deutscher Dichter des Expressionismus.
Leben Paul Kraft war der Sohn des aus Calbe (Saale) stammenden Kaufmanns Max Kraft (1861–1901) aus dessen zweiter Ehe mit Emmi Simon (1869–1942).David Henry Marlow: Uncovering their names and stories. 300+ years of a German-Jewish family 1697-2024. New York 2025 (s. Literatur), S. 311 und 318f. Er besuchte ab 1908 das Reform-Realgymnasium (Bismarckschule) in Magdeburg.Versensporn. Heft für lyrische Reize. Nr. 49: Paul Kraft, biographische Information 1910 kam es zur ersten Begegnung mit seinem in Hannover lebenden Cousin Werner Kraft (ihre Väter Max und Eduard Kraft waren Brüder), zu dem sich eine tiefe Freundschaft entwickelte:
Seit 1913 entstanden seine ersten Gedichte. Da sein Vater früh verstorben war, zog er nach dem Abitur im Frühjahr 1914 mit der Mutter nach Berlin.Versensporn. Heft für lyrische Reize. Nr. 49: Paul Kraft, biographische Information Im Oktober 1914 nahm er gemeinsam mit Werner Kraft das Studium der Deutschen Philologie, Romanistik und Philosophie an der Friedrich-Wilhelms-Universität auf:
Erste Veröffentlichungen erschienen in der von Franz Pfemfert herausgegebenen Zeitschrift Die Aktion (in der auch Werner Kraft zuerst gedruckt wurde): 1913 und 1914 Rezensionen zu Franz Werfels Gedichtband „Wir sind“ und zu Heinrich Manns Roman „Die kleine Stadt“, 1915 zwei Gedichte („Für den, der mich hört“ und „Grauen“), 1917 schließlich in den Anthologien “Das Aktionsbuch” und “Vom jüngsten Tag. Ein Almanach neuer Dichtung”. In Berlin lernten die Cousins auch den Literaturkritiker Franz Blei kennen, der den Druck von Pauls Gedichten, „entstanden Oktober 1913 bis Januar 1915“Paul Kraft: Gedichte (1915), S. 2 in der renommierten Buchreihe „Der jüngste Tag“ vermittelte: „unausgereifte und doch ergreifende Zeugnisse frühester Liebe“.Werner Kraft: Spiegelung der Jugend, S. 27 1916 wurde er – wie sein Cousin Werner – zum Kriegsdienst einberufen. Während Werner Kraft Sanitätsdienst in Ilten bei Hannover leisten musste, wurde Paul trotz Erkrankung an einem Lungenspitzenkatarrh und Behandlung in Lazaretten in Brandenburg an der Havel und Fohrde im Oktober an die Westfront geschickt. Bald geriet er in französische Kriegsgefangenschaft, aus der er erst 1920 zurückkehrte. 1921 versuchte Franz Blei die Veröffentlichung eines weiteren Gedichtbands, diesmal im S. Fischer Verlag, zu vermitteln, dessen Lektor Moritz Heimann das Manuskript jedoch wegen eines Missverständnisses an Paul Kraft zurückschickte. Zehn Jahre später erinnerte Franz Blei sich an ihn:
Der Ausbruch einer Lungentuberkulose erzwang seine Einweisung in ein Sanatorium in Braunlage und in die Heilanstalt Heidehaus bei Hannover. Am 17. März 1922 starb Paul Kraft im Krankenhaus Neukölln in Berlin. Pauls Mutter Emmi Kraft wurde 1942 deportiert und im Ghetto Riga ermordet.David Henry Marlow: Uncovering their names and stories. 300+ years of a German-Jewish family 1697-2024. New York 2025 (s. Literatur), S. 311 und 318f. Werner Kraft widmete ihr 1946 ein Gedicht: "Auf eine Verschollene (Emmy Kraft)".Werner Kraft: Gedichte. In: Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken. Jg. 20 (1966), H. 223 (Oktober), S. 940. Wieder in: Werner Kraft: Bewältigte Gegenwart. Alte und neue Gedichte. Darmstadt: Bläschke 1973, S. 68. ISBN 3-87561-181-0 Auch die Erinnerung an den früh verstorbenen Cousin Paul verließ Werner Kraft nie, wovon u. a. das lange Gedicht "Paul Kraft 1896-1922"in: Werner Kraft: Diese Welt. Späte Gedichte 1976-1983. Bonn: Georg Heusch Verlag 1984, S. 78–80. ISBN 3-924866-00-7 zeugt. Sein Sammelband "Augenblicke der Dichtung" (1964) trägt die Widmung: „Dem Dichter Paul Kraft (1896–1922) zu blühendem Gedenken“.Werner Werner: Augenblicke der Dichtung. Kritische Betrachtungen. München: Kösel 1964, S. 7 1971 entstand die Aufzeichnung "Gedenken":
Paul Krafts Grab befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee (Ehrenfeld für die im Ersten Weltkrieg gefallenen jüdischen Soldaten)Onlineprojekt Gefallenendenkmäler.
Werke Gedichte. Leipzig: Kurt Wolff Verlag 1915 (Der jüngste Tag. Bd. 18). Motto: „Die klare Welt bleibt klare Welt.“ Goethe. - Fotomechanischer Reprint in: Der Jüngste Tag. Die Bücherei einer Epoche. Hrsg. und mit einem dokumentarischen Anhang versehen von Heinz Schöffler. Nachdruck der 1970 im Verlag Heinrich Scheffler erschienenen Ausgabe. Frankfurt Main: Societäts-Verlag 1981. Bd. 2, S. 603–639. ISBN 3-7973-0386-6 Gedichte. In: Der Griffel. Magazin für Literatur und Kritik. Braunschweig: Michael Kuhle Verlag. H. 6 (Dezember 1997), S. 66–71. – S. 64–65: Thomas Blume: Vorwort zu Paul Krafts Gedichten. S. 72–73: Werner Kraft: Nachwort zu Pauls Gedichten (31.5.1925). Paul Kraft: [Anthologie]. Jena: Edition Poesie schmeckt gut 2022. (Versensporn. Nr. 49). - Auswahl aus den "Gedichten" (1915), ergänzt durch einzeln gedruckte Gedichte aus der "Aktion" (1915/16) und dem "Aktionsbuch" (1917) sowie zum Teil bisher unveröffentlichte Gedichte aus dem Nachlass im Deutschen Literaturarchiv Marbach und dem Literatur- und Kunstinstitut Hombroich (Werner Kraft-Archiv). Der ausführliche Lebenslauf von Paul Kraft auf der letzten Umschlagseite rundet diese sehr empfehlenswerte Publikation ab.
Literatur Werner Kraft: Nachwort zu Pauls Gedichten (31. Mai 1925). In: Der Jüngste Tag. Die Bücherei einer Epoche. Hrsg. und mit einem dokumentarischen Anhang versehen von Heinz Schöffler. Nachdruck der 1970 im Verlag Heinrich Scheffler erschienenen Ausgabe. Frankfurt Main: Societäts-Verlag 1981. Bd. 7, S. 3485–3487. ISBN 3-7973-0386-6 Werner Kraft: Spiegelung der Jugend. Mit einem Nachwort von Jörg Drews. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1973 (Bibliothek Suhrkamp. Bd. 356). ISBN 3-518-01356-4. - Taschenbuch-Ausg.: Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verl. 1996 (Fischer Taschenbuch. 12723). ISBN 3-596-12723-8 Thomas Piotrowski: Kraft, Paul. In: Magdeburger biographisches Lexikon. Magdeburg: Scriptum-Verlag 2002, S. 381. ISBN 3-933046-49-1 Link zum Lexikon-Text David Henry Marlow: Uncovering their names and stories. 300+ years of a German-Jewish family 1697–2024. New York: JewishGen, New York: Museum of Jewish Heritage 2025. ISBN 978-1-962054-18-8
Weblinks Lyrikwiki Versensporn. Heft für lyrische Reize. Nr. 49: Paul Kraft, biographische Information Die Gedichte (Kurt Wolff Verlag 1915) bei Project Gutenberg "Find a Grave": Grabmal Paul Kraft auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee, Ehrenfeld für die im 1. Weltkrieg gefallenen Soldaten (mit falschem Geburtsjahr) Information der Stadt Magdeburg über die Stolpersteine für Paul Krafts Onkel Theodor Kraft (1864-1942), ermordet im KZ Theresienstadt, und dessen Sohn Walter Kraft (1897-1943), ermordet im KZ Auschwitz
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