Oceanotoga teriensis ist eine Bakterienart. Sie verträgt relativ hohe Temperatur- und Salzkonzentrationen, Wachstum findet bei Temperaturen bis ca. 40 °C und einer Salzkonzentration von bis zu 12 % statt. Die Art wurde häufig in Öllagerstätten gefunden. Sie kann verschiedene Kohlenhydrate zu organischen Säuren fermentieren, die als Kohlenstoffquelle für andere Bakterien dienen können. Die Art kann Schwierigkeiten bei der Ölförderung und Ölverarbeitung hervorrufen, da sie den mikrobiologisch Korrosionsprozess beschleunigen kann. Darüber hinaus nutzt Oceanotoga teriensis im Stoffwechsel die Reduktion von Thiosulfat und elementaren Schwefel zu Schwefelwasserstoff (H2S). Dies kann Stahlkorrosionsprozess erheblich verstärkt und somit Lagerung und Transport von Öl erschweren.
Merkmale Die Zellen von Oceanotoga teriensis sind stäbchenförmig mit einer Länge von 2–3 Mikrometern. Während der stationären Wachstumsphase werden rundliche Zellen gebildet. Sie treten einzeln, paarweise oder in kurzen Ketten auf. Sie sind beweglich und besitzen mehrere Flagellen. Die Zellen besitzen eine hüllenartige Außenstruktur, die sogenannte Toga. Es handelt sich um von Proteinhüllen gebildete, blasenförmige Ausstülpungen an den beiden Enden der Zelle. Diese Struktur war namensgebend für die Abteilung Thermotogota, zu der Oceanotoga teriensis zählt. Die Toga entspricht der äußeren Zellmembran von gramnegativen Bakterien, zwischen der Toga und der inneren Membran befindet sich das Periplasma.
Stoffwechsel und Wachstum Der Stoffwechsel von Oceanotoga teriensis ist heterotroph, sie benötigen organische Stoffe für das Wachstum. Oceanotoga spp. fermentiert verschiedene Kohlenhydrate oder proteinhaltiger Verbindungen. mini|150px|Thiosulfat-Anion Es kann zusätzlich Thiosulfat und Schwefel zu Schwefelwasserstoff reduzieren.
Oceanotoga teriensis wächst verträgt einen großen pH-Bereich (5,5–9,0), optimales Wachstum erfolgt bei neutralem pH-Wert (7,3–7,8). Es ist salztoleranter (halophil) als die meisten anderen Arten der Abteilung Thermotogota und verträgt Salzgehalte von 0 bis 12 % NaCl mit einem Optimum von 4,0–4,5 %.
Ob der Stamm Oceanotoga teriensis OCT74T, wie andere Arten der Familie Petrotogaceae, hohe Temperaturen tolerieren kann, also als thermophil bezeichnet werden kann, ist noch unklar (Stand Oktober 2025). Die optimale Temperatur des Stammes Oceanotoga teriensis OCT74T wurde bei der Erstbeschreibung als 55–58 °C angegeben. Der in den Kultursammlungen (DSM, JCM und LMG) hinterlegte Stamm OCT74T kann allerdings bei 55 °C nicht wachsen. Die Wachstumstemperatur liegt hier bei 40 °C. Somit ist die Art nicht thermophil. Andere bekannte Stämme von Oceanotoga teriensis (UFV_LIMV02 und T3B) wachsen bei 30 bzw. 37 °C und gelten somit als mesophil.
Systematik mini|150px|Taxonomie von Oceanotoga teriensis Oceanotoga teriensis wurde im Jahr 2001 beschrieben. Die Art zählt aktuell (Oktober 2025) zu der Familie Petrotogaceae.LPSN Neben Oceanotoga zählen noch die Gattungen Defluviitoga, Geotoga, Marinitoga, Petrotoga und Tepiditoga zu der Familie. Untersuchungen ergaben, das zwei Isolate und zwei Umweltsequenzen wahrscheinlich fälschlicherweise als „Geotoga aestuarianus“ bzw. Geotoga sp. klassifiziert wurden und wahrscheinlich zu der Gattung Oceanotoga zählen. Auch für „Pseudodesulfovibrio aespoeensis“ BPX-6 (MG696671) wird vorgeschlagen, sie als zur Gattung Oceanotoga gehörend zu betrachten.
Die Familie Petrotogaceae zählt zu der Ordnung Petrotogales der Klasse Thermotogae innerhalb des Phylums Thermotogota. Die Familie wurde im Jahr 2014 eingeführt. In der Klasse Thermotogae sind vier Ordnungen enthalten: Kosmotogales, Mesoaciditogales, Petrotogales und die Thermotogales.LPSN Die Thermotogae werden phylogenetisch als ein sehr alter Zweig der Bakterien angesehen.
Ökologie Oceanotoga teriensis wurde in verschiedenen Umgebungen gefunden, beispielsweise in Ölbehältern, Schlammproben aus anaeroben Reaktoren, die in der Abwasserbehandlung eingesetzt werden, in Deponieböden, in Biogasanlagenreaktoren und im Meerwasser.
Es wurde das vollständige Genom von dem Stamm UFV_LIMV02 sequenziert und es wurden Resistenzen gegen Schwermetalle und Antibiotika nachgewiesen. So wurde Resistenzen gegen β-Lactam-Antibiotika, Aminoglykosid-Antibiotika, Lincosamide (Clindamycin), Fluoroquinolone (Ciprofloxacin), Sulfonamide (Sulfamethoxazol/Trimethoprim) und Rifampicin beobachtet. Nur sechs Antibiotika zeigten Wirkung: Amphenicol (Chloramphenicol), Tetracycline, Macrolide (Azithromycin und Erythromycin), Glycopeptide (Vancomycin) und Oxazolidinones (Linezolid).
Oceanotoga teriensis kann die Korrosion in metallischen Strukturen, wie Tanks, erheblich beschleunigen. Es reduziert, wie auch Arten der verwandten Gattung Geotoga, Thiosulfat und elementaren Schwefel zu Sulfid (s.h. Kapitel Stoffwechsel und Wachstum). Das Vorhandensein dieser Stoffwechselaktivität unter anoxischen Bedingungen kann in Lagertanks für Dieselkraftstoff zur Produktion von Schwefelwasserstoff führen. Dies beeinflusst die Qualität des gelagerten Diesel und kann zu Verschleiß und Korrosion beitragen. Dies kann zu wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Ölindustrie führen.
Einzelnachweise James W. Brown: Principles of Microbial Diversity. Wiley, 2014. ISBN 978-1-55581-442-7
James W. Brown: Principles of Microbial Diversity. Wiley, 2014. ISBN 978-1-55581-442-7 Olga Zhaxybayeva, Anne A. Farrell, Camilla L. Nesbø und Stéphane L'Haridon: Oceanotoga (2025) Stéphane L'Haridon, Camilla L. Nesbø, Anne A. Farrell und Olga Zhaxybayeva: Petrotoga (2025) In:
Genutzte Literatur
Weblinks LPSN NCBI
Bacteria Kategorie:Bacteria