Die römisch-katholische Kirche St. Petrus ist eine dreischiffige, dreijochige Pseudobasilika mit südlichem Querarm und niedrigem einjochigem Chor mit ⅝-Schluss in Wetten, einem Ortsteil der Stadt Kevelaer im Kreis Kleve, Nordrhein-Westfalen. Bis zum 6. September 2014 war sie Pfarrkirche einer gleichnamigen Pfarrei, seit dem 7. September 2014 ist sie eine Filialkirche der neugegründeten Pfarrgemeinde St. Antonius Kevelaer mit den Kirchorten Kevelaer (St. Antonius Abt, Pfarrkirche), Kervenheim (St. Antonius Abt, Filialkirche), Twisteden (St. Quirinus, Filialkirche), Wetten (St. Petrus, Filialkirche) und Winnekendonk (St. Urbanus, Filialkirche). Das Patronatsfest der Kirche ist am 22. Februar (Petri Stuhlfeier zu Antiochien).
Die Kirche wird als Baudenkmal A 24 in der Denkmalliste der Wallfahrtsstadt Kevelaer geführt.
Baugeschichte Der heutige spätgotische Kirchenbau wurde ab 1403 als Nachfolgebau einer romanischen Kirche errichtet. Während des Zweiten Weltkriegs wurde er teilweise beschädigt, als am 16. Dezember 1943 ein deutsches Jagdflugzeug bei dichtem Nebel mit dem Kirchturm kollidierte. Der Wiederaufbau konnte 1959 abgeschlossen werden. Im Inneren gibt es verschiedene historische Ausstattungsstücke aus den Kunstepochen der vergangenen Jahrhunderte. Nebenstehend: Stark verwitterter Grundstein links oberhalb des früheren Nebeneingangs an der Südseite der Kirche: Anno d[o]m[in]i M CCCC III
Kopfkonsolen In den beiden Seitenschiffen finden sich insgesamt sieben Kopfkonsolen, vier im nördlichen Seitenschiff und drei im südlichen Seitenschiff, die weibliche und männliche Gesichter in unterschiedlicher Ausführung zeigen. Sie können wohl als launige Steinmetzarbeiten aufgefasst werden und datieren in die Erbauungszeit der Kirche.
Wand- und Deckenfresken Im Sommer 1951 wurden bei Renovierungsarbeiten Überreste spätgotischer Wand- und Deckenfresken aus dem späten 15. Jahrhundert freigelegt. Sie finden sich im Chorhaus der Kirche und gelten als bedeutende Seccomalereien aus der Zeit der Spätgotik. Darüber hinaus ist ein Rest eines barocken Wandfreskos aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erhalten.
Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass ursprünglich neben dem Chorhaus auch das Mittelschiff und die beiden Seitenschiffe ausgemalt waren. Allerdings wurde 1866 sowohl im Mittelschiff als auch in den beiden Seitenschiffen der Putz erneuert.
Zuletzt wurden die Fresken Anfang 1971 restauriert.
Spätgotische Deckenfresken Im Chorhaus finden sich in den Kappen des Gewölbes verschiedene Fresken aus dem späten 15. Jahrhundert. Sie zeichnen sich vor allem durch fein gearbeitete figürliche Darstellungen und eine filigrane Ornamentik aus, wobei die Distelranke als verbindendes Element fungiert.
Das Zentrum des vorderen Bereichs bildet eine Darstellung des Jüngsten Gerichts. Das Bildprogramm folgt einem typischen Muster: Mittig findet sich der auf einem Regenbogen thronende Christus als Weltenrichter. Er hebt beide Hände, um seine Wundmale zu zeigen. Vom Gesicht geht das Schwert des Gerichtes aus (gemäß Offenbarung und ), das durch die Lilie der Gnade auf der anderen Seite ergänzt wird. Links neben Christus kniet Maria als Fürbitterin für die Menschheit, rechts Johannes der Täufer. Maria und Johannes bilden mit Christus die sogenannte Deesis. Weiterhin sind sechs Engel mit Blas-, Zupf- und Schlaginstrumenten zu sehen, von denen zwei die Posaunen des Gerichtes blasen , die die Toten aus den Gräbern rufen.
Im mittleren Bereich findet sich eine Blattmaske (Green man), flankiert von zwei musizierenden Engeln.
Im hinteren Bereich finden sich sechs Engel mit Spruchbändern. Auf den Spruchbändern stehen die Anfänge marianischer Antiphonen. V. l. n. r.:
„Ave maris stella“ (Meerstern, wir dich grüßen) „Ben[e]d[icta] [es] [a] domino filia tu“ (Gesegnet bist du vom Herrn, meine Tochter) „Ave maria gratia plena“ (Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade) „Regina [caeli laetare] alleluia“ (Himmelskönigin, freue dich, Halleluia) „Alma redemptoris mater que pervia“ (mit „caeli porta manes“ ergänzt: Erhabene Mutter des Erlösers, du allzeit offene Pforte des Himmels) „Ave regina coelorum“ (Sei gegrüßt, du Himmelskönigin)
Spätgotische Wandfresken Im ⅝-Schluss des Chorhauses finden sich oberhalb der Sockelzone, unmittelbar seitlich zweier Fenster, insgesamt vier Wandfresken aus dem späten 15. Jahrhundert, die jeweils einen Apostel zeigen: an der nordöstlichen Wand die Apostel Jakobus und Petrus, an der südöstlichen Wand die Apostel Johannes und Andreas.
Barockes Wandfresko Im Chorhaus findet sich an der Nordwand des ersten Jochs der Rest eines barocken Wandfreskos aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Dargestellt sind musizierende Engel in einer himmlischen Sphäre. Ursprünglich erstreckte sich das Fresko über die gesamte Wand.
Hinsichtlich des Motivs kann das Fresko als eine barocke Erweiterung des in den Gewölpekappen dargestellten Jüngsten Gerichts betrachtet werden.
Ausstattung Die Kirche beherbergt zahlreiche Werke namhafter Künstlerinnen und Künstler, darunter eine Triumphkreuzgruppe von Ferdinand Langenberg. Zelebrationsaltar, Ambo und Sedilien sind von Karl Neuy. Die heutige Bleiverglasung der Fenster geht auf Entwürfe von Maria Katzgrau und Ludwig Baur zurück.
Gegenwärtige Ausstattungsstücke Hochaltar In der Woche vor dem Weihnachtsfest des Jahres 1900 wurde ein neuer Hochaltar aufgestellt. Er stammt aus der Werkstatt des in Goch ansässigen Bildschnitzers Ferdinand Langenberg. In seiner Form bildet er eine Kopie von der Art der Antwerpener Altäre aus dem 16. Jahrhundert. Die aufwendige farbige Fassung erfolgte durch den Polychromeur Peter Janssen aus Kevelaer. Seine Weihe erhielt der Altar am 22. Februar 1901 durch den Münsteraner Bischof Hermann Jakob Dingelstad.
Das Mittelteil ist drehbar. Auf der einen Seite zeigt es eine Herz-Jesu-Darstellung, auf der anderen Seite eine Expositionsnische zur Aussetzung des Allerheiligsten. In die Expositionsnische wurde 1988 eine barock anmutende Madonnen-Darstellung eingesetzt; sie ist kein Originalbestandteil des Hochaltars.
Zelebrationsaltar Der Zelebrationsaltar ist ein Werk des Kevelaerer Kunstschreiners Karl Neuy. Er ist aus massiver Eiche gearbeitet, wobei die helle Tönung der konstruktiven Teile einen wirkungsvollen Kontrast zu den dunkleren Reliefdarstellungen bildet. Letztere stammen aus der ehemaligen Kommunionbank und wurden von dem Bildhauer François Perey 1872/73 geschaffen. Sie zeigen Engel mit Spruchbändern sowie Motive aus dem Neuen Testament. Die Benediktion des Altars erfolgte am 19. November 1983.
Kanzel Der Kern der eichenhölzernen Kanzel datiert wohl noch ins 16. Jahrhundert. Im Lauf der Zeit wurde sie mehrmals überarbeitet, sodass sie heute Merkmale aus verschiedenen Kunstepochen aufweist.
Der hexagonale Kanzelkorb zeigt auf den vier sichtbaren Feldern die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas, Johannes, die hölzerne Rückwand Christus als Salvator mundi. Die einzelnen Darstellungen datieren in die Mitte des 17. Jahrhunderts.
Der jetzige, zum Teil aus Eichenholz gefertigte Treppenaufgang ist jüngeren Datums (nach 1890). Das in drei Felder gegliederte Geländer verweist in seinen Schnitzwerkdetails auf die drei göttlichen Tugenden Glaube (Kreuz, „g“), Hoffnung (Anker, „H“) und Liebe (Herz, „L“), wohingegen das ursprüngliche Geländer Arabesken auf durchbrochenem Grund zeigte.
Mehrfach erneuert wurde auch der Schalldeckel, der um 1841 noch über einen größeren Aufbau verfügte. Für das Jahr 1885 ist belegt, dass der Schalldeckel in Pappelholz erneuert wurde. Aufgrund eines Holzwurmbefalls musste er 1983 abermals gänzlich erneuert werden.
Ursprünglich war die Kanzel am nordöstlichen Freipfeiler verortet. Seit 1972 findet sie sich an ihrem heutigen Standort vor dem Chorhaus.
Taufstein Der Taufstein im Zopfstil ist aus drachenfelser Trachyt. Sein kegelförmiger Deckel aus Messing geht auf einen Entwurf des Xantener Dombaumeisters Martin Graßnick zurück. Die Buchstaben des begleitenden Spruchbands sind aus Geschosskartuschen – Überbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg – gefertigt: + AES MALA PRODUCENS MUNDO PER TEMPORA DIRA TU NUNC ES SPLENDOR FONTIS MENTES REPARANTIS („Erz, du hast Böses hervorgebracht für die Welt in unheilvollen Zeiten, jetzt bist du die Zierde einer Quelle, welche die Seele erneuert“). Den oberen Abschluss bildet ein Pinienzapfen als Symbol für das Leben und die Unsterblichkeit.
Heiligendarstellungen Der überwiegende Teil der figürlichen Darstellungen wurde in den 1990er Jahren von Privatpersonen und kirchlichen Vereinen gestiftet. Hervorzuheben sind eine lebensgroße Sternmantelmadonna aus Verona und eine größere Petrus-Darstellung aus Oberammergau.
Im Wandsockel der Franziskus-Darstellung findet sich neben einer Stiftungsurkunde ein Lederbeutel mit Erde aus Assisi.
Pietà Die Pietà-Darstellung ist eine neuzeitliche Nachahmung im Charakter der „Schönen Vesperbilder“: Maria ist mädchenhaft jung und blickt in inniger Liebe mit verhaltener Trauer auf ihren Sohn, der mit weitgehend unverletztem Leib auch im Tod noch als „der schönste aller Menschenkinder“ gezeigt wird. Als Vorlage diente vermutlich ein zwischen 1390 und 1400 in Prag entstandenes Vesperbild aus Kalkstein, das sich heute im Bayerischen Nationalmuseum findet.
Eine fast identische Pietà-Darstellung findet sich in der Dreifaltigkeitskirche in Kühlungsborn. Beichtstuhl Anfang 1882 lieferte die in Emmerich ansässige Firma Gebrüder Endlich zwei baugleiche eichenhölzerne Beichtstühle. Während einer dieser beiden Beichtstühle heute noch erhalten ist, wurde der andere am 16. Dezember 1943 infolge der Flugzeug-Kollision durch die herabfallenden Steinmassen zerstört.
Für die Herstellung des neuen Ambos wurden dem noch erhaltenen Beichtstuhl 1983 zwei durchbrochene florale Schnitzereien entnommen und durch passende Faltwerkfüllungen ersetzt.
Gestühl 1972 wurde das Gestühl im Mittelschiff erneuert. Unter Beibehaltung der früheren eichenhölzernen Seitenwangen im Zopfstil aus der Zeit um 1850 wurden die Bänke um neue Sitzflächen und Lehnen ergänzt.
Die eichenhölzernen Seitenwangen des Gestühls in den beiden Seitenschiffen wurden Anfang 1971 von der Pfarrgemeinde St. Walburgis Menzelen abgekauft und 1972 ebenfalls um neue Sitzflächen und Lehnen ergänzt.
Im südlichen Seitenschiff findet sich mit einer spätgotischen Bankwange aus dem Ende des 15. Jahrhunderts ein Überrest eines früheren Chorgestühls der Wettener Kirche. Das passende Gegenstück ist in den Wirren des Zweiten Weltkriegs verlorengegangen.
Kreuzweg In Vorbereitung auf das goldene Weihejubiläum von Pfarrer i. R. Ernst Antonetty am 28. Mai 1954 wurde seitens der Pfarrei ein Fonds zur Beschaffung eines neuen Kreuzwegs angelegt. Zwei Jahre später – im Jahr 1956 – konnte der Kreuzweg bei dem Issumer Kunstmaler Reinhard Maria Bongartz in Auftrag gegeben und nach Fertigstellung von einem Franziskaner-Pater benediziert werden.
Der Kreuzweg setzt sich aus 14 Betonplatten zusammen, die jeweils mit einem Sgraffito gestaltet sind. Die letzte Station zeigt in der rechten unteren Ecke die Datierung „1956“ und die Signatur des Künstlers „RMB“.
Auswärtige Ausstattungsstücke Ein Teil der früheren Ausstattung gelangte im Lauf der Zeit in andere Kirchen und in Museen. So zum Beispiel das Fragment eines von Derick Baegert um 1500 gemalten Altarretabels, das 1917/18 an das Kaiser-Wilhelm-Museum in Krefeld verkauft wurde, oder das 1874 von dem Straelener Zimmermeister J. H. H. Janßen gefertigte Chorgestühl, das sich seit 1976 als Dauerleihgabe in der Kevelaerer Sakramentskapelle findet. Die aufwendig gearbeitete Sakristeiglocke, ein Werk des Kevelaerer Kunstschmieds Johann Leo aus dem Jahr 1883, gelangte 1976 in die Kevelaerer Marienbasilika und eine 1876 für die Wettener Kirche angeschaffte Pietà aus Steinmasse 1929 in die Aloysius-Kapelle in Bergerfurth. Letztere findet sich heute in einer offenen Kapelle neben dem dortigen Kirchenneubau.