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Der Kaiserobelisk auf der Kaiserterrasse in Haifa, Israel, ist ein Obelisk am Aussichtspunkt besagten Namens auf dem Karmel zur Erinnerung an Kaiser Wilhelms II. Besuch mit Gattin und kleiner Entourage an diesem Punkt am 25. Oktober 1898 auf seinem Staatsbesuch im Heiligen Land. Dem Obelisk steht eine osmanische Kanone zur Seite und beide liegen an der Kaiserterrasse über dem steilen Berghang, der nordostwärts den Blick auf die Stadt, den Hafen und die Bucht gewährt.
Namen Der Name des Obelisken lautet auf und auf . Ausführlichere Namensvarianten sind auf , ähnlich bestehen alternative Bezeichnungen auch auf und Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Auch die KaiserterrasseEli Liran (), “” (Ha‹Qaiserterrasse› – ‹Mirpesset haQajsar› ʿal Har haKarmel bəChejfa), in: ביטאון העמותה לתולדות חיפה, Heft 15 (Dezember 2017). hat mehrere Bezeichnungen: Kaiserplatz und Kaiser-Wilhelm-Platz.
Lage Der Obelisk markiert den Aussichtspunkt auf etwa 270 Meter Höhe über dem Meeresspiegel, wo sich dem Kaiserpaar Wilhelm II. von Preußen und Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg der Blick über Stadt, Hafen und den Golf von Haifa bot. Die Kaiserterrasse kann adressiert werden mit Rechov Jefeh Nof 66 (), allerdings markiert kein Nummernzeichen diesen Ort, so dass man sich besser orientiert mit dem Gebäude gegenüber mit der Nr. 59. Die Kaiserterrasse liegt fünf Meter oberhalb des Rechov Jefeh Nof mit seinem namengebenden Panorama auf Haifa. Im Jahr ihres einzigen Besuches im Heiligen Land bestand bereits westlich der Kaiserterrasse ein erstes Viertel von Sommerfrischen namens Carmelheim auf dem Bergplateau, wo deren Bewohner und Gäste im Sommer das etwas kühlere Bergklima genossen.Avraham Lewensohn (; 1923–1986), Reiseführer Israel mit Straßenkarten und Stadtplänen ['Israel Tourguide', 21979; dt.], Miriam Magall (Übs.), Tel Aviv-Jaffa: und Tourguide, 1982, S. 149. Im Oktober des Staatsbesuches spielte das nur insofern eine Rolle, als die Erschließungsstraße zu den Sommerhäusern überhaupt erst den Ausflug per Kutsche zum Aussichspunkt erlaubte.
mini|Blick vom Obelisk zum geschmiedeten oberen Tor der Hängenden Gärten, 2011 Der Rechov Jefeh Nof bildet die obere Grenze der Hängenden Gärten, deren oberes Eingangstor sich 35 Meter östlich des Obelisken befindet. Der Aussichtspunkt bildet den nördlichen Endpunkt der Tajjelet Louis (), einem Fußgängern vorbehaltenen Panoramaweg am Bergkamm in diesem Abschnitt des Karmels. Südlich der Kaiserterrasse breitet sich der schattige Gan haQejsar (, unter Palästinadeutschen ‚Kaiserin-Auguste-Victoria-Wäldchen‘).Alex Carmel (), „Der Kaiser reist ins Heilige Land: Realität und Legende“, in: Dem Erlöser der Welt zur Ehre: Festschrift zum hundertjährigen Jubiläum der Einweihung der evangelischen Erlöserkirche in Jerusalem, Karl-Heinz Ronecker (Hrsg.) im Auftr. von 'Jerusalem-Stiftung' und 'Jerusalemsverein', Leipzig: Evangelische Verlags-Anstalt, 1998, ISBN 3-374-01706-1, S. 116–135, hier S. 122, Fußnote 317. Etwas abseits des touristischen Trubels um die nahen Hotels (Hotel Dan Carmel, Dan Panorama Hotel) und den oberen Eingang zu den Hängenden Gärten bietet der Gan haQejsar Schatten und Ruhe.
Geschichte Wilhelm II. stattete 1898 im befreundeten Osmanischen Reich erst İstanbul (18.–23. Oktober 1898) und dann dem Heiligen Land einen Staatsbesuch ab (25. Oktober bis 4. November 1898Ralph Perry () und David Pearlman (), Postkarten zur Erinnerung an die Reise des deutschen Kaiserpaares in den Orient 1898 / Postcards commemorating the 1898 journey of the German imperial couple to the Orient / גלויות להנצחת מסעו של הזוג הקיסרי הגרמני למזרח בשנת 1898, Ejal Jakob Eisler (; Hrsg.), Stuttgart: ‹Verein für württembergische Kirchengeschichte› und die Verfasser, 2019, (=Kleine Schriften des Vereins für württembergische Kirchengeschichte; Nr. 25), S. 14. ISBN 978-3-944051-19-2.), erster eines westlichen Staatsoberhaupts der auch das Heilige Land einschloss und einziger dieser Destination vor Ende des Reichs 1918. Nachdem Haifa statt Jaffa als Zielhafen der kaiserlichen Reisegesellschaft festgelegt worden war, begann im August 1898 der Ausbau einer Pier im Hafen Haifa.Y., “Orientpost” (11. August 1898), in: Warte des Tempels, hier nach Palästina-Chronik: dt. Zeitungsberichte von d. 1. jüd. Einwanderungswelle bis zum Ersten Weltkrieg: 2 Bde., ausgew., bearb. u. erl. von Alex Carmel, Bd. 2 ‹1883 bis 1914›, Langenau: Vaas, 1983, ISBN 3-883-60041-5, S. 199–200, hier S. 200. Das Kaiserpaar reiste auf der S.M.S. Hohenzollern an begleitet von S.M. Kleinem Kreuzer Hela und S.M. Kreuzer Hertha.NN, “Bericht über den Besuch Ihrer Majestäten des Deutschen Kaisers und der Deutschen Kaiserin im Heiligen Lande” (1. Dezember 1898), in: Warte des Tempels, hier nach Palästina-Chronik: dt. Zeitungsberichte von d. 1. jüd. Einwanderungswelle bis zum Ersten Weltkrieg: 2 Bde., ausgew., bearb. u. erl. von Alex Carmel, Bd. 2 ‹1883 bis 1914›, Langenau: Vaas, 1983, ISBN 3-883-60041-5, S. 202–209, hier S. 202.
Der Staatsbesuch war für Auslandsdeutsche im Heiligen Land, darunter Expats der vielen karitativen Einrichtungen und dauerhaft dort lebende Palästinadeutsche, ein prägendes Ereignis. Erklärter Zweck des Besuchs waren Gespräche mit Sultan Abdülhamid II. in Istanbul und die Einweihung der Erlöserkirche (Jerusalem). Auf seiner Orientreise 1869 hatte Kronprinz Friedrich Wilhelm, Vater Wilhelms II., den Baugrund für die Krone Preußens in Besitz genommen,Ejal Jakob Eisler (), Das deutsche Johanniter-Hospiz in Jerusalem, Köln: Böhlau, 2013, Seite wie gesondert angegeben. ISBN 978-3-412-20571-3. seinem verstorbenen Onkel Friedrich Wilhelm IV. den Wunsch, eine Kirche in Jerusalem zu erbauen, zu erfüllen. Wilhelm II. ließ 1892 in den Kirchen der Evangelischen Landeskirche der älteren Provinzen Preußens eine Kollekte abhalten, um einen Baufonds einzuwerben. Der Bau hatte 1893 begonnen.
Der Teil des Staatsbesuchs im Heiligen Land sollte in Haifa beginnen, wo der Kaiser bei typischem Oktoberwetter mit seinem gelähmten linken Arm auch ohne fremde Hilfe sicher die Pier erklimmen konnte. Damals lebten etwa 10.000 Menschen in der Hafenstadt,Jigʾal Greiber (), “” (29. Oktober 2021), auf: ; abgerufen am 22. Oktober 2015. davon etwa 700 Auslandsdeutsche und Expats, darunter 400 Templer, 200 Protestanten, in Haifa Kirchler genannt, und 100 Juden. Im September 1898 traf ein deutsches Kavallerieregiment ein, um das Kaiserpaar über Land zu eskortieren. Die Soldaten schlugen ihr Lager westlich des deutschen Viertels (, , anfangs auch Templerkolonie genannt, bevor 1878 ein Drittel der Templer aus der Religionsgemeinschaft austrat und später evangelisch wurde) auf, während die Offiziere im Hôtel du Carmel von Philipp Georg Krafft (1819–1901) logierten. Ein osmanisches Kavallerieregiment der Leibgarde des Sultans lagerte ebenfalls in Erwartung der Gäste in der Stadt.
mini|Ehemaliges Deutsches Konsulat Haifa, 2018 Am 25. Oktober 1898 landete die Reisegesellschaft gegen 14 Uhr in Haifa, Teil des südlichen Bezirks Sandschak Akkon des osmanischen Libanons, Friedrich von Scholl und Oberstallmeister Ernst von Wedel, die zum Quartiermachen schon eine Woche in der Hafenstadt weilten, Vizekonsul Friedrich Keller und sein Chef Paul Schröder, Generalkonsul von osmanisch Libanon und osmanisch Syrien,Alex Carmel (), Geschichte Haifas in der türkischen Zeit 1516–1918, [, Haifa: , 1969; deutsch], Clara Zellermeyer (Übs.), (=Abhandlungen des Deutschen Palästinavereins; Bd. 3), Wiesbaden: Harrassowitz, 1975, ISBN 3-447-01636-1, Seite wie gesondert angegeben. gingen zum Empfang an Bord, bevor das Kaiserpaar um 16 Uhr 30 an der neu erweiterten Pier, genannt Kaiserstaden, anlandete und nach Begrüßung der örtlichen Vertreter des Sultans zur Kutschfahrt auf den Berg Karmel aufbrach. Die Fahrt führte hinauf nach Carmelheim, einem neuen Viertel, wo an dem Aussichtspunkt, der seit 1910 als Kaiserterrasse hergerichtet ist, ihre Gastgeber dem Kaiserpaar den weiten Ausblick über Haifa, Hafen und Golf von Haifa zeigten.
mini|Empfang fürs Kaiserpaar im Garten des Konsulats durch Auslandsdeutsche aus Haifa und dem Hinterland, 26. Oktober 1898 Am nächsten Tag gab Vizekonsul Keller im Garten des Deutschen Konsulats einen großen Empfang für lokale Gäste, wie Bewohner des deutschen Viertels, meist Templer, teils Kirchler, einige Katholiken, nämlich die Borromäerinnen des deutschen Hospizes zu Haifa, Templer aus Bethlehem in Galiläa und Kirchler aus Waldheim, Vertreter der deutschen Katholiken aus Tabgha. Der Kaiser antwortete auf seine Grüße, indem er die Einwohner lobte, die 1868 als Pioniere aus Württemberg ihr Viertel erschufen, wo vorher keinerlei Infrastruktur war und ein karges Land zum Blühen gebracht hatten, wovon Wilhelm II. von Preußen den König Wilhelm II. von Württemberg zu unterrichten versprach. Er versicherte den Siedlern, dass sie stets auf seinen Schutz zählen und sich in Zeiten der Not an ihn wenden könnten.
„Obwohl Preußen und das Deutsche Reich im allgemeinen Kolonisationspläne ihrer Untertanen im Osmanischen Reich mit größter Vorsicht und Zurückhaltung zu behandeln pflegten,“Abdel-Raouf Sinno (), Deutsche Interessen in Syrien und Palästina, 1841–1898: Aktivitäten religiöser Institutionen, wirtschaftliche und politische Einflüsse, (= Studien zum modernen islamischen Orient; Bd. 3), Berlin: Baalbek, 1982, S. 65. ISBN 3-922876-32-3. war das Verhältnis des Kaisers zu den deutschen Siedlern in Palästina ihnen gegenüber wohlwollend, jedoch seine Unterstützung in Anbetracht der Beziehungen zum Osmanischen Reich zurückhaltend. Die Hoffnung der Templer, dass der Kaiser sich vor allem politisch für die Kolonien einsetze, wurde also nicht erfüllt. Die Träume der deutschen Kolonisten in Palästina zerplatzten wohl endgültig, als ihnen der Kaiser bei der juristischen Ahndung des Mordes am Palästinadeutschen Fritz Unger (1876–1910) aus Haifa nicht beistand, obwohl er ihnen auf seiner Orientreise mehrmals seinen Schutz zugesichert hatte.
Die osmanische Justiz versagte, den Mord juristisch als solchen zu ahnden, vermutlich deshalb, weil ihm beim Täter und seinen Verwandten wohl überkommene Vorstellungen von Blutrache zu Grunde lagen, die die Richter nicht verurteilen wollten oder es nicht vermochten. In der Nacht vor Ungers Tod erschossen seine Wächter einen Dieb, der aus Tirat al-Lawz stammte, beim Abernten von Ungers Agrarflächen in Neuhardthof (heute zu Haifa) an der Karmelküste zwischen Atlit und Tirat al-Lawz. Um die Sache aufzuklären, reisten Unger, der deutsche Vizekonsul Julius Löytved-Hardegg und Vertreter osmanischer Behörden nach Tirat al-Lawz, wo ein wütender Araber Unger am 19. Juli 1910 vor dessen Reisebegleitung erschoss.Ejal Jakob Eisler () und Ulrich Gräf, Der historische Friedhof der Tempelgesellschaft in Haifa / The historic cemetery of the Temple Society in Haifa, Landeskirchliches Archiv Stuttgart der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und Verein für württembergische Kirchengeschichte (Hrsgg.), Stuttgart: Landeskirchliches Archiv Stuttgart, 2023, Eintrag ‹Fritz Unger (J-24)›, ISBN 978-3-944051-24-6, S. 222.