Decorah-Posten, später Decorah-Posten Og Ved Arnen (deutsch: Decorah-Post und Am Kaminfeuer), war um 1920 die größte norwegischsprachige Zeitung in den USA. Sie begann 1874 als Lokalblatt für die Kleinstadt Decorah in Iowa, wo sich zahlreiche Einwanderer aus Norwegen niedergelassen hatten. Ihr Gründer Brynild Anundsen war ein hartnäckiger und einfallsreicher Unternehmer, der in politischen und religiösen Themen strikte Neutralität hielt. Lokale Berichte aus der norwegischen Community und aus der alten Heimat sowie umfangreiche Leserbriefspalten erregten das Interesse der Norweger in der ganzen USA und führten zu hohen Abonnentenzahlen.

In den ersten Jahren, als die Lage der Zeitung noch prekär war, wurde sie mehr als einmal durch einen populären Fortsetzungsroman gerettet. 1903 wurde der literarische Teil der Decorah-Posten unter dem Namen Ved Arnen ausgelagert und erschien ab nun als herausnehmbare Zeitung in der Zeitung. 1918–1935 erschienen exklusiv in Decorah-Posten mehr als 700 Cartoons über Han Ola og han Per, zwei norwegische Einwanderer, deren (noch) unzureichendes Englisch und hinterwäldlerische Gewohnheiten selbstironisch aufs Korn genommen werden.

Altmodisch war auch die Decorah-Posten selbst: Die im Mutterland durchgeführten Rechtschreibreformen wurden mit Jahrzehnten Verzögerung übernommen und als Schriftsatz wurde bis 1952 Fraktur verwendet. Ab den 1960er Jahren verlor die Zeitung den Anschluss an die jüngeren Generationen und stellte Ende 1972 ihr Erscheinen ein.

Vorgeschichte mini|Brynild Anundsen (1844–1913) Brynild Anundsen (* 28. Dezember 1844; † 25. März 1913), geboren in Skien (Telemark) als Sohn armer Eltern, arbeitete in jungen Jahren im Druckereigewerbe und als Seemann, bevor er 1864 nach Amerika emigrierte und im letzten Jahr des Sezessionskriegs als Soldat in der Unionsarmee kämpfte. 1865 ließ er sich in La Crosse (Wisconsin) nieder und heiratete die gebürtige Schwedin Mathilde Hoffstrom (1838–1889). Er fand Arbeit als Schriftsetzer für die neu gegründete örtliche Zeitung Fædrelandet (Das Vaterland).

Ved Arnen Im Fædrelandet kündigte er im Juni 1866 ein monatliches Literaturmagazin an, 32 Seiten im großen Oktavformat, zweispaltig gesetzt, für 12 Cents das Stück bzw. 1 $ pro Jahr. Es trug den Namen Ved Arnen: Et Tidsskrift for Skjønliteratur (Am Kaminfeuer. Eine Zeitschrift für Schöne Literatur) und war das erste amerikanische Literaturmagazin in norwegischer Sprache. „This was the seed of which Decorah-Posten is the fruit“ resumierte Anundsen 1897, als er das 30-jährige Jubiläum von Decorah-Posten mit dem Jahr 1867 beginnen ließ (und nicht mit 1874).

Anundsens Geschäftspartner, ein E. Svendsen, war bereits gegen eine Abfindung von 7,65 $ ausgeschieden, bevor die erste Ausgabe von Ved Arnen erschien. Die ersten sechs Nummern entstanden nach der Arbeit und in der Offizin von Fædrelandet. Anundsen setzte und druckte, seine Frau faltete, heftete und verschickte die Broschüren. Der Kauf einer eigenen Presse erleichterte die Arbeit. Die Presse war so klein, dass gleichzeitig nur zwei Seiten (jeweils 4 x 7 Inch bzw. 10 × 18 cm groß) gedruckt werden konnten. „Meine Druckerei befand sich in einer Dachkammer über unserer Wohnung, und der Teil des Daches, unter dem ich aufrecht stehen konnte, war nicht mehr als zwei Fuß breit und fiel von dort abwärts ab.“

Am Ende des ersten Jahres hatte die Zeitschrift 700 Abonnenten, aber die Einnahmen waren äußerst gering. Zudem hatte Anundsen seinen Job bei Fædrelandet vernachlässigt und in Konsequenz verloren. Mit Strickarbeiten hielt seine Frau die Familie über Wasser. Ende 1867 war absehbar, dass es bald nicht mehr möglich sein würde, das Papier für die nächste Ausgabe zu bezahlen.

Kirkelig Maanedstidende mini|Decorah-Posten, Logo der ersten Ausgabe 1874 Da erhielt Anundsen ein Angebot von der Norwegischen Synode, einer norwegischstämmigen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Nordamerika, ihr offizielles Organ, die Kirkelig Maanedstidende (Kirchliche Monatszeitung) zu drucken. Die Zeitung sollte durch das Luther College in Decorah (Iowa) herausgegeben werden, würde aber einen Drucker nicht voll auslasten. Anundsen nahm das Angebot an, und nach einer zweitägigen Reise mit zwei Pferdewagen kam er am 15. Dezember 1867 in Decorah an. „The wagons contained Ved Arnen’s type and equipment, the family and household effects and one printer besides myself.“ Zur Familie gehörte zu dieser Zeit bereits ein Kind, und Mathilde war mit ihrem zweiten im achten Monat schwanger.

Anundsen druckte in Decorah außer der Kirchenzeitung und Ved Arnen die Jahresberichte des Gouverneurs von Iowa (in norwegischer Übersetzung) und andere norwegische Bücher und Broschüren. 1869 begann er mit Fra Fjærnt og Nær (Von nah und fern), zunächst als Beilage zu Ved Arnen und später als eigenständige Zeitung. Sie erreichte nie mehr als 75 Abonnenten und überlebte nur ein Jahr. Im Herbst 1870 musste Anundsen auch Ved Arnen aufgeben. Das Magazin hatte zwar 1.400 Abonnenten, von denen aber zu viele mit der Zahlung säumig waren. Als Dozenten am Luther College die Zeitschrift For Hjemmet (Für das Heim) gründeten, wurde Anundsen im Januar 1871 mit dem Druck beauftragt.

Geschichte Gründung mini|Decorah-Posten, 1874 Nr. 1. Erste Ausgabe der Zeitung. 1874 unternahm Anundsen einen neuen Anlauf und am 18. September erschien die erste Ausgabe der Decorah-Posten. Sie war mit 5. September datiert, aber Anundsen selbst nennt unmissverständlich den 18. als Tag der Veröffentlichung, und im nächsten Satz beteuert er, dass Decorah-Posten ohne den Vorgänger Ved Arnen nie erschienen wäre. Nr. 1 von Decorah-Posten beginnt mit einem Aufruf „To the Businessmen of Decorah and Vicinity“, in dem die Blattlinie angekündigt wird:

Die restliche Zeitung war in norwegischer Sprache gedruckt. Sie umfasste vier Seiten und war in fünf Spalten gesetzt; das Jahresabonnement kostete nur 50 Cents. Zunächst erschien sie jeden Samstag, ab 1875 am Donnerstag, ab 1877 am Mittwoch, ab 1891 am Dienstag. Das „Song-Book“ mit dem Namen Luren befand sich an der unteren Ecke der Zeitung: Ausgeschnitten und gefaltet ergaben sich 8 Seiten im Miniaturformat, wodurch nach 52 Wochen die genannten 416 Seiten erreicht wurden. Das erste abgedruckte Lied war Ja, vi elsker dette landet, die noch junge, von Bjørnstjerne Bjørnson verfasste, norwegische Nationalhymne.

Anundsen druckte eine Auflage von 1.000 Stück und verschenkte die nicht verkauften Exemplare, bis er (nach weniger als drei Monaten) 1.000 Abonnenten gewonnen hatte. Im Winneshiek County, zu dem Decorah gehörte, stellten Norweger ein Drittel der Bevölkerung (1870: 8.302 von insgesamt 23.570). Die Hoffnung, als norwegische Zeitung reüssieren zu können, war daher realistisch.

Krise und Konsolidierung mini|Decorah-Posten, Logo der Ausgabe vom 2. September 1875 Zu Beginn des zweiten Jahrgangs, am 2. September 1875, änderte Decorah-Posten ihr Erscheinungsbild. Sie wurde auf größerem Papier gedruckt, war in sieben Spalten gesetzt und von einem eleganteren Kopf gekrönt. Gleichzeitig wurde der jährliche Preis auf 1,10 $ erhöht.

Die Abonnentenzahl stieg kontinuierlich und bereits 1875 hatte Decorah-Posten seine beiden örtlichen englischsprachigen Konkurrenten, den Decorah Republican und das Decorah Journal in der Auflage überflügelt und wurde das offizielle Nachrichtenblatt im County. Anundsen redigierte die Zeitung nicht mehr selbst; Bernt Askevold, ein ehemaliger Lehrer aus Bergen, war der erste einer Reihe hervorragender Redakteure, die nahezu alle aus Norwegen oder Dänemark eingewandert waren.

1877 beschloss die Norwegische Synode, ihre Monatszeitung und anderen Publikationen durch einen eigenen Verlag drucken zu lassen, wodurch Anundsens Druckerei einen großen Teil ihrer Einnahmen verlor. In diesem Jahr machte sein Geschäft einen Verlust von 465 $. Decorah-Posten erwirtschaftete noch keinen Gewinn; die Lage schien hoffnungslos. „I figured and figured and at last reached the conclusion that Decorah-Posten would have to be enlarged and improved again. Two weeks later this improvement was manifested. The bluff went. People concluded at last that Posten had come to stay and that year it paid for itself and supplied us with food and some clothes. From that year until 1884 about the only variety I experienced was the quantity of hard luck I met. Some days I met less and some days more and every time I saw a constable or a lawyer coming in my direction I thought the jig was up.“

Zu den laufenden „improvements“, die Überleben und Wachstum der Decorah-Posten sicherten, gehörten die Romane, Kurzgeschichten und Gedichte, die in der Zeitung in Fortsetzungen erschienen. Am 3. Dezember 1884 erschien die erste Folge einer Novelle von Hans Andersen Foss (1851–1929), Husmandsgutten: En fortælling fra Sigdal (Der Häuslersohn: Eine Geschichte aus Sigdal). Die Geschichte über einen armen norwegischen Jungen, der in Amerika reich wird und nach seiner Rückkehr in die Heimat seine alte Jugendliebe heiratet, die ihm einst wegen seiner Armut unerreichbar war, wurde enorm beliebt (tremendously popular). Im Winter 1884/85 gewann die Zeitung 6.000 neue Abonnenten und im folgenden Sommer überschritt die Gesamtzahl 20.000. Von nun sicherte Decorah-Posten ihren Eigentümern und Angestellten ein gutes Auskommen.

Marketing mini|Anzeige für Decorah-Posten Zwei für Anundsens publizistisches Geschick typische Marketingaktionen fallen ebenfalls in das Jahr 1884. Ab November konnten die Leser einen großformatigen Farbdruck mit dem Text des Vaterunsers und der Zehn Gebote (und dazu passenden Illustrationen) bestellen, der sich gut als Weihnachtsgeschenk eignen würde. 30.000 Stück dieser „handsome pictures“ wurden ausgeliefert. – Im selben Jahr verkaufte die Zeitung 2.300 Uhren der Marke Waterbury. Die Uhren waren günstig, haltbar und zeigten die Zeit genau an, aber die Krone zum Aufzug war schwierig zu bedienen (ohne Kronenwinder, der in den Leserhaushalten kaum vorhanden war).

In den 1890er-Jahren hatte Decorah-Posten einen Vertrag mit dem Hersteller der Nähmaschine Husvennen (Der Hausfreund). Wer die Zeitung für ein Jahr abonnierte, konnte für den Sonderpreis von nur 22,25 $ ein Exemplar bestellen. Diese Aktion lief über viele Jahre und bezog auch Nadeln und anderes Zubehör ein. Die zufriedenen Leserinnen bezeichneten das Gerät bald als the Decorah-Posten sewing machine. „This was likely one of the most original offers ever made by a newspaper.“

Ved Arnens Rückkehr mini|Decorah-Posten, 18. Oktober 1882. Erstmalige Ankündigung der Beilage Ved Arnen: Links unten die Mitteilung an die Leser. Am 18. Oktober 1882 entstand die Literaturzeitschrift Ved Arnen neu. An diesem Tag wurde sie im Decorah-Posten als monatlich erscheinende Beilage angekündigt, im Umfang von 32 Seiten und ohne Mehrkosten für die Abonnenten. Zuvor waren zwei Ausgaben der Posten ausgefallen, wahrscheinlich wegen dieser Umstellung, die Anundsen in seinen Erinnerungen irrtümlich auf 1885 datiert. Später wurde Ved Arnen eine achtseitige wöchentliche Beilage, die noch später auf sechzehn Seiten erweitert wurde.

Allmählich machte die Beilage sich lauter bemerkbar. Am 28. September 1887 erschien erstmals links und rechts neben dem Titel Decorah-Posten eine Vignette mit dem Schriftzug Ved Arnen, hinterlegt mit einem Rankenornament. Am 18. August 1903 erschien Decorah-Posten erstmals mit dem Untertitel Decorah-Posten og Ved Arnen. Und ab der Ausgabe vom 10. November 1903 wurde dieser Untertitel zum Haupttitel der Zeitung. Die bisher verwendeten, grafisch unterschiedlich gestalteten Schriftzüge wurden – unter Beifügung einer Girlande – zu einem gemeinsamen Logo kombiniert (das nach einigen Jahren etwas vereinfacht wurde).