Basim Khandaqji (; * 1983 in Nablus) ist ein palästinensischer Schriftsteller und Lyriker. Er wurde 2005 wegen Beteiligung am Selbstmordanschlag auf den Carmel-Markt in Tel Aviv zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Sein in Haft entstandener Roman Qināʿ bi-lawn as-samāʾ (‚Eine Maske in der Farbe des Himmels‘, 2023) wurde 2024 mit dem International Prize for Arabic Fiction ausgezeichnet.
Leben Khandaqji wurde 1983 in Nablus geboren und studierte Journalismus und Medien an der An-Najah-Universität in Nablus. Eine von der Universität ausgestellte Pressekarte spielte später eine Rolle bei den Tatvorwürfen. Im Jahr 2004 begleitete er den 16-jährigen Attentäter nach Tel Aviv und nutzte dabei seine Pressekarte zur Passage des israelischen Kontrollpunktes. Beim Anschlag am 1. November 2004 auf dem Carmel-Markt wurden Schmuel Levi, Lea Levin und Tatjana Ackerman getötet und mehr als 50 Menschen verletzt. Nach Ermittlerangaben war ursprünglich die französische Botschaft in Tel Aviv Ziel der Gruppe, bevor das belebte Marktareal angegriffen wurde. Nach dem Anschlag kehrte er Richtung Nordsamaria zurück, zeigte die Karte an einem Checkpoint und wurde zunächst weitergelassen; kurz darauf wurde er von den Sicherheitsbehörden festgenommen. Bei der Festnahme im Jahr 2004 war er 21 Jahre alt. Im Jahr 2005 verurteilte ein israelisches Gericht Khandaqji als einen der drei Hauptbeteiligten zu drei Mal lebenslänglich; ihm wurden die Kommandierung und Finanzierung der Zelle, die Herstellung des Sprengstoffgürtels und der Transport des Bombers zugeschrieben. Im Gefängnis setzte er seine Ausbildung fort und schloss an der Al-Quds-Universität ein politikwissenschaftliches Studium mit Schwerpunkt Israel-Studien ab. Im Oktober 2025 wurde er im Zuge eines Gefangenenaustauschs freigelassen und erreichte Ägypten.
Wirken Khandaqji begann als Verfasser von Kurzgeschichten und setzte sein literarisches Schaffen als Gefangener fort. Seit seiner Inhaftierung schreibt Khandaqji kontinuierlich aus dem Gefängnis und veröffentlichte Kurzprosa, politische Texte, Gedichtbände und Romane. Zu seinen Lyrikbänden zählen Ṭuqūs al-marra al-ūlā (2010) und Anfās qaṣīdat layliyya (2013). Als Romane erschienen Nargis al-ʿuzla (2017) und Khusūf Badr ad-Dīn (2019). Qināʿ bi-lawn as-samāʾ (‚Eine Maske in der Farbe des Himmels‘, 2023) erzählt von Nur, einem palästinensischen Archäologen, der mit einer gefundenen israelischen Ausweiskarte den Blickwinkel Israels annimmt. Für diesen Roman erhielt Khandaqji 2024 den International Prize for Arabic Fiction; die Auszeichnung wurde in Abu Dhabi bekanntgegeben und von seiner Verlegerin entgegengenommen. 2024 erwarb Europa Editions die englischsprachigen Weltrechte; die Übersetzung soll 2026 erscheinen.
Einzelnachweise
Kategorie:Lyrik Kategorie:Autor Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Verurteilte Person Kategorie:Terroranschlag 2004 Kategorie:Palästinenser Kategorie:Geboren 1983 Kategorie:Mann