Die Tour de France Femmes 2026 war die fünfte Austragung dieses Etappenrennens für Frauen. Sie zählte zur UCI Women’s WorldTour 2026 und fand vom 1. bis zum 9. August des Jahres statt. Die äußeren Bedingungen waren stark von der Hitzewelle geprägt, die Europa zu dieser Zeit heimsuchte. Es siegte Demi Vollering, die damit als erste Fahrerin seit Beginn der Tour de France Femmes zum zweiten Mal gewann.
Streckenführung
Die Strecke wurde zusammen mit der Route der Tour de France der Männer am 23. Oktober 2025 durch die ASO vorgestellt. Bereits vorab war der Grand Départ in der Schweiz bekanntgegeben worden. Vom dortigen Lausanne aus führte die Strecke in den Südosten Frankreichs und endete nach neun Etappen in Nizza.
Wertungen im Tourverlauf
Die Tabelle zeigt die Führenden in der jeweiligen Wertung bzw. die Trägerinnen der Wertungstrikots oder farbigen Rückennummern am Ende der jeweiligen Etappe an. Eine detailliertere Übersicht über die Platzierungen nach einer Etappe bieten die einzelnen Etappenartikel, die in der ersten Spalte verlinkt sind.
Das gelbe Trikot für die Gesamtführende wurde gesponsert von der Bank LCL. Die Prämien für die Etappensiege wurden von der Online-/Indoor-Radsportplattform Zwift gesponsert. Das grüne Trikot für die Punktewertung wurde von Škoda gesponsert. Punkte dafür wurden sowohl für die Zielankunft als auch bei Zwischensprints vergeben. Das rot gepunktete (weiße) Jersey wurde an die beste Bergfahrerin verliehen. Dafür sammelten die Fahrerinnen Punkte an verschiedenen Bergspitzen und Bergankünften. Es wurde von der Einzelhandelskette E.Leclerc gesponsert. Das weiße Trikot trug die beste Fahrerin des Gesamtklassements, die noch nicht 24 Jahre alt ist (Jahrgang 2003 und jünger). Dies wich von anderen Frauenrennen ab, wo die Nachwuchswertung oft eine U23-Wertung ist. Sponsor war LIV, eine Marke für Damenräder des Herstellers Giant. Sponsor der Mannschaftswertung war Krys, eine französische Optiker-/Hörgerätegruppe. Die kämpferischste Fahrerin des Vortages trug die grüne Rückennummer, gesponsert von Teisseire, einer französischen Getränkemarke. Eine Jury bestimmte am Ende der Tour einen „Best Teammate“, der mit dem Best Teammate Prize ausgezeichnet wird. Dieser Preis wurde unterstützt vom Conseil départemental des Hauts-de-Seine, einem Département westlich von Paris.
Etappe 18x18px|Gelbes TrikotGesamtwertung 18x18px|Grünes TrikotPunktewertung 18x18px|Gepunktetes TrikotBergwertung 18x18px|Weißes TrikotNachwuchswertung 18x18px|Gelbe RückennummerTeamwertung 18x18px|Grüne RückennummerKämpferischste Fahrerin 1. Lorena Wiebes (SDW) Lorena Wiebes (SDW) Océane Mahé (MPE) Paula Blasi (UAD) UAE Team L'IMAD Nikola Nosková (CWT) 2. Riejanne Markus (LTK) 3. Sigrid Haugset (UXM) Puck Pieterse (FPC) Team SD Worx-Protime Sigrid Haugset (UXM) 4. Marlen Reusser (MOV) keine Wertung 5. Antonia Niedermaier (CSR) UAE Team L'IMAD Demi Vollering (TFS) 6. Célia Gery (TFS) 7. Katarzyna Niewiadoma-Phinney (CSR) Katarzyna Niewiadoma-Phinney (CSR) 8. Demi Vollering (TFS) Loes Adegeest (LTK) 9. Isabella Holmgren (LTK) Siegerin Demi Vollering Lorena Wiebes Puck Pieterse Antonia Niedermaier UAE Team L'IMAD Katarzyna Niewiadoma-Phinney
Etappen
1. Etappe
Die Auftaktetappe begann und endete in Lausanne, sie führte von dort zum Neuenburgersee und zurück, wobei mehrere kleine Bergwertungen abgenommen wurden. Das Finale bestand aus der Steigung vom Genfersee in die Innenstadt von Lausanne, wo sich das Ziel in der Rue du Grand-Chêne befand.
Eine vierköpfige Ausreißergruppe, die sich früh abgesetzt hatte, fuhr einen Vorsprung von bis zu sechs Minuten heraus. Océane Mahé sammelte die meisten Punkte an den Bergwertungen und sicherte sich damit das Bergtrikot. Nikola Nosková, die später als kämpferischste Fahrerin ausgezeichnet wurde, setzte sich im hügeligen Gelände mit einer Solo-Attacke ab, doch die Spitzengruppe schloss wieder auf und wurde sechs Kilometer vor dem Ziel eingeholt. Am letzten Anstieg attackierten zum Ziel hin mehrere Favoritinnen fürs Gesamtklassement, doch Sprinterin Lorena Wiebes konnte sich in der Spitzengruppe halten. Sie gewann den Sprint und übernahm das Gelbe Trikot.
2. Etappe
Die zweite Etappe begann in Aigle und passierte in der neutralen Phase das Centre Mondial du Cyclisme, den Sitz des Radsport-Weltverbands UCI. Anschließend führte sie über welliges Terrain mit fünf kleinen Bergwertungen am Nordufer des Genfersees über 150 km nach Genf.
Erst nach einem Drittel der Strecke bildete sich eine fünfköpfige Spitzengruppe aus Eline Jansen, Julija Birjukowa, Carlotta Cipressi, Anouska Koster und Eva Comte. Etwa 45 km erhielten sie Verstärkung durch Célia Gery, Sara Casasola, Amanda Spratt, Nina Berton und Sarah Van Dam. Diese potenziell starke Gruppe arbeitete jedoch nicht recht zusammen und wurde schnell wieder eingeholt. Anschließend attackierte Riejanne Markus allein und gewann bis zu 50 Sekunden Vorsprung. Das Hauptfeld überließ die Verfolgungsarbeit lange Zeit dem Team SD Worx-Protime von Lorena Wiebes. Markus wurde keine 500 m vor dem Ziel vom Peloton eingeholt. Den darauf folgenden Massensprint ins Ziel entschied Lorena Wiebes für sich, die mit mehreren Radlängen Vorsprung auch die zweite Etappe gewann.
3. Etappe
In Genf startete auch die dritte Etappe, die ins Kernland Frankreich führte. Auf dem Weg nach Poligny ging es durch das Jura, u. a. mit dem Col de la Faucille und dem Col de la Savine.
Auf dem Anstieg zum Col de la Faucille konnte die Gesamtführende Lorena Wiebes das Tempo nicht halten und fiel ins Gruppetto zurück, so wie die meisten Sprinterinnen. Nach der Passhöhe bildete sich zunächst eine Ausreißergruppe mit elf starken Fahrerinnen, die dank der Nachführarbeit von EF Education-Oatly nicht recht an Raum gewann. Kurz bevor die Spitzengruppe auf dem Col de la Savine wieder eingeholt wurde, setzte sich Sigrid Haugset allein vorne ab, über 80 km vor dem Ziel.
Als Haugsets Vorsprung anderthalb Minuten betrug, machte sich Lotte Kopecky allein auf eine Verfolgungsjagd. Das Peloton reduzierte nun deutlich das Tempo und hatte bald fünf Minuten Rückstand. Bei großer Hitze lieferten sich Haugset und Kopecky quasi ein Zeitfahren. Die Verfolgerin hatte ihren Rückstand 10 km vor dem Ziel auf 10 Sekunden reduziert, als sie einbrach und deutlich zurückfiel. Haugset gewann letztlich ungefährdet die Etappe und übernahm das Gelbe Trikot. Das noch rund 40 Fahrerinnen umfassende Hauptfeld kam mit knapp drei Minuten Rückstand ins Ziel.
4. Etappe
Die vierte Etappe war ein welliges Einzelzeitfahren über 21 km von Gevrey-Chambertin nach Dijon. Zur Mitte der Strecke erfolgte eine Steigung in die Weinberge der Côte d’Or.
Mit Marlen Reusser gewann die Zeitfahr-Weltmeisterin die Etappe, vier Sekunden vor einer überraschend starken Lieke Nooijen. Reusser übernahm damit zugleich das Gelbe Trikot, 14 s vor Demi Vollering. Weitere Mitfavoritinnen um den Gesamtsieg wie Elisa Longo Borghini, Paula Blasi oder Katarzyna Niewiadoma verloren etwa eine Minute, die Vorjahressiegerin Pauline Ferrand-Prévot derer zwei.
5. Etappe
Die fünfte Etappe führte von Mâcon durch überaus hügeliges Terrain durch das Beaujolais, wobei insgesamt acht Bergwertungen abgenommen wurden, deren höchster Punkt knapp 700 m über dem Meeresspiegel lag. Die letzten beiden Bergwertungen waren der steile Anstieg zum Col de Durbize 30 km vor dem Ende sowie der aus Paris–Nizza bekannte Mont Brouilly etwa 10 km vor dem Ziel in Belleville-en-Beaujolais.
Während der ersten 60 Kilometer blieb das Peloton zusammen. Puck Pieterse und Lorena Wiebes bauten ihren Vorsprung im Berg- bzw. Punkteklassement aus, ohne auf Widerstand zu treffen. Gegen Mitte des Rennens bildete sich eine 19-köpfige Gruppe mit mehreren Kandidatinnen für einen vorderen Platz im Gesamtklassement wie Femke de Vries, Nienke Vinke, Antonia Niedermaier, Dominika Włodarczyk oder Niamh Fisher-Black, deren Team Lidl-Trek sich um Tempo in der Spitzengruppe bemühte. Die Mannschaften Marlen Reussers und Demi Vollerings, Movistar und FDJ United-Suez, führten das Hauptfeld an und begrenzten den Abstand auf etwa anderthalb Minuten.
Auf dem Anstieg zum Col de Durbize zerfielen beide Gruppen. Vollering attackierte aus dem Hauptfeld heraus, und neben Reusser konnten ihr nur Katarzyna Niewiadoma und Isabella Holmgren folgen. Diese vier schlossen zu den Überresten der Spitzengruppe auf, wo sie mit Franziska Koch, Liane Lippert und Juliette Berthet mehrere Teamkameradinnen vorfanden, die sich vor die Gruppe spannten und den Vorsprung gegenüber distanzierten Favoritinnen wie Elisa Longo Borghini, Paula Blasi oder Pauline Ferrand-Prévot weiter vergrößerten.
Am Mont Brouilly bestimmte Vollering wiederum das Tempo und schüttelte bis auf Niewiadoma und Reusser den Rest der Gruppe ab. Dieses Trio blieb bis zur Zielgeraden zusammen, wo Vollering den Sprint vor Reusser und Niewiadoma gewann.
6. Etappe
Am 6. August führte die Route von Montbrison nach Tournon-sur-Rhône im Département Ardèche. Der Weg dorthin hatte ebenfalls Mittelgebirgscharakter und enthielt sechs Bergwertungen, wobei die höchste Erhebung in Lalouvesc auf der dortigen Passhöhe lag.
In der ersten Etappenhälfte führte eine Gruppe aus drei Fahrerinnen, Nikola Nosková, Loes Adegeest und Katrine Aalerud, das Rennen an. Sie erhielten allerdings nicht viel Vorsprung, auch wegen Noskovás Position im Bergklassement, und wurden noch vor Lalouvesc wieder eingeholt. Die dortige Bergwertung gewann mit Puck Pieterse die bereits führende Fahrerin im Bergklassement.
Auf der Abfahrt von Lalouvesc attackierte Célia Gery mehrfach. Die französische Meisterin sorgte für die Bildung einer Spitzengruppe, zu der außer ihr und Pieterse noch Elisa Longo Borghini, Liane Lippert, Cédrine Kerbaol und Sarah Van Dam gehörten. Obwohl die Gruppe kaum zusammenarbeitete und Longo Borghini den Großteil der Arbeit überließ, behielten sie eine halbe Minute Vorsprung vor dem noch etwa 20-köpfigen Hauptfeld. Kim Le Court und Riejanne Markus nutzten 15 km vor dem Ziel die Unentschlossenheit beider Gruppen, um die Lücke zu überbrücken. Aus der nunmehr achtköpfigen Spitzengruppe heraus gewann Le Court den Sprint in Tournon vor Kerbaol und Pieterse.
7. Etappe
mini|Fahrerinnen beim Start der Etappe
Am Freitag führte die Königsetappe dieser Austragung das Feld zuerst über leicht hügliges Gelände östlich der Rhone nach Bédoin. Von dort begann der knapp 16 km lange Anstieg zum Mont Ventoux, der erstmals im Rahmen der Tour de France Femmes befahren wurde. Wegen erhöhter Waldbrandgefahr stand die Durchführung der Etappe zeitweise in Frage. Letzten Endes konnte sie wie geplant vonstattengehen, einige Abschnitte waren jedoch für Zuschauer gesperrt. Anna van der Breggen, die vor der Tour zum Favoritenkreis gehört hatte, ging wegen anhaltender Formschwäche nicht mehr an den Start.
Das Feld blieb zunächst zusammen, Puck Pieterse holte die beiden ersten Bergwertungen und hatte am Ende der Etappe einen uneinholbaren Vorsprung im Bergklassement. Erst zur Mitte des Rennens bildete sich eine Ausreißergruppe, allerdings ohne ernsthafte Anwärterinnen auf den Etappensieg; diese wurde noch vor dem Schlussanstieg wieder eingeholt. Gleich zu Beginn der Steigung konnte Vorjahressiegerin Pauline Ferrand-Prévot der Spitzengruppe nicht mehr folgen, die schon bald aus nur noch zehn Fahrerinnen bestand.