Lucienne Lemotomo Patassé (geb. 1944, Ngabawele, Ubangi-Schari; gest. 29. Juli 2000, Chouaib-Klinik, Bangui, Zentralafrikanische Republik) war eine Politikerin der Zentralafrikanischen Republik und Abgeordnete der Nationalversammlung. Sie vertrat den Wahlkreis Nana-Bakassa in der Präfektur Ouham zwei Wahlperioden lang von 1993 bis 2000. Sie war außerdem die erste Ehefrau von Ange-Félix Patassé, der nach ihrer Trennung Präsident der Zentralafrikanischen Republik wurde.
Leben „Lucienne Lemotomo“ wurde 1944 in der damaligen französischen Kolonie Ubangi-Schari geboren. Sie stammt aus Ngabawele, ca. 400 km nördlich von Bangui.
Sie heiratete Ange-Félix Patassé und bekam sieben Kinder – vier Mädchen und drei Jungen. Ange-Félix Patassé war während der 1970er und 1980er ein Anführer der Opposition. Lucienne Patassé und ihre Kinder wurden zeitweise von den Behörden inhaftiert.
1982 unternahm Ange-Félix Patassé einen Putschversuch gegen Präsident André Kolingba (der selbst weniger als ein Jahr zuvor durch einen Staatsstreich an die Macht gekommen war). Patassés Putschversuch scheiterte, woraufhin Ange-Félix, Lucienne und ihre Familie nach Togo fliehen mussten, wo er von 1982 bis zu seiner Rückkehr 1992 im Exil lebte. Während ihres Exils in Togo trennte sich Ange-Félix Patassé von Lucienne und ließ sich scheiden. Kurz darauf heiratete er seine zweite Frau, eine Togolese namens Angèle Patassé.
Ange-Félix Patassé kehrte 1992 in die Zentralafrikanische Republik zurück und wurde 1993 zum Präsidenten gewählt. Seine Ex-Frau Lucienne Patassé begann Anfang der 1990er-Jahre ebenfalls eine politische Karriere. Sie wurde 1993 für ihre erste fünfjährige Amtszeit in die Nationalversammlung gewählt und vertrat dort als Mitglied der Mouvement pour la Libération du Peuple Centrafricain (Bewegung für die Befreiung des zentralafrikanischen Volkes, MLPC) den Wahlkreis Nana-Bakassa. Sie gewann auch 1998 die Wiederwahl und verstarb im Juli 2000 im Amt. Agence France-Presse würdigte Lucienne Patassé als „Symbol für den Beitrag zentralafrikanischer Frauen zur Wahrung von Frieden und Demokratie“ („symbol of Central African women’s contribution to safeguarding peace and democracy“).
Patassé war zwischen 1993 und 2000 mehrmals in Bangui im Krankenhaus. Im Frühjahr 2000 suchte sie medizinische Hilfe in Paris, kehrte aber aufgrund ihres sich verschlechternden Gesundheitszustands in die Zentralafrikanische Republik zurück. Sie starb am 29. Juli 2000 im Alter von 56 Jahren in der Chouaib-Klinik in Bangui.
Die Trauerfeier zum Staatsbegräbnis für Lucienne Patassé fand am Donnerstag, dem 3. August 2000, in der Nationalversammlung statt. Tausende Menschen versammelten sich entlang der Hauptstraßen von Bangui, um den Trauerzug zu verfolgen. Zu den anwesenden Würdenträgern zählten Präsident Ange-Félix Patassé sowie zahlreiche Politiker, Richter, Offiziere und Mitglieder des ausländischen diplomatischen Korps. Patassé wurde am Freitag, dem 4. August 2000, in ihrem Heimatdorf Ngabawele beigesetzt.
Patassé wurde posthum mit dem Großkreuz des Ordre du Mérite centrafricain, der höchsten Auszeichnung des Landes, geehrt.
Auszeichnungen 50px Grand Cross des Ordre du Mérite centrafricain (posthum, 2000).
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