Die Herren von Nettesheim (auch Nezzensheim, Nettensheym, Nettinsheim o. ä.) waren ein niederrheinisches Adelsgeschlecht, das später nach Belgien und Frankreich auswanderte.

Die Familie ist zu unterscheiden von den namensähnlichen, aber nicht stammverwandten in der Eifel ansässigen Herren von Nattenheim/Nettesheim, die sich nach Nattenheim nannten und im schwarzen Schild ein silbernes Herzschild führten.Anton Fahne: Geschichte der kölnischen, jülichschen und bergischen Geschlechter in Stammtafeln, Wappen, Siegeln und Urkunden. Heberle, Köln 1848, S. 301 (hhu.de).

Geschichte Die Herren von Nettesheim waren benannt nach Nettesheim, heute ein Ortsteil von Rommerskirchen im Rhein-Kreis Neuss. Ihr Stammsitz war vermutlich der vom Stift St. Kunibert zu Köln gepachtete Fronhof in Nettesheim. Erstmals erwähnt wird das Geschlecht mit Reinardo von Nettesheim im Jahr 1211. 1252 erhielt Ritter Heinrich von Nettesheim (Heinricus de Nezzensheim) den Fronhof in Nettesheim auf sechs Jahre vom Kunibertstift. 1260 erscheint ein Mattheus von Nettesheim (Matheus de Nettinsheim) als Zeuge in einer Urkunde des Edelherrn Wilhelm von Hunebruch, der beurkundete, dass Ritter Bruno von Hüchelhoven die von ihm zu Lehen gehabten Besitzungen zu Nettesheim allodifiziert und der Abtei Altenberg käuflich überlassen habe.Theodor Joseph Lacomblet: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrrheins, Band 2, Düsseldorf 1846, S. 281, Nr. 497 (uni-bonn.de).

1262 begann laut Josef Schmitz der Untergang des Geschlechts durch einen regelrechten „Ausverkauf“: In jenem Jahr verkaufte Heinrich von Nettesheim 30 Morgen Ackerland im Kirchspiel Nettesheim an das Kölner Stift St. Gereon. Heinrichs Söhne hielten noch 1268 angesehene Positionen, so war Hellwig von Nettesheim Vogt des Fronhofes in Nettesheim. Dieses Amt erhielt er durch seine Beziehungen mit dem Grafen Wilhelm IV. von Jülich, welche er durch seine Verwandten, den Herren von Hüchelhoven, hatte. Hellwig erhielt durch seine Vogtei eine Rente von 10 Maltern Weizen, welche er an das Kunibertstift verkaufte. Wegen des Verkaufs musste er die Vogtei als Pfand an das Stift abgeben. Seine Brüder Reinhard und Volquin waren Kanoniker im Kunibertstift. 1270 erscheint Hellwig als Knappe. Zu diesem Zeitpunkt pachtete er den Fronhof vom vorher genannten Stift. Ein Indiz für den damaligen Verlust des Ritterstandes des Geschlechts ist nach Josef Schmitz der Beruf Hellwigs Sohnes Gerard, der als Glöckner von Nettesheim aufgeführt wird. 1271 geriet Hellwig wegen Pachtzahlungen für den Fronhof in Streit mit dem Kunibertstift. Im Jahre darauf stellte sich Hellwig mit seinem Bruder Renard, Vikar in Nettesheim, und seinem Verwandten Louff von Butzheim (Luf von Bozheym) gegen die Forderungen des Stifts. Daraufhin wurden sie vom Erzbischof Engelbert II. von Köln exkommuniziert. Der Streit wurde 1278 durch ein Schiedsgericht beendet. Hellwig verkaufte 1287 ca. 25 Morgen Wald im Bruch. Im selben Jahre starb er und seine Witwe verkaufte 13 Morgen Land in Nettesheim. Mit Hellwigs Tod sank die Familie offenbar in den Bürgerstand ab, da seine Nachkommen, darunter zwei Söhne und fünf Töchter, sich den Ritterschlag nicht mehr „leisten“ konnten. Die beherrschende Stellung des Kunibertstifts spielte bei diesem Standesverlust eine entscheidende Rolle.

Nach 180 Jahren tritt das Geschlecht im Jahre 1457 mit Dietrich von Nettesheim erneut auf. Dietrich erhielt zusammen mit seinem Neffen Heinrich von Paffendorf eine Abfindung vom Kunibertstift. Im Gegenzug verzichteten die beiden auf jede Forderung an das Stift wegen des „Gutes bei der Kirche in Nettesheim“. Wie genau dieser Dietrich von Nettesheim von den zuvor genannten Familienmitgliedern abstammt ist nicht bekannt.

Dietrich von Nettesheim wurde vermutlich um 1430 in Köln geboren. Mit ihm fing die Familie an, sich in Köln zu etablieren. So hatte er um 1460 einen Sohn namens Heinrich (Heinricus) von Nettesheim, der 1515 starb und als Vater des Professors Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim gilt. Diesen findet man am 22. Juli 1499 in der III. Matrikel der Universität zu Köln als Henricus de Nettesheym vor. Vermutlich stand er an der Fakultät der Freien Künste in österreichischen Diensten. Am 29. Mai 1500 wurde er als Heinrich Cornelius Agrippa von Nettsheim erwähnt, als er für das Baccalauréat zugelassen wurde. Agrippas Studienplan umfasste Latein, Astrologie, Theologie, Grundlagen des magischen Denkens, hermetische Bücher, orphische Hymnen, Kabbala, Römisches Recht, Medizin, Mechanik, Optik und Geometrie. Im Jahre 1502 oder 1503 wechselte er seinen Studienort nach Paris und war dort mit Charles de Bouelles, Germain de Ganay, Germain de Brie, Symphorien Champier und Jean Perréal befreundet. Mit diesen bildete er eine Art Bruderschaft, die er wiederbeleben wollte, sobald er von Südfrankreich nach Paris zurückkehren sollte. Außerdem führe er in Paris einige alchemistische Experimente durch, die von wohlhabenden Bürgern finanziert wurden. Am 18. Februar 1535 starb Agrippa erschöpft bei seinen Gönnern in Grenoble im Alter von 49 Jahren. Er hinterließ sieben Kinder aus zwei Ehen. Eine dritte Ehe blieb kinderlos. Die Kinder wuchsen womöglich bei den Gönnern auf und waren Bürger von Saint-Antoine in Viernois. Später nannten sie sich Cornelius o. ä. statt von Nettesheim, um ihre Herkunft zu verschleiern.

Agrippa hatte einen unbekannten Bruder und eine unbekannte Schwester. Sein Bruder hatte einen Sohn, Johann von Nettesheim. Johann von Nettesheim heiratete Anna Melheims. Er bekleidete die Ämter des Gerichtsschöffen, Bürgermeisters in Bonn, Zollschreibers und Amtmanns in Boppard. Ab 1573 waren die Eheleute Mitglieder der Schöffenbruderschaft, um 1592 starb Johann und im Jahre 1613 starb Anna. Das Paar hatte einen Sohn namens Johann Werner und eine Tochter namens Margaretha, die Gabriel Eschenfelder heiratete. Johann Werner von Nettesheim war Zollschreiber, Schöffe und Ratsherr zu Boppard und trat so von 1601 bis 1630 auf. Seine Tochter Anna Barbara heiratete Michael Wiedmann, Kämmerer des Kurfürsten Philipp Christoph.

Am 12. Juli 1555 wurden Johann von Nettesheim (Netteßhem) und seine Frau Catharina als Bürger zu Köln erwähnt.

Persönlichkeiten Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim (1486–1535), Universalgelehrter, Theologe, Jurist, Arzt und Philosoph Catharina von Nettesheim, 1451 Äbtissin von St. Klara zu KölnLandesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland, AA 0001 / Kurköln, Urkunden AA 0001, Nr. 2273, abgerufen am 21. Oktober 2025.

Stammliste

Vor Dietrich von Nettesheim

Ab Dietrich von Nettesheim

Literatur Josef Schmitz: Leben am Gillbach. Nettesheim-Butzheim 1800–1974. Neuss 1987, S. 22–24 (GenWiki).

Einzelnachweise

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