Natallia Vasilevich (; * 15. März 1982 in Minsk, Belarussische SSR, UdSSR) ist eine belarussische Menschenrechtsaktivistin, Politikwissenschaftlerin und Theologin. Sie gilt als eine der führenden Vertreterinnen der ökumenischen Bewegung in Belarus und engagiert sich für Religionsfreiheit und soziale Verantwortung der Kirchen.

Leben Vasilevich besuchte das Belarussische humanistische Lyzeum „Jakub Kolas“, das sie 1999 abschloss. Anschließend studierte sie Politikwissenschaft an der Juristischen Fakultät der Belarussischen Staatlichen Universität (BSU) von 1999 bis 2004. Sie absolvierte dort auch ein Masterstudium (2004–2005) und ein Promotionsstudium (2005–2008) am Lehrstuhl für Politikwissenschaft.

Nach dem Studium lehrte sie an der Abteilung für Theorie und Geschichte des Rechts am Belarussischen Institut für Rechtswissenschaften (BIP – Universität für Recht und sozial-informationstechnische Technologien).

Im Jahr 2014 erwarb sie an der Universität Bonn den Masterabschluss in ökumenischen Studien. Seit 2015 war sie Doktorandin an der Philosophischen Fakultät und verteidigte 2025 an der Universität Bonn ihre Promotion über den vorkonziliaren Prozess des Heiligen und Großen Konzils der Orthodoxen Kirche.

Tätigkeit Zwischen 2002 und 2005 war Vasilevich Koordinatorin der Jugendfiliale der Bruderschaft der Drei Märtyrer von Vilnius (Antonij, Jan und Eustachij von Vilnius) sowie Mitglied des Koordinationsrats der Jugendunion der Belarussisch-Orthodoxen Kirche.

Sie ist Mitbegründerin und Mitglied des Redaktionsteams der Zeitschrift „Politychnaja Sfera“ (dt. „Politische Sphäre“) sowie Mitgründerin des orthodoxen Portals „Carkva“ (2004–2015).

Von 2007 bis 2009 war sie Mitglied des Verwaltungsausschusses der Weltbruderschaft orthodoxer Jugend „Syndesmos“ und vertrat dort die Region Mitteleuropa. Zwischen 2010 und 2019 arbeitete sie in Strukturen der Konferenz Europäischer Kirchen.

Im Jahr 2019 gründete sie die interdisziplinäre und interkonfessionelle wissenschaftliche Zeitschrift „Zbožža“ („Das Korn“), die sich mit Fragen des Christentums in Gesellschaft und Kultur befasst.

Seit 2020 ist Vasilevich Moderatorin der ökumenischen Initiative „Christliche Vision“ (Хрысціянская візія), die Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Konfessionen in Belarus vereint, die sich gegen Gewalt und Repression einsetzen und 2025 von dem Komitee für Staatssicherheit der Republik Belarus als extremistische Formierung verboten wurde. Sie betreut außerdem die Projekte „Kirche und politische Krise in Belarus“ und „Christen gegen den Krieg“.

Zurzeit ist sie Mitglied der Lenkungsgruppe der Konferenz Europäischer Kirchen für die Initiative „Pathways to Peace“. Seit 2024 ist sie zudem Mitglied der Kommission des Ökumenischen Rates der Kirchen für ökumenische Bildung und Formation und wird dort bis voraussichtlich 2032 mitarbeiten.

Forschung und Veröffentlichungen Von 2002 bis 2019 führte Vasilevich den Blog „Pani z kadzilam“ („Die Dame mit dem Weihrauchfass“), in dem sie über kirchliches Leben, Glaubensfragen und gesellschaftliches Engagement schrieb.

Als Rednerin ist sie immer wieder von kirchlichen Institutionen angefragt und bei Kirchentagen als Podiumsgast eingeladen.

Sie ist Autorin zahlreicher Artikel und Vorträge zu Politik, Menschenrechten, Religionsfreiheit, Kirche und Staat sowie zur Rolle christlicher Gemeinschaften in den Protesten in Belarus seit 2020. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Religionssoziologie, Theologie des gesellschaftlichen Engagements und der ökumenische Dialog.

Weblinks Profil auf Academia.edu Christian Vision "Christen gegen den Krieg" - Ökumenische Initiative

Einzelnachweise

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