Wytynanka () ist eine slawische osteuropäische Version des Scherenschnitts, die nicht nur in der Ukraine, sondern auch in Polen als Wycinanka und in Belarus als Wyzinanka () bekannt ist und deren wichtigstes Prinzip vertikale Symmetrie ist.
Belarus mini|Belarussische Briefmarke mit Wyzinanka-Motiven|200x200pxIn den 1980er Jahren begannen professionelle Künstler, die Scherenschnittkunst wiederzubeleben. Unter ihnen war der belarussische Künstler, Schriftsteller und Fotograf Viačaslaŭ Dubinka (1941–2010) eine der Schlüsselfiguren. Der moderne belarussische Scherenschnitt hat sich zu einer gängigen Form der dekorativen und angewandten Kunst entwickelt. 2024 wurde die belarussische Wyzinanka als immaterielles Kulturerbe anerkannt.
Polen mini|Ein Wycinanka-Muster aus Lublin, 1915|200x200px Polnische Scherenschnitte sind besonders in der Region Masowien und ihrer Umgebung verbreitet. Die Scherenschnitte aus dem Gebiet um Garwolin und Kołbiel gelten als die ältesten und schlichtesten Varianten. Typisch sind solche Motive wie kleine Bäumchen oder menschliche Figuren sowie runde oder hornförmige Sterne. Bei den Kurpie-Scherenschnitten sind besonders einfarbige „leluje“ beliebt, die den Lebensbaum symbolisieren.Hanna Kaniasta. Polnische Scherenschnitte, 2013. Im Gegenteil zu den ukrainischen und belarussischen Scherenschnitten sind polnische Wycinanki oft bunt und polychrom. mini|Wycinanki aus Kurpie|284x284px
Im 20. Jahrhundert wurde Scherenschnittkunst im sowjetischen Polen vom Künstler Andrzej Milwicz popularisiert, dessen dekorativen Stoffe von Wycinanki-Motiven inspiriert wurden.
Ukraine Die Herstellung von Wytynanky begann in der Ukraine bereits Ende des 15. bis Anfang des 16. Jahrhunderts. Es dauerte jedoch eine Weile, bis sie zu einem wichtigen Bestandteil der dekorativen Kunst wurde. Erst im 19. Jahrhundert verbreiteten sich dekorative Papierschnitte, die mit einem Messer oder einer Schere aus weißem oder farbigem Papier ausgeschnitten werden, in der gesamten Ukraine. Für die Herstellung von Papierschnitten wurden normalerweise geometrische oder florale Motive verwendet, manchmal auch Abbildungen von Tieren, Menschen oder Gebäuden. Das Papier wurde zwei- bis achtmal gefaltet, deswegen sind Wytynanky symmetrisch.
In den 1960er und 1970er Jahren wurden die Wytynanky durch bunte Stoffe, Teppiche und andere dekorative Gegenstände verdrängt. Daher wurden sie nur noch gelegentlich als Schneeflocken-Schmuck für Fenster und Weihnachtsbäume verwendet.
Allerdings wird die Tradition immer noch von modernen ukrainischen Künstlerinnen und Künstlern bewahrt und lebendig erhalten. Zu den bekanntesten zeitgenössischen ukrainischen Scherenschnittkünstlerinnen gehört Darija Aljoschkina, die riesige, vorhangartige Wytynanky anfertigt. 2018 illustrierte sie den Roman „Dona Flor und ihre zwei Ehemänner“ von Jorge Amado mit ihren Papierschnitten, der im Verlag „Wydawnyztwo Starogo Lewa“ () erschien.
Juden Osteuropas Reisele kommt vom jiddischen Wort רייזעלע, das „kleine Rose“ bedeutet und ist eine Scherenschnitttechnik, die in den aschkenasischen Gemeinden Osteuropas parallel mit der slawischen Tradition entstand. Die jüdische und die slawische Scherenschnitttradition beeinflusste sich im Laufe der Zeit gegenseitig.
Reisele diente ursprünglich der Dekoration von Synagogen und Häusern zu Feiertagen, insbesondere Schawuot, sowie der Anfertigung zeremonieller Gegenständen wie Ketubba oder Chuppa.
Reisele wurden oft mit religiösen Symbolen, Tora-Zitaten und floralen Motiven verziert. Die Tiere, deren Abbildung nach jüdischem Gesetz erlaubt ist, sind ebenfalls oft auf Scherenschnitten zu finden. Die Technik ist zwar nicht mehr so verbreitet wir früher, aber es finden weiterhin weltweit Workshops in aschkenasischen Gemeinden statt. Außerdem gibt es einige moderne aschkenasische Künstler und Künstlerinnen, die in dieser Technik arbeiten wir z. B. Pinchas Fischel und Deborah Ugoretz.
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Einzelnachweise
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