Citharistes ist eine von Friedrich von Stein 1883 erstbeschriebene Gattung mariner Dinoflagellaten aus der Ordnung Dinophysiales (auch Dinophysales geschrieben). Diese Dinoflagellaten beherbergen häufig in einer speziellen Kammer Cluster von Phaeosomen genannten symbiotischen Cyanobakterien (Cyanobionten), die zur Stickstofffixierung fähig (diazotroph) sind. Ihre Form variiert von stäbchenförmig über eiförmig bis kugelförmig und gehören der Gattung Synechococcus oder ähnlichen an. Um 2025 wurde bekannt, dass die Typusart Citharistes regius darüber hinaus Wirt weiterer mutmaßlich parasitischer Endosymbionten ist, darunter zweier Gammaproteobakterien; sowie des Archaeons Ca. Sukunaarchaeum mirabile M16 mit dem zur Zeit seiner Entdeckung weitaus kürzesten Genom aller bekannten Archaeen.

Die Gattung ist Teil des Ozeanplanktons in tropischen und subtropischen Regionen. Bis in jüngste Zeit (ca. 2020) wurde über sie nur selten berichtet, und sie scheint auf tiefere Gewässer beschränkt zu sein.

Beschreibung Citharistes ist ein mit 35–70 µm mittelgroßer Flagellat (Geißeltierchen, d. h. begeißelter Einzeller) mit einem von in der rechten Seitenansicht gesehen umgekehrt C-förmigen (Ɔ-förmigen) Körper.Die anatomischen Lage- und Richtungsbezeichnungen der einzelnen Autoren unterscheiden sich teilweise; in der rechten Seitenansicht: apikal (vorne) ≘ oben, hinten ≘ unten, Tiefe ≘ Höhe (von oben bis unten), ventral (bauchseitig) = links, dorsal (rückenseitig) = rechts. Der Epiconus ist niedrig und scheibenförmig, die Querfurche (Cingulum) schmal, außer rückenseitig (dorsal), wo es eine große Kammer bildet, die die Konkavität des „C“ ausfüllt und in der sich die blaugrünen Cyanobakterien-Symbionten (Cyanobionten, hier auch als Phaeosomen bezeichnet) befinden, die Kammer wird auch Phaeosomkammer genannt. Die Phaeosomen sind von der Gattung Synechococcus oder ähnlich, und wie diese zur Stickstofffixierung fähig. Es gibt keine Chloroplasten. Nur eine kleine Pore verbindet die Phaeosomkammer mit dem umgebenden wässrigen Medium.

Die obere („vordere“) Cingulum-Leiste (auch als Gürtelleiste oder Randleiste der Querfurche bezeichnet) hat die Form eines engen Trichter, denn sie ist distal aufgeweitet; prinzipiell ähnlich ist die weitere untere („hintere“) Cingulum-Leiste. Die Phaeosomkammer wird durch die beiden großen dorsalen Platten gebildet (nach andere Autoren durch die Cingulum-Leisten, Kofoid und Skogsberg (1928), Taylor (1976)). Sie hat zwei Rippen, eine auf jeder Seite der Sagittalnaht () der Hypothecalplatten, die an den Spitzen des hinteren Schenkels des hufeisenförmigen Körpers entspringen.

Ein unter dem Elektronenmikroskop untersuchtes Exemplar zeigte im Zytoplasma keine Nahrungsvakuolen, lediglich stärkeähnliche Granula.

Sexuelle Fortpflanzung und Zystenbildung sind nicht bekannt.

Verbreitung Citharistes ist eine marine, (vorwiegend) eupelagische (in den tieferen Zonen vorkommende) Gattung, die rund um den Äquator verbreitet ist und ausschließlich in tropischen, subtropischen und gemäßigt warmen Meeren vorkommt. Mit Stand 1928 waren Funde im Atlantik (zwischen dem Äquator und 40° nördlicher Breite sowie in der Karibik), im Mittelmeer, im Pazifik (bei 7° nördlicher Breite und 133° östlicher Länge) dokumentiert. Dazu kamen das Roten Meer (Golf von Akaba), die Umgebung der Vitória-Trindade-Seamount-Kette (, ) im Südatlantik vor Brasilien und der Pazifik um Südkorea. Es wird vermutet, dass die Gattung auf tiefere Zonen konzentriert ist.

mini|ohne|475px|Verbreitungsgebiet von Citharistes im Pazifik.Große ausgefüllte Kreise: Nachweise von C. apsteinii aus Tiefen der Wassersäule; ausgefüllte Quadrate: C. apsteinii aus der Oberflächenzone; große offene Kreise: C. regius aus Tiefen der Wassersäule; offene Quadrate: C. regius aus der Oberflächenzone; kleine, ausgefüllte Kreise: Stationen ohne Nachweis; kleine, offene Kreise: Stationen ohne Daten (Stand 1928). Wie von Kofoid und Skogsberg 1928 beschrieben, wurden Vorkommen an nur 15 von 127 Stationen einer Expedition zur Erfassung mariner Dinoflagellaten gefunden. Eine Station befand sich im Golfstrom (), eine im Bereich vor Panama (im Pazifik, siehe Karte), drei um die Rapa Nui (im Osterinselwirbel, ), neun im südlichen Äquatorialstrom () und eine im äquatorialen Gegenstrom. An zwei dieser fünfzehn Stationen wurde die Gattung in Oberflächenfängen gefunden; aber an fünf Stationen wurde sie in Salpen (Gattung Salpa) gefunden, die in Oberflächengewässern gefangen wurden. Die restlichen acht Nachweise beziehen sich auf Fänge aus einer Tiefe von ca. 550 m (300-0 fm d. h. Nautische Faden, ). Die Expedition wurde weder in den kalten Strömungen Kaliforniens und Perus, noch in den südlichen und nördlichen Äquatorialströmungen fündig. Die Gattung ist offensichtlich stenotherm und stenohalinD. h. sie verträgt nur einen schmalen Schwankungsbereich in Bezug auf Temperatur und Salzgehalt. und ist auf Gewässer mit gemäßigt hohen Temperaturen und Salzgehalten beschränkt.

Cyanobionten (Phaeosomen) Kim et al. (2021) untersuchten die Cyanobionten verschiedener Dinoflagellaten im Küstenbereich von Pohang, sowie in der Meerenge von Jeju (beides Südkorea) im Vergleich mit anderen Ozeangebieten. Die untersuchten Dinoflagellaten gehörten insbesondere zur Gattung Ornithocercus, daneben aber auch Citharistes, Histioneis und Amphisolenia. Sie machten insgesamt sechs KladenKlade 1 bi4 4, sowie unbenannt eine Zweierklade und ein Singleton von Cyanobionten dieser Dinoflagellaten aus. Darunter befinden sich drei Kladen mit Cyanobionten der Gattung Citharistes; diese sind (Zugriffsnummern in Klammern):NCBI Nucleotide: Uncultured cyanobacterium clone AND from Citharistes sp.

Klade 2: Citharistes sp. cyanobiont E-3Atl (AY444931) Klade 3: Citharistes sp. cyanobiont APac-f (AY444924) Citharistes sp. cyanobiont BAtl-f (AY444925) Citharistes sp. cyanobiont CAtl-f (AY444926) Citharistes sp. cyanobiont D-1Atl (AY444927) Citharistes sp. cyanobiont E-1Atl (AY444929) Citharistes sp. cyanobiont E-2Atl (AY444930) Citharistes sp. cyanobiont FAtl-f (AY444932) unbenannte Zweierklade: Citharistes sp. cyanobiont D-2Atl (AY444928)

Dazu kommen als Cyanobionten-Stämme speziell von C. regius (gelegentlich als CregCyn bezeichnet): M16CYN und/oder CregCyn01.

C. regius

mini|hochkant=1.2|Citharistes regius. Illustration aus der Originalarbeit von F. von Stein (1883) mit kleinen Fehlern.Originaltext: Fig. 1. Ein Individuum von der rechten Seite und Fig. 2. ein anderes von der linken Seite. In Fig. 1. hat der Kupferstecher kt. fälschlich an den Halskragen, statt an den Kopftrichter gesetzt, hs. ist an die Stelle von kt. zu setzen. f. Der Bauchflügel. f1. Der Nebenflügel. st. Die beiden, den sattelförmigen Rückenausschnitt des Hinterleibes überbrückenden, leistenförmigen Pfeiler. o. Mund und Schlund. — Fig. 3. 4. Die beiden isolierten Hälften eines dritten, am Hinterrande des Rückenausschnittes mit Borsten besetzten Individuums. — Fig. 3. Die rechte Hälfte von aus​sen, am Kopftrichter ist fälschlich auch die hintere Wand angegeben und der Nebenflügel mit f., der hintere Theil des Bauchflügels mit f1. bezeichnet. — Fig. 4. Die linke Hälfte von innen gesehen mit der hinteren Wand des Kopftrichters und dem vorderen Teil des Bauchflügels. mini|hochkant=1.2|Mikro-Aufnahmen dreier Individuen (A11, A12 und M16) von Citharistes regius. Balken: 40 μm.

Citharistes regius ist eine vergleichsweise kleine Dinoflagellatenspezies, ihr Körper ist in der rechten Seitenansicht Ɔ-förmig (wie eine Sichel oder ein umgekehrtes ‚C‘), dabei liegt die tiefste Stelle etwas hinter der Mitte. Das Verhältnis von Länge zu Tiefe beträgt zwischen 1,34 und 1,60 zu 1. Der Querschnitt ist in der gesamten vorderen Hälfte der Krümmung nahezu gleichförmig und beträgt 28 % bis 36 % der Körpertiefe, er ist jedoch hinten (im Bild unten) deutlich größer als vorne. Die oben befindliche („vordere“) Spitze des Ɔ bzw. C ist gut abgerundet, die untere („hintere“) ist entweder gleichermaßen abgerundet oder fast rechteckig (subrectangular). Der Abstand zwischen den Spitzen des C ist 65–70 % der Körpertiefe. Die hintere Rand der Kammer ist durchgehend deutlich konvex, oft fast halbkreisförmig. Die Höhe der oberen (vorderen) Cingulumleiste beträgt 27 % bis 43 % der Körpertiefe. Die hinteren Rippen der Phaeosomkammer sind leicht S-förmig (sigmoid), von außen (in der rechten Seitenansicht links) gesehen konkav oder fast eckig („subangular“); ihre Länge beträgt 77 % bis 96 % der Körpertiefe. Die linke Sulcusleiste (Abbildung) endet an der posteroventralen Ecke des Körpers (in der in der rechten Seitenansicht rechts unten). Sie ist am breitesten nahe dem diesem hinteren Ende; ihre größte Breite beträgt 38 % der Körpertiefe; ihr Rand ist oben („vorne“) leicht konkav oder fast gerade, unten („hinten“) stark konvex. Der ventrale Rand des Körpers (über der Kammer) ist leicht und gleichmäßig konvex oder leicht sigmoid und fließt in den unteren („hinteren“) Rand über. Dieser ist fast halbkreisförmig oder leicht abgeflacht. Die Tiefe der Epitheca (über/vor dem Gürtel liegende Bereich) beträgt 25–28 % der Tiefe der Hypotheca, sie ist leicht konvex und im Bereich in der Mitte am höchsten oder abgeflacht. Die obere („vordere“) Cingulumleiste ist trichterförmig, d. h. nach außen hin (distal) auffallend aufgeweitet; diese Aufweitungen erstrecken sich gleichmäßig rücken- wie bauchseitig, die rückenseitige (dorsale) Höhe beträgt 27–43 % der Körpertiefe. Sie hat auf jeder Schale (Valve) fünf bis zehn einfache, vollständige, nahezu gleichmäßig verteilte radiale Rippen. Die untere („hintere“) Cingulumleiste ist etwas schmaler als die obere/vordere und scheint keine strukturelle Differenzierung (Rippen) aufzuweisen. Der Abstand vom Scheitelpunkt zur Basis dieser Leiste beträgt 7–11 % der Körperlänge. Der Teil dieser Leiste, der die Phaeosomkammer umfasst, kann hinten (posterior) eine schwache Netzstruktur aufweisen. Die Thecalwand der Hypotheca (unterhalb des Halskragens) ist netzartig und wahrscheinlich porös. In der Phaeosomkammer befinden sich zahlreiche eiförmige Phaeosomen mittlerer Größe.

Abmessungen Die gesamte Länge des Organismus beträgt 38,2 µm oder mehr: Eines der von Kofoid und Skogsberg (1928) untersuchten Exemplare hatte eine Körperlänge von 38,2 µm, die größte Körpertiefe betrug dabei 28,6 µm. Die Körperlänge der von Stein (1883) abgebildeten Exemplare wurde von ihnen aufgrund des Abbildungsmaßstabs auf 50,5 µm bis 84,5 µm geschätzt.

Variationen Kofoid und Skogsberg gingen aufgrund der wenigen ihnen vorliegenden Abbildungen von einer sehr konstanten Spezies aus. Abgesehen von einem möglichen Größenunterschied unterschieden sich die ihnen vorliegenden Exemplare von den Steins Abbildungen hauptsächlich in zwei Punkten: Die vordere (obere) Cingulumleiste (Gürtelleiste) war etwas schmaler und die Rückenrippen der Phaeosomkammer waren mit der hinteren (unteren) Cingulumleiste verbunden. Allerdings hat bereits Stein auf einige Fehler des Kupferstechers hingewiesen. Insgesamt sahen Kofoid und Skogsberg (1928) die Einheit der Spezies als gesichert an.

Citharistes regius unterscheidet sich deutlich von C. apsteinii, da der hintere Teil seines hufeisenförmigen Körpers deutlich dicker ist als der vordere.

Vorkommen Citharistes regius ist in tropischen und subtropischen Meeren beheimatet. Die Spezies wurde an fünf der 127 Stationen der erwähnten Expedition zur Erfassung mariner Dinoflagellaten nachgewiesen, alle befinden sich im südlichen Äquatorialstrom (). Es wurden dabei acht Exemplare gefunden, von denen eines in einer Schleppnetzfischerei aus einer Tiefe von ca. 550 m (300-0 fm d. h. Nautische Faden, ) stammt, die übrigen kamen in Salpen (Gattung Salpa) vor, die in Oberflächengewässern gefangen wurde. Die Oberflächentemperaturen dieser fünf Stationen lagen zwischen 20 °C (68 °F) und knapp 26 °C (80 °F); der Durchschnitt betrug 23,2 °C (73,8 °F).