mini|Fotografie von Emil Gustav Hirsch (1899) rahmenlos|zentriert|klasse=notpageimage skin-invert-image|hochkant=0.9|Unterschrift Emil Gustav Hirsch (1851–1923) Emil Gustav Hirsch ( geboren 22. Mai 1851 in Luxemburg, Großherzogtum Luxemburg; gestorben 7. Januar 1923 in Louisville) war ein luxemburgisch-US-amerikanischer Reformrabbiner, Professor für Rabbinische Literatur, Philosophie und semitische Sprachen in Chicago, Herausgeber, Publizist, Schriftsteller, Enzyklopädist und im Jahr 1909 Gründungsmitglied der Nationalen Vereinigung für die Förderung schwarzer Menschen (NAACP). Emil Gustav Hirsch in seiner Funktion als Rabbiner, Dozent und Publizist galt als einer der einflussreichen Vertreter des progressiven Denkens im Liberalen Judentum.

Leben Emil Gustav Hirsch wurde am 22. Mai 1851 in Luxemburg-Stadt als Sohn des Rabbiners und Philosophen Samuel Hirsch und seiner Ehefrau Louise Hirsch geborene Micholls (1823–1893) geboren.

Ausbildung Emil Gustav Hirsch erhielt seine frühe schulische Ausbildung in Luxemburg und als sein Vater im Jahr 1866 zum Rabbiner der Reformgemeinde Keneseth Israel in Philadelphia berufen wurde, begleitete ihn der fünfzehnjährige Emil in die Vereinigten Staaten und setzte seine Schulausbildung an der Episcopal Academy in Philadelphia fort. Für ihn gab es keine Sprachbarrieren da Frankreich, Deutschland und Belgien angrenzten und es die Möglichkeit gab, mühelos drei Sprachen zu erlernen. Er erlangte jene sprachliche Perfektion, die es ihm in späteren Jahren ermöglichte, sich mit dem Wissen der alten als auch moderneren Literatur vieler Völker, zu befassen.

Studienzeit Sein Studium schloss Emil Gustav Hirsch im Jahr 1872 an der Universität von Pennsylvania ab. Im selben Jahr ging er nach Deutschland und studierte an der Humboldt-Universität zu Berlin von 1872 bis 1876 und in der Universität Leipzig Philosophie und Theologie, seine Promotion erhielt er als Fünfundzwanzigjähriger im Jahr 1876. Des Weiteren besuchte er die Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, wo er gemeinsam mit Felix Adler unter der Leitung des großen Vertreters des Reformjudentums Abraham Geiger studierte. Geiger der preußische Rabbiner war einer der frühen Pioniere der jüdischen Reform, er glaubte, dass Religion, um lebenswichtig zu sein, an die Bedürfnisse der Zeit angepasst und ihrer historischen Stellung entsprechend angepasst werden müsse. Abraham Geiger legte Wert darauf, seinen Schülern eine furchtlose Unabhängigkeit im religiösen Denken zu vermitteln.

Rabbiner in Chicago Nach seiner Rückkehr nach Amerika heiratete er am 16. Juni 1878 Mathilda Einhorn die Tochter von Rabbiner David Einhorn in Louisville, Kentucky. Erich Gustav Hirsch war von 1877 bis 1878 Rabbiner der Har-Sinai-Gemeinde in Baltimore, in Louisville, Kentucky von 1878 bis 1880 und in Chicago von 1880 bis 1923 zweiundvierzig Jahre lang Rabbiner der Chicago Sinai Congregation, einer der ältesten Synagogen im Mittleren Westen. In dieser Position wurde er über sein Engagement für soziale Gerechtigkeit bekannt. Emil Gustav Hirschs bewegenden Predigten von der Kanzel des Chicago Sinai, prangerten die sozialen Missstände seiner Zeit vehement an und zogen vielen Juden, Nichtjuden und Chicagoer in ihren Bann. Anmerkung: Bernhard Martin vom American Jewish Archives gibt dazu im Jahr 1954 einen Beitrag unter dem Titel The Social Philosophy of Emil G. Hirsch heraus, der einen umfassenden Einblick in Emil Gustav Hirschs Sozialphilosophie gibt. Der Text ist in der englischen Originalversion belassen.

Im Jahr 1892 wurde Emil Gustav Hirsch zum Professor für rabbinische Literatur und Philosophie an der Universität Chicago ernannt und war von 1885 bis 1897 Mitglied des Vorstands der Öffentlichen Bibliothek von Chicago (Chicago Public Library). Politisch engagierte sich Emil Gustav Hirsch als Mitglied der Republikanischen Partei und gehörte im Jahr 1896 zu den Präsidentschaftswahlmännern für den Bundesstaat Illinois.

Weltparlament der Religionen Auf der Weltausstellung in Chicago (1. Mai bis 31. Oktober) fand am 11. September 1893 ein Novum statt, ein Weltparlament der Religionen (The World’s Parliament of Religion) auf der Emil Gustav Hirsch, beim Abschluss das Vaterunser (The Lord's Prayer) zelebrieren durfte. Die Organisatoren hatten es geschafft, führende Köpfe der historischen Religionen zusammen zubringen.

1897 Erste Rabbinerin mini|Die erste Rabbinerin (The First Woman Rabbi) (1897) Im Jahr 1897 wurde die Sozialreformerin und Gründerin der ersten nationalen Vereinigung jüdischer Frauen (National Council of Jewish Women) Hannah Greenebaum Solomon in Chicagos Presse als Amerikas erste Rabbinerin gepriesen. Hannah Salomon berichtete später, dass die Einladung zum Sprechen von Rabbiner Emil Gustav Hirsch ausgesprochen wurde und dass Hirschs Praxis, jüdischen Frauen das Sprechen von der Kanzel aus zu erlauben, später von anderen Gemeinden übernommen wurde.

Mitglied und Gründermitglied (Auswahl) Emil Gustav Hirsch war maßgeblich an der Gründung der Jüdischen Handwerksschule (Jewish Manual Training-School) in Chicago sowie an der Organisation der Assoziierten jüdischen Wohltätigkeitsorganisation (Associated Jewish Charities), der Bürgervereinigung (Civic Federation) und anderer öffentlicher Bewegungen beteiligt. Zeitweise war Emil Gustav Hirsch Kaplan der Illinois Marinemiliz (Naval Militia) und Mitglied des staatlichen Wohltätigkeitsausschusses und fungierte als Vorsitzender des Prüfungsausschusses der Kommission für den öffentlichen Dienst (Civil Service Commission) in Chicago.

1902 als Turnbull Dozent Im Jahr 1902 dozierte Emil Gustav Hirsch als Turnbull Dozent an der Johns Hopkins University in Baltimore mit dem Fach „Jüdische Poesie“. Das Ehepaar Lawrenze Turnbull aus Baltimore hatte im Jahr 1898 zum Andenken an ihren frühverstorbenen Sohn Percy Graham Turnbull einen Fonds für die Johns Hopkins University gestiftet. Mit den Mitteln des Fonds wurden Kurse für Vorlesungen finanziert und die erste Vorlesung hielt im Jahr 1891 der US-amerikanische Dichter, Kritiker, Essayist, Bankier und Wissenschaftler Edmund Clarence Stedmann (1833–1908) über Wesen und Grundlage der Poesie. Die Universität hatte eine Dozentur für das Fach Poesie eingerichtet und die Hochschullehrer, Wissenschaftler und Professoren nannte man Percy Turnbull Dozenten oder kurz Turnbull Dozent.

Zeitschriften Herausgeber mini|Titelblatt The American Jewess Emil Gustav Hirsch gab die Zeitschriften Der Zeitgeist in Milwaukee von 1880 bis 1882 und den Reform Advocate von 1891 bis 1923 heraus. Ebenso gab er die Bibelabteilung der Jewish Encyclopedia heraus und verfasste feministische Artikel für das The American Jewess Magazin von 1895 bis 1899, der ersten englischsprachigen Zeitschrift, die sich an amerikanisch-jüdische Frauen richtete.

Emil Gustav Hirsch verfasste zudem Studien über die historische Beziehung zwischen Judentum und Christentum, darunter Würdigungen ihrer Gründerfiguren Jesus und Paulus. Darüber hinaus veröffentlichte er zahlreiche Artikel für den Reform Advocate, der wöchentlich erscheinenden Zeitschrift, die er dreißig Jahre lang herausgab. Des Weiteren gab er die Zeitschrift The American Journal of Simitic languages and literatures (contenuing Hebraica) gemeinsam mit William Rainey Harper, Ira Maurice Price, James Richard Jewett und James H. Breasted heraus.

Der große Traum mini|Chicago Sinai Congregation (1912) mit Sozialzentrum Mit dem Bau des neuen Sinai-Tempels im Jahr 1910 mit integriertem Sozialzentrum, machte die Verwirklichung einer der größten Träume von Emil Gustav Hirsch möglich. Er wollte mit diesem Zentrum zeigen, wie die Religion mit dem Leben selbst in seiner Kraft und mit seinen Möglichkeiten gleichgesetzt werden kann. Einem Zentrum nicht nur für moralische und pädagogische Entwicklung, sondern es wurde auch zu einem Ort des Ausdrucks, an dem das Streben der Gemeinschaft nach einem höheren Leben zum Ausdruck kommen konnte. Das Zentrum blieb diesem Ideal treu und sein Einfluss strahlte weit über die Grenzen Chicagos hinaus.

Emil Gustav Hirsch verstarb am 7. Januar 1923 in seiner Wahlheimat Louisville, Kentucky.

Vermächtnis Emil Gustav Hirsch hinterlässt ein wertvolles Erbe als renommierter Prediger des amerikanischen Judentums. Zahlreiche wissenschaftliche Artikel in der Jewish Encyclopedia schrieb er. Sein soziales und philanthropisches Engagement leisteten einen unschätzbaren Beitrag. Er veröffentlichte verschiedene Monografien zu theologischen, biblischen und soziologischen Themen.

Aufgrund der großen Bedeutung, die Erich Gustav Hirsch der Bildung beimaß, riet er dem wohlhabenden Gemeindemitglied Julius Rosenwald der Firma Sears, Roebuck & Co, einen Teil seines Vermögens für den Bau öffentlicher Schulen für schwarze Schüler im unterentwickelte Süden zu verwenden. Diese Einrichtungen waren dort durchweg unterfinanziert. Das ländliche Schulbauprogramm, das auf der Verwendung von Zuschüssen der örtlichen Gemeinden angewiesen war, konnte nun mit Mittel aus dem Rosenwald Fonds aufstocken werden. Es war jetzt möglich auch Schulen mit Mitteln der Stiftung zu gegründet, ergänzt durch Spenden lokaler Stiftungen. Durch die Rosenwald-Stiftung wurden noch weitere Programme finanziert.

Familie Brüder: Edward T. Hirsch (geboren 1849; gestorben 5. April 1911) Henry Hirsch (geboren 1845; gestorben 7. November 1901) Jonas A Hirsch (geboren 11. April 1847; gestorben 8. November 1914) Hirsch war mit Matilda Einhorn, einer Tochter von David Einhorn, verheiratet, mit der er mehrere Kinder hatte:

Töchter: Dora Hirsch (1880–1955) Beatrice Hirsch Kirchheimer (geboren 20. Dezember 1881; gestorben 6. Dezember 1960) Elsa Hirsch Levi (1885–1979) Söhne: David Einhorn (unbekannt) Samuel Einhorn (unbekannt) Emil Gustav Hirsch war der Großvater mütterlicherseits von US-Justizminister Edward Hirsch Levi.

Nachsatz Nachsatz von S. D. Schwartz (Übersetzung) Es war notwendig, den Juden die Bedeutung ihrer Freiheit in der neuen Welt bewusst zu machen, damit die kriecherische Lebenseinstellung, die aus dem Elend des Ghettos geboren wurde, überwunden werden konnte. Diese Herausforderung wurde von Emil G. Hirsch, in 45 Jahren mutiger und kompromissloser Arbeit gemeistert. Wenn die Juden heute stolz darauf sind, die amerikanische Staatsbürgerschaft, das Land ihrer Liebe, zu besitzen, dann ist dies in nicht geringem Maße dem unvergleichlichen Anführer und Lehrer des Sinai, Emil G. Hirsch, zu verdanken. Postscript of S. D. Schwartz It was necessary to bring to the Jew a consciousness of the significance of his new-world freedom so that the cringing attitude towards life, born of Ghetto misery, might be un done. This challenge was fully met by Emil G. Hirsch, during forty-five years of courageous and uncompromising labor, and if today the Jew has the pride of sharing in the citizenship of America, the land of his love, then in no small measure must this be credited to Sinai's peerless leader and teacher, Emil G. Hirsch.

Publikationen (Auswahl)

Theology of Emil G. Hirsch mit David Einhorn Hirsch 1977 My religion New York, 1925, 1973 My Religion, and The Crucifixion Viewed from a Jewish Standpoint 1973, Verlag Arno Press ISBN 978-0-405-05271-2

Beiträge für die Jüdische Enzyklopädie (Auswahl)

Literatur Brinkmann, Tobias (2012). Sundays at Sinai: A Jewish Congregation in Chicago. Chicago: University of Chicago Press. ISBN 978-0-226-07454-2 Langton, Daniel (2010). Der Apostel Paulus in der jüdischen Vorstellungskraft. Cambridge University Press. S. 98–102

Ehrungen mini|Emil G. Hirsch Metropolitan High School of Communications Ehrenpräsident des von der Freien Synagoge von New York gegründeten Instituts für Religion Verleihung des Doktortitels der Theologie vom Hebrew Union College für eine Reihe von Vorlesungen über die „Historische Entwicklung der jüdischen Theologie“ und Wahl in den Verwaltungsrat des Colleges.