Die Korpuskeltheorie (auch Emissionstheorie oder ballistische Lichttheorie) ist eine von Isaac Newton und anderen vertretene physikalische Theorie, nach welcher das Licht ein Strom kleinster Teilchen oder Korpuskeln (lat.: corpusculum: „Körperchen“) ist. Die Korpuskeltheorie wurde das 18. Jahrhundert hindurch gegenüber der von Christiaan Huygens und Leonhard Euler vertretenen Wellentheorie bevorzugt, bis diese zu Beginn des 19. Jhdt. aufgrund neuer Experimente zum Stand der Wissenschaft wurde. Jedoch werden dem Licht seit der Photonentheorie von Albert Einstein zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch wieder teilweise korpuskulare Eigenschaften zugeschrieben, allerdings mit Korpuskeln („Lichtquanten“) mit der Masse Null.

Nach der Korpuskeltheorie und dem klassischen Relativitätsprinzip wäre eine etwaige Geschwindigkeit der Lichtquelle zu der Geschwindigkeit, mit der die Korpuskeln von der Quelle emittiert werden, einfach zu addieren (Galilei-Transformation). Das steht zu zahllosen Experimenten in Widerspruch. Auch wurde die Korpuskeltheorie niemals in vollständig durchgearbeiteter Form vorgelegt. Folglich kann die Korpuskeltheorie nicht mehr in Betracht gezogen werden.

Bis zum 19. Jahrhundert Es gibt in der Wissenschaftsgeschichte viele verschiedene Emissionstheorien. Bereits Pythagoras und Empedokles hatten Emissionstheorien der Sinneswahrnehmung entwickelt. Auch Augustinus bezeichnete den Sehvorgang als „Strahlenwurf aus unseren Augen“.Wolfram Schmitt: Antike und mittelalterliche Theorien über die fünf Sinne. In: Fachprosaforschung – Grenzüberschreitungen. Band 10, 2014, S. 7–18, insbesondere S. 7 f. und 15. Zahlreiche Emissionstheorien sind entstanden und wieder in Vergessenheit geraten. Emissionstheoretiker waren zum Beispiel Sir Isaac Newton (1643–1727), Pierre Simon de Laplace (1749–1827), Jean-Baptiste Biot (1774–1862), Sir David Brewster (1781–1868).

Die Korpuskeltheorie des Lichts besagt, dass das Licht aus winzigen Teilchen bzw. Korpuskeln besteht, die von den leuchtenden Körpern mit großer Geschwindigkeit geradlinig ausgeschleudert bzw. emittiert werden, wobei die Lichtgeschwindigkeit abhängig von der Geschwindigkeit der Lichtquelle ist. Diese Theorie konnte sowohl die geradlinige Ausbreitung, wie auch die Reflexion des Lichtes erklären. Ebenfalls können verschiedene Farben durch Annahme verschiedener Größe der Lichtteilchen erklärt werden. Beugung, Brechung an Grenzflächen oder teilweise Reflexion bereiten allerdings Schwierigkeiten. Die Brechung wurde so erklärt: In größerem Abstand zu Grenzflächen sind die Lichtteilchen allseitig von (anderen) gleichartigen Teilchen umgeben und fliegen deshalb geradlinig. An der Grenzfläche zweier verschieden „dichter“, transparenter Stoffe werden die „Lichtteilchen“ unterschiedlich stark angezogen und ändern deshalb schlagartig die Flugrichtung. Damit verbunden war die Vermutung, dass das Licht im „optisch dichteren“ Medium schneller fliegt. Erst viel später, nach 1820, wurde gezeigt, dass die Lichtgeschwindigkeit im „optisch dichteren“ Medium kleiner ist als beispielsweise im Vakuum. Obwohl also die Begründung für „optisch dichter“ falsch ist, wird dieser Ausdruck heute noch verwendet.

Einige Forscher zogen aus der korpuskularen Natur des Lichts weitergehende Schlüsse: Newton deutete bereits 1704 eine mögliche Ablenkung von Lichtstrahlen durch die Schwerkraft an, ohne jedoch die Ablenkung zu berechnen. John Michell (1783) und unabhängig von ihm Pierre-Simon Laplace (1796) folgerten, dass derart massereiche Sterne vorstellbar seien, dass selbst das Licht ihnen nicht entkommen könnte, d. h., sie entwarfen eine Frühform eines Schwarzen Lochs. Schließlich (1801, veröffentlicht 1804) berechnete Johann Georg von Soldner die von Newton angedeutete Lichtablenkung, wobei er für unsere Sonne den Wert von 0,84″ erhielt, was allerdings nur im Rahmen der Newtonschen Gravitationstheorie korrekt ist. Zur Ermittlung des korrekten Werts muss die aus der allgemeinen Relativitätstheorie folgende Raumzeitkrümmung berücksichtigt werden, wodurch sich der Newtonsche Wert verdoppelt, wie Albert Einstein errechnete. Diese Voraussage wurde experimentell vielfach bestätigt.

In der Frage, ob denn die von Christiaan Huygens (1690) begründete Wellentheorie des Lichtes oder die Korpuskeltheorie richtig sei, siegte vorerst Newton. Im 19. Jhd. wurde Newtons Modell allerdings vor allem durch die Arbeiten von Thomas Young (1800), Augustin Jean Fresnel (1816) und James Clerk Maxwell (1864) überwunden und die Wellentheorie schien bewiesen zu sein. Dies folgte einerseits aus der Tatsache, dass Effekte wie Brechung und Beugung (insbesondere in Form des Poisson-Flecks) mittels der Wellentheorie sehr viel einfacher erklärt werden konnten, während im Rahmen der Korpuskeltheorie immer wieder Hilfshypothesen eingeführt werden mussten. Ebenso die Übereinstimmung in der Lichtgeschwindigkeit von Licht verschiedener Farbe sprach für das Wellenmodell. Entscheidend war jedoch die bereits oben erwähnte Voraussage der Korpuskeltheorie, wonach Licht in dichteren Medien (wie Wasser) schneller sein müsste als in weniger dichten (wie Luft). 1850 konnte Léon Foucault erstmals mittels der Drehspiegelmethode die Lichtgeschwindigkeit in Medien ermitteln und fand heraus, dass sie entgegen der Korspuskeltheorie in Wasser kleiner war als in Luft. Dies wurde als endgültige Widerlegung der Korpuskeltheorie aufgefasst.

Erst im 20. Jhdt. wurde entdeckt, dass Licht auch korpuskulare Eigenschaften hat.

20. Jahrhundert Emissionstheorien beruhen gewöhnlich auf der Annahme, dass sich das Licht in Bezug zur Lichtquelle konstant mit Lichtgeschwindigkeit ausbreitet – im Gegensatz zur (stationären) Äthertheorie, wonach sich Licht konstant in Bezug zum Äther ausbreitet. Daraus folgt, dass in Emissionstheorien die Lichtgeschwindigkeit abhängig von der Geschwindigkeit der Lichtquelle ist. Ein Wechsel zu einem anderen Bezugssystem erfolgt durch die Galilei-Transformation, wodurch das klassische Relativitätsprinzip erfüllt wird. Das heißt, im Gegensatz zur Äthertheorie ist bei der Emissionstheorie ausschließlich die Relativbewegung von Quelle und Empfänger für den Dopplereffekt , als auch für die Aberration verantwortlich. Ähnliche Überlegungen wurden gelegentlich auch auf elektromagnetische Wellen übertragen, wobei aber unterschiedliche Vorstellungen über die Quellenabhängigkeit der Lichtgeschwindigkeit einflossen.

Albert Einstein stellte 1905 in seiner Publikation zum photoelektrischen Effekt die Lichtquantenhypothese auf. Ihr zufolge ist Licht ein Strom von „in Raumpunkten lokalisierten Energiequanten, welche sich bewegen, ohne sich zu teilen, und nur als Ganze absorbiert und erzeugt werden können“.

Nur vier Monate später fand Einstein die Spezielle Relativitätstheorie (SRT), nach der man für die Ausbreitung von elektromagnetischen Wellen keinen Äther voraussetzen muss, wenn man nur zwei allgemeine Prinzipien zugrunde legt: das Relativitätsprinzip und das Postulat der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit.

Da eine Emissionstheorie im Gegensatz zur Äthertheorie das klassische Relativitätsprinzip erfüllt und daher mit den erfolglosen Ätherdriftexperimenten (wie dem Michelson-Morley-Experiment) verträglich ist, wurde sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Alternative zur lorentzschen Elektrodynamik und der SRT wieder in Betracht gezogen. Vor 1905 hatte Albert Einstein selbst eine Emissionstheorie in Erwägung gezogen, sie jedoch verworfen, da er sie als unverträglich mit der Elektrodynamik ansah.

Es gab unterschiedliche Vorstellungen, was überhaupt als Lichtquelle zu bewerten ist und ob z. B. auch Spiegel dazu gezählt werden dürfen. Daraus entwickelten sich verschiedene kinematische Varianten von Emissionstheorien:

Licht breitet sich ausschließlich konstant in Bezug zur ursprünglichen Lichtquelle aus, unabhängig davon, ob es später an einem Spiegel reflektiert wird. Das heißt, das Zentrum der sphärischen Welle bewegt sich immer mit derselben Geschwindigkeit wie die ursprüngliche Lichtquelle. Dieses Modell wurde durch Walter Ritz 1908 vorgeschlagen und galt als die am weitesten entwickelte Emissionstheorie. Jeder Körper ist als neue Lichtquelle zu betrachten. Das heißt, ein Spiegel, der von einem Lichtstrahl getroffen wird und diesen reflektiert, fungiert als neue Lichtquelle, relativ zu dem sich das Licht nun konstant mit Lichtgeschwindigkeit ausbreitet. Licht breitet sich also als eine sphärische Welle aus, dessen Zentrum sich mit der Geschwindigkeit des jeweils letzten Körpers bewegt, von dem das Licht zuletzt reflektiert wurde. Dieses Modell wurde von Richard C. Tolman 1910 vorgeschlagen (wobei Tolman selbst Einsteins Relativitätstheorie bevorzugte). Licht, welches von einem Spiegel reflektiert wird, breitet sich von nun an mit der Geschwindigkeit des Spiegelbildes der ursprünglichen Quelle aus. (Diese Theorie wurde von Stewart 1911 vorgeschlagen). Eine Modifikation der Ritz-Tolman-Theorie wurde von Fox (1965) eingeführt. Dieser argumentierte, dass auch die Extinktion (also Absorption, Streuung, und Emission des Lichtes innerhalb eines durchquerten Mediums) berücksichtigt werden muss. In der Luft wäre die Extinktionslänge für sichtbares Licht nur 0,2 cm. Nach dieser Entfernung würde die Lichtgeschwindigkeit nicht mehr konstant zur Quelle, sondern konstant zum Medium sein (wobei Fox selbst Einsteins Relativitätstheorie bevorzugte).

Keines dieser Modelle war jedoch vollständig durchgearbeitet, deswegen wurden sie von der Fachwelt niemals als ernsthafte Alternative zur SRT in Betracht gezogen. Insbesondere wurde ihre grundlegende Vorhersage, dass die Lichtgeschwindigkeit von der Geschwindigkeit der Lichtquelle abhängig sei, experimentell vielmals widerlegt (s. folgenden Abschnitt).

Dennoch hat das Licht auch korpuskulare Eigenschaften. 1909 zeigte Einstein ausgehend vom Planckschen Gesetz der Wärmestrahlung, dass die Wärmestrahlung statistische Fluktuationen zeigen muss, deren Größe man nur dadurch interpretieren kann, dass die Strahlung selbst gleichzeitig aus Wellen und Korpuskeln besteht. Er forderte die Entwicklung einer Theorie, in der die elektromagnetische Strahlung sowohl Teilchencharakter als auch Wellencharakter hat, und gilt damit als Urheber des Prinzips des Welle-Teilchen-Dualismus. In den 1930er Jahren wurde hierfür die Quantenelektrodynamik entwickelt, die als eine der am besten bestätigten physikalischen Theorien überhaupt gilt.

Experimente

Die kinematische Grundaussage bzw. experimentelle Voraussage der meisten Emissionstheorien, nämlich die Abhängigkeit der Lichtgeschwindigkeit von der Quellengeschwindigkeit, wurde in der Fachwelt in einigen älteren Artikeln bis in die 1960er im Zusammenhang mit Tests der speziellen Relativitätstheorie oder Tests der Lichtkonstanz erwähnt.

Sowohl Emissionstheorie als auch SRT stimmen darin überein, dass kein Ätherwind bzw. kein Einfluss eines bevorzugten Bezugssystems existiert. Das bedeutet, wenn Quelle und Empfänger im selben Inertialsystem ruhen, sagen beide Modelle ein Nullresultat voraus, und sind beispielsweise mit dem negativen Ergebnis des Michelson-Morley-Experiments verträglich.

Unterschiede ergeben sich, wenn Quelle und Empfänger relativ zueinander bewegt sind. Während auch hier gemäß SRT die Lichtgeschwindigkeit in allen Inertialsystemen konstant bleibt, ergibt sich in der Emissionstheorie bei einer Quellengeschwindigkeit von ±v eine Lichtgeschwindigkeit von c ± v. Bei Experimenten wird gewöhnlich folgendes Schema benutzt: ,