Die Nossa Senhora da Vitória () war ein 1735 gebautes 74-Kanonen-Linienschiff der portugiesischen Marine. Sie nahm unter anderem 1736 am Spanisch-Portugiesischen Krieg teil und strandete 1746 an der Küste von Réunion.

Geschichte Bau Erbaut wurde das Schiff dritten Ranges in Lissabon auf der Werft Ribeira das Naus – bekannter unter der späteren Bezeichnung Arsenal de Marinha –, die zuvor in ihrer Zeit bekannte Schiffe abgeliefert hatte wie Flor de la Mar, die São Gabriel und nach 1700 die Nossa Senhora da Conceição oder die Nossa Senhora da Assunção.Pereira: História da Marinha Portuguesa: Navios. Marinheiros e Arte de Navegar 1669–1823., S. 46 Dort erfolgte am 19. August 1735 der Stapellauf.Esparteiro: Catálogo Dos Navios Brigantinos (1640–1910), S. 19Pereira: Grandes Naufrágios Portugueses 1194–1991. Acidentes maritimos que marcaram a História de Portugal., S. 235

Im Spanisch-Portugiesischen Krieg 1736 Während des Spanisch-Portugiesischen Krieges wurde die Nossa Senhora da Vitória im März 1736 als Flaggschiff unter dem Kommando von Luís de Abreu Prego Monteiro nach Brasilien entsandt, um Montevideo zurückzuerobern. Sie segelte zusammen mit den Linienschiffen Nossa Senhora da Conceição (Bj. 1733, 74 Kanonen) und Nossa Senhora da Lampadosa (1727, 64 Kanonen). Weitere portugiesische Linienschiffe folgten und die insgesamt sieben Linienschiffe bildete die größte Streitmacht, die während der Regierungszeit von König João V. aufgestellt wurde.Monteiro: Portuguese Sea Battles – Volume VII. In the shade of England 1669–1807, Position 3675ff.Salgado: História da Marinha Portuguesa: Viagens e operações navais (1668–1823), S. 119

Die den spanischen Schiffen überlegenen portugiesischen Schiffe kamen in mehrere Gefechte mit den Spaniern. Die Nossa Senhora da Vitória traf am 16. August vor der Ostküste Uruguays auf die kurz zuvor aus Cádiz eingetroffenen spanischen Schiffe Hermiona (1733, 50 Kanonen) und San Esteban (1727, 50 Kanonen). Nach mehreren Stunden Kampf setzten sich die spanischen Schiffe in der Nacht ab. Am 26. August unterstützte sie das Linienschiff Nossa Senhora da Lampadosa und das Handelsschiff Corta Nabos im Kampf gegen dieselben beiden spanischen Schiffe. Nach ihrem Eintreffen zogen sich die Spanier zurück. Bis zu Ende des Konfliktes nahm die Nossa Senhora da Vitória an weiteren Unterstützungsaktionen teil und kehrte anschließend nach Portugal zurück.Salgado: História da Marinha Portuguesa: Viagens e operações navais (1668–1823), S. 120

Einsatz in Indien ab 1739 Ende 1738 begann in Portugiesisch-Indien ein Krieg der Marathen gegen die Kolonialmacht. Die Seewege und die Marine spielten dabei eine untergeordnete Rolle, bei der aber die gerade aus Portugal angekommene Nossa Senhora da Vitória entscheidend involviert war. Ab 8. Februar 1739 eskortierte das Linienschiff 47 kleinere Handelsschiffe an die Küste von Canará, um dort Reis für Goa zu laden. Auf der Rückreise übernahm die Nossa Senhora da Vitória den Reis und ließ die Handelsschiffe in Mangalore und Condapoor zurück. Auf dem weiteren Weg wurde sie am Morgen des 5. März von einer Flottille der Mahraten mit sieben Pals und zehn Galivats abgefangen, die das Linienschiff zu kapern beabsichtigten.

Das Verfolgungsgefecht dauert den ganzen Tag, bis sich die Mahraten bei Sonnenuntergang zurückzogen. Am Folgetag griffen die Boote die Nossa Senhora da Vitória von allen Seiten an, konnten sich jedoch nicht durchsetzen und zogen sich endgültig zurück. Der von der Nossa Senhora da Vitória nach Goa transportierte Reis führte zur Beendigung des Krieges. Da es nicht möglich war, Goa durch Aushungern zur Kapitulation zu zwingen, und man es nicht wagte, die Stadt zu stürmen, nahmen die Mahraten Friedensverhandlungen auf.Monteiro: Portuguese Sea Battles – Volume VII. In the shade of England 1669–1807, Position 3838–3921

Untergang Am 27. Januar 1746 verließ die Nossa Senhora da Vitória Goa unter dem Kommando von Kapitän Francisco Pinheiro dos Santos, um nach Portugal heimzukehren. Nach mehreren Tagen geriet das Schiff in einem Sturm, in dem es Fockmast, Großmast und das Ruder verlor. Das steuerlose Schiff schlug leck, die Besatzung warf Ladung und Kanonen über Bord und erreichte nach 31 Tagen am 25. März Réunion.

Dort geriet das Schiff am 5. April erneut in einen schweren Sturm, in dessen Folge das Schiff am nächsten Morgen strandete. Schiffe eines zuvor eingelaufenen französischen Geschwaders retteten die meisten Besatzungsmitglieder und brachten die Überlebenden nach Luanda.Pereira: Grandes Naufrágios Portugueses 1194–1991. Acidentes maritimos que marcaram a História de Portugal., S. 237

Technische Beschreibung Die Nossa Senhora da Vitória war als Batterieschiff mit zwei durchgehenden Geschützdecks konzipiert. Sie war ein Rahsegler mit drei Masten (Fockmast, Großmast und Kreuzmast). Der Rumpf schloss im Heckbereich mit einem Heckspiegel, in den Galerien integriert waren, die in die seitlich angebrachten Seitengalerien mündeten. Die Beplankung des Schiffes war kraweel ausgeführt, das heißt, die Kanten der Planken stießen stumpf aufeinander, so dass eine glatte Außenfläche entstand. Die Bewaffnung bestand aus 74 Kanonen.Nossa Senhora da Vitoria, bei threedecks.org

Besatzung Die Besatzung hatte eine Stärke von 530 Mann.

Literatur António Marques Esparteiro: Catálogo Dos Navios Brigantinos (1640–1910). Centro de Estudos de Marinha, Lissabon 1976 (Online-Version als PDF). José António Rodrigues Pereira: Grandes Naufrágios Portugueses 1194–1991. Acidentes maritimos que marcaram a História de Portugal. A Esfera dos Livros, Lissabon 2013, ISBN 978-989-626-447-5. José Manuel Malhão Pereira: História da Marinha Portuguesa: Navios. Marinheiros e Arte de Navegar 1669–1823. Academia de Marinha, Lissabon 2012, ISBN 978-972-781-112-0 (Online-Version als PDF). Saturnino Monteiro: Portuguese Sea Battles – Volume VII. In the shade of England 1669–1807. Lissabon 2012, E-Book, Kindle Edition. Augusto Alves Salgado: História da Marinha Portuguesa: Viagens e operações navais (1668–1823). Academia de Marinha, Lissabon 2022, ISBN 978-972-781-168-7 (Online-Version als PDF).

Weblinks Nossa Senhora da Vitoria, bei threedecks.org (englisch), abgerufen am 18. Oktober 2025 Santiago Gómez Cañas: Guerra con Portugal 1735–1737, bei todoababor.es (spanisch), abgerufen am 18. Oktober 2025

Einzelnachweise

Kategorie:Segelschiff (Portugal) Kategorie:Linienschiff (Portugal) Kategorie:Fregatte (Takelung) Kategorie:Marienverehrung Kategorie:Schiffsverlust 1746 Kategorie:Schiffsverlust durch Strandung