mini|Tanzschule Laban, Berlin, um 1926 Ein Bewegungschor ist eine Form von Bewegungen einer Gruppe von Laien oder semiprofessionellen Tänzern, nach den Ideen von Rudolf von Laban.

Beschreibung Der Bewegungschor wird aus vielen Tänzern gebildet, die in einer oder mehreren Gruppen ähnliche Bewegungen ausführen. Diese beruhen auf Anweisungen eines Chorführers, die jeder in seiner individuellen Weise ausführt.Sabine Karoß, Leonore Welzin (Hrsg.): Tanz Politik Identität, Lit, Münster 2001, S. 121, mit einigen Beschreibungen Dadurch werden individuelle Bewegungen mit dem gemeinsamen Handeln in einer Gruppe verbunden.

In gegenwärtigen Bewegungschören gibt es auch die Möglichkeit, dass einzelne Mitglieder die Bewegungen vorgeben, denen dann die anderen folgen und sich dabei abwechseln.Ein Bewegungschor Ligna Der Bewegungschor unterscheidet sich von einer professionellen Tanzgruppe oder einem Ballett, bei denen die Tänzer vorgegebene synchrone Bewegungen ausführen.

Geschichte Der Tanzpädagoge Rudolf Laban entwickelte in den frühen 1910er Jahren erste Formen von Bewegungschören. Er bezog sich dabei auf die ursprüngliche Bedeutung des altgriechischen Wortes chorus als eines gemeinschaftlichen Tanzes.Antja Kennedy, Labans Bewegungschöre im Zeichen der Nationalsozialisten, in Tanzwissenschaft (PDF), mit einigen historischen Hintergründen Die Grundidee war, dass der vereinzelte Mensch lernt, sich in einer Gemeinschaft zu bewegen, aber in seiner eigenen körperlichen Ausdrucksweise. Dabei sollte auch ein intensives Gemeinschaftserlebnis entstehen können.Karoß, 2001, S. 120f., mit Hintergründen Diese Form verbreitete er seit 1922 schnell in der Laban-Bewegung, es entstanden zahlreiche Bewegungschöre.Evelyn Dörr, Rudolf Laban. Leben und Werk des Künstlers, Band 1, Berlin 1999, S. 194ff. Evelyn Dörr, Das choreographische Theater, Norderstedt 2004, S. 448–452

Die Schule für Tanz, Gymnastik und Bewegungschöre bestand von 1929 bis 1943.

Auch in der Arbeiterbewegung wurden diese gebildet, um politische Ziele zu verbreiten. Bewegungschöre waren in dieser Zeit auch Bestandteile von Tanz-, Theater- und Opernaufführungen.

Seit 1933 nahm deren Verbreitung ab, es wurde auch versucht, diese politisch zu instrumentalisieren. Rudolf von Laban sollte 1936 mit etwa tausend Tänzern bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Berlin mit Bewegungschören auftreten, was aber nach der Generalprobe durch Joseph Goebbels gestrichen wurde. Danach wurden diese nicht mehr in der Öffentlichkeit praktiziert. Rudolf Laban emigrierte 1937; er ging zunächst nach Paris, 1938 nach England.

Nach 1950 waren Bewegungschöre wieder Bestandteil der Laban-Tanzbewegung, aber in wesentlich geringerem Umfang als vorher. Sie wurden gelegentlich danach auch in professionellen Tanz-, Theater- und Musikaufführungen eingesetzt.

Literatur Rudolf von Laban: Vom Sinn der Bewegungschöre. In: Die Schönheit, 1926, Heft 2, S. 85–91, grundlegende Schrift Rudolf von Laban: Der Laientanz in kultureller und pädagogischer Bedeutung. In: Hedwig Müller, Patricia Stöckemann (Hrsg.): … jeder Mensch ist ein Tänzer. Ausdruckstanz in Deutschland zwischen 1900 und 1945. Gießen 1993. S. 96–99

Tanz Aller – Ein Bewegungschor Ligna, mit Video (unten) Bewegungschor Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache (DWSS)

Einzelnachweise

Kategorie:Tanztechnik * Kategorie:Moderner Tanz