Als Kölner Zauberensemble wird ein spätantiker, in griechischer Sprache verfasster ägyptischer Liebeszauber aus der Kölner Papyrussammlung bezeichnet, der aus einem Tongefäß, einem Figurenpärchen aus Wachs, einem mit Zauberformeln beschriebenen Papyrus sowie einem als Beilage dienenden leeren Papyrusblatt besteht.

Beschreibung und Herkunft Das ZauberensembleInv.-Nr. 3323a–d. gelangte in den 1960er Jahren in die Papyrussammlung der Universität zu Köln und soll aus Oberägypten nördlich von Assiut stammen, wobei der genaue Fundort nicht mehr bestimmbar ist. Aus dem Inhalt des Textes geht allerdings hervor, dass Gefäß und Beigaben ursprünglich in einem Friedhof deponiert waren. Es wurde 1968 von dem Papyrologen Dierk Wortmann (1936–1972) erstmals ediert.Dierk Wortmann: Neue magische Texte. In: Bonner Jahrbücher 168 (1968), S. 56–111, hier: S. 85–102. Das Ensemble umfasste vier Bestandteile: zwei aus Wachs gefertigte, in inniger Umarmung dargestellte Figuren, die in zwei zusammengefaltete Papyrusblätter eingeschlagen waren; ein großes Papyrusblatt von 22,5 × 55 cm mit 53 Zeilen Schrift; ein, abgesehen von Spuren einer abgeriebenen Vorbeschriftung, unbeschriebenes Papyrusblatt, das als Schutzlage für den beschrifteten Papyrus diente; sowie Fragmente eines Tongefäßes, in das die gefalteten Papyrusblätter mitsamt den Wachsfiguren eingefüllt und anschließend mit Kalk oder Gips versiegelt worden waren. Da der Kalk oder Gips noch völlig weiß war, als er in die Kölner Papyrussammlung gelangte, kann von einer weiteren Umhüllung des Ensembles ausgegangen werden. Die Wachsfigur der Frau ist deutlich heller als die des Mannes.John G. Gager: Curse Tablets and Binding Spells from the Ancient World, New York/Oxford 1992, S. 101; Dierk Wortmann: Neue magische Texte. In: Bonner Jahrbücher 168 (1968), S. 56–111, hier: S. 88–102.

Inhalt und Deutung des Zaubers Das Ensemble wird von Wortmann in das 5. Jahrhundert n. Chr. datiert. Das dargestellte Figurenpaar stellt zusammen mit dem Münchner ZauberensembleWilliam M. Brashear: Ein neues Zauberensemble in München. In: Studien zur Altägyptischen Kultur 19 (1992), S. 79–109. innerhalb der griechisch-römischen Welt das einzige bekannte Beispiel einer derartigen Umarmung dar.John G. Gager: Curse Tablets and Binding Spells from the Ancient World, New York/Oxford 1992, S. 101. Die im Papyrus angerufenen Mächte umfassen eine Vielzahl von Namen. Die eigentlichen und unmittelbaren Akteure sind jedoch die Geister der Verstorbenen, die in und um die Nekropole verweilen. Die Gottheiten, durch welche diese „niederen“ Wesen angerufen oder befehligt werden, sind unter anderem: Iao, der „unbesiegbare Gott“; verschiedene Geister mit esoterischen Namen; Adonai; eine Reihe von dreiundzwanzig mystischen Namen, die jeweils mit den Buchstaben des griechischen Alphabets beginnen; Anankē (das Schicksal); Chnum-Horus; Abrasax sowie die sieben Himmelsthrone. Am Ende des Textes werden diese Mächte zusammenfassend als „diese heiligen Namen und Kräfte“ bezeichnet. Der Verfasser macht den Toten verschiedene Versprechungen für den Fall, dass seinen Anordnungen Folge geleistet wird, gebietet Gehorsam und droht im Falle der Missachtung mit dem Aufhalten der Sonne sowie dem Einsturz des gesamten Kosmos.John G. Gager: Curse Tablets and Binding Spells from the Ancient World, New York/Oxford 1992, S. 102; Dierk Wortmann: Neue magische Texte. In: Bonner Jahrbücher 168 (1968), S. 56–111, hier: S. 90–104.

Der Anlass des Zaubers ist vergleichsweise trivial: Theon beabsichtigt, Euphemia in Liebe und Leidenschaft für einen Zeitraum von zehn Monaten an sich zu binden. Bemerkenswert ist der Text durch seine außerordentliche Länge und die komplexe Struktur seiner Invokationen, die Motive und Formelemente griechischer, ägyptischer und jüdischer Herkunft miteinander verbinden, wobei der ägyptische Einfluss deutlich dominiert. Trotz der späten Entstehungszeit zeigt der Text keinerlei Spuren christlicher Einwirkungen. Wie die zahlreichen Parallelen zu anderen magischen Formularen erkennen lassen, dürfte nahezu jede Passage dieses Zaubers aus einschlägigen Handbuchtraditionen übernommen worden sein.John G. Gager: Curse Tablets and Binding Spells from the Ancient World, New York/Oxford 1992, S. 102.

Literatur Dierk Wortmann: Neue magische Texte. In: Bonner Jahrbücher 168 (1968), S. 56–111, hier: Nr. 4, S. 85–102 (Digitalisat). John G. Gager: Curse Tablets and Binding Spells from the Ancient World, New York/Oxford 1992, Nr. 30, S. 101–106.

Weblinks Das Zauberensemble in der Kölner Papyrussammlung.

Anmerkungen

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