mini|Jean Corty: Rückkehr der Bergarbeiter (1944) Jean Corty, eigentlich Giovanni Battista Corti (* 1. März 1907 in Cernier; † 22. April 1946 in Mendrisio), war ein Schweizer Maler des Expressionismus.
Leben Giovanni Battista Corti wurde 1907 in Cernier im Kanton Neuenburg geboren. Sein Vater, der Schreiner Luca Corti, stammte aus Agno im Kanton Tessin, seine Mutter Julia Magnin war eine Westschweizer Uhrmacherin. Von 1921 bis 1924 absolvierte Corti eine Lehre als Maler, Stuckateur und Gipser in Cernier. Mit 23 Jahren wurde er Waise und begab sich nach Brüssel, wo er 1930 mit der finanziellen Hilfe des Tierarztes Pierre Urfer aus Fontainemelon ein Studium an der Kunsthochschule Institut Saint-Luc aufnahm. Hier erhielt er wesentliche Einflüsse vom flämischen Expressionismus, insbesondere von Constant Permeke, und entwickelte daraus einen ganz persönlichen Stil, dem er bis zuletzt treu blieb. Als weitere Unterstützung seines Mäzens ausblieb, musste Corty 1932 ohne Abschluss wieder in die Schweiz zurückkehren. Aufgrund anhaltender psychischer Probleme wurde er 1933 in die psychiatrischen Kliniken von Genf und Mendrisio eingewiesen. Nach seiner Entlassung lebte er unter prekären Umständen zunächst in Cernier und dann in Neuenburg. 1937 wurde er abermals in die Neuropsychiatrische Klinik in Mendrisio eingeliefert, wo er bis 1941 verblieb.. mini|Jean Corty: Brusata in Novazzano (1946) Die rund fünf Jahre nach seinem Austritt bis zu seinem Tod 1946 brachten dem Werk Cortys, der ab 1942 seinen Wohnsitz in Lugano hatte, einige Anerkennung in der Schweizer Kunstszene ein. Höhepunkt war seine Einzelausstellung in der Galerie Europa in Biel, über die das Journal du Jura schrieb:
Corty starb am 22. April 1946 in Mendrisio. Die genauen Umstände liegen im Dunkeln. Tessiner Zeitungen sprachen von einem «plötzlichen» Ableben, die Libera Stampa präzisierte, der Genuss «kalter Getränke» habe bei ihm eine «Kongestion» ausgelöst und er sei von seinem Arzt ins Städtische Spital Lugano geschickt worden, von wo aus man ihn in die Neuropsychiatrische Klinik in Mendrisio verbracht habe. Dort habe er einen «schweren Nervenzusammenbruch» erlitten und sei daraufhin verstorben.C. B. Corty. In: Libera Stampa. 25. April 1946, S. 3 (online).
Giuseppe Foglia widmete Corty einen Nachruf im Corriere del Ticino.Giuseppe Foglia: Vita, dolore e morte di Corty. In: Corriere del Ticino. 7. Mai 1946. Am 12. Oktober 1946 eröffnete die «Ghilda del Libro» (Büchergilde) in Lugano eine Retrospektive auf sein Werk.Mostra retrospettiva del pittore Giovanni Corty. In: Libera Stampa. 9. Oktober 1946, S. 3 (online). Der Präsident Aldo Patocchi hielt zu diesem Anlass eine ehrende Rede.La mostra Corty alla Ghilda. In: Libera Stampa. 14. Oktober 1946, S. 3 (online).
Werke (Auswahl) Cortys klein- und mittelformatige Gemälde zeigen zumeist Veduten oder Szenen aus der Arbeiterwelt, auch religiöse Themen kommen vor. Beherrschende Motive seines Tessiner Spätwerks sind die Rückkehr nachhause und die Mühsal der Arbeit. Typisch expressionistisch sind die Verzerrung der Formen und die Verwendung befremdlicher Farben. Bemerkenswert sind auch seine Zeichnungen.
Museo Villa dei Cedri, Bellinzona Weiblicher Akt, 1942, Bleistiftzeichnung, 28 × 66 cm Figuren, 1944, Kohlezeichnung, 74 × 48 cm
Museo d’arte della Svizzera italiana, Lugano Agno, 1941, Öl auf Leinwand, 52 × 39 cm Rückkehr in der Dämmerung, 1942, Öl auf Holz, 18 × 13 cm Ligornetto, 1943, Öl auf Leinwand, 65 × 65 cm Kohle- und Bleistiftzeichnungen
Museo d’arte Mendrisio Unterhaltung, 1942, Bleistiftzeichnung, 21 × 15 cm
Galerie
Literatur Pietro Salati: Il pittore Corty. La vicenda umana, l’evoluzione artistica. Aurora, Canobbio 1974. Dalmazio Ambrosioni: Jean Corty. Artista europeo. Galleria d’arte La Colomba, Lugano 1987. Gianfranco Bruno: Jean Corty 1907–1946. Galleria d’arte La Colomba, Lugano 1992. Michele Ferrario (Hrsg.): Jean Corty. Museo d’arte Mendrisio, Mendrisio 1998 (Ausstellungskatalog). Gianfranco Bruno: Jean Corty (1907–1946). Un espressionista svizzero. Dipinti e disegni. Galleria Ceribelli Albini, Mailand 2001. Giuseppe Curonici: Jean Corty. 26 disegni. 5 dipinti. Galleria Mosaico, Chiasso 2002. Michele Ferrario (Hrsg.): Jean Corty (1907–1946). Museo Plebano, Agno 2007.
Weblinks
Werke in der Sammlung des MASILugano Giovan Battista «Jean» Corty, Sendung von RSI, 30. April 1976
Einzelnachweise
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