mini|hochkant=1.4|Ladenlokal im Luitpoldblock, rechts neben Café Luitpold (vor 1914)

Die Firma Bernhard Bauch, gegründet durch den Kürschner Bernhard Bauch, war ein renommiertes Pelzgeschäft in München.

Firmengeschichte Im Jahr 1876 gründete Bernhard Bauch in München, Schäfflergasse 3–4, eine Kürschnerei mit Pelzverkauf. Zwei Jahre später empfahl er sich in einem Inserat „einem hohen Adel und verehrlichen Publikum, sowie Freunden und Bekannten“ sein „Pelzwaaren-Geschäft“, „namentlich mein wohlassortirtes Lager Pelzwaaren nach neuestem Geschmack und Muster, bei solider Bedienung und billigen Preise. Reparaturen werden schnell und billigst ausgeführt!“Pelzwaaren-Geschäft Bernhard Bauch, München. (Inserat 1878). In der ersten Etage befand sich eine Ausstellung der Pelzwaren.Bernhard Bauch, Kürschner, kgl. bayer. Hoflieferant, Ausstellung im 1. Stock (Inserat 1897).

Der Fränkischen Tagespost vom Dezember 1878 ist zu entnehmen, dass Bernhard Bauch – in Regensburg – im Stil eines Räumungsverkaufs „wieder“ eine „große Pelzwaren-Versteigerung“ abhielt: „Um bis auf's letzte Stück zu räumen, wird um jedes Angebot abgegeben“.Bernhard Bauch, München, Pelzwaarenversteigerung im Gasthof zum „Nürnbergerhof“. Inserat Regensburger Tagblatt, 6. Dezember 1878.

Für Künstler bot er 1894 im Katalog zu deren Münchener Jahresausstellung im Glaspalast Dekorationsfelle an, sowie Tierfelle aller Art, mit und ohne naturalisierten Köpfen: Königstiger, Leoparden bzw. Panther, Jaguare, Irbisse, Eisbären, schwarze und braune Bären, Wölfe, Füchse, Gämsen u. s. w.Bernhard Bauch, Kürschner, Spezialität in Sealskin-Confektion Inserat im Katalog zur Münchener Jahresausstellung im Glaspalast von 1894. Im Jahr 1897 zeigte ein Inserat in einer Jagdzeitung, dass Bernhard Bauch durch direkten Einkauf an der Quelle bestrebt war günstig einheimische Felle zu erwerben.Inserat Bayerische Forst- u. Jagd-Zeitung, 26. März 1897 S. 8. Eine Werbekarte aus demselben Jahr wies das „Specialgeschäft für fertige Pelzwaaren“ inzwischen als Königlich Bayerischen Hoflieferanten aus.Werbepostkarte Bernhard Bauch In der örtlichen Wahrnehmung eine Kürschnerwerkstatt mit Detailgeschäft, besagte die Aufschrift eines Muffkartons (um 1900 oder früher), dass neben dem Handel mit Pelzkonfektion eine Rauchwarenhandlung, also der Großhandel mit Pelzfellen, betrieben wurde.Muffkarton Pelzwaaren-Confection und Rauchwaaren-Handlung, en gros, en detail. Anmerkung: Die Sprachreform mit der Änderung von „Rauchwaaren“ zu „Rauchwaren“ erfolgte 1901.

Im Oktober 1908 berichteten die Münchner Neuesten Nachrichten von einer Gemeinschaftsausstellung der „Freien Vereinigung der Kürschnermeister“:

Die Witwe und Firmenteilhaberin Karolina Bauch beantragte 1913, den Hoflieferantentitel weiterführen zu dürfen: Seit 1876 war sie zuvor schon im Geschäft ihres Mannes tätig gewesen. Zu ihren Kunden gehörten „Allerhöchste Herrschaften“, so die bayerischen Prinzen Ludwig, Leopold, Konrad und Georg, Prinz Friedrich von Preußen, die Kronprinzessin von Rumänien, die Großherzogin von Sachsen-Coburg-Gotha und die Großfürstin Cyrill von Russland.Marita Krauss: Die Hoflieferantinnen. Abgerufen am 15. Oktober 2025

Noch 1922 bot die „Abteilung Rauchwaren“ als Großhandel in einer Pelzfachzeitschrift „sämtliche Fellarten in Kürschnersortimenten“ an, die „Abteilung Pelzkonfektion Mäntel, Kragen, Muffen, Sport-Joppen, Gehpelze“. In Berlin unterhielt man ein Lager bei der Rauchwarenhandlung Arthur Hermsdorf.Bernhard Bauch, München. Inserat vom 9. April 1922, in der Tageszeitung von: Der Rauchwarenmarkt, Berlin, 1922, Seite 7. Warb Bernhard Bauch seit der Geschäftseröffnung mit dem Zusatz „Kürschner“, so zeigte das Ladenschild auf einem Foto aus dem Jahr 1928 jetzt „A. Bauch — Pelze“, darunter „Regen- und Lederbekleidung“.Chronik des Luitpoldblocks. https://www.luitpoldblock.de/, abgerufen am 16. Oktober 2025.

Als nach dem Zweiten Weltkrieg (1938–1945) der Leistungswettbewerb des Kürschnerhandwerks wieder aufgenommen wurde, beteiligte sich auch das Unternehmen erfolgreich.Pelzmodenschau des deutschen Kürschnerhandwerks, 2. April 1951, 19 Uhr. Liste der Ausgezeichneten.

Die Firmenadressen waren: Schäfflergasse 3–5 (um 1878, 1930) Sendlinger Straße 85 (um 1900), Brienner Straße 6, Luitpoldblock (um 1917, 1930)Pelzwaren. Spezialhaus I. Ranges. Inserat, 1917. Kaufingerstraße 25 (um 1930) Briefumschlag Bernhard Bauch, Poststempel 4. Oktober 1930. „Nur Maffeistraße 6“ (um 1937)Berhard Bauch, Konservierunsschein, 21. Mai 1937. Maximilianstraße 10 (bis zur Betriebsaufgabe, etwa 1988)Winckelmann. Fachadressbuch der Rauchwaren u. Pelzwirtschaft und des Kürschnerhandwerks Deutschland, 96. Ausgabe, 1988, Winckelmann Verlag Frankfurt am Main, S. 202, sowie Ausgabe 1989.

Die Firma Alfred Bauch, Maximilianstraße 10, ist 1988 letztmalig im Fachverzeichnis der Pelzbranche eingetragen. Die Inhaber waren, in zeitlicher Abfolge, Bernhard Bauch, Karolina Bauch(?), Emil Bauch, Eugen Bauch.Bauch, Emil, Inh. Eugen Bauch, Sendlingerstr. 85. In: Mitglieder-Verzeichnis des Reichsbundes der deutschen Kürschner e. V. 1928. Verlag Arthur Heber & Co., Leipzig, S. 41.

Erster Nerzmantel aus deutscher Zucht mini|hochkant|„Der erste wirklich in Deutschland produzierte Nerzmantel der Nerzfarm Forstenried-München.“ Die Nerzfarm in Forstenried, zu ihrer Zeit eine der größten Deutschlands, hatte 1931 so viele Tiere in ihrem Bestand, dass man dort 112 Nerze für einen Damenmantel auswählen konnte. Mit der Verarbeitung der fertig zugerichteten Felle wurde die Firma Bernhard Bauch beauftragt. Von diesen Fellen wurden 105 Stück verwendet. Der Mantel, „der ein sehr schönes Stück darstellt“, wurde zusammen mit einigen lebenden Nerzen der Farm Forstenried einige Zeit im Schaufenster ausgestellt. In einer Fachpublikation für Pelztierzüchter hieß es: „Das Schaufenster war dauernd umdrängt und man konnte feststellen, wie diese drastische und beweiskräftige Gegenüberstellung des lebenden Tieres und des Endproduktes der Farmzucht lebhaftes Interesse unter Personen, welche sonst kaum etwas von Pelztierzucht gehört hatten, hervorrief.“

Der erstmals aus deutschen Zuchtnerzen gearbeitete Mantel wurde nach Paris verkauft. Besonders wurde darauf hingewiesen, dass es möglich ist, aus einer relativ kleinen Zahl von Tieren ein Kürschnersortiment zusammenzustellen. Das sei ein „sonst im Nerzfellhandel Unerhörtes“. Dies würde beweisen, „dass die Panikgerüchte, Nerzfelle seien nur in Tausenden zu verwerten, nicht auf Richtigkeit beruhen“.Ohne Verfasser: Der erste gezüchtete Nerzmantel in Europa – aus einer deutschen Farm. In: Der deutsche Pelztierzüchter. Nr. 5, München 1931, S. 128.

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