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Die Lukaskirche in Haifa, Israel, ist die ältere der beiden Kirchen der anglikanischen Pfarre St John’s & St Luke’s parish. Die Kirche von 1899 reiht sich ein in eine bauliche Nachbarschaft eher niedrig gehaltener Gebäude, die von den vorstädtischen Anfängen des heute zentralen Viertels Wadi al-Nisnas zeugen. Ihre einfache, aber feine Gestaltung strahlt den Geist einer jungen Missionsgemeinde aus, die 1890 entstanden war. Mit lokalen Baumaterialien und neogotischen Stilelementen wie einem seitwärts gestellten Kirchturm schuf Gottlieb Schumacher eine Kirche mit Wiedererkennungswert in der levantinischen Hafenstadt. Die Pfarre gehört zur Evangelisch-Bischöflichen Kirche in Israel, einem Synodalverband im anglikanischen Bistum Jerusalem.
Namen Die Namen der Lukaskirche lauten auf , auf und auf . Gemäß europäisch-australischer Orthographie der Englischen Sprache folgt dem Kürzel St kein Punkt. Die arabische Namensvariante enthält den westsyrisch-aramäischen Titel ‹Mar› (Herr, Verehrter), was daher rührt, dass Reste der Traditionen der christlichen Aramäer, deren Arabisierung seit der Islamischen Eroberung der Levante voranschreitet, in der Orthodoxen Kirche überlebt, aus deren Mitte die anglikanische Mission ihre Proselyten gewann und einen Rest der Traditionen einschließlich der sprachlichen.
Lage Die Lukaskirche befindet sich in den Sderot haZijjonut 10-14 () am westlichen Rand des Viertels Wadi al-Nisnas an der Grenze zur benachbarten haMoschava haGermanit (ehemals Templerkolonie) beides Stadtteile, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als westliche Vorstädte der Altstadt Haifas entstanden, ersteres als vor allem von arabischen Christen bevorzugtes Wohngebiet. Über nichtjüdische arabische Israelis in Haifa waren als potentiell feindlich agierende Einwohner bis 1953 die mandatszeitliche Defence (Emergency) Regulations von 1945 als Notrecht verhängt. Im Rahmen dessen wurden im Juli 1948 – seit dem 15. Mai, dem Tag nach Gründung Israels, führten die arabischen Nachbarstaaten den Krieg um Israels Unabhängigkeit – in der Stadt verbliebene arabische Haifaner ins Wadi al-Nisnas umquartiert.
Das Kirchengebäude steht im Nordosteck eines weitläufigen Grundstücks der Pfarre, das im Süden bis an den Rechov Sent Luqas 4 () heranreicht. Nördlicher Nachbar in den Sderot haZijjonut ist das Pfadfinderheim der Homenetmen der armenisch-apostolischen Kirchgemeinde. Nordwestlich angrenzend steht die rum-orthodoxe Johanniskirche mit Gemeindezentrum nur 60 Meter von der Lukaskirche entfernt.ʿAmmiram Oren (), “” (9. November 2019), auf: עמירם במשעולי ישראל; abgerufen am 24. August 2025. Auf dem Gelände steht südlich benachbart zur Kirche das ehemalige St Luke’s Hospital, jetzt gemeindeeigene private Grundschule arabischer Unterrichtssprache.
Geschichte Die Kampagne der erneuerten Waterlookoalition aus Großbritannien und Irland, Österreich, Preußen und Russland beendeten die von 1831 bis 1841 währende ägyptische Besatzung der osmanischen Levante zwischen Erstem und Zweitem Ägyptisch-Osmanischen Krieg, bewog das Osmanische Reich dazu, seinen hilfreichen Verbündeten in einigen Fragen entgegenzukommen. So konnten protestantische Kirchen sich erstmals im Osmanischen Reich als solche präsentieren und betätigen, wobei deren Interesse mehr der Heimat Jesu galt, Judäa, woher auch andere Juden und einige Judenchristen und Christen im Kanon der biblisch relevanten Personen stammten.
Der glaubenstreue Protestant Friedrich Wilhelm IV. von Preußen hatte als Monarch seiner Mittelmacht die Britische Weltmacht gewonnen, das gemeinsame Bistum Jerusalem unter der Schirmherrschaft der Staatskirchen Kirche von England (führend) und Kirche von Preußen (sekundierend) zu gründen. Es ging darum die Landschaft des einstigen Judäa, das Land der Bibel, zu erkunden und so Gläubigen zugänglich zu machen (durch Pilgerhospize, Pilgerspitäler) und zugleich protestantische Konfessionen erstmals im Heiligen Land zu vertreten. Freilich ging das osmanische Entgegenkommen nicht so weit, eine protestantische Kirche als Religionsgemeinschaft mit Körperschaftsrechten im osmanischen Millet-System anzuerkennen.Seth Frantzman, Benjamin Glueckstadt und Ruth Kark, “The Anglican Church in Palestine and Israel: Colonialism, Arabization and Land ownership”, in: Middle Eastern Studies, Jg. 47 (2011), S. 101–126, hier S. 105. Auch die einheimischen katholischen Melkiten, die seit der Union mit Rom 1724 in der lateinischen Millet subsumiert wurden, erlangten erst 1848 osmanische Anerkennung als eigene Millet.
Außer den Protestantismus im fernen Heiligen Land zu repräsentieren, schloss das englisch-preußische Engagement auch ein, dass protestantische Missionare im Auftrag oder mit Billigung und Förderung des Bistums Einwohner des Landes zu Übertritt zum Protestantismus und Gründung eigener lokaler Kirchgemeinden gewannen. Dabei war Muslimen im Osmanischen Reich die freie Religionswahl gesetzlich verboten und ein Abfall vom Islam bestrafte die osmanische Justiz mit dem Tode. So galt die Mission jüdischen und nichtprotestantischen christlichen Untertanen des Sultans. Verschiedene Missionsgesellschaften (London Society for Promoting Christianity Amongst the Jews, LJS; etc.) stifteten so Kirchgemeinden (siehe auch Peter Martin Metzler) die sich in ihrem Kirchenverständnis schlecht einig wurden.
Dabei konkurrierten Strömungen unter den protestantischen Missionaren: (1) Die Judenmission (London Society for Promoting Christianity Amongst the Jews (LJS), Carmel Evangelical and Medical Mission etc.) eher freikirchlich-evangelischen Verständnisses des allgemeinen Priestertums, sowie drei Richtungen des Proselytismus unter levantinischen Christen anderer Konfessionen wie (2) die hochkirchlich-anglikanische Mission einer bischöflichen Hierarchie (Jerusalem and East Mission, J&EMJerusalems Bischof George Blyth (1832–1914) richtete diese Stiftung 1887 ein, die sowohl die Judenmission fortführen sollte, aber auch Christen anderer Konfessionen ansprechen sollte und anglophonen Anglikanern (Expats, dauerhaft in der Levante Niedergelassene) Dienste erweisen sollte. Missionszentren der JEM waren in Beirut, Jerusalem, Haifa, Kairo, Suez und in Britisch-Zypern (Famagusta und Nikosia). Vgl. Hermann Leberecht Strack, Yearbook of the Evangelical Missions among the Jews, Bd. I (1906), Leipzig: Hinrich’sche Buchhandlung, 1906, S. 97.), (3) die Mission auch im Sinne des Neuluthertums (Morgenländische Frauenmission, Jerusalemsverein) oder (4) Mission eher reformierten Verständnisses (Evangelische Karmelmission; London Missionary Society, LMS; Pilgermission, Basler Mission). Judenmission (1) und reformierte Mission (4) standen sich theologisch nahe, aber erstere kamen vor allem aus England, zweitere vor allem aus der Schweiz, Südwestdeutschland und Teilen Preußens. Vertreter der anglikanisches High Church Bewegung stützten kirchliche Hierarchie am stärksten, Lutheraner hatten hier eine Mittelposition, aber die „Differenzierung des englischen und des preußischen Ansatzes schritt fort“,Friedrich Heyer, 2000 Jahre Kirchengeschichte des Heiligen Landes: Märtyrer, Mönche, Kirchenväter, Kreuzfahrer, Patriarchen, Ausgräber und Pilger, (= Studien zur orientalischen Kirchengeschichte; Bd. 11), Münster: LIT 2000, S. 245. ISBN 978-3-8258-4955-9. bis die englisch-preußische Zusammenarbeit schließlich am 3. November 1886 endete.Seth Frantzman, Benjamin Glueckstadt und Ruth Kark, “The Anglican Church in Palestine and Israel: Colonialism, Arabization and Land ownership”, in: Middle Eastern Studies, Jg. 47 (2011), S. 101–126, hier Seite wie gesondert angegeben. Und während die durch Judenmission entstandenen Gemeinden den christlichen Antijudaismus meist überwanden, gelang dies den anderen drei Strömungen kaum.
David Christopher Joseph (1836–1919Shabbetai Benjamin Rohold, “A Visit to Missions in Old Lands”, in: The Jewish Era: A Christian Quarterly on behalf of Israel, Bde. 28–30, hier Bd. 29, Nr. 2 (April 1920), S. 60–67, hier Seite wie gesondert angegeben.) gründete 1887 die Carmel Evangelical and Medical Mission,Louis Meyer, Directory of Protestant Jewish Missionary Societies and Centers Throughout the World, Chicago: The Chicago Hebrew Mission, 1. September 1912, S. 8. ein Krankenhaus mit Entbindungsstation und angeschlossener missionarischer Patientenseelsorge, das eine Lokalstation der Judenmission namens Evangelical Mission to Israel bildete,Gerschon Nerʾel (), “Geschichte der messianischen Juden in Galiläa: Die frühen Jahre in Safed und Haifa (1887–1920)”, in: Nachrichten aus Israel, Jg. 29, Nr. 10 (Oktober 2006), S. 9. die vor allem in Jerusalem tätig war. Das war der typische Beginn einer Missionsgemeinde, europäische oder nordamerikanische Spenden finanzierten die für Kranke unentgeltliche Behandlung, was die Patienten der Kirchengemeinschaft gewogen machte, die die Hilfe anbot, auch lehrgeldfreie Schulen gehörten zu den Angeboten, womit die verschiedenen Missionen für einen Übertritt warben. Im Jahre 1890 wurde die anglikanische Gemeinde Haifa gegründet.The Jerusalem and East Mission Archive 1842–1976, St Antony’s College / Middle East Centre (Hrsg.), Oxford: Broschüre, 1976, S. 1. Für die Jahre 1890 bis 1895 kam als Seelsorger der jüdisch geborene Pastor Alexander Wilhelm ‹William› Schapira (Russland, 1847–1915, Paddington, Sydney) nach Haifa, der vor- wie hinterher in London amtierte. Schapira arbeitete eher mit etablierten Missionsgesellschaften nicht bevorzugt mit Judenmissionen.NN, “Jewish Presence (5) - Clergy”, auf: St George-in-the-East Church; abgerufen am 13. Oktober 2025.
Die Evangelical Mission to Israel erwarb 1896 zwei Gebäude im heutigen Rechov haGefen am Nordhang des Karmel,Gerschon Nerʾel (), “מיסיונרים בטקס חנוכת האוניברסיטה העברית בירושלים”, in: עֵת־מוֹל: עִתּוֹן, Nr. 282 (April 2023 / Ijjar 5783), S. 20–23, hier Seite wie gesondert angegeben. . worin sie die Klinik und eine Schule einrichteten. Unten in den westlichen Vororten der Altstadt Haifas (Kasbah genannt) erbaute Gottlieb Schumacher die Lukaskirche,ʿAmmiram Oren (), “” (12. November 2019), auf: עמירם במשעולי ישראל; abgerufen am 2. Oktober 2025. die 1899 eingeweiht wurde.NN, “Jerusalem and the East Mission”, in: Waiapu Church Gazette, Jg. III, Ausgabe 9 (1. März 1913), S. 130. Den russischen Pogromen gegen Juden entflohen viele mittellos ins Heilige Land, wo sie sich in Haifa und anderen Häfen sammelten.Louis Meyer, “Jewish Missionary News from all Lands and Societies”, in: The Jewish Era: A Christian Quarterly on behalf of Israel, Bde. 16–17, hier Bd. 16, Nr. 3 (15. Juli 1907), S. 142–151, hier S. 143. Gerade die Krankenarbeit der Evangelical Mission to Israel in Haifa bewog Juden sich der Gemeinde anzuschließen.