mini|hochkant|Original-Statue des Trompeters von Säckingen vor der Restaurierung. Heinrich Ruf (* 10. März 1827 in München; † 23. Januar 1883 ebenda) war ein deutscher Bildhauer. Er hat Werke in München, Basel und am Hochrhein hinterlassen. Er war Mitglied des Münchner Kunstvereins Mitgliedschaft laut den Jahresberichten des Vereins von 1853 bis 1854 und regelmäßig ab 1858 mit achtjähriger Unterbrechung während der Basler Zeit von 1868 bis 1875. und mit Werken unterschiedlicher Techniken auf seinen Ausstellungen vertreten.

Das bekannteste der wenigen erhaltenen Werke ist die Trompeterfigur zu Joseph Victor von Scheffels Versepos Der Trompeter von Säckingen. Leben Ausbildung und frühe Münchner Berufsjahre Heinrich Ruf kam 1827 als Sohn des Jakob Ruf und seiner Ehefrau Margareth in einfachsten Verhältnissen in München zur Welt. Inschrift auf dem Grabstein des Familiengrabs 23-09-20 (Abbildung) auf dem Alten Südfriedhof in München. In den Akten der Friedhofsverwaltung ist das Geburtsjahr falsch ("1837") eingetragen. Es steht im Widerspruch zur Grabinschrift, die den Tod "im 56. Lebensjahre" vermeldet. Er ging bei einem Büchsenmacher in die Lehre und zeigte künstlerisches Geschick beim Schneiden von Motiven auf die Holzschäfte von Jagdwaffen. Nach dem Besuch der polytechnischen Schule schrieb er sich 18-jährig im November 1845 an der Münchner Akademie der Bildenden Künste im Fach Bildhauerei ein. Matrikelbuch Bd. 2, Eintrag 357. Der Familienname ist "Ruff" geschrieben. Während der zweijährigen Immatrikulation an der Akademie war er Schüler von Max Widnmann und Ludwig Schwanthaler, der seinen Fleiß und seine Begabung lobte. Er bekannte sich zudem zu seinem Lehrer Johann Halbig. Eine Gelegenheit, Italien zu bereisen, nahm er mit Rücksicht auf seine gebrechlichen Eltern nicht wahr. 1848 war er erstmals auf einer Münchner Kunstausstellung präsent. Es folgten Jahre harter handwerklicher Arbeit. Er bestritt seinen Lebensunterhalt zum überwiegenden Teil mit Aufträgen zu dekorativer Kunst (Schmuck an Hausfassaden, Medaillons, Reliefs, Grabmäler etc.), doch sein künstlerische Ehrgeiz blieb wach. Aufträge des bayerischen Königshauses Nach zehn Jahren Berufstätigkeit kaufte er in der Isarvorstadt ein bescheidenes Haus an der Sendlinger Landstraße Nr. 17 (heute Lindwurmstraße) und richtete dort im Dezember 1857 ein eigenes Atelier ein. Zur Einweihung präsentierte er 40 eigene Werke, die ihm den Besuch des abgedankten Königs Ludwigs I. eintrugen. Es folgten Aufträge Maximilians II., die er zur Eigenwerbung nutzte. Die Statue des Plingansers (s. o.: Werke) stellte Ruf, bevor sie an der Fassade des Nationalmuseums angebracht wurde, zu Werbezwecken unter dem Titel Der Schmied von Kochel im eigenen Atelier aus (Der Volksbote für den Bürger und Landmann vom 24. Juni 1863: Zeitungsannonce). Als der amtierende König im März 1864 starb, gelang es ihm in kürzester Zeit, sich Zugang zu seinem Sohn, dem 18-jährigen König Ludwig II., zu verschaffen. Am 25. April 1864 meldete die Presse: "Der geschickte und strebsame Bildhauer Heinrich Ruf durfte in einer Privat-Audienz dem Könige eine sehr gelungene Statuette des Monarchen, in Militär-Uniform dargestellt, überreichen. Der König belobte den Künstler nicht allein über diese neue Arbeit, sondern auch über die bekannten, von demselben Künstler gefertigten Statuetten Wolframs von Eschenbach und Walthers von der Vogelweide, welche sein Wohnzimmer schmücken." Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik vom 25. April 1864: Zeitungsmeldung Prozess gegen die königliche Hofverwaltung mini|Von links: Prinz Ludwig, ab 1864 König Ludwig II., mit Mutter und Bruder Ruf fertigte zur Freude des jungen Monarchen weitere plastische Kreationen aus der Figurenwelt der Wagner-Opern an, ohne dafür formell von der Hofadministration beauftragt worden zu sein. Darüber kam es zum offenen Streit zwischen Hofrat von Hofmann, dem Vorstand der Kabinettskasse, und dem Künstler. Eingereichte Rechnungen wurden brüsk abgewiesen. Ruf beschwerte sich beim König und der Königinmutter, woraufhin von Hofmann ihm gesagt haben soll, er sei "ein einfältiger dummer Mensch". Der Beleidigte gab seine Sicht der Vorgänge Mitte Juli in scharfer Form an die Presse und erstattete Ehrenkränkungsklage. Die Widerklage von Hofmanns aufgrund der beleidigenden Presseäußerungen folgte prompt. Die bayrischen Zeitungen nahmen lebhaften Anteil am Streit. Es bildeten sich zwei Lager. Das eine sah den unerfahrenen Monarchen seiner selbstherrlichen Verwaltung ausgeliefert, das andere witterte eine Intrige der Anhänger Richard Wagners, denen daran lag, Hofbeamte zu diskreditieren, um ihnen die Kontrolle über Ausgaben des Königs zu entziehen. Am 28. Juli 1865 leitete der Münchner Stadtrichter von Tauffkirchen die dreieinhalbstündige Gerichtsverhandlung. Donau-Zeitung Passau vom 1. August 1865: Gerichtsreportage. Die Verhandlung muss possenhafte Züge getragen haben. Der Sekretär des Königs, Staatsrat von Pfistermeister trat als Zeuge auf, der Hofrat wurde freigesprochen, Heinrich Ruf für schuldig befunden und zu einer Strafe von 20 Gulden verurteilt. Landshuter Zeitung vom 2. August 1865: Gerichtsurteil Ein Berufungsverfahren Ende Oktober 1865 bestätigte die Urteile aus erster Instanz. Heinrich Ruf war zutiefst gekränkt, weil der Hof ihn für einen beliebigen Handwerker erachtete. Die Prozesse brachten ihm beruflichen Schaden ein. Aufträge von königlicher Seite blieben aus. Übersiedelung nach Basel und Rückkehr in die Heimat mini|Moses und Daniel, linke Seite des Eingangsportals zum Kannenfeldpark in Basel mini|hochkant|Büste des Botanikers Werner de Lachenal mit Signatur "H. Ruf" mini|hochkant|Grabfigur auf dem Au-Friedhof in Bad Säckingen Auf der Suche nach Auftraggebern versandte er Proben seiner Arbeit, so z. B. 1866 einen Statuetten-Zyklus an den Kunstverein der badischen Residenzstadt Karlsruhe. Im Jahr 1867 ließ er sich in Basel nieder. Dort heiratete er die aus Rastatt gebürtige Antonie Barth. Nach acht Jahren in der Schweiz kehrte er in sein altes Münchner Stadtquartier zurück, wo er sich als Distriktsvorsteher bürgerschaftlich engagierte. Er stellte wieder im Kunstverein aus und arbeitete vermehrt mit teurem Marmor, was ihn finanziell überforderte. Schon früher hatte er versucht, die Zahl seiner Aufträge durch Werke mit Lokalbezug zu erhöhen. Verwendung des Trompeter-Motivs für Säckingen, Angebot einer marmornen Erasmus-Statuette für den Kunstverein Basel (Brief vom 14. Nov. 1880 an Johann Jakob Im Hof, Präsident des Kunstvereins Basel, aufbewahrt im Staatsarchiv Basel-Stadt, Signatur PA 678a B 10.2 54) Ein halbes Jahr vor seinem Tod griff er den Wunsch nach einem Denkmal für den Schmied von Kochel auf und schuf ein Modell, das die Anerkennung des Prinzen Luitpold fand, aber nicht umgesetzt wurde. Neueste Nachrichten und Münchener Anzeiger vom 24. Juni 1882: Ein altbayerisches National-Denkmal Zeichen von Enttäuschung, Schwermut und beginnender Verwirrung stellten sich ein. In der Nacht zum 23. Januar 1883 erhängte er sich in seinem Atelier. Ruf hinterließ seine Ehefrau und zwei unmündige Kinder. Er galt als leicht erregbar. Seinem Gerechtigkeits- und Ehrgefühl gab er nach, ohne nachteilige Folgen zu bedenken. Werke Sebastian Plinganser, Allegorie für Vaterlandstreue (Abbildung): Zinkguss-Statue an der Fassade des Museums Fünf Kontinente in München, ehemals Bayerisches Nationalmuseum (1863) Franken, Allegorie (Abbildung): Giebelgruppe aus Zinkguss am Ostflügel des Museums Fünf Kontinente in München (1863) Moses und Daniel: Kalkstein-Statuen am Eingangsportal des Kannenfeld-Gottesackers (heute Kannenfeldpark) in Basel (1869) nach Entwürfen des Malers Ernst Stückelberg Werner de Lachenal: Steinbüste im Botanischen Garten der Universität Basel (1870) Jakob, Johann und Daniel Bernoulli, Leonhard Euler: Marmorbüsten der vier Mathematiker (Abbildungen) im Eingangsbereich des Bernoullianums in Basel (1874) Allegorie des Glaubens: weibliche Marmorfigur mit Kreuz in der Familiengrabstätte Berberich-Hörnle auf dem Au-Friedhof in Bad Säckingen (1874) Der Trompeter von Säckingen: Zinkguss-Figur in Schloss Schönau in Bad Säckingen (1876); unter der Freitreppe des Schlosses steht seit 2019 ein Bronze-Replikat. Künstlerisch bemerkenswert in ihrer dynamischen Körperhaltung und der sorgfältig ausgearbeiteten Kleidung sind die Zinkguss-Plastiken des Plingansers und des Trompeters. Sie entstanden, ohne dass Ruf durch Bildvorlagen eingeengt wurde.

Weitere Werke, die – teils nur als Gipsmodelle – im eigenen Atelier und auf verschiedenen Ausstellungen gezeigt wurden, sind aus Erwähnungen in der Presse bekannt. Ihr Verbleib ist ungeklärt. Darunter sind Auftragsarbeiten für den bayerischen König Maximilian II.: Statuen der schwedischen Könige Karl X. und Karl XII. Aufgestellt im VI. Saal der Historischen Galerie des Bayerischen Nationalmuseums, Die Wittelsbacher auf dem schwedischen Throne. (Karl Maria von Aretin, Josef Anton Messmer, Das Bayerische Nationalmuseum. München 1868, S. 357) (1858) Allegorien der vier Jahreszeiten als Fassadenschmuck für den gleichnamigen Hotelneubau in München (1858) andere Werke Lebensgroße Statuen: die Apostelfürsten Petrus und Paulus, die Jungfrau Maria und eine Maria als Mater dolorosa, der Jünger Johannes, der Heilige Georg, der Erzengel Michael Die Loreley als überlebensgroßes Gipsmodell Der Sammler, Beilage zur Augsburger Abendzeitung, 32. Jg., Nr. 90 vom 5. August 1863, S. 359: "In der Mitte des Raumes sehen wir ein großes Gypsmodell von Heinrich Ruf "die Loreley" (431). Das dämonische Wesen der sagenhaften Gestalt liegt ziemlich treffend in diesen Zügen und in dem wie zum Lauschen vorgebeugten Körper ausgesprochen, phantastisch schlingen sich Wasserrosen in ihr Haar, das aber leider wie ein Pelz über den Nacken fällt; das weite, gut gelungene Gewand umwallt nachlässig die üppigen, mitunter rohen Glieder". Statuen der Erfinder Carl August von Steinheil, James Watt und George Stephenson für das 1871 fertiggestellte Empfangsgebäude Der Bau wurde 2004 abgerissen. des Südbahnhofs München Büsten des Komponisten Franz Liszt, des Malers Carl von Binzer, des Schauspielers Ferdinand Lang, der Dichter Joseph Christian von Zedlitz und Friedrich Halm Statuetten: Kinderengel mit Blumenkorb, die Jahreszeiten in Kindern dargestellt, Figuren aus dem Sängerkrieg auf der Wartburg etc. Vier in Marmor gehauenen Relief-Medaillons: die Tageszeiten Figurengruppe um den Schmied von Kochel als Gipsmodell eines Denkmals (1882) Literatur Bildhauer Ruff. In: Außerordentliche Beilage zu Nr. 344 der Allgemeinen Zeitung vom 10. Dezember 1857, S. 1 (Vorstellung des Künstlers anlässlich der Einweihung seines Ateliers 1857) Nekrolog Joh. Heinrich Ruf. In: Beilage zur Allgemeinen Zeitung, Nr. 56 vom 25. Februar 1883: S. 819f. Heinrich Ruf, Bildhauer. In: Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunstvereines München während des Jahres 1883. München 1884, S. 67f. Digitalisat (enthält unzutreffende Jahreszahlen) Ruf, Heinrich. In: Allgemeines Künstlerlexikon - Internationale Künstlerdatenbank - Online. Hg. Andreas Beyer, Bénédicte Savoy, Wolf Tegethoff. K. G. Saur, Berlin/New York 2021. Digitalisat. (Authentifizierung erforderlich) Anne Nagel, Dirk Schmid: Was vom Friedhof übrigblieb. In: Kantonale Denkmalpflege Basel-Stadt: Jahresbericht 2016. S. 40–43. Digitalisat (enthält unzutreffendes Geburtsdatum)

Weblinks

Bernd Crössmann, Der Schöpfer der Trompeterstatue. Badische Zeitung, 24. August 2019, Digitalisat, ders., Opfer politischer Intrigen. Badische Zeitung, 31. August 2019, Digitalisat, ders., In seinem Atelier nimmt sich Ruf das Leben, Badische Zeitung, 12. Oktober 2019, Digitalisat; jeweils abgerufen am 26. Oktober 2025. Einzelnachweise

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