Ifigenia in Aulide ist ein Libretto zu einer Opera seria in drei Akten von Apostolo Zeno nach Jean Racines Tragödie Iphigénie. Erstmals aufgeführt wurde es in der Vertonung von Antonio Caldara am 28. Dezember 1718 im Wiener Hoftheater. Anschließend wurde es noch mehrfach neu vertont.

Handlung

„Argomento“ – ‚Inhalt‘

Kurzfassung

Erster Akt. Vor ihrem Feldzug gegen Troja sammeln sich die griechischen Truppen in Aulis bei König Agamennone. Dort hindert sie eine langandauernde Windstille an der Abreise. Das Orakel hat verkündet, dass Agamennones Tochter Ifigenia geopfert werden müsse, um die Flaute zu beenden. Agamennone hat widerstrebend zugestimmt und eine Nachricht an seine Frau Clitennestra (Klytaimnestra) in Argos geschickt. Sie soll mit ihrer Tochter nach Aulis kommen, um diese mit dem Kämpfer Achille zu vermählen. Zu Beginn der Oper trifft Achille ein. Er hat kurz zuvor Lesbos erobert und die dortige Prinzessin Elisena gefangen mit sich geführt, um sie seinem Freund Teucro (Teukros) zu übergeben, der sie liebt. Unterwegs hat sich Elisena jedoch in ihren Entführer Achille verliebt, der wiederum nur an seine Braut Ifigenia denkt. Die enttäuschte Elisena denkt an einen Selbstmord im Tempel. Wenig später treffen auch Clitennestra und Ifigenia ein. Agamennone hat inzwischen Gewissensbisse bekommen und einen vergeblichen Versuch unternommen, sie zu warnen. Sein Brief ist jedoch von Ulisse (Odysseus) abgefangen worden. Ihm bleibt nun nichts anderes mehr übrig, als die Opferung konsequent durchzuziehen. Achille, Clitennestra und Ifigenia wissen nichts von all dem. Zudem hat man Achille die Ankunft seiner Braut verheimlicht.

Zweiter Akt. Es kommt zu einigen Eifersuchtsszenen und Missverständnissen zwischen Ifigenia, Elisena und Achille. Dennoch will Teucro weiterhin zu Elisena stehen. Um Clitennestra nicht zur Zeugin der Opferhandlung zu machen, möchte Agamennone sie unter einem Vorwand fortschicken. Sie geht jedoch nicht darauf ein. Agamennones Vertrauter Arcade offenbart Achille und den beiden Frauen die ganze Wahrheit. Sie alle wollen das Opfer verhindern. Während Achille vor Wut schäumt und Agamennone töten möchte, will Ifigenia es erst mit Bitten versuchen.

Dritter Akt. Nachdem Ifigenias Flehen erfolglos bleibt, ergibt sie sich in ihr Schicksal. Dennoch überredet Clitennestra ihren Mann, einen Rettungsversuch zu unternehmen. Er überlässt es Arcade, Ifigenia in Sicherheit zu bringen. Die Flüchtigen werden jedoch erst von Teucro und dann von Elisena und Ulisse aufgespürt. Ifigenia wird in den Tempel gebracht. Vor der Opferhandlung überwindet Achille die Wachen und versucht, Ifigenia gewaltsam zu befreien. In diesem Moment verkündet der Priester Calcante mit der Stimme des Orakels, dass in Wirklichkeit Elisena das vorgesehene Opfer sei – sie sei eine Tochter Elenas und Teseos und heiße eigentlich ebenfalls Ifigenia. Diese schreitet zum Alter und tötet sich selbst. Damit sind die Götter versöhnt, und die Griechen können nach Troja abreisen.

Erster Akt

Der Hafen von Aulis voller griechischer Schiffen und Zelte, alle zur Nacht auf militärische Weise beleuchtet; andere Schiffe in der Ferne auf See, die sich ebenfalls beleuchtet mit entfalteten Segeln dem Hafen nähern

Szene 1. Der griechische Hauptmann Teucro erklärt seinen Leuten, dass es sich um die Schiffe ihres Verbündeten Achille handelt, der nach Eroberung der Insel Lesbos zu ihnen stoße. Dessen Schiff legt an, und Achille und einige seiner Kämpfer gehen an Land.

Szene 2. Achille erzählt von seinem Sieg auf Lesbos (Achille: „Asia tremi, Argo festeggi“). Von dort hat er gefangene Prinzessin Elisena mitgebracht, von der er weiß, dass Teucro sie liebt. Teucro muss Achilles Tatendrang dämpfen, denn eine hartnäckige Flaute hindert die Schiffe an der Weiterfahrt nach Troja. Andererseits befindet sich auch Achilles Geliebte Ifigenia, die Tochter des Mykenischen Königs Agamennone, hier. Sie soll Achille schon am nächsten Tag heiraten. Achille kann das Wiedersehen kaum abwarten (Achille: „Se a debole pupilla“).

Szene 3.Teucro versichert Elisena, dass man sie gut behandeln werde. Sie weiß inzwischen, dass Elisena nicht ihr Geburtsname ist, und hofft, bald mehr über ihre Herkunft zu erfahren. Bevor Teucro ihr seine Liebe offenbaren kann, erklärt sie, dass sie sich in Achille verliebt hat. Sie ist erschüttert, als sie von dessen bevorstehender Hochzeit mit Ifigenia erfährt. Trotz seiner eigenen Gefühle kann Teucro sie verstehen (Teucro: „Non ho cor così spietato“).

Szene 4. Elisena beschließt, sich bei Achilles Hochzeit im Tempel vor dessen Augen selbst zu töten (Elisena: „A vista del crudele“).

Hof vor dem Palast von Aulis

Szene 5. Agamennone erzählt seinem Vertrauten Arcade, dass der Wahrsager Calcante das Orakel befragt habe, wie die seit drei Monaten herrschende Flaute beendet werden könne. Zu seinem größten Kummer habe es geantwortet, dass dafür seine Tochter Ifigenia, die „königliche Jungfrau vom Blut der Helena“, auf dem Altar der Göttin Diana geopfert werden müsse. Ulisse habe anschließend solange auf ihn eingeredet, bis er seine Zustimmung gegeben habe. Er habe daraufhin seiner Frau Clitennestra geschrieben, mit ihr nach Aulis zu reisen – angeblich, um sie mit Achille zu vermählen. Inzwischen hat er jedoch seine Meinung geändert und einen zweiten Brief verfasst, um sie zur Rückkehr nach Argos zu bewegen: Die Heirat sei aufgeschoben worden, weil sich Achille in die Sklavin Elisena verliebt habe. Arcade verspricht, den Brief schnellstens auszuliefern (Arcade: „Sprone al core ed ali al piede“).

Szene 6. Agamennone teilt Achille mit, dass seine Tochter noch in Argos sei und die Hochzeit noch warten müsse. Achille findet sich schnell damit ab, da er den Kampf gegen Troja kaum erwarten kann. Er hofft, anschließend in Argos mit noch größerem Ruhm mit Ifigenia vermählt zu werden (Achille: „Su l’ali de la spene e del desio“).

Szene 7. Ulisse hat den Boten Arcade abgefangen und stellt Agamennone zur Rede.

Szene 8. Ulisse vergewissert sich, dass Agamennone der Absender des Briefs ist, und wirft ihm vor, ganz Griechenland damit verraten zu haben. Er warnt ihn vor dem Zorn Calcantes und der Götter, denen das Opfer versprochen wurde.

Szene 9. Als Teucro die Ankunft Clitennestras und Ifigenias meldet, kann Agamennone kaum seine Tränen zurückhalten. Teucro wundert sich darüber (Teucro: „Ne la prole e nel comando“).

Szene 10. Agamennone fürchtet sich vor dem Treffen mit seiner Frau und seiner Tochter. Er verspricht Ulisse, das Opfer zu vollziehen, bittet ihn aber, den beiden die grausame Wahrheit vorerst zu verschweigen. Ulisse ist zuversichtlich, dass sie bald nach Troja aufbrechen können (Ulisse: „Veggo già che ai grechi legni“).

Szene 11. Bei der Begrüßung kann Agamennone seine Gefühle nicht verbergen. Er redet sich damit heraus, dass ihnen nun während der Belagerung Trojas eine lange Zeit der Trennung bevorstehe. Als er das Opfer erwähnt, mit dem die Götter besänftigt werden sollen (ohne ihre Rolle dabei zu nennen), bittet Ifigenia ihn, ihn in den Tempel begleiten zu dürfen. Er verspricht ihr das unter Schmerzen (Agamennone: „Di questo core“).

Szene 12. Clitennestra und Ifigenia rätseln über Agamennones Verhalten (Clitennestra: „E con gli occhi e col pensiero“).

Szene 13. Ifigenia liebt ihre Eltern ebenso wie ihren Bräutigam (Ifigenia: „Il mio core, il genitore“).

Ballett der Brautleute.

Zweiter Akt

Begrünter Weg im königlichen Garten

Szene 1. Ifigenia vertraut Elisena an, dass sie sich von Achille vernachlässigt fühlt.

Szene 2. Clitennestra hat von Arcade erfahren, dass Achille noch vor der Hochzeit gegen Troja in den Krieg ziehen will. Außerdem scheint er Gefühle für Elisena entwickelt zu haben. Sie will sofort mit Ifigenia nach Argos zurückkehren (Clitennestra: „Amasti in quel cor perfido“).

Szene 3. Ifigenia fühlt sich von Elisena getäuscht und verhöhnt. Diese streitet alles ab und weist darauf hin, dass auch sie von hoher Abstammung sei.

Szene 4. Achille findet sie und Elisena. Er kann kaum glauben, dass man ihm ihre Ankunft verschwiegen hat. Zu seiner Verwunderung wirft ihm Ifigenia Untreue vor und läuft davon (Ifigenia: „Addio, infido, addio per sempre“).

Szene 5. Achille macht Elisena für Ifigenias Verhalten verantwortlich und schwört Rache (Achille: „Passerò con chi svenò“).

Szene 6. In ihrer Verzweiflung lässt sich Elisena von Teucro trösten. Sie kann das Verhalten der anderen nicht verstehen und bittet ihn, sich bei Ulisse nach den Hintergründen zu erkundigen (Elisena: „Non vo’, se deggio piangere“).

Szene 7. Teucro glaubt nicht, dass sich Elisena wirklich schon von Achille gelöst hat. Er will ihr dennoch die Treue halten (Teucro: „Tutto fa nocchiero esperto“).

Szene 8. Ulisse drängt Agamennone, endlich das Opfer vollziehen zu lassen. Als er Clitennestra kommen sieht, fordert er ihn auf, sie von ihrer Tochter fernzuhalten (Ulisse: „È debolezza“).

Szene 9. Agamennone versichert Clitennestra, dass die Hochzeit stattfinden werde. Sie müsse aber unverzüglich nach Argos zurückkehren, um sich um ihre Söhne zu kümmern. Ihr königlicher Rang lasse es nicht zu, sich unter Soldaten aufzuhalten. Da Clitennestra diese Gründe nicht nachvollziehen kann, befiehlt er ihr, ohne weitere Fragen zu gehorchen (Agamennone: „Ubbidisci; e non cercar“).

Szene 10. Clitennestra findet es ungerecht, dass Frauen ihren Männern nur aufgrund ihrer Stärke gehorchen müssen.

Szene 11. Ifigenia und Clitennestra freuen sich darüber, dass sich die Missverständnisse offenbar aufklärt haben. Nur die bevorstehende Trennung schmerzt sie.

Szene 12. Achille ist froh, dass er nun doch heiraten darf. Zudem sei Calcante zuversichtlich, dass die Götter ein Einsehen haben und die Flaute beenden werden. Ifigenia warte bereits am Tempel.

Szene 13. Arcade offenbart Achille, Ifigenia und Clitennestra die schreckliche Wahrheit: Der König selbst stehe bereit, seine Tochter am Altar zu opfern, sobald Clitennestra sie in den Tempel führe. Er fleht Achille und Clitennestra an, die Unschuldige zu schützen (Arcade: „Se il tuo amor“).

Szene 14. Clitennestra und Achille wollen das Opfer unter keinen Umständen zulassen (Clitennestra: „O vincerò di un perfido“).

Szene 15. Achille kann seine Wut auf Agamennone kaum zügeln. Ifigenia meint jedoch, dass ihm wohl keine Wahl geblieben sei. Sie würde Achille verabscheuen, wenn er ihren Vater tötete, um sie zu retten.

Szene 16. Clitennestra drängt zur Eile. Ifigenia beharrt jedoch darauf, erst mit ihrem Vater zu sprechen, bevor sie Gewalt anwenden. Achille ist damit einverstanden, schwört aber, Ifigenia unter allen Umständen zu retten (Achille: „Se mai fiero leon vede assalita“).

Szene 17. Ifigenia will die Hoffnung auf ein Einlenken ihres Vaters nicht aufgeben (Ifigenia: „Verace o menzognera“).

Ballett der Gärtner.

Dritter Akt

Saal im Königspalast

Szene 1. Elisena und Teucro wollen gemeinsam sicherstellen, dass das Opfer vollzogen wird (Teucro: „Non ti parlo di mia fede“).

Szene 2. Elisena hat großen Hass auf Ifigenia entwickelt (Elisena: „Vergogna e dispetto“).

Szene 3. Agamennone teilt Clitennestra mit, dass alle Vorbereitungen abgeschlossen seien und ihre Tochter im Tempel warte. Er behauptet, man wolle Kälber opfern.

Szene 4. Ifigenia gibt ihrem Vater zu verstehen, dass sie weiß, dass sie selbst das Opfer sein soll. Sie macht ihm keine Vorwürfe, sondern fleht ihn an, Gnade zu zeigen. Agamennone ist zutiefst erschüttert, fühlt sich aber unfähig, gegen den Willen der Götter zu handeln. Ifigenia ergibt sich ihrem Schicksal (Ifigenia: „Più del cielo e più del fato“).

Szene 5. Clitennestra macht Agamennone schwere Vorhaltungen und fordert ihn auf, sie ebenfalls zu töten (Clitennestra: „Preparati a svenar e figlia e madre“).

Szene 6. Agamennone ist nicht mehr in der Lage, die geplante Tat auszuführen.